Nichts ist besser, als live dabei zu sein! Hier findest du Reviews von verschiedenen Konzerten. Fotostrecken gibt es oben drauf – so bist du fast mit im Raum…
Die großartige Zolani Mahola hat den Berlinerinnen und Berlinern als erstem Publikum überhaupt am Freitag ihr neues Album People Power in einer Listening Session plus Live-Performance vorgestellt. Mit dabei waren in der persönlichen Atmosphäre des Berliner Holzmarkts die Grammy-nominierte Produzentin Hannah V und der Produzent Aron, ehemalige Bandkollege Maholas. Dass das Album eine Herzensangelegenheit der Beteiligten ist, war in jedem Wort und jedem Song zu spüren.
Es ist wieder Fußball-WM, und als zyklisches Ereignis wie die Jahreszeiten bringt sie Erinnerungen mit sich. Zwar ist die Weltmeisterschaft in Südafrika nun schon sehr lange her, sechzehn Jahre sind es; ihr Sound ist aber weiterhin allgemein bekannt: „Tsamina mina eh eh…“. Damals sang Shakira den Hit „Waka Waka“ auf großer Bühne in Johannesburg bei der Eröffnungsfeier. Mit ihr auf der Bühne: eine der bekanntesten südafrikanischen Bands – Freshlyground – mit ihrer einzigartigen Sängerin Zolani Mahola.
So stellt der ehemalige Bandkollege und Keyboarder Zolani Maholas, Aron, die Sängerin am Freitagabend im Holzmarkt vor. Die beiden kennen sich schon lange, ihre Band Freshlyground gründete sich in Kapstadt Anfang der 2000er Jahre. Damals, so Aron, habe er Maholas Stimme während der Arbeit an einem Theaterstück gehört und wollte sie unbedingt für seine Band gewinnen. Daraus wurden lange Jahre gemeinsamer künstlerischer Arbeit und, wie man an diesem Abend unschwer erkennen kann, eine enge Freundschaft.
Ihren Durchbruch hatten Freshlyground 2004 mit dem Album Nomvula, auf dem besonders bekannte Tracks wie „Doo Be Doo“ oder der gleichnamige Titelsong zu finden sind. Internationale Bekanntheit erlangten sie durch Co-Writing und -Performing des WM-Songs „Waka Waka“, der übrigens auf einem alten kamerunischen Song beruht, mit dem kolumbianischen Weltstar Shakira.
ENGIN machen auf ihrer „Sag mir Almanya“-Tour Halt in der Kölner Kantine, und der gut gefüllte Veranstaltungsort platzt an diesem Freitagabend mit rund 900 Menschen fast aus allen Nähten. Sie alle haben sich entschieden, den Frühsommerabend nicht im Biergarten, sondern zwischen schwarzer Bühne, Betonwänden und dichter Atmosphäre zu verbringen und haben damit eine gute Wahl getroffen.
Für ENGIN ist es der 29. Termin einer Tour, die das Trio quer durch Europa bis in ihre Heimat Mannheim führt und Köln zu einem Knotenpunkt zwischen Sprachen, Szenen und Biografien macht. Schon der Einstieg zeigt, dass die Band an diesem Abend eher auf Atmosphäre als auf schnelle Effekte setzt. „Bu Gece Kül Oldum“ beginnt langsam, fast schwebend. Weniger ein klassischer Opener mit großem Knall als vielmehr ein behutsames Eintauchen.
Die türkischen Zeilen über verlorene Wärme und eine Nacht, in der man zu Asche wird, hängen sofort im Raum. Die Band steht im Halbdunkel, der Sound ist warm und dicht, die Stimmen im Publikum werden leiser. Hier passiert nichts nebenbei.
Das Publikum spiegelt ziemlich genau das wider, worum es ENGIN geht. Neben Menschen, die jede türkische Zeile mitsingen, stehen viele, die die Band über TikTok entdeckt haben, ebenso wie Besucherinnen und Besucher mit Bezug zum Anadolu Rock und zu Namen wie Barış Manço. Zwischen ihnen entsteht ein stilles Einverständnis: Man kommt aus unterschiedlichen Richtungen, teilt aber diesen Raum.
Musikalisch liefert das Trio eine konzentrierte, souveräne Show. Engin Devekiran (Gesang, Gitarre), Jonas Stiegler (Schlagzeug) und David Knevels (Bass) verbinden Indiepop, Rock und anatolische Einflüsse zu einem organischen Sound. Die Songs wechseln mühelos zwischen Deutsch und Türkisch, mal poppig, mal psychedelisch und mit klarer melodischer Linie.
Bei ENGIN aus Mannheim mischen sich Einflüsse von psychedelischer Musik mit Sounds türkischer Künstler der 60er- und 70er-Jahren. Das ergibt einen spannenden Mix aus E-Gitarren, groovigen Rhythmen und einer ganz eigenen Stimmung.
Mit „Şeker“ kommt früh ein erster Höhepunkt. „Du bist Şeker, doch du tust mir nicht gut“ sitzt sofort, der Refrain wird zum gemeinsamen Ohrwurm. Live kippt der Song stärker in Richtung Indie-Rock, der Bass treibt, das Schlagzeug setzt Akzente. Man versteht schnell, warum die Band als Social-Media-Phänomen zwischen Deutschland und der Türkei gilt.
Zwischen den Songs wird Devekiran zum Erzähler. Anekdoten über Mehmet Abi aus Mannheim, über den „Kiosk Yüksel“, über Scrollen, Dopamin und das Gefühl, ständig woanders zu sein, verbinden die Stücke zu einem lockeren Bogen. Statt Beiwerk sind die Geschichten Teil des Konzepts: ENGIN erzählen konsequent vom Dazwischensein.
Der Titelsong „Sag mir Almanya“ verdichtet diesen Ansatz. „Frust, Wut, Angst zwischen Çay und Champagner“ hallt durch die Kantine, und als Devekiran singt „Almanya, bitte bitte geh in Therapie“, mischt sich Lachen mit Wiedererkennen. Der Satz „Dieser Raum ist Almanya“ wirkt hier nicht wie eine Metapher, sondern wie eine Beschreibung des Publikums selbst.
Im letzten Drittel wird es stiller. „Gurbet“, ein Lied über das Leben in der Fremde, wird zum emotionalen Zentrum. Wenn Zeilen über Istanbul, Karlsruhe und zu kleine Koffer erklingen, verändert sich die Stimmung spürbar. Man sieht Tränen, hört Stille, spürt ein schwer greifbares Heimweh, das auch ohne Sprachkenntnisse funktioniert.
Genau hier zeigt sich die Stärke von ENGIN: Sie machen Identität und Heimat erfahrbar – über Klang, Präsenz und Publikumsnähe. Wer eigene Bezüge zur Migration hat, hört mehr, aber auch ohne sie bleibt die emotionale Wirkung klar.
Kurz vor dem Ende fliegen Einwegkameras ins Publikum. Statt perfekter Social-Media-Bilder für den Feed entstehen analoge Schnappschüsse.
Am Ende steht eine verschwitzte, aufgeladene Kantine voller Menschen, die sichtbar bewegt nach Hause gehen. ENGIN spielen einen dichten, präzisen Abend – musikalisch klar, emotional offen und mit Haltung. Für Köln wird „Almanya“ für ein paar Stunden greifbar. Und genau das bleibt hängen: dass man diesen Raum vielleicht sogar etwas anders verlässt, als man ihn betreten hat.
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„Have I Lost My Magic?”, fragt sich To Athena in ihrem letzten Album. Die Antwort darauf ist einfach, denn beim Hören ihrer Kammerpopsongs samt neunköpfigem Oorchester wird man auf magische Weise in den Bann gezogen.
Die Subgenres der elektronischen Musik sind unzählig, von klassischem Techno über Trance bis hin zu experimentelleren Sounds. Ein Künstler, der das alles in nur einer Person vereint, ist LB aka LABAT.
Den Berlinerinnen und Berlinern hat die großartige südafrikanische Musikerin Zolani Mahola als erstem Publikum überhaupt am Freitag ihr neues Soloalbum vorgestellt.
Bei ENGINs Konzert in Köln platzt die Location aus allen Nähten. Neben Menschen, die jede türkische Zeile mitsingen, stehen viele, die die Band über TikTok entdeckt haben, ebenso wie Fans von Anadolu Rock.
„We decided to destroy our voices tonight!” Das Grunge-Trio The Jins aus Vancouver findet in der Neuen Zukunft in Berlin einen schweißtreibenden, kompromisslosen Tourabschluss. Dabei muss auch das ein oder andere Kleidungsstück dran glauben.
„We decided to destroy our voices tonight!” Das Grunge-Trio The Jins aus Vancouver findet in der Neuen Zukunft in Berlin einen schweißtreibenden, kompromisslosen Tourabschluss. Dabei muss auch das ein oder andere Kleidungsstück dran glauben.
Das Publikum ist geteilt in zwei Altersgruppen: Einerseits sind es solche, die vermutlich über den leichtgängigen und authentischen TikTok-Auftritt der Band auf das Konzert aufmerksam geworden sind. Andererseits sind da diejenigen, die nostalgisch das Revival des 90er-Jahre-Grunge zu erleben hoffen.
Beide Gruppen (und auch alle anderen in der Crowd) werden an diesem Abend auf ihre Kosten kommen. The Jins nehmen die Spannung, die die Vorband Ganser durch ihre, verzerrten, stellenweise ambienthaft-flächigen Sounds und die verheißungsvollen Töne erzeugt hat, direkt mit und starten energiegeladen und lässig zugleich in den letzten Gig ihrer Europa-Tour.
Die Tuareg-Band Tinariwen kam am vergangenen Donnerstag für ein Konzert nach Berlin. Nischig? Auf keinen Fall. Huxley’s Neue Welt war ausverkauft, und die Atmosphäre im Saal ließ für anderthalb Stunden vergessen, dass sich vor der Tür die Hasenheide und nicht die Weite der Sahara befand.
Die Schlange vor dem Berliner Konzertort Huxley’s Neue Welt ist an diesem Abend besonders lang und etliche Menschen sind noch auf der Suche nach letzten Tickets für das Konzert der Band Tinariwen. Deren Mitglieder gehören dem Nomadenvolk der Tuareg aus der Sahara an und ihre Musik steht in der Tradition dieser seit Tausenden von Jahren bestehenden Kultur. Seit einiger Zeit schon ist das Konzert komplett ausverkauft – das letzte der Band in Berlin ist sieben Jahre her.
Schon während des Sets des Support-Acts Sulaf, einer sudanesischen Sängerin, die die Band auf dieser Tour begleitet, ist der Raum komplett gefüllt. Als die Sängerin das Publikum animiert, einen sudanesischen Gesang anzustimmen, ist die Menge ohne zu zögern am Start.
Das stimmt schon mal ein auf die Atmosphäre, die Tinariwen dann auf die Bühne bringen: Zu siebt stehen sie auf der Bühne, allesamt in traditioneller Kleidung inklusive Chèche, einer Kopfbedeckung die, anders als ein Turban, sowohl Kopf als auch Gesicht mit Ausnahme der Augen bedeckt. In der Mischung mehrerer Gitarren, Bässe, verschiedener Gesänge und eines stetigen Trommelrhythmus im Hintergrund entfaltet sich das ganze, gemeinschaftsbewegende Potential der Klänge.
Die Crowd ist von Sekunde eins an am Start beim Konzert der Punkerinnen Grandmas House. Das Quartett aus Bristol durchdringt den Berliner „Schokoladen“ mit rohen Sounds und fürsorglicher Verletzlichkeit.
Witz und Fürsorge statt Rockstar-Gehabe: Grandmas House brauchen im Schokoladen keine große Pose, um die Crowd für sich zu gewinnen. Stattdessen entsteht vom ersten Moment an eine nahbare und energiegeladene Atmosphäre.
Schon die ersten Worte, die die Lead-Sängerin Yasmin Berndt an das Publikum richtet, zaubern ein Grinsen auf die Gesichter, das bis zum letzten Song anhält. „Eigentlich wollten wir nochmal von der Bühne und dann wiederkommen, aber wo wir schon mal hier sind, bleiben wir besser einfach da.“
Konzerte sind immer Orte kollektiven musikalischen Erlebens, aber selten sind sie so mitreißend wie bei Femi Kuti. Die Bühnenenergie, das Zusammenspiel der Band, und auch die politischen Inhalte seiner Tracks schaffen in der Kombination eine unvergleichbare Stimmung.
An diesem Mittwochabend ist es noch hell, als der Heimathafen in Berlin-Neukölln seine Türen öffnet: Femi Kuti und seine Band The Positive Force werden hier heute Abend zum Konzert im Rahmen von Kutis “Journey Through Life”-Tour erwartet. Vor der Venue mischen sich Menschen allen Alters und man hört unzählige unterschiedliche Sprachschnipsel im Eingangsbereich.
Als es im Raum dunkler wird, treten erst die Band und die Tänzerinnen (eine davon Kutis Ehefrau) auf die Bühne, bevor der 63-jährige schließlich gut gelaunt und mit erstaunlicher Ausstrahlung erscheint. Nachdem die Band zu spielen beginnt, überträgt sich Femi Kutis Energie innerhalb von Sekunden auf das Publikum. Der gemeinsame Groove der Menge bleibt das knapp zweistündige Set über durchweg bestehen.
Die enorme Kraft und energetische Atmosphäre, die Kutis Auftritt mit sich bringen, mögen auch am Genre liegen: Afrobeat ist eine Musik des Rhythmus, des Funk und des Grooves, die ihre Kraft auch aus den Inhalten zieht und zugleich politisches Zeitgeschehen und soziale Missstände kommentiert. Treffender könnte nicht sein, dass der Vater des Afrobeat, die nigerianische Musiklegende Fela Kuti, Femi Kutis Vater ist. Fela Kuti begründete durch seinen Musikstil, der Jazz und Funk mit westafrikanischen Rhythmen und Highlife-Elementen verbindet, und dabei sehr politisch ist, einen wesentlichen Teil des Afrobeat: Musik als Antreiber für sozialen Wandel.
Es ist ein typisch grauer Berliner Wintertag aus Regen, Kälte, Wind – und das, obwohl eigentlich schon Frühling sein sollte. Entsprechend drückend ist die Stimmung in der Stadt, dann kommt noch der allgemeine Zustand der Welt dazu und schon hat man dieses Gefühl von Schwere und Bedrückung, das sich über die Stadt und ihre Bewohner*innen legt.
Kurzfristig befreit von diesem Gemütszustand wurden am Dienstag die Besucher*innen des Konzerts der australisch-walisischen Singer-Songwriterin Stella Donnelly. Sie und ihre beiden ebenfalls australischen Support Acts, Nikodimos und Jack Gaby sind im Rahmen von Donnellys Love and Fortune Tour – das gleichnamige Album erschien im November 2025 – für ein einziges Konzert nach Berlin gekommen und haben jede Menge gute Laune und Good Vibes dabei.
Das kleine Mikropol am Nollendorfplatz füllt sich also nach und nach während Nikodimos und Jack Gaby spielen – noch ist das Berliner Feierabendpublikum etwas verschlafen, was sich allerdings schnell ändert, als Jack Gaby aus dem Nähkästchen plaudert und erzählt, wie er seinen Partner kennengelernt hat. Auch Stella Donnelly spricht gern mit ihrem Publikum, das merkt man, als sie wenige Minuten später auf die Bühne tritt. Und gerade live performt haben ihre Songs etwas ganz Persönliches und Erzählerisches.
Sudan Archives live zu erleben ist in keinster Weise eine gängige Konzerterfahrung – das liegt zum einen an ihrem experimentellen musikalischen Stil, zum anderen aber auch ihrer stage persona. Wir waren für euch am 27. November in Berlin dabei.
Schon die Location des heutigen Sudan Archives Konzertes lässt ein wenig Extravaganza vermuten: Als die Schlange am silent green in Berlin-Wedding kürzer wird (das Konzert ist ausverkauft), kann man einen langen, offenen Raum hinunterblicken – es ist der Eingang zur Betonhalle. An dessen Ende gelangt man nach einem kleinen Zickzack und noch ein wenig weiter unter der Erde schließlich zu einer großen Halle mit Bühne.
Als die Scheinwerfer angehen, wird der ganze Raum in ein helles Lila getaucht. Die Stimmung im Lark in der Berliner Holzmarktstraße ist heiter, locker, und wie man es von Punkkonzerten kennt, ist die Mischung an Menschen besonders bunt. Erwartet werden Panic Shack, deren Name Programm ist.
Als die vier schließlich auftreten, und dabei locker mit dem Publikum ins Gespräch kommen, knallt einem ihre Bühnenpräsenz bereits entgegen. Es wird das erste Lied angestimmt: „Gok Wan“ vom im Juli erschienenen Debütalbum, das ebenfalls Panic Shack heißt.
Sängerin Sarah Harvey setzt ein „I squat for two hours a day / Not enough to keep the red ring of shame away” während ihre Bandkolleginnen Meg Fretwell, Emily Smith und Romi Lawrence mit dem Rücken zum Publikum stehend Kniebeugen machen. Drummer Nick Boherty-Williams bringt das Tempo. Der Song rechnet auf ironische Art mit Erwartungen an weibliche Körperbilder ab und entfaltet seine Message durch die energiegeladene Performance der Interpretinnen, die vieles zu sagen haben, und alles auf den Punkt bringen.
Man konnte nicht mehr umfallen, so eng war es in dem kleinen Gewölbekeller, in dem die Trustfundbabes am vergangenen Samstag in Wien auftraten. Aber tanzen ging noch. Der Abend war schon deutlich fortgeschritten, als die fünfköpfige Band aus Berlin nach dem Aufwärmprogramm von Die unterdrückten Gefühle und Resistant schließlich die Bühne betrat. Als erstes spielten die Trustfundbabes den Song „Zeitdetektiv“ von 2023. Danach war die Menge auf jeden Fall „warm gefickt“ (Zitat Lou, Gesang).