Das war das Kimiko-Festival 2026: Tausende Fans in Feierstimmung treffen auf neue Ohrwürmer und alte Bekannte

Aus dem Aachener Sommer ist das Kimiko inzwischen gar nicht mehr wegzudenken: Seit 2018 verwandelt die Festival-Crew den RWTH-Campus in eine Feierzone samt wissenschaftlichem Rahmenprogramm. „Celebrating the culture of tomorrow“ hat man sich als ambitioniertes Motto ausgesucht – wir waren am Start und haben euch paar Highlights rausgepickt.

Mit großen Namen wird beim Kimiko – Isle of Campus Festival natürlich nicht gespart: Mit dabei waren Acts wie OG Keemo, PA69, Raum27 und die Sportfreunde Stiller. Vor allem brachte das Festival aber auch zahlreiche spannende Newcomer auf den Campus. Drei Tage lang konnten täglich bis zu 6000 Besucher:innen unterschiedlichste Musikrichtungen entdecken und gemeinsam tanzen und feiern. Zwischen Konzerten, Streuselbrötchen und Getränken boten zudem zahlreiche Stände aus Wissenschaft, Politik und sozialen Projekten Raum für Austausch und neue Eindrücke.

Gerade abseits der größten Namen zeigte sich, wie viel musikalische Vielfalt das Kimiko zu bieten hat. Einige dieser Auftritte sind uns besonders im Gedächtnis geblieben.

Yara

Die Indie-Rock-Band Yara bringt gefühlvolle, deutschsprachige Musik aus dem Raum Heidelberg-Mannheim auf die Bühne. Sänger Jakob Halamoda steht dabei gemeinsam mit Lisa, Jacque und Gio für einen Sound, der zwischen Melancholie und mitreißender Energie pendelt.

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BoykottOne: friesischer Rap ohne Dorfromantik

Während viele Deutschrap-Künstler:innen ihre Geschichten aus Großstädten heraus erzählen, bleibt BoykottOne bewusst in Friesland. Seine Songs entstehen zwischen ländlicher Ruhe und gesellschaftlicher Frustration. Ohne zu verklären beschreibt der Rapper das Leben außerhalb urbaner Räume. In den Texten geht es um Isolation, politische Spannungen und die Frage, wie man in einem Umfeld bleibt, das sich verändert.

Diese Gegensätze ziehen sich durch seine Musik. BoykottOne verbindet politische Themen („Nie wieder ist jetzt“) mit persönlichen Erfahrungen: Seine Rolle als alleinerziehender Vater taucht etwa immer wieder in den Songs auf.

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Alin Coen im Interview: „In Physik und Astronomie ist große Poesie und Magie verborgen“

Alin Coen ist in der deutschen Singer-Songwriter-Landschaft wohl eine der besondernsten Stimmen. In ihren lyrischen Texten finden sich feine Beobachtungen über die Zwischenmenschlichkeiten des Lebens. Dabei ist das Schreiben für sie durchaus harte Arbeit, wie sie erzählt. Einer ihrer Songs musste immerhin ganze zwölf Jahre auf seinen Text warten.

Am 29. Mai erscheint ihr neues Album Du bedeutest mir die Welt, anschließend geht Alin bis in den Herbst hinein auf Deutschlandtour. Dabei wäre es gut möglich gewesen, dass es zu all dem gar nicht gekommen wäre. Denn Alin hat 2014 schon einmal einen ganz anderen Weg eingeschlagen, weg von der Musik, vom Touren und Liederschreiben. Warum es – zum Glück für uns – dann doch anders weiterging, erzählt sie im Interview.

© Tristan Vostry

Musik unterm Radar: Liebe Alin, du bringst bald dein siebtes Album raus, erste Konzerte deiner Tour sind schon ausverkauft. Du bist in Deutschland heute als Künstlerin so etabliert, dass es mich total überrascht hat zu lesen, dass du die Musik vor zwölf Jahren eigentlich schon mal aufgegeben hattest. Wie kam das?

Alin Coen: Da haben eine Menge Sachen mit reingespielt. Ich hatte seit 2012 keine neuen Lieder geschrieben. In meiner Bandkonstellation hatte ich das Gefühl, festzustecken. Dabei war gerade alles am Wachsen. Wir haben im Huxley’s in Berlin vor 1600 Leuten gespielt und hinterher habe ich mich nur gefragt: Warum macht mich das überhaupt nicht glücklich? Ich hatte plötzlich das Gefühl, dass es total sinnlos ist, Musikerin zu sein.

Mir war sehr präsent, wie schlecht wir unseren Planeten behandeln. Und mich hat beschäftigt, wie stark das Ungleichgewicht in der Musikbranche ist. Männer haben es definitiv leichter als Frauen, sie werden besser bezahlt, bekommen mehr Auftrittsmöglichkeiten. Das hat mich gewurmt. Ich fand plötzlich alles doof an der Musikszene. Es war eine Sinnkrise.

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JNNRHNDRXX im Interview: „Ich bin der Screenshot eurer Sünden“

JNNRHNDRXX (gesprochen: Jenner Hendrix) ist ein Multitalent: In ihrem Schaffen vereint sie Musik, Literatur, Schauspiel und Modeln. In den vergangenen Jahren hat sich die 26-Jährige so als eine der prägenden Stimmen der Trans*- und Queer-Community etabliert und stand mit Songs wie „T4T“ oder „Alpha Attitude“ auf den Bühnen der Fusion, des Splash-Festivals oder des CSD in Berlin. Dieses Jahr ist ihr neues Album Excousia – Act I: Initiatio erschienen. Unsere Autorin hat sie in Prenzlauer Berg getroffen und mit ihr über ihre Musik, nervige Labelbosse und die weiße Mehrheitsgesellschaft gesprochen. 

© JNNRHNDRX

Musik unterm Radar: Du wusstest schon als Kind, dass du Musik machen willst. Woher kam es, dass du dir da so sicher warst?

JNNRHNDRXX: Ich habe früher mein Zimmer komplett abgedunkelt, Kopfhörer aufgesetzt und mit meinem alten MP3-Player Musik gehört – Rihanna zum Beispiel. Dann habe ich mir vorgestellt, wie ich vor einer riesigen Menge performe. 2013 habe ich einmal zu Freundinnen gesagt: „Irgendwann performe ich beim Pride-Event am Brandenburger Tor.“ Sie meinten damals: „Du bist total delusional.“ Aber ich habe es 2022 geschafft und dachte mir danach nur: Nennt mir eine Person ohne Album, die das schon gemacht hat.

Ich mache einfach mein Ding. Selbst wenn nur zehn Leute meine Songs hören – ich mache das nicht für Fame. Ich mache es für die Kunst. Und ich weiß, dass ich für Größeres gemacht bin. Period.

Hilft dir Musik auch dabei, dich selbst besser zu verstehen?

Absolut. Wenn ich Musik mache oder auf der Bühne bin, kann ich einfach ich selbst sein. Musik ist ein Ort, an dem ich mich nicht rechtfertigen muss. Aber das gilt auch rein sprachlich: Ich spreche Englisch, Deutsch und Französisch und manchmal passiert es mir, dass ich alle Sprachen vermische und zum Beispiel einen englischen Satz auf die französische Weise sage. Manchmal musste ich beim Aufnehmen sogar Google Translate benutzen, weil ich ein Wort nicht mehr richtig aussprechen konnte. Aber das ist Teil meiner Kunst. Wenn es ein Wort noch nicht gibt, erfinde ich es eben.

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Julia Effekt: Die letzte deutsche Welle

In Zeiten von Nostalgie-Marketing und Retro-Trends ist es gar nicht einfach, sich von den musikalischen Ikonen der letzten Jahrhunderte inspirieren zu lassen, ohne dabei wie eine wenig originelle Kopie der vergangenen Zeiten zu klingen. Doch eine Band, die genau nicht in diese Falle gefallen ist, ist die Wiener Band Julia Effekt.

Obwohl die Band ihr erstes und bis jetzt einziges Album NACHTPARKETT erst 2025 veröffentlicht hat, zeigt ihr Debüt schon in den elf Songs große klangliche Diversität. Die fünf Mitglieder von Julia Effekt (Ana-Maria Herzog, Jacob Raphael Dörr, Oscar Böhm, Maximilian Eberhart und Mues-Boeuf) haben sich durch einen Zufall zusammengefunden, und in ihrer Musik verbinden sie ihre unterschiedlichen musikalischen Schwerpunkte – das spürt man beim Hören des ganzen Albums. Die Band bezeichnet sich selbst in ihrer Spotify-Bio als „Die letzte deutsche Welle“, doch ihr Debüt erinnert an viele Künstler:innen aus verschiedenen Genres und Richtungen.

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MAIIJA: Gefühlvoller Widerstand

Gefühle zeigen – geht das überhaupt noch in 2026? MAIIJA antwortet auf diese Frage mit einem ganz klaren Ja! In ihren Songs dürfen Wehmut und Schwere genauso sein wie Geborgenheit und Leichtigkeit. Und anders als andere driftet sie dabei nicht in Kitsch ab.

Marilies Jagsch ist schon seit über zehn Jahren musikalisch in Wien unterwegs; bereits in ihren ersten Songs sticht vor allem ihr gefühlvoller Gesang hervor. Wenn man ihre Stimme hört, hat man das Gefühl, etwas ganz Empfindlichem, vielleicht sogar Zerbrechlichem zuzuhören. Dabei sind ihre Songs genauso wie ihre Ausstrahlung alles andere als schwach.

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SATARII im Interview: „Ich schreibe überall Musik. Im Zug, beim Sport, beim Finanzamt.”

SATARII produziert, schreibt und performt alles selbst. Im Interview erzählt das Mannheimer Multitalent über ihr mehrsprachiges Debütalbum, DIY-Ethos, Erwartungen an weibliche Artists – und warum Rumänisch für sie die meiste attitude hat.

© Filmbysady

Musik unterm Radar: Du arbeitest gerade an Deinem Debütalbum. Was erwartet uns?

SATARII: Mein Album Größter Träumer wird Anfang 2026 kommen und ist mein bisher größtes Projekt. 14 Tracks, die fast vollständig von mir selbst produziert sind. Es erwarten euch sehr persönliche Stories aus meinem Leben, meiner Identität. Vor allem aber geht es in dem Album darum, seine Träume zu verfolgen und nie aufzugeben, egal wie schwer es wird. Ich habe noch nie ein Album gedroppt und noch nie so viel alleine gemacht. Ich wollte mein Bild endlich komplett selbst auf die Leinwand bringen. 

Seit ich DIY mache, fühle ich mich frei. Ich produziere, rappe, singe, schreibe und arrangiere alles selbst. Ich performe unglaublich gern. Und ich versuche Musik zu machen, die Mut macht, die Hoffnung gibt und Menschen ermutigt, laut zu sein. 

Du singst und rappst auf Deutsch, Rumänisch und manchmal Farsi. Was bedeutet diese Mehrsprachigkeit für deine Musik?

Das ist einfach mein Leben. Ich bin mit diesem Sprachmix aufgewachsen. Rumänisch hat bei mir oft die meiste attitude. Die Sprache hat so viel Energie. Farsi ist für mich eher poetisch. Ich kann zwar bisher nur Grundkenntnisse, aber ich fühle die Sprache. Und viele Leute verstehen die Texte nicht komplett, aber sie fühlen die Stimmung. Manche schreiben mir sogar, dass sie einzelne Wörter lernen wollen. Das liebe ich. 

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NerdbyNature: Handmade-Rap mit Indie-Energie

NerdbyNature aus Duisburg machen kraftvollen, handgemachten Rap mit Indie-Elementen. Gegründet um Rapper und Sänger Robin, fanden sich nach dessen ersten Solo-Erfahrungen Musiker aus der lokalen Szene zusammen. Heute besteht die Band aus fünf Mitgliedern. Neben Robin sind das Gitarrist Manuel, Bassist Florian, Backing-Vocalist Seppel und DJ Exot, der auch die Drums übernimmt. Gemeinsam haben sie einen eigenen Sound entwickelt, der persönliche Geschichten mit eingängigen Melodien verbindet.

Seit ihrem ersten eigenen Song im Jahr 2019 haben NerdbyNature kontinuierlich an ihrem Stil gefeilt und eine treue Fangemeinde aufgebaut. Regelmäßig treten sie in Clubs und auf Festivals auf. In ihren Songs erzählt die Band von persönlichen Erfahrungen, von Verlust, Liebeskomplikationen und Selbstreflexion. Dabei verbinden sie eingängige Hooks mit tiefgründigen Texten, die hängenbleiben.

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Van Adam: Bloß kein Mainstream

Die Musik von Van Adam ist definitiv keine Hintergrundmusik, sondern verdient die volle Aufmerksamkeit. Treibendes Klavier, eine markante Stimme und aufwühlende Texte charakterisieren die Songs der Münchner Band rund um Singer/Songwriter Adrian Marwitz und Pianist Murat Parlak.

Songs wie „Die Unendlichkeit“ passen mit der bewegten, fast schon hektischen Melodie perfekt in den Stil von Van Adam. Den hat die BR-Abendschau bei einem Auftritt der Band mal „Chanson-Indie-Liedermacher-Punk“ genannt, und das trifft es ziemlich gut.

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