Ferge X Fisherman: Smoother Hip Hop

Bei Ferge X Fisherman aus dem Frankenland treffen elektronisch produzierter Hip Hop auf Jazz-Band-Coolness.

Hinter Ferge X Fisherman stehen Rapper Fritz Fisherman und Produzent Ferge. Die beiden Nürnberger kennen sich aus ihrer Jugend – 2009 entstand ihr erster gemeinsamer Track. Ende Mai erscheint schließlich das in den Staaten aufgenommene Debut-Album Blinded By The Neon. Ganz frisch gibt es mit „Backstage“ und „Role“ auch schon zwei Album-Vorboten. Live wird es schön jazzig mit ihrer Band Lakesideboys als Backup-Truppe, die Tour steht für diesen Herbst auf der Agenda.
Ferge X Fisherman bewegen sich zwischen Jazz, Soul und Hip Hop. Rapper Fishermans coole Art funktioniert wunderbar mit der laid-back-Stimmung der Musik. Sanfte Beats und elektronische Produktion legen die Basis für smoothe Fills, die neue Single wartet mit souligen Backing-Vocals auf.

Fazit: Ferge X Fisherman machen Hip Hop ohne viel Aufregung. Durch ihre Songs zieht sich eine besondere Schwingung – manchmal fast minimalistisch setzen sie Effekte gekonnt und besonnen ein.

Mykket Morton: Soundmix auf eigene Faust

Kassel, 2016, Kleinstadtromantik und mittendrin vier Jungs mit Cello, Gitarre, Bass und Schlagzeug – das ist die Geschichte von Mykket Morton. Schon der schwedisch-englisch-deutsche Name („mycket-mor(e)-ton“ = sehr viel mehr Ton) lässt auf einen besonderen Soundmix schließen. Der möchte sich genremäßig in keine Schublade stecken lassen und lieber irgendwo zwischen Indie, Folk, Ska und Swing ein eigenes Ding machen.

Vor vier Jahren nahmen Claudio, Philipp, Julian und Marc ihr Debütalbum New World auf und gründeten für die Veröffentlichung kurzerhand das Label Viel Mehr Ton. Als „work in progress“ beschreiben sie ihre Musik: unperfekt, unpoliert, ehrlich, authentisch. Die stürmisch-wechselhafte Klangfarbe nimmt man den Jungs ab – auch mit Chorbegleitung beim Gig in der Waldorfschule.
Was als Projekt zweier Kindergartenfreunde begann, ist längst zu größeren Narrativen geworden. Die selbstgeschriebenen Texte erzählen vom Lieben, Scheitern und von Erfahrungen, in denen man auch immer wieder sich selbst finden kann. Das passiert manchmal rockig, manchmal traurig, aber immer tanzbar. Mykket Morton schaffen es, diese Geschichten auch audiovisuell künstlerisch zu verarbeiten. Der Clip zu „Stranger“ zieht den Betrachtenden etwa auf melancholisch-beschwingte Weise in ein kleines Nussschalenboot umgeben vom Wellengang. Wechsel in der Rhythmik bauen zusammen mit dem Fokus auf Gesang, Gitarre und Percussion eine Spannung auf, die unbeschwert daherkommt. In verschiedenen Tracks stellen die vier zugleich unter Beweis, wie gut sich Mehrstimmigkeit anhören kann. Die facettenreichen Klänge harmonieren und erzeugen Energie, Tiefe und Komplexität.

Fazit: Wer wissen will, wie sich Spontanität und Lebensfreude in Tönen anhört, der ist bei Mykket Morton mit ihrem neuen Lied „Where I Go“ an der richtigen Adresse. Sehr sympathisch auch Philipps Bericht, den er mit Nutellabrot im Mund abgibt: „Wir haben einen neuen Song gemacht, der war eigentlich schon ganz geil. Und dann haben wir den dann doch komplett umgeschmissen. Und jetzt ist er noch geiler. Und haben dann gestern wirklich sehr, sehr spät mal hemmungslos zu diesem Song getanzt. Wir mussten einfach mal tanzen.“ Der Platz außerhalb der Schubladen – so mühselig er manchmal ist, Spaß machen muss er auf jeden Fall.

Autorin:

Clara Hümmer

In eigener Sache: Musik unterm Radar auf Instagram!

Wir haben heute mit Instagram einen neuen Kanal dazubekommen, auf dem wir euch von jetzt an auf dem Laufenden halten wollen! Dort findet ihr ab sofort jede Menge Fotos von spannenden Bands, Schnappschüsse von Konzerten (sobald die wieder problemlos möglich sind, versteht sich) und ab und an auch mal einen Blick hinter die Kulissen…

Wie ihr seht, gibt es bei der Zahl der Abonnenten noch ein bisschen Luft nach oben. Wenn es euch hier vielleicht also eh ganz gut gefällt und ihr Lust habt, uns zu unterstützen, dann freuen wir uns darauf, euch drüben zu sehen!

Bis dahin!
Eure Musik-unterm-Radar-Redaktion

Mal Élevé im Interview: „Wir müssen jetzt an alle denken“

Als Jugendlicher war Mal Élevé (zu deutsch: „schlecht erzogen“) Punk, später dann Sänger von Irie Révoltés. Jetzt musste der Musiker improvisieren, denn das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 stellt die Musikszene derzeit gehörig auf den Kopf. Nachdem die Releaseparty für sein erstes Solo-Album Résistance Mondiale nicht stattfinden konnte, sollte das Konzert von einem Kameramann gefilmt und live übertragen werden. Allerdings: Der Kameramann musste plötzlich selbst in Quarantäne – er hatte Kontakt zu einer infizierten Person gehabt. Auf eigene Faust streamte Mal Élevé das Konzert schließlich mit dem Handy. Im Interview sprach er über sein Konzert ohne Publikum, Hamsterkäufe und den Wunsch nach einer weltweiten Protestbewegung.

Musik unterm Radar: Im Moment gibt es überall nur ein großes Thema. Wie geht es euch Musikern mit den Einschränkungen durch das Virus?

Mal Élevé: Uns geht es natürlich allen ziemlich scheiße. So wie vielen Leuten gerade. Aber wir waren einfach mit die ersten, die betroffen waren – es fing ja mit dem Verbot von Großveranstaltungen an, das sind natürlich vor allem Konzerte. Meine Releaseparty musste abgesagt und die ganze Tour, die jetzt anstand, verschoben werden. Für uns, die Musik machen, ist es auf jeden Fall für das Live-Geschäft ziemlich beschissen.

Dein Releasekonzert hast du dann im Internet gestreamt. Wie fühlt es sich an zu wissen, dass einem gerade Leute zugucken, die man aber nicht sieht?

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Verlosung: 3x CD von Lina Button

| Die Teilnahmefrist für diese Verlosung ist bereits abgelaufen |

Das ist mal eine Stimme! Die Schweizer Musikerin Lina Button trifft einen Nerv. Am 3. April erscheint ihr neues Album Who’ll Be Here?
Schon vor der Veröffentlichung verlosen wir drei CDs der Sängerin.

Und so geht’s:

Für die Teilnahme einfach eine E-Mail mit der Betreffzeile Verlosung Lina Button 2020 an die Redaktion schicken. Schon landet dein Name im Lostopf! Ganz wichtig: In der E-Mail bitte unbedingt gleich Namen und Anschrift mitschicken! (Die Daten werden ausschließlich für die Verlosung verwendet und nach der Ermittlung der Gewinner gelöscht.)

Teilnahmeschluss ist der 2. April, 12 Uhr. Die Gewinner werden nach Ablauf der Frist benachrichtigt und erhalten ihr CD-Exemplar per Post.


Ein ausführliches Portrait zu Lina Button findest du hier.


Miss Pirate: Bedroom-Pop zum Relaxen

Miss Pirate aus Karlsruhe ist noch ganz frisch in der Musikszene. Mitte März hat sie ihre erste Single veröffentlicht.

Die Künstlerin Miss Pirate schreibt und produziert ihre Musik in Eigenregie. Auch wenn die Musikerin auf der Bühne steht, reicht ihr eine Gitarre und ihre Stimme. In ihren Texten traut sich Miss Pirate auch an die schwierigen Themen, singt zum Beispiel über psychische Erkrankungen.
Auf der Basis von elektronischen Beats baut sich die Musik vorsichtig auf. Ihre Melodien ergänzt Miss Pirate streckenweise mit zarter Mehrstimmigkeit. Leicht melancholisch, aber doch entfernt von echter Traurigkeit bekommt ihre Musik einen eigenen Charakter.

Fazit: Ohne gewollt nachdrücklich zu singen, erzeugt Miss Pirate eine besondere Atmosphäre. Ihre Melodien sind angenehm und leicht zu hören, obwohl sie sich in ihren Texten durchaus nicht nur mit leichter Kost auseinandersetzt.

Ghetto Royal: Hau-drauf-Rock

Ghetto Royal sind laut, massig im Klang und nicht gerade Kuschelrock.

Die Passauer Band um Frontmann Michael Ammon stand schon mit den Sportfreunden Stiller, Max Herre und Revolverheld auf der Bühne. Gerade veröffentlichen Ammon, Tobias Bumberger (Gitarre), Christina Gawlas (Bass) und Florian Höng (Drums) munter Single auf Single bis im Herbst die Veröffentlichung ihres ersten Albums auf der Agenda steht. Bis dahin soll auch noch mal getourt werden.
Zur Musik: Ghetto Royal dreschen geradezu nach vorne. Ohne Rücksicht auf Verluste und mit wenigen Verschnaufpausen wird mit treibendem Schlagzeug und jeder Menge Overdrive durch die Songs geheizt. Oben drauf gibt’s deutsche Texte und rockige Coolness.

Fazit: Leise hören kann man Ghetto Royal nicht. Deshalb: Laut aufdrehen und mit Karacho volle Kraft voraus.

Lina Button: moderner Synth-Pop

Am Pop-Himmel schimmert etwas: Lina Button aus der Schweiz ist auf dem Weg, die Musikszene zu verzaubern. Und das auf lässig-verspielte Weise und trotzdem mit Tiefgang.

Drei Alben hat Lina Button schon veröffentlicht und auf das vierte muss man auch nicht mehr lange warten: Anfang April erscheint Who’ll Be There? und bis dahin kann man sie in der Schweiz noch auf einer Handvoll Konzerten live sehen. Zweimal war die Musikerin schon für den Swiss Music Award nominiert, der Radiosender SRF 3 ernannte sie zum „Best Talent“.
Lina Button macht Gute-Laune-Pop. Aber nicht die oberflächliche Variante, die man gleich im Kopf hat. Button schleift Töne soulig an, sie kann durchdringende oder akustisch-sanftere Töne anschlagen, singt aber immer mit einem kräftigen Selbstbewusstsein, das sie durchaus zu Recht hat. Ihre Texte schreibt sie selbst und sie treffen sicher den Nerv ihrer Generation: Nachtwanderungen durch die Großstadt, Sehnsucht nach Freiheit, problematische Beziehungen.

Fazit: Ob akustisch oder elektronisch – Lina Button überzeugt auf ganzer Linie mit einer tollen Stimme.

Wodu: jazziger Indie mit Großstadt-Flair

Bei der Musik von Wodu wird man schnell hellhörig. Eine tolle Band mit einer tollen Sängerin an der Spitze jazzt und groovt sich durch Berlin und den Rest der Republik.

Hinter dem Namen Wodu verbergen sich Sängerin Natalie, Bassist Gabriel, Gitarrist Rizzi, Hendrik an den Drums und Hannah am Cello. Seit ihrer Gründung im Jahr 2015 haben die fünf einiges an Banderfahrung gesammelt: Zwei EPs sind entstanden, live waren sie neben Konzerten in ihrer Homebase Berlin auf verschiedenen deutschen Festivals zu sehen und auch europaweit waren sie schon auf Tour. Am 5. März veröffentlichen sie ihr erstes Album Wo sind wir denn? und feiern die Release gleich noch mit einem abendlichen Konzert in der Berliner Junction Bar.
Die Mitglieder von Wodu sind jeder für sich bemerkenswerte junge Musikerinnen und Musiker. Stimmlich überzeugt Sängerin Natalie mit viel Volumen und Power, die Gitarre stellt eine funkige Basis bereit, der Schlagzeuger fängt Atmosphäre ein und sorgt gemeinsam mit dem Bassisten für stabilen Drive. Besonders das Cello ist eine tolle Ergänzung der Jazz-Besetzung und bietet mit schönem Streich-Hintergrund einen entspannenden Gegenpol zu den kräftigen Sounds der Bandkollegen. Zwischendurch lässt sich die Combo außerdem von Bläsern Akzente setzen und in instrumentalen Phasen ohne Gesang kommen alle Instrumente zum Zug.

Fazit: Wo sind wir denn? ist eine absolute Empfehlung. Softer Jazz, funkige Akkorde, etwas junger Indie-Spirit – alles aber sehr eingängig, abwechslungsreich und alles andere als jazz-typisch verkopft.

  • Meilensteine:
    • 2016 EP Wodu
    • 2020 Debut-Album Wo sind wir denn? (VÖ 5.3.)
  • Umleitung:

Wir möchten wissen, ob euch Musik unterm Radar gefällt und was noch besser werden soll. Deshalb bitten wir um euer Feedback. (Hinweis: Falls die Umfrage nicht zu sehen ist, hier klicken.)

Brew Berrymore im Interview: „Wir haben keinen 3-Jahres-Plan, wir haben Spaß“

Benedikt Wagensonner ist Sänger der Regensburger Band Brew Berrymore. Ihre Indie-Synth-Pop-Rock-Mischung haben Benedikt, Maximilian Artinger (Keyboard, Synthesizer), Moritz Petschko (Bass, Backing Vocals), Daniel Brandhuber (Drums) und Robert Rauchnecker (Gitarre, Backing Vocals) „Alpaca Rock“ getauft. Wenn Brew Berrymore nicht gerade Musik machen, findet man sie in ganz verschiedenen Bereichen: im Studium (Wirtschaftsinformatik, Soziale Arbeit), als Psychologe in einer Justizvollzugsanstalt, als Dolmetscher für Spanisch oder als Kinderintensivpfleger. Oder sie schippern mit einem Kasten Bier im Kanu auf der Donau oder dem Regen.

Musik unterm Radar: Darf man sich eigentlich einfach so nach berühmten Menschen benennen, oder musstet ihr vorher um Erlaubnis fragen?

Benedikt Wagensonner: Das ist ein großes Missverständnis: Die Schauspielerin hat sich nach uns benannt! (lacht)

Nehmen wir an, du erzählst auf einer Party von eurer Band, wie beschreibst du dann eure Musik?

Ich würde wahrscheinlich eher den Live-Auftritt beschreiben. Wir versuchen einfach möglichst viel Spaß zu vermitteln, wir spielen auch komplett in Golden-Glitzer gekleidet, so 80er Stil. Wir machen einfach das, worauf wir Lust haben und das transportiert sich dann auch auf das Publikum. Die Leute sind meistens geflasht, wenn sie uns live sehen.

Wenn man sich eure aktuelle Single „Keep It In Your Mind“ anhört, kann man sich gar nicht so richtig entscheiden, ob die Stimmung eher euphorisch oder melancholisch ist. Was wollt ihr bei euren Hörerinnen und Hörern auslösen?

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