Ferge X Fisherman: Smoother Hip Hop

Bei Ferge X Fisherman aus dem Frankenland treffen elektronisch produzierter Hip Hop auf Jazz-Band-Coolness.

Hinter Ferge X Fisherman stehen Rapper Fritz Fisherman und Produzent Ferge. Die beiden Nürnberger kennen sich aus ihrer Jugend – 2009 entstand ihr erster gemeinsamer Track. Ende Mai erscheint schließlich das in den Staaten aufgenommene Debut-Album Blinded By The Neon. Ganz frisch gibt es mit „Backstage“ und „Role“ auch schon zwei Album-Vorboten. Live wird es schön jazzig mit ihrer Band Lakesideboys als Backup-Truppe, die Tour steht für diesen Herbst auf der Agenda.
Ferge X Fisherman bewegen sich zwischen Jazz, Soul und Hip Hop. Rapper Fishermans coole Art funktioniert wunderbar mit der laid-back-Stimmung der Musik. Sanfte Beats und elektronische Produktion legen die Basis für smoothe Fills, die neue Single wartet mit souligen Backing-Vocals auf.

Fazit: Ferge X Fisherman machen Hip Hop ohne viel Aufregung. Durch ihre Songs zieht sich eine besondere Schwingung – manchmal fast minimalistisch setzen sie Effekte gekonnt und besonnen ein.

Imwido: bunte Combo aus München

Zu acht kann es ganz schön eng werden auf einer Bühne. Eine Rockband-Besetzung plus eigenständiger Bläsersection ist aber einfach eine feine Sache. Dabei machen Imwido weder klassischen Rock, noch bayerische Blaskapelle, sondern ganz einfach ihr eigenes Ding.

Kreative Köpfe von Imwido sind Sänger und Texter David Schneider und der Gitarrist, Songwriter und Arrangeur Martin Bammler. Unterstützung erhalten die beiden von einem weiteren Gitarristen, Drummer und Bassist. Eine Bläsersection aus Trompete, Posaune und Saxophon gibt es on top. Seit 2017 hat die Band außerdem ein Album im Angebot und wer im Süden der Republik wohnt, hat regelmäßig die Chance, die Band auch mal live spielen zu sehen.
Die Rhythmen von Imwido ziehen ganz klar nach vorne. Tempo ist garantiert, ebenso gute Stimmung und Texte, die zum Schmunzeln bringen (auch der Dialekt wird mal ins Spotlight gestellt). Auch genremäßig toben sich Imwido aus: hier ein bisschen Reggae, da etwas Funk, rockige E-Gitarren-Riffs, deutscher HipHop-Sprechgesang und viel Spaß am Offbeat-Groove. Die kleine Bläsersection darf bei Imwido auf keinen Fall fehlen – dank ihnen gibt es noch eine Portion mehr Drive und eine gut abgeschmeckte Klangbasis.

Fazit: Imwido zu hören macht gute Laune. Versprochen.

MØRYZ: Rap-Newcomer

Rappen über das Leben: MØRYZ lässt seinen Gedankengängen freien Lauf. Von Liebe bis zu nervigen Formularen wird in seiner Musik alles verarbeitet.

Hinter MØRYZ verbirgt sich eigentlich der Sounddesigner, Komponist und Producer Moritz Drath. Schon als Kind schrieb der Tübinger erste Songs, nach dem Studium ging es für ihn in verschiedenen Konstellationen auf die Bühne. Als Vorband von Rapper Cro und mit einem Auftritt als „Schrankband“ in der Joko-und-Klaas-Show Circus Halligalli hatte er sich mit seiner Band Konvoy schon szeneübergreifend einen Namen gemacht, seit einiger Zeit ist er nun solo unterwegs. Zu hören sind bisher erst zwei Singels, mehr soll allerdings auf dem Weg sein.
Laptop zu, Smartphone aus: „Timeout“ heißt die neueste Single des Rappers. Ein Song über eine gesunde Portion Abstand zu allen Verpflichtungen, zu Stress, zu Digitalität. Mit seiner tiefen Stimme rappt und singt MØRYZ über seine selbst gebastelten Beats – denn als Allrounder macht er von Text über Vocals bis zu Mix und Mastering alles selbst, sogar das Editing zum Musikvideo hat er selbst in die Hand genommen.

Fazit: MØRYZ tut sicher gerade denen gut, die ab und an einfach mal mit reinem Gewissen ein „Ist mir doch egal“ in die Welt hinaus schreien würden.

Live-Report: #zweiraumsilke & Alter Kaffee

Das war vielleicht eine Party, als die Rap-Bläser-Hiphop-Trommel-Truppe #zweiraumsilke (hier geht’s zum Beitrag) und die Studentenpop-Band Alter Kaffee ihr Doppelkonzert im Kreuzberger Auster Club ablieferten.

Wenn alles springt und singt

Obwohl der Abend das Hauptstadt-Debut für die Silkes war, kam es einem doch mehr so vor wie ein Heimspiel: springende Menge auf Kommando, singendes und tanzendes Publikum und fetter Applaus. Zugegebenermaßen war die kleine Bühne mit der elfköpfigen Band doch recht ausgelastet. Bei Albumtitelsong „Detox“ ging richtig die Post ab, stark auch der Solo-Song von Sängerin Rita und die Freestyle-Einlage von Rapper Emma. Für Atmosphäre sorgten schwebende Cello-Passagen, jazzig wurde es mit den Soli im Sax, zwischendurch mal technoartige Drums und Bass – und eigentlich bräuchte doch jede HipHop-Band auch so starke Trompeter und Posaunisten an Bord!

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Namu: atmosphärische Electro-Sounds

Als Bandproberaum der Keller einer ehemaligen Kirche, auf deren Friedhof auch noch die Mutter von Goethe begraben wurde, so eine Location verlangt wohl auch nach einer besonderen Band. Namu aus Frankfurt sind zwar selbst sicher nicht so gruselig wie sich ihr Proberaum anhört, haben aber durchaus ein gewisses Feeling fürs Mysteriöse und sphärische Klänge.

Die Wurzeln von Namu reichen bis nach Korea und Spanien. Daniel Kim, Sebastian Rodriguez und Raphael Reichert-Lübbert kennen sich aber schon aus der Schulzeit und machen seitdem zusammen Musik. Jetzt ist eine erste professionelle Single entstanden, deren Video letzte Woche Premiere gefeiert hat.
„Past Life“ ist ganz klar eine starke Debut-Veröffentlichung, die einen guten ersten Eindruck davon gibt, in welcher Richtung sich das Trio musikalisch positionieren möchte. Die Single ist elektronisch geprägt, dazu gibt es einen hiphop-inspirierten schnellen und beckenlastigen Schlagzeug-Beat und die E-Gitarre sorgt für einen passenden Gegenpol. Der eher hohe Gesang und die Melodie – nach Aussage der Band beim Summen auf einer Bahnfahrt entstanden – erzeugt Spannung und stützt die sphärische Stimmung des Songs.

Fazit: Namus Musik ist alles andere als eintönig: Die drei experimentieren mit Klängen und Effekten, entwickeln Spannungsbögen, spielen mit ihrer Melodie und setzten gekonnt unverhoffte Brüche ein.

Emersound: musikalische Reise um die Welt

Die Musiker von Emersound verbinden die musikalische Energie aus ihrer brasilianischen Heimat mit anderen Stilen aus der ganzen Welt. Was dabei entsteht, ist etwas ganz Besonderes.

Die Truppe um Frontmann Emerson Araújo hat sich inzwischen in Berlin angesiedelt und versprüht ihre Vibes von dort aus in ganz Europa. Zwei Studioalben und ein Liverecording haben sie schon gemeinsam in Umlauf gebracht, die Konzerte der energiegeladenen Band lohnen sich erst recht.
Die unschlagbare Mischung aus lateinamerikanischen Rhythmen, Funk, Afro-Beat, HipHop und Reggea zieht bei ihrem Publikum ohne Frage. Schlagzeug und Percussion geben das südamerikanische Grundfeeling vor, die Gitarre sorgt je nachdem für eine Prise Funk oder Reggea. Emerson Araújo ist mit seinem Sprechgesang und dem charismatischen Auftreten das Gesicht von Emersound. In Brasilien und Chile ist der Name Araújo wohl längst nicht mehr unbekannt, um die Leute hierzulande von ihrer gut gelaunten, urbanen und etwas exotischen Art zu überzeugen, haben sie sich mit Berlin wahrscheinlich schon einmal das beste Terrain ausgesucht.

Fazit: Für alle, die bei Musik grundsätzlich den Drang haben, sich zu bewegen, und mal Lust auf etwas anderes haben, ist Emersound die richtige Wahl. Sie haben ein Gefühl für verschiedenste Genres, texten in verschiedenen Sprachen und wirken unglaublich offen – man hat fast das Gefühl, dass Emersound überall auf der Welt zuhause sind.

  • Meilensteine:
    2011 Mi Raza
    2015 Live In Santiago De Chile
    2016 Música Propria
  • Umleitung: http://emersound.net/

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#zweiraumsilke: HipHop-Kollektiv mit Wumms

Jung, voller Energie und mutig genug, sich an neue Ideen heranzutrauen: #zweiraumsilke beweisen, dass man mit einer gehörigen Portion HipHop-Coolness, sympathischem Auftreten und nicht zuletzt einer tollen Band eine ganze Menge anstellen kann.

Für so einen starken Sound, wie ihn #zweiraumsilke fabrizieren, braucht es eine große Band. Hinter dem Frontduo aus Rapper und Sängerin stehen also auch noch eine Bläserfraktion, Schlagzeug und Saiteninstrumente von der E-Gitarre bis zum Cello. In ihrer fränkischen Heimat haben sie sich längst einen Namen gemacht, mit Crowdfunding-Unterstützung wurde sogar der Traum von der ersten eigenen Platte (sie trägt den schönen Titel Zielstrebig Planlos) wahr.
#zweiraumsilke toben sich quer durch die Stile – neben Rap und HipHop wagen sie sich zum Beispiel an Jazz und lateinamerikanische Musik – und wenn es darum geht, trotz einer großen Gruppe ein ausgereiftes musikalisches Zusammenspiel zu beweisen, legen sie ein ähnlich gutes Gespür an den Tag wie die Brass-HipHop-Profis von Moop Mama. In spannenden Fills zeigen die Musiker, dass sie es verstehen, das richtige Maß an Lautstärke und Akzenten zu finden und dass sie mit ihrer vielseitigen Besetzung und vor allem durch gut abgestimmtes Spiel tolle Atmosphären erzeugen können.

Fazit: Mit der Musik von #zweiraumsilke kann man ruhig mal die Leistung der Boxen ausreizen. Noch besser ist nur noch der Besuch beim Konzert. Man kann der Truppe nur wünschen, dass sie bald so richtig durch die Decke gehen.

Seraleez: eingängiger HipHop-Soul-Mix

Moderne Elektroklänge und softe Beats treffen auf jazzige Akkorde und eine einzigartige Soulstimme. Die junge Band Seraleez aus Berlin hat viel zu bieten.

Die fünfköpfige Band besteht aus den vier jazz- und hiphopbegeisterten Musikern Jonathan Strauch (Saxophon), Phillip Oertel (Bass), Stephan Salewski (Schlagzeug) und Christian Keymer (Keyboard) und der amerikanischen Sängerin Christine Seraphin. Zwar liegen die Anfänge der Gruppe in Dresden, inzwischen nennt die Gruppe allerdings die Hauptstadt ihr Zuhause. Im Jahre 2016 kam schließlich ihr Debut Good Life unter ihrem Bandnamen Seraleez auf den Markt. Seitdem haben die Musiker reihenweise Shows gespielt und innerhalb Deutschlands wie international jede Menge Leute zum Tanzen gebracht.
Spannend an Seraleez’ Musik ist so einiges. Die coolen Jazz-Licks, der kraftvolle Gesang, die Art, mit der die jungen Musiker verschiedenste Stile unter ein Dach bringen. Klar ist außerdem: Die Songs bleiben im Kopf. Und das, obwohl die Band gerade auf simple Popstrukturen und -melodien verzichtet. Seraleez beweisen, dass komplexe Rhythmen und ein mutiger Umgang mit Genres keineswegs im Widerspruch zu eingängiger Musik stehen müssen. Auch die Songtexte aus der Feder von Sängerin Seraphin sind alles andere als simpel gestrickt und es lohnt, sich damit zu beschäftigen. In „The Only One“ (feat. Stimulus) geht es laut Seraphin beispielsweise darum, dass es zwar auf der Welt immer Menschen gibt, die gerade in ähnlich schwierigen Situationen stecken wie man selbst, und dass man sich dabei aber dennoch allein fühlen kann. Auch Generationenkonflikte, Kindheitsträume und die dunkle Seite der menschlichen Persönlichkeit finden durch Seraleez eine Stimme.

Fazit: Die Mitglieder von Seraleez machen musikalisch komplett ihr eigenes Ding. Dabei entsteht ein unverwechselbarer Sound, der richtig Lust auf mehr macht.

VenueConnection: feiner Funk

Mit rollenden Schlagzeug-Beats, Einwürfen von der Jazzorgel und abgerissenen Gitarrenakkorden spielen VenueConnenction funkigen Jazz und Soul.

Die Grundidee für die Combo VenueConnection entsteht 2002 in Spanien, es dauert allerdings bis 2007, bis der US-Amerikaner Karl Frierson zur Truppe dazustößt. Das erste Album Madrid Boogie wurde dafür aber auch gleich von Acid Jazz Hispano zum besten Album des Jahres 2008 gekürt.
Musikalisch sind die einzelnen Mitglieder alle fantastisch in Form und transportieren den Vibe genauso, wie es die Musikrichtung verdient. Auch gesanglich haben VenueConnection einiges zu bieten: nahezu gerappte Passagen gibt es genauso wie jazztypische Lautmalerei, ab und an wird mal ein Schrei eingeworfen. Sänger Frierson und seine Kollegin Ángeles Dorrio harmonieren gut und fangen die jeweiligen Stimmungen schön ein.

Fazit: VenueConnection machen technisch einwandfreie Musik und bringen außerdem das richtige Gefühl mit.

  • Meisterwerk: „Feel The Groove“
  • So klingt’s: Funk, Soul, Jazz
  • Getextet: „When you’re laughing, when you’re dancing, when you’re singing in the rain | take a chance cause it’s so amazing how your life will surely change“ (Singing In The Rain)
  • Umleitung: http://www.venuesite.com/en/

Moop Mama: Marching Band mal anders

Fast schon kein Geheimtipp mehr sind Moop Mama aus München. Der Grund dafür: Sie sind in verschiedensten Szenen vertreten. Eingeschworene Rap-Fans kennen sie, denn Frontmann Keno beherrscht Technik wie Freestyle und schreibt fantastische Texte. Musiker, die selbst ein Blasinstrument spielen, sind fasziniert von den Fähigkeiten der Band und den Soloeinlagen, denn von Sousaphon und Posaune über Saxophon bis hin zur Trompete ist alles dabei. Und zu guter Letzt sind da die Partygänger, die Moop Mama augenblicklich in ihren Bann zieht. Den Jungs gelingt es, einen riesigen Platz zum Springen zu bringen, dabei sind sie witzig und alles andere als abgehoben.

Unterstützt wurden sie dabei schon von Größen wie Jan Delay, den Sportfreunden Stiller und Blumentopf, sie spielen jede Menge Konzerte und arbeiten bereits am vierten Album. Die Texte sind mutig und machen weder vor Konsum- und Gesellschaftskritik noch vor einem bewegenden Lied über den Weg von Flüchtlingen über das Mittelmeer halt.
Auf ihren Live-Konzerten, die sie anfangs noch auf öffentlichen Plätzen gespielt haben und sich dabei das ein oder andere Mal mit der Polizei konfrontiert sahen, haben Moop Mama eine enorme Wirkung auf ihr Publikum, die Stimmung ist ausgelassen, es wird mitgesungen und früher oder später hat jeder einzelne die Hände in der Luft.

Fazit: Die Musik von Moop Mama eignet sich prima zum laut Aufdrehen. Das musikalische Niveau der Band ist sehr hoch, außerdem ist Rapper Keno ein geborener Entertainer und die Songtexte sind mindestens hochkarätig.

  • Meisterwerk: „Die Erfindung des Rades“
  • Getextet: „Denen, die so viel erzählen, steht das Wasser selten bis zum Hals“ (Meermenschen)
  • Umleitung: http://www.laut.de/Moop-Mama