The New Roses: Laut, rockig, draufgängerisch

Wie stellt man sich das Erscheinungsbild einer echten Hard-Rock-Band vor? Richtig: Lange Haare und tiefhängende Gitarren. Selbst wenn es nur danach geht, überzeugen The New Roses schon, zum Glück ist die Musik genauso vielversprechend.

Zugegeben, Wiesbaden klingt eigentlich nicht gerade nach einer Rockerhochburg. Dass das zweite und dritte Album der Band beim Metal-Label Napalm Records erschienen ist, rückt das Bild dann aber wieder gerade. Mit dieser prominenten Rückendeckung, massenhaft Live-Shows und Featurings in Sendungen wie Sons of Anarchy, haben The New Roses schon einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht und man kann gespannt sein, was noch kommen mag. Die musikalische Fachwelt ist sich jedenfalls einig: Diese Jungs werden noch richtig groß.
Musikalische Vorbilder sind, man ahnt es schon, Guns n‘ Roses aber auch Größen wie AC/DC oder Aerosmith. Wie ihre Idole verstehen es auch die New Roses mithilfe von kratzigen Stimmen, schnellen Soli und keiner falschen Sparsamkeit in Sachen Overdrive, jene aufregende Art Rockmusik zu machen, bei der selbst ein Glatzkopf Lust auf Headbanging bekommt.

Fazit: Bei The New Roses dauert es vermutlich nicht mehr lange, bis sie in aller Munde sind. Laut Aufdrehen ist angesagt!

Ein herzliches Dankeschön geht an Geri von Geris Filmkritik für den Tipp!
Auch eine Musikempfehlung? Schreib mir gerne über das Kontaktformular.

Links: http://www.thenewroses.com/band.html

Sunrunners: echter Rock mit ein bisschen Elektronik

Indie-Rock, Pop und hier und da ein paar psychedelische Klänge, aber nicht ganz so viel, dass man schon wirre bunte Farben und abgedrehte Muster vor sich sieht. So klingen die Songs von den fünf Sunrunners.

Die in San Francisco beheimatete Band hat bereits 2012 eine EP und ein Album im Jahre 2014 auf den Markt gebracht. 2017 erschienen ist die Single Tokyo. Bei allen Titeln ist ein Faible der Gruppe für Gitarren- und Keyboardeinwürfe im hohen Tonbereich sowie für elektronisch erzeugte Sci-Fi-ähnliche Effekte erkennbar. Ganz fantastisch eingeflochten wird außerdem das Xylophon, das oft kaum merklich auftritt, dann aber enorm die Stimmung beeinflusst. Überhaupt strahlen die Songs von Sunrunners meist eine Art laid-back-Atmosphäre aus, für die neben der Gitarre vor allem die relaxten Rhythmen im Schlagzeug verantwortlich sind.

Fazit: Sunrunners treten durch verträumte Texte, rockige – obwohl manchmal etwas eigenartige – Musik aus der Masse hervor. Sänger und Texter Stephen Loase ergänzt die Konstellation perfekt.

Ich wünsche allen LeserInnen ein frohen und gesundes Jahr 2018!

Links: http://www.sunrunnersband.com/#music
https://www.last.fm/music/Sunrunners

 

Sympathischer Folk-Rocker mit einer Spur Pessimismus

Der Singer-Songwriter Mick Flannery macht die Art von Musik, die einen berührt und leicht melancholisch aber auch mit schönen Melodien im Kopf zurücklässt.

Flannery textet und komponiert alle Lieder seiner bisher vier Alben selbst; musikalisch geprägt werden die Titel vor allem von seiner wehmütigen, klagenden Stimme. Sowohl für die sanften Balladen als auch für die fetzigen Folk-Rock-Songs finden Flannery und seine Band im Regelfall eine außerordentlich passende Instrumentation aus Gitarre, Bass/Kontrabass, Schlagzeug, Klavier, Geige oder anderen Instrumenten.
In seiner Heimat Irland wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet und gerade seine neuesten beiden Alben waren von größeren Verkaufserfolgen gekrönt. Sich selbst bezeichnet Mick Flannery als eher introvertierten Menschen mit starkem Lampenfieber vor Auftritten.

Fazit: Mick Flannerys Alben eignen sich für einen ruhigen Abend, sind schön anzuhören und verströmen immer auch ein wenig Seelenschmerz.

Links: https://www.independent.ie/entertainment/qanda-mick-flannery-26583867.html

http://www.mickflannery.com/

 

Etwas Ruhiges für die Weihnachtszeit (Pt. 3, Carol Jarvis)

Nur noch eine Woche bis Heiligabend und trotz allgegenwärtiger Glühweinstände und kitschiger Beleuchtung keimt noch immer nicht genug Weihnachtsstimmung auf? Um nicht gezwungenermaßen doch zu „All I Want for Christams Is You“ oder gar zu Justin Biebers Weihnachtsalbum greifen zu müssen, werde ich im Dezember verschiedene Alben mit eher ruhigen Titeln vorstellen, die sich anbieten, um in Weihnachtsgefühlen zu schwelgen und dabei den typischen Dauerbrennern wenigstens teilweise zu entgehen. Weiter geht’s mit Teil Drei: Smile von Carol Jarvis

Die Posaunistin Carol Jarvis ist 40 Jahre alt, Absolventin eines Studiums am britischen Royal Northern College of Music und inzwischen Dozentin am Trinity Laban Conservatoire of Music in London. Neben ihrem herausragenden Spiel auf der Posaune, spielt sie außerdem Keyboard, singt Backings, arrangiert und ist in verschiedenen anderen musikalischen Bereichen aktiv. Zusammengearbeitet hat Jarvis im Laufe ihrer Karriere unter anderem mit dem London Symphony Orchestra, Seal und Sting.
Auf ihrem Studioalbum Smile finden sich Interpretationen von Jazz-Klassikern wie „Night and Day“, „How High the Moon“ und „Caravan“, in denen Jarvis in beeindruckenden Höhen spielt und das jazzige Feeling besonders gut mit ihren weichen Tönen einzufangen vermag.
Der Erlös des Albums geht an die Organisation Macmillan Cancer Support. Bei Jarvis selbst wurde im Jahr 2004 Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert und sie hat sich seitdem diversen Behandlungen unterzogen.

Fazit: Carol Jarvis spielt wunderschöne Töne auf ihrem Instrument und stellt im Jazz ebenso wie in der Klassik ihr Können unter Beweis.

Ich wünsche allen LeserInnen eine besinnliche Adventszeit!

Links: http://www.caroljarvis.com/

Etwas Ruhiges für die Weihnachtszeit (Pt. 2, Lee Fields)

Nach elf Tagen Türchenöffnen mal wieder Lust auf etwas anderes als Händels Messias? Wenn schöne, melodiöse Musik als Untermalung für Plätzchenbackaktionen und Wohnungschmücken gebraucht wird, findet man stattdessen oft viel Kitsch. Aus diesem Grund werde ich im Dezember verschiedene Alben mit eher ruhigen Titeln vorstellen, die sich anbieten, um den weihnachtlichen Dauerbrennern wenigstens teilweise zu entgehen. Hier kommt Teil Zwei: Special Night von Lee Fields & The Expressions

Seit über vierzig Jahren ist Lee Fields aus North Carolina auf amerikanischen Soul- und R&B-Bühnen zu sehen. Die ersten seiner vielen Alben hat Fields in den 60er und 70er Jahren mangels eines Plattenvertrags über ein selbstgegründetes Label herausgebracht. 2016 erschienen ist sein neuestes Album, Special Night. Es ist voller klassischem Soul aus tollen Musikern von seiner Band The Expressions, wehmütigen Texten und einer herzergreifenden Art zu singen. Oft verglichen wird Fields mit Soul-Legende James Brown, sein Spitzname Little JB ist also selbsterklärend.

Fazit: Lee Fields und seine Band machen so authentische Soul-Musik, dass sie einen in der Zeit zurückversetzen.

Ich wünsche allen LeserInnen eine besinnliche Adventszeit!

Links: http://www.laut.de/Lee-Fields
https://www1.wdr.de/fernsehen/rockpalast/bands/ueber-lee-fields-102.html

Etwas Ruhiges für die Weihnachtszeit (Pt. 1, Villagers)

Pünktlich zum ersten Advent schon die Nase voll von Last Christmas? Wenn schöne, melodiöse Musik als Untermalung für Plätzchenbackaktionen und Wohnungschmücken gebraucht wird, findet man stattdessen oft viel Kitsch. Aus diesem Grund werde ich im Dezember verschiedene Alben mit eher ruhigen Titeln vorstellen, die sich anbieten, um den weihnachtlichen Dauerbrennern wenigstens teilweise zu entgehen. Los geht’s mit Teil Eins: {Awayland} von Villagers.

Singer-Songwriter Conor O’Brien gründete Villagers 2008 in Irland nachdem sich seine vorherige Band trotz der sie hochlobenden Medien aufgelöst hatte. Unterstützt wird Sänger und Gitarrist O’Brien aktuell von einem Bassisten, einem Keyboarder, einem Schlagzeuger und Flügelhornisten sowie einer Harfinistin. Merkmale von Villagers Musik sind vor allem die etwas melancholischen aber reibungslosen Harmonien, die sehr präsente Akustikgitarre und die unbeschwert anmutende hohe Stimme O’Briens, obwohl die Lyrics meist eher das Gegenteil einer heilen Welt suggerieren. In den Tracks kommt jeder Musiker zum Zug, und doch ist die Musik eher zurückhaltend ruhig.
Insgesamt vier Alben hat die Indie-Folk-Gruppe bis heute veröffentlicht, {Awayland} entstand 2013 und wurde prompt zum Irish Album of the Year gekürt. Auch die anderen Alben wurden mit Auszeichnungen versehen und erhielten mehrheitlich positive Kritiken.

Fazit: {Awayland} von Villagers ist eine Zusammenstellung milder, harmonierender Klänge, die sich sehr schön als Hintergrundmusik eignen.

Ich wünsche allen LeserInnen eine besinnliche Adventszeit!

Links: http://www.wearevillagers.com/

William’s Orbit: Gitarrenrock mit Ohrwurmpotential

2012 kamen vier eingeschworene Rockfans in Weiden zusammen und gründeten eine Band mit dem spannenden Namen William’s Orbit. Im Eiltempo ging es über hunderte Konzerte, Tour mit Bluesman Jesper Munk, den ersten Platz beim Newcomer Contest Bayern und eine Crowdfunding-Kampagne fürs erste Album, deren Ziel innerhalb von sagenhaften zwei Tagen erreicht wurde, immer weiter nach oben – bis im März diesen Jahres leider, leider eine Bandpause auf unbestimmte Zeit bekanntgegeben wurde. Ihre Musik lässt sich aber natürlich trotzdem weiter aufdrehen.

Die Songs von William’s Orbit sind gitarrenlastig und gewinnen vor allem durch die raue Stimme des Sängers. Hört man bei der Debüt-EP Eurydice noch eine deutlichere Experimentierfreudigkeit mit hin und wieder sanften Klängen und Akustikgitarren, so merkt man bei Platte Nummer zwei ein selbstbewusstes Angekommensein in der alternativen Rockmusik. Once ist voll von Gitarrenriffs und lauten Akkorden.

Fazit: Dass in nächster Zeit eher keine neuen Aufnahmen von William’s Orbit zu erwarten sind, ist auf alle Fälle schade, schließlich ist die Musik vollgeladen mit griffigen Melodien, tollen Instrumentalparts und einer Stimme mit Wiedererkennungswert.

Links: https://www.br.de/puls/musik/bands/williams-orbit-vorgestellt-102.html
https://www.backstagepro.de/williamsorbit

Reggea auf französisch?!

Dass Reggea nicht nur auf englisch mit jamaikanischem Akzent möglich ist, beweisen die Mitglieder von Kana, einer überzeugten Reggeaband aus Frankreich.

Die Texte von Kana sind dabei hauptsächlich in ihrer Muttersprache geschrieben, nur vereinzelt finden sich auch Titel auf englisch, portugiesisch oder spanisch auf ihren vier veröffentlichten Alben. Der bekannte Off-beat-Rhythmus des Genres lässt auch bei Kanas Songs niemanden kalt und Sprache bewirkt, dass man mit einem akzeptablen Schulfranzösisch ungefähr ähnlich wenig versteht, wie mit fließenden Englischkenntnissen bei original jamaikanischen Sängern. Die Stimmung ist dabei trotz der untypischen Sprache ausgesprochen stilecht.
Interessant ist außerdem, dass sich die Band bereits zu Experimenten hinreißen ließ, wie dem Neuinterpretieren des Chansons „La Tendresse“ von Bourvil auf ihre eigene Art und Weise, was den ZuhörerInnen auch gut ein amüsiertes Lächeln aufs Gesicht zaubern kann.

Fazit: Kana machen Laune und versprühen das reggeatypische Gefühl von Freiheit und Unbekümmertheit.

Links: http://www.reggae.fr/lire-article/2642_Kana-Internacional.html

Sanfte Klänge aus Westafrika

Eine Kora ist ein harfenähnliches afrikanisches Saiteninstrument. Traditionellerweise ist das Erlernen der Kora nur in speziellen Musikerfamilien üblich und wird dort von der älteren Generation an die männlichen Nachkommen weitergegeben. Eine der wenigen professionellen weiblichen Kora-Spielerinnen ist Sona Jobarteh, eine Künstlerin aus London mit Wurzeln in einer solchen Musikerfamilie.

Jobartehs Spiel auf dem großen, klobigen Instrument ist gekonnt und der Klang ist angenehm und voller Wärme. Eine tolle Atmosphäre entsteht in Jobartehs Liedern auch durch den vielfachen Einsatz von verschiedenen Trommeln, Schlagzeug und Percussion.
Die studierte Musikerin besticht außerdem mit ihrer klaren, sanften Stimme, die den spannenden Instrumenten aber nicht die Show stiehlt. Als Gegenpol zu der sonst oft gehörten Hektik in Musikstücken lösen Jobartehs Lieder eher ein Gefühl innerer Ruhe aus.

Fazit: Jobarteh beherrscht ein interessantes Instrument, singt herausragend und ihre Musik wird durch eine tolle Band vervollständigt.

Links: http://www.sonajobarteh.com/

 

Mit der Jazz-Gitarre mal ohne Sting unterwegs

Eigentlich stellt dieser Künstler im Konzept von unterm Radar eine gewaltige Ausnahme dar. Er ist nämlich alles andere als unbekannt. Dominic Miller hat schon mit verschiedensten Größen zusammengearbeitet und ist seit zwei Jahrzehnten auch solistisch unterwegs, am besten kennt man ihn jedoch als Gitarristen des großartigen Musikers Sting. Mainstream allerdings ist Miller auf keinen Fall und so ist es wohl ein vertretbarer Tabubruch, hier über ihn zu schreiben. Soviel also als Vorwort.

Dominic Miller, in Argentinien geboren und in den USA und Großbritannien aufgewachsen, kam zwar erst mit 15 Jahren zur Gitarre, mit seinem Talent war das späte Einstiegsalter aber anscheinend kein Problem. Seit 1991 ist er an Stings Seite auf der Bühne zu sehen und ist für bekannte Gitarrenmelodien bei Klassikern wie dem fantastischen „Shape Of My Heart“ verantwortlich.
Abgesehen davon hat Miller inzwischen auch ein Dutzend Soloalben herausgebracht, auf denen er sich in verschiedenen Stilen ausprobiert. Dieses Jahr erschienen ist seine neueste CD Silent Light. Schon der Titel lässt einen aufhorchen und erzeugt so eine wunderbare Mischung aus Bekanntem und Rätselhaftem. Miller bewegt sich hier hauptsächlich im Jazz, teilweise auch im Latin und besticht mit gleichermaßen ruhigen wie virtuosen Kompositionen. Besonders ist an dieser Aufnahme, dass die einzelnen Tracks tatsächlich nur mit Miller an der Akustikgitarre und einem Percussionisten eingespielt wurden und so trotz der Komplexität einiger Melodien mit den vielen wiederkehrenden Bausteinen fast minimalistisch anmuten.

Fazit: Dominic Miller gehört zu den absoluten Großmeistern der heutigen Zeit. Silent Light beweist technische Fähigkeiten, musikalisches Einfühlvermögen und einen besonderen Sinn für einfache Schönheit.

Links: https://www.ndr.de/ndrkultur/Dominic-Miller-Silent-Light,audio326476.html