Wie der Lieblings-Highschoolfilm aus den 90ern soll sich ihre Musik anfühlen, fassen Chris Mayer & The Rocketszusammen. Ein Genre haben sie sich dafür auch schon überlegt: Feelgood-Folk-Pop.
Für den vollen Bandsound lässt sich Frontmann Chris Mayer von seinen Musiker-Kollegen Daniel Jaud, Basti Pilous und Wolfi Müller unterstützen. Nach mehreren ersten Singles ist seit Februar auch schon das erste Album In One Room der Münchner zu haben. Eigentlich kommen die vier aus ganz unterschiedlichen musikalischen Richtungen. Gemeinsam bringen sie nun ihre verschiedenen Einflüsse unter einen Hut. Ihr Anspruch: Britpop- und Bluesrock-Verrückte sollen genauso auf ihre Kosten kommen wie Singer/Songwriter-Fans. Dafür warten Chris Mayer & The Rockets mit markanten Drums, eingängigem Gesang, wohldosierten Instrumentalsoli und einer Ladung Aufbruchsstimmung auf.
Fazit: Chris Mayer & The Rockets halten ihr Versprechen und sorgen für gute Laune und unbeschwerte Stimmung.
Alle Brücken abbrechen und im VW-Bus um die Welt reisen: Den Plan hatten Anka und René von der Nürnberger Band Nobutthefrog schon eine Weile im Kopf. 2020 sollte es endlich konkret werden. Dann wurde die gesamte Welt von der Corona-Pandemie überrascht. Losgefahren sind die beiden nun trotzdem: erst nach Österreich zum Paragliden, dann weiter nach Italien. Ihre Reise finanzieren sie sich durch Straßenmusik. Seit September sind sie unterwegs, wie lang es gehen soll, ist aber völlig offen – ihre Auslandsversicherung haben sie sicherheitshalber für fünf Jahre abgeschlossen. An ihrem letzten Tag auf Sardinien haben die beiden von ihren Erlebnissen berichtet und erzählt, wie eine Band-Reise unter Corona-Bedingungen funktioniert.
Musik unterm Radar: Als wir das erste Mal vor etwa einem Jahr in Kontakt gekommen sind, habt ihr mir von eurem Plan erzählt, im Sommer auf Weltreise zu gehen. Ich habe ja ehrlich gesagt nicht mehr geglaubt, dass ihr das tatsächlich machen würdet. Wie hat euer Umfeld reagiert, als ihr gesagt habt, dass ihr euch trotz Pandemie auf den Weg machen wollt?
René: Unsere Großeltern haben gesagt: „Das klappt eh nicht.“ Anka: Die dachten, wir kommen nach ein paar Wochen wieder heim. Unsere Freunde fanden’s total gut und unsere Eltern auch.
Wer hatte die ursprüngliche Idee zu der Reise?
René: Ich glaube, die Idee hatte ich. Ich hatte schon vor vielen Jahren den Plan, einen VW-Bus zu kaufen und damit die Atlantikküste entlang zu fahren, weil ich gern surfen gehe. Den VW-Bus haben wir uns dann auch gekauft, der ist dann aber leider kaputtgegangen. Dann haben wir uns später einen vernünftigen Bus gekauft und ich habe den so anderthalb Jahre lang ausgebaut. Anka: Und dann ist die Idee entstanden, dass wir ja die Reise durch Straßenmusik und Konzerte finanzieren könnten. Das hatten wir auch vor ein paar Jahren schon mal ausprobiert. Mit einem Ford Fiesta und zwei Hängematten. So sind wir dann drei Wochen durch Deutschland getingelt und waren am Schluss sogar im Plus!
Wie muss man sich eure Straßenmusikeinlagen jetzt in Coronazeiten ungefähr vorstellen?
Angefangen hat der Luger als Kind mit der Gitarre seines Onkels, seit acht Jahren ist er solo, mit Band oder auch als Straßenmusiker unterwegs.
An die 500 Konzerte haben den Luger von Offenbach aus durch verschiedenste Städte Deutschlands und Europas gebracht. Sein erstes Album Terassenphilosophie erschien 2017. Zwei Songs der nächsten EP Gregor Wohnt Jetzt Hier sind dieses Jahr schon vorab als Single erschienen. Die Songs vom Luger pendeln sich irgendwo zwischen Singer/Songwriter und Rock ein. Melancholische Harmoniefolgen und Lagerfeuer-Gitarrensounds treffen auf fetzige Rhythmen, Drums und E-Gitarre. Ganz im Stil von musikalischen Vorbildern wie etwa Kettcar und Gisbert zu Knyphausen setzt der Luger auf deutsche Lyrics, die clever und aus dem Leben heraus getextet sind.
Fazit: Beim Luger gibt’s ehrliche Texte und einen Klang- und Genremix mit Feeling für Atmosphäre.
Als Vorbilder nennt der Singer/Songwriter Freddie Dickson große Namen wie Nick Cave oder Sharon Van Etten. Seine eigene Musik zeichnet sich vor allem durch ruhiges Schweben und eine milde Stimme aus.
Nach zwei Jahren, in denen Freddie Dickson bei einem großen Label unter Vertrag war, entschloss er sich 2014, sich loszusagen und stattdessen sein eigenes Ding zu machen. 2017 brachte er schließlich sein Debut-Album Panic Town heraus. Weitere zwei Jahre später zog es den Briten aus seiner Heimatstadt London nach Berlin, wo sein zweites Album Blood Street entstand. Mit seiner angenehmen Stimme strahlen die Lieder von Freddie Dickson Gelassenheit aus. Unterstrichen wird die Stimmung der Songs hauptsächlich von einer dezenten Gitarren- und Schlagzeugbegleitung – dazu gesellt sich sporadisch eine zweite Singstimme.
Fazit: Bei Freddie Dickson kommen sanfter Gesang und schöne Harmonien zusammen. Atmosphärisch reichen die Titel von zartem Schweben bis zu etwas düsterer Klangfülle.
Auch ohne die großen Bühnen hat sich der Straßenmusiker Mika Jones ganz der Musik verschrieben. In seinen Worten: „I can’t exist without music… Yes, I am that passionate.“
Der Sänger und Produzent Mika Jones aus Leiden in den Niederlanden hat sich seine Fanbase vor allem mit Straßenmusik erspielt – inzwischen kann man aber auch Aufnahmen lauschen: Sein Album Different mit zwölf Tracks ist im vergangenen Jahr erschienen. Die Songs von Mika Jones werden besonders von seiner gezupften Akustikgitarre ausgemacht. Klavier, E-Gitarre oder vorsichtige Beats ergänzen die Musik, wenn ein Song mal eine Portion Rock vertragen kann und auch den ein oder anderen Electro-Einfluss gibt es zu hören. Je nach Lied und Stimmung singt der Singer-Songwriter dazu kräftig und entschlossen oder auch mal mit zarter Kopfstimme.
Fazit: Mika Jones bietet den Soundtrack zum Abschweifen und Träumen. Seine Songs haben etwas Bodenständiges, das sicher auch von den Erfahrungen als Straßenmusiker herrührt.
Gitarre, Gesang, Drums und eine Küche. Die Punch Drunk Poetsbeweisen mit ihrem neuen Lied „Manifest“, dass es für gute Musik manchmal nicht mehr braucht. Und wenn den Namen „schlag betrunkene Poeten“ irgendeine Band tragen kann, dann diese. Der Mix aus tiefgründigen Texten, Folk, Rock und Indie-Pop zeigt, wie unterschiedlich Poesie sein kann – und dass sie nicht immer leise und auf Samtpfoten daherkommen muss.
Das Quintett aus Paderborn, Köln und Münster plant nach zwei EPs für dieses Jahr ein Debut-Album, ihre Bühnenerfahrung reicht vom WG-Zimmer bis zu Festivalauftritten und Deutschlandtour. Die Poesie-Samtpfoten kommen im neuen Song nun übrigens doch daher – allerdings nur, um gegen Ende Platz für E-Gitarre, Drums und Tanzstimmung zu machen. Das Spannende an den Punch Drunk Poets ist die Ungewissheit über das, was kommt. Sie machen Musik, die nicht nur ruhig und melancholisch, nur leicht und unbeschwert oder nur laut und rockig daherkommt. Die Emotion schreibt das Lied und nicht andersherum. Oder wie es auf ihrer Website heißt: „Es geht nur darum, die Menschen zu berühren. Wenn das nicht zählt, was dann?“ Diese Palette an Empfindungen schlägt sich im Klang durchweg nieder, der inmitten von profundem Gesang, sanft gezupften Gitarrenparts, Mundharmonika und Mandoline auf der einen Seite und wilderen Drum- und Bass-Einlagen auf der anderen Seite seinen Platz gefunden hat. Auch sonst haben die Punch Drunk Poets einiges zu sagen, setzen sich etwa mit dem Thema Heimat auseinander oder geben in ihrem Song „Manifest“ ein klares Statement für alle Formen der Liebe ab.
Fazit: Wer Lieder mit Durchschlagskraft und Tiefgang sucht, wird bei den Punch Drunk Poets fündig. Betrunkene Poeten muss man nämlich gar nicht immer schlagen – oft lohnt es sich auch einfach gut hinzuhören.
Ihren Namen haben die vier in ihrer Bandgeschichte sicher schon mehr als einmal buchstabieren müssen. Wer Nobutthefrog googelt, landet dafür aber auf keinen Fall woanders als bei der sympathischen Folk-Band aus Nürnberg.
Also Duo haben Anka (Gesang, Geige, Mandoline, Gitarre) und René (Gesang, Gitarre, Mundharmonika) 2016 ihren Grundstein in der Frankenmetropole gelegt – inzwischen sind auch Kontrabassist Lorenz und Drummer Chris mit an Bord. Zwei CDs haben Nobutthefrog schon veröffentlicht, als Straßenmusiker hat es sie neben Deutschland auch nach Polen und in die Niederlande verschlagen. Für den Spätsommer diesen Jahres stehen außerdem große Pläne an: Drei Viertel der Band wollen sich straßenmusikfinanziert auf Weltreise begeben und den kompletten Neustart wagen. Wie lang das gehen wird, ist noch offen: „Die Versicherung, die wir abschließen wollen, wird fünf Jahre gehen“, verrät Anka am Telefon. Gesungen wird bei der Folk-Pop-Mischung von Nobutthefrog mal harmonisch zweistimmig, mal rau und mit Power. Die musikalische Begleitung bleibt durch den Fokus auf Gesang und Gitarre auch mit vierköpfiger Band angenehm folkig und nicht überladen. Geige und Kontrabass bringen hier und da eine besondere Note in die Musik und mit der Mundharmonika kommt außerdem ein bluesiger Einfluss dazu.
Fazit: Schöne Melodien und gemeinsame Bühnenerfahrung sind das eine. Dass obendrein noch das Klima unter den Bandmitgliedern stimmt, zeigt einmal mehr die Idee, auf unbestimmte Zeit zusammen die Welt erkunden zu wollen.
Daniel und Gesa von kallisto zaubern mit Gitarre und Gesang eingängigen Folk-Pop auf die Ohren.
Vor einem Jahr hat sich das Duo kallisto in Kiel gegründet. Musik- und Bühnenerfahrung hatten die beiden da aber schon unabhängig von einander gesammelt, für Daniel waren das vor allem Tanzturniere, Gesa hat Gesang, Tanz und Schauspiel studiert und stand bei Musicals auf der Bühne. Seit den ersten gemeinsamen Jam-Sessions war dann klar, wohin die Reise geht. Also WG-Zimmer zum Proberaum umfunktioniert, erste Open Mics bestritten und nun ganz frisch die erste eigene Single. Zwar sind sie nur zu zweit, ihre Musik gestalten sie aber durchaus variantenreich. In ihrer Single „Optimisten“ spielen kallisto mit Effekten, der Fokus bleibt auf Gitarre und Gesang. Getextet wird auf Deutsch und es entsteht eine Mischung aus sanftem Singer/Songwriter-Folk und Pop-Melodien mit Power. Die Message der Single ist klar: „Wir sind Optimisten, denn die Welt braucht uns mehr denn je.“
Fazit: Kallisto sind noch ganz frisch dabei. Der erste Song klingt sympathisch, catchy und weckt Interesse auf das, was man von den beiden in Zukunft noch hören könnte.
Kassel, 2016, Kleinstadtromantik und mittendrin vier Jungs mit Cello, Gitarre, Bass und Schlagzeug – das ist die Geschichte von Mykket Morton. Schon der schwedisch-englisch-deutsche Name („mycket-mor(e)-ton“ = sehr viel mehr Ton) lässt auf einen besonderen Soundmix schließen. Der möchte sich genremäßig in keine Schublade stecken lassen und lieber irgendwo zwischen Indie, Folk, Ska und Swing ein eigenes Ding machen.
Vor vier Jahren nahmen Claudio, Philipp, Julian und Marc ihr Debütalbum New World auf und gründeten für die Veröffentlichung kurzerhand das Label Viel Mehr Ton. Als „work in progress“ beschreiben sie ihre Musik: unperfekt, unpoliert, ehrlich, authentisch. Die stürmisch-wechselhafte Klangfarbe nimmt man den Jungs ab – auch mit Chorbegleitung beim Gig in der Waldorfschule. Was als Projekt zweier Kindergartenfreunde begann, ist längst zu größeren Narrativen geworden. Die selbstgeschriebenen Texte erzählen vom Lieben, Scheitern und von Erfahrungen, in denen man auch immer wieder sich selbst finden kann. Das passiert manchmal rockig, manchmal traurig, aber immer tanzbar. Mykket Morton schaffen es, diese Geschichten auch audiovisuell künstlerisch zu verarbeiten. Der Clip zu „Stranger“ zieht den Betrachtenden etwa auf melancholisch-beschwingte Weise in ein kleines Nussschalenboot umgeben vom Wellengang. Wechsel in der Rhythmik bauen zusammen mit dem Fokus auf Gesang, Gitarre und Percussion eine Spannung auf, die unbeschwert daherkommt. In verschiedenen Tracks stellen die vier zugleich unter Beweis, wie gut sich Mehrstimmigkeit anhören kann. Die facettenreichen Klänge harmonieren und erzeugen Energie, Tiefe und Komplexität.
Fazit: Wer wissen will, wie sich Spontanität und Lebensfreude in Tönen anhört, der ist bei Mykket Morton mit ihrem neuen Lied „Where I Go“ an der richtigen Adresse. Sehr sympathisch auch Philipps Bericht, den er mit Nutellabrot im Mund abgibt: „Wir haben einen neuen Song gemacht, der war eigentlich schon ganz geil. Und dann haben wir den dann doch komplett umgeschmissen. Und jetzt ist er noch geiler. Und haben dann gestern wirklich sehr, sehr spät mal hemmungslos zu diesem Song getanzt. Wir mussten einfach mal tanzen.“ Der Platz außerhalb der Schubladen – so mühselig er manchmal ist, Spaß machen muss er auf jeden Fall.
Nathaniel Rateliff ist Vollblut-Musiker aus Denver, Colorado. Ob allein oder mit Band im Rücken, als Vorband von Mumford & Sons oder bei ausverkauften eigenen Konzerten: Er weiß sein Publikum von sich zu überzeugen.
Nach ersten Band-Erfahrungen zu Hause in den Vereinigten Staaten brachte Nathaniel Rateliff 2010 sein erstes Soloalbum auf den Markt. Seit einigen Jahren lässt sich der Folker zwar auch von der Band The Night Sweats unterstützen, sein aktuelles Album ist allerdings wieder ein Soloprojekt geworden: And It’s Still Alright erscheint am 14. Februar. Nathaniel Rateliff fasziniert vor allem mit seiner vollen, mit etwas wettergegerbtem Kratzen versetzten Stimme. Seine Night Sweats ergänzen ihn mit starker Rhythm Section, Saxophon und Trompete. In den Songs finden sich Country-Einflüsse mit wahlweise stampfender Bass Drum oder Rhythmus-Klatschen und mit Power aufgeladene Backingvocals. Gerade in Rateliffs Solotiteln liegt der Fokus aber auch auf ruhig-meditativem Gitarrenfolk.
Fazit: Zwar gilt der Musiker als eher introvertiert, für die inzwschen weltweit vielen Fans scheint Nathaniel Rateliff dann aber doch gern über seinen Schatten zu springen – und das kommt an: Wer für sein einziges Deutschlandkonzert Ende April in Berlin noch ein Ticket ergattern möchte, sollte sich ranhalten.
Ein großer Dank für diesen Musiktipp geht an die Bloggerin Lopadistory. Du hast auch einen musikalischen Geheimtipp, der mehr Aufmerksamkeit verdient hätte? Zuschriften erreichen die Redaktion über das Kontaktformular.