In Zeiten von Nostalgie-Marketing und Retro-Trends ist es gar nicht einfach, sich von den musikalischen Ikonen der letzten Jahrhunderte inspirieren zu lassen, ohne dabei wie eine wenig originelle Kopie der vergangenen Zeiten zu klingen. Doch eine Band, die genau nicht in diese Falle gefallen ist, ist die Wiener Band Julia Effekt.
Obwohl die Band ihr erstes und bis jetzt einziges Album NACHTPARKETT erst 2025 veröffentlicht hat, zeigt ihr Debüt schon in den elf Songs große klangliche Diversität. Die fünf Mitglieder von Julia Effekt (Ana-Maria Herzog, Jacob Raphael Dörr, Oscar Böhm, Maximilian Eberhart und Mues-Boeuf) haben sich durch einen Zufall zusammengefunden, und in ihrer Musik verbinden sie ihre unterschiedlichen musikalischen Schwerpunkte – das spürt man beim Hören des ganzen Albums. Die Band bezeichnet sich selbst in ihrer Spotify-Bio als „Die letzte deutsche Welle“, doch ihr Debüt erinnert an viele Künstler:innen aus verschiedenen Genres und Richtungen.
Vielleicht liegt es an der Ähnlichkeit des Vortrags vom Frontmanns der Band mit dem des verstorbenen Sängers Ian Curtis, vielleicht auch an der Nutzung von Synth-Pop- und Post-Punk-Elementen. Oder vielleicht ist der Grund ein ganz anderer.
Tatsächlich hat man beim Hören von Julia Effekt manchmal das Gefühl, dass man ihre Musik schon mal gehört hat. Dann aber hört man doch bei jedem Track etwas ganz Neues heraus. Wir haben es hier eben nicht nur mit einer Cover-Band von Acts der New-Wave-Ära zu tun. Obwohl viele Melodien an Bands wie Joy Division oder auch Fontains DC erinnern, zeigen Julia Effekt auch ihre dynamischere Seite mit Songs wie zum Beispiel dem Titeltrack „NACHTPARKETT“, dessen Intro eher etwas von 90er-Grunge-Stimmung hat.
Ihre Texte sind kurz und repetitiv, dadurch entsteht so eine interessante melancholisch-desillusionierte Stimmung in den Songs. Dabei greifen Julia Effekt klassische Themen wie unerwiderte Liebe, aber auch die Zwänge des Erwachsenwerdens und Zukunftsängste auf.Ganz erfrischend ist dabei der achte Song des Albums „JE TE TIENS“, der einzige Song des Debüts, der nicht auf Deutsch ist. „JE TE TIENS“ erzählt die Geschichte von Kindern, die zwischen zwei Sprachen und Kulturen aufwachsen. Das Grundmotiv ist der Identitätskonflikt. Im Refrain wird auf Französisch wiederholt: „Rends-moi mon visage“ („Gib mir mein Gesicht zurück“).
Fazit: Von launigen Balladen bis zu wütenden Punk-Rhythmen wird man bei Julia Effekt auf der ganzen Bandbreite fündig.
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