Grunge bis ans Limit – The Jins zelebrieren Tourabschluss in Berlin

„We decided to destroy our voices tonight!” Das Grunge-Trio The Jins aus Vancouver findet in der Neuen Zukunft in Berlin einen schweißtreibenden, kompromisslosen Tourabschluss. Dabei muss auch das ein oder andere Kleidungsstück dran glauben.

Das Publikum ist geteilt in zwei Altersgruppen: Einerseits sind es solche, die vermutlich über den leichtgängigen und authentischen TikTok-Auftritt der Band auf das Konzert aufmerksam geworden sind. Andererseits sind da diejenigen, die nostalgisch das Revival des 90er-Jahre-Grunge zu erleben hoffen.

Beide Gruppen (und auch alle anderen in der Crowd) werden an diesem Abend auf ihre Kosten kommen. The Jins nehmen die Spannung, die die Vorband Ganser durch ihre, verzerrten, stellenweise ambienthaft-flächigen Sounds und die verheißungsvollen Töne erzeugt hat, direkt mit und starten energiegeladen und lässig zugleich in den letzten Gig ihrer Europa-Tour.

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Der Sound der Sahara: Tinariwen in Berlin

Die Tuareg-Band Tinariwen kam am vergangenen Donnerstag für ein Konzert nach Berlin. Nischig? Auf keinen Fall. Huxley’s Neue Welt war ausverkauft, und die Atmosphäre im Saal ließ für anderthalb Stunden vergessen, dass sich vor der Tür die Hasenheide und nicht die Weite der Sahara befand.

Die Schlange vor dem Berliner Konzertort Huxley’s Neue Welt ist an diesem Abend besonders lang und etliche Menschen sind noch auf der Suche nach letzten Tickets für das Konzert der Band Tinariwen. Deren Mitglieder gehören dem Nomadenvolk der Tuareg aus der Sahara an und ihre Musik steht in der Tradition dieser seit Tausenden von Jahren bestehenden Kultur. Seit einiger Zeit schon ist das Konzert komplett ausverkauft – das letzte der Band in Berlin ist sieben Jahre her.

Schon während des Sets des Support-Acts Sulaf, einer sudanesischen Sängerin, die die Band auf dieser Tour begleitet, ist der Raum komplett gefüllt. Als die Sängerin das Publikum animiert, einen sudanesischen Gesang anzustimmen, ist die Menge ohne zu zögern am Start.

Das stimmt schon mal ein auf die Atmosphäre, die Tinariwen dann auf die Bühne bringen: Zu siebt stehen sie auf der Bühne, allesamt in traditioneller Kleidung inklusive Chèche, einer Kopfbedeckung die, anders als ein Turban, sowohl Kopf als auch Gesicht mit Ausnahme der Augen bedeckt. In der Mischung mehrerer Gitarren, Bässe, verschiedener Gesänge und eines stetigen Trommelrhythmus im Hintergrund entfaltet sich das ganze, gemeinschaftsbewegende Potential der Klänge.

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Grandmas House in Berlin: „Should we have a little mosh?“

Die Crowd ist von Sekunde eins an am Start beim Konzert der Punkerinnen Grandmas House. Das Quartett aus Bristol durchdringt den Berliner „Schokoladen“ mit rohen Sounds und fürsorglicher Verletzlichkeit.

Witz und Fürsorge statt Rockstar-Gehabe: Grandmas House brauchen im Schokoladen keine große Pose, um die Crowd für sich zu gewinnen. Stattdessen entsteht vom ersten Moment an eine nahbare und energiegeladene Atmosphäre.

Schon die ersten Worte, die die Lead-Sängerin Yasmin Berndt an das Publikum richtet, zaubern ein Grinsen auf die Gesichter, das bis zum letzten Song anhält. „Eigentlich wollten wir nochmal von der Bühne und dann wiederkommen, aber wo wir schon mal hier sind, bleiben wir besser einfach da.“

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Unvergleichbar: Afrobeat-Legende Femi Kuti im Heimathafen Neukölln

Konzerte sind immer Orte kollektiven musikalischen Erlebens, aber selten sind sie so mitreißend wie bei Femi Kuti. Die Bühnenenergie, das Zusammenspiel der Band, und auch die politischen Inhalte seiner Tracks schaffen in der Kombination eine unvergleichbare Stimmung.

An diesem Mittwochabend ist es noch hell, als der Heimathafen in Berlin-Neukölln seine Türen öffnet: Femi Kuti und seine Band The Positive Force werden hier heute Abend zum Konzert im Rahmen von Kutis “Journey Through Life”-Tour erwartet. Vor der Venue mischen sich Menschen allen Alters und man hört unzählige unterschiedliche Sprachschnipsel im Eingangsbereich.

Als es im Raum dunkler wird, treten erst die Band und die Tänzerinnen (eine davon Kutis Ehefrau) auf die Bühne, bevor der 63-jährige schließlich gut gelaunt und mit erstaunlicher Ausstrahlung erscheint. Nachdem die Band zu spielen beginnt, überträgt sich Femi Kutis Energie innerhalb von Sekunden auf das Publikum. Der gemeinsame Groove der Menge bleibt das knapp zweistündige Set über durchweg bestehen.

Die enorme Kraft und energetische Atmosphäre, die Kutis Auftritt mit sich bringen, mögen auch am Genre liegen: Afrobeat ist eine Musik des Rhythmus, des Funk und des Grooves, die ihre Kraft auch aus den Inhalten zieht und zugleich politisches Zeitgeschehen und soziale Missstände kommentiert. Treffender könnte nicht sein, dass der Vater des Afrobeat, die nigerianische Musiklegende Fela Kuti, Femi Kutis Vater ist. Fela Kuti begründete durch seinen Musikstil, der Jazz und Funk mit westafrikanischen Rhythmen und Highlife-Elementen verbindet, und dabei sehr politisch ist, einen wesentlichen Teil des Afrobeat: Musik als Antreiber für sozialen Wandel.

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Ein Abend Leichtigkeit: Stella Donnelly im Mikropol

Es ist ein typisch grauer Berliner Wintertag aus Regen, Kälte, Wind – und das, obwohl eigentlich schon Frühling sein sollte. Entsprechend drückend ist die Stimmung in der Stadt, dann kommt noch der allgemeine Zustand der Welt dazu und schon hat man dieses Gefühl von Schwere und Bedrückung, das sich über die Stadt und ihre Bewohner*innen legt. 

Kurzfristig befreit von diesem Gemütszustand wurden am Dienstag die Besucher*innen des Konzerts der australisch-walisischen Singer-Songwriterin Stella Donnelly. Sie und ihre beiden ebenfalls australischen Support Acts, Nikodimos und Jack Gaby sind im Rahmen von Donnellys Love and Fortune Tour – das gleichnamige Album erschien im November 2025 – für ein einziges Konzert nach Berlin gekommen und haben jede Menge gute Laune und Good Vibes dabei. 

Das kleine Mikropol am Nollendorfplatz füllt sich also nach und nach während Nikodimos und Jack Gaby spielen – noch ist das Berliner Feierabendpublikum etwas verschlafen, was sich allerdings schnell ändert, als Jack Gaby aus dem Nähkästchen plaudert und erzählt, wie er seinen Partner kennengelernt hat. Auch Stella Donnelly spricht gern mit ihrem Publikum, das merkt man, als sie wenige Minuten später auf die Bühne tritt. Und gerade live performt haben ihre Songs etwas ganz Persönliches und Erzählerisches. 

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Live-Report: Ein experimenteller Abend mit Sudan Archives

Sudan Archives live zu erleben ist in keinster Weise eine gängige Konzerterfahrung – das liegt zum einen an ihrem experimentellen musikalischen Stil, zum anderen aber auch ihrer stage persona. Wir waren für euch am 27. November in Berlin dabei.

Schon die Location des heutigen Sudan Archives Konzertes lässt ein wenig Extravaganza vermuten: Als die Schlange am silent green in Berlin-Wedding kürzer wird (das Konzert ist ausverkauft), kann man einen langen, offenen Raum hinunterblicken – es ist der Eingang zur Betonhalle. An dessen Ende gelangt man nach einem kleinen Zickzack und noch ein wenig weiter unter der Erde schließlich zu einer großen Halle mit Bühne.

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Die Live-Band der Stunde: Panic Shack reißt Berlin ab

Als die Scheinwerfer angehen, wird der ganze Raum in ein helles Lila getaucht. Die Stimmung im Lark in der Berliner Holzmarktstraße ist heiter, locker, und wie man es von Punkkonzerten kennt, ist die Mischung an Menschen besonders bunt. Erwartet werden Panic Shack, deren Name Programm ist.

Als die vier schließlich auftreten, und dabei locker mit dem Publikum ins Gespräch kommen, knallt einem ihre Bühnenpräsenz bereits entgegen. Es wird das erste Lied angestimmt: „Gok Wan“ vom im Juli erschienenen Debütalbum, das ebenfalls Panic Shack heißt.

Sängerin Sarah Harvey setzt ein „I squat for two hours a day / Not enough to keep the red ring of shame away” während ihre Bandkolleginnen Meg Fretwell, Emily Smith und Romi Lawrence mit dem Rücken zum Publikum stehend Kniebeugen machen. Drummer Nick Boherty-Williams bringt das Tempo. Der Song rechnet auf ironische Art mit Erwartungen an weibliche Körperbilder ab und entfaltet seine Message durch die energiegeladene Performance der Interpretinnen, die vieles zu sagen haben, und alles auf den Punkt bringen.

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Live-Report: Die Trustfundbabes sorgen in Wien für perfektes Chaos

Man konnte nicht mehr umfallen, so eng war es in dem kleinen Gewölbekeller, in dem die Trustfundbabes am vergangenen Samstag in Wien auftraten. Aber tanzen ging noch. Der Abend war schon deutlich fortgeschritten, als die fünfköpfige Band aus Berlin nach dem Aufwärmprogramm von Die unterdrückten Gefühle und Resistant schließlich die Bühne betrat. Als erstes spielten die Trustfundbabes den Song „Zeitdetektiv“ von 2023. Danach war die Menge auf jeden Fall „warm gefickt“ (Zitat Lou, Gesang).

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Live-Report: Der Worringer Weekender macht Subkultur sichtbar

© Worringer Weekender

Mit Ausstellungen, Konzerten, DJ-Sets, Comedy-Shows und weiteren Specials hat der Worringer Weekender in Düsseldorf am Wochenende gezeigt, wie viel Kultur in einem vermeintlich unscheinbaren Ort steckt. Das 2023 gestartete Festival rund um den Worringer Platz ging in seine zweite Runde und brachte dabei ein vielfältiges Kulturprogramm an einen Ort, der sich vom Stadtbild abhebt.

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Kaffee, Kuchen und Country: Kendall Lujan live

Am Ende ihrer neuen Album Release Tour quer durch Europa verschlug es Kendall Lujan am Wochenende auch in das Hansa48 in Kiel – und das ausgerechnet an ihrem Geburtstag! Bei Kaffee und Kuchen beschallt Kendall Lujan den Saal mit wuchtigen Akustiksongs, die es in sich haben. Ihr neues Album Lucky Penny erschien im Februar und ist ein wilder Mix aus Country, Folk, Jazz, Bossa Nova und Indie-Rock; es ist also für jeden Musikfan was dabei.

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