Anna Leone: Gitarren-Folk mit Charakter

Die tolle, gefühlvolle Stimme kann Anna Leone wohl ihr Markenzeichen nennen – in Ergänzung mit dem meist minimalistisch gehaltenen Instrumentalunterbau sorgt sie für einen Sound mit Tiefgang.

2018 erschien die erste EP der Schwedin. Seit März ist mit Still I Wait die zweite EP von Anna Leone zu haben und auch ein Album ist schon in der Mache. Bis Herbst ist hier aber wohl mindestens noch Geduld angesagt.
Viel braucht Anna Leone nicht für ihre Musik: ein paar melancholische Akkorde, beständiges Gitarren-Fingerpicking und ihre nachdenkliche Stimme. Auf unverfälschte, rohe Art singt die Musikerin und lässt dabei trotz oft zarter Melodien auch das Volumen ihrer Stimme durchblitzen. Friedlich klingen ihre Songs, könnte man sagen. Und gleichzeitig erahnt man eine bezeichnende Tiefe und Reife.

Fazit: Anna Leone ist eine besondere Entdeckung. Ihre Musik geht leicht ins Ohr, ist ausgesprochen schön und bringt auch eine Portion Eigenwillen mit. Schade nur, dass wir bis zum ersten Album noch warten müssen.

Old Sea Brigade: Roadtrip-Sound aus Nashville

Ursprünglich kommt der Musiker Ben Cramer aus Georgia, inzwischen lebt er in Nashville. Dort hat er 2015 sein Solomusikprojekt Old Sea Brigade auf die Beine gestellt. Nach mehreren EPs, einem Debut-Album und einer Kollaborations-EP mit Luke Sital-Singh hat der Musiker für Mitte Mai sein nächstes Album angekündigt.

Mit einer sanften Art und gleichzeitig verlässlichen Stetigkeit vermittelt die rauchige Stimme des Musikers den Eindruck, als sei dieser so schnell durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Viel Bewegung in der Begleitung und die Unterlegung mit Beats steigern Tempo und Drive der Songs. Bei Themen wie der Suche nach den eigenen Wurzeln und der Rolle zwischenmenschlicher Beziehungen schimmert auch immer wieder eine vorsichtige Melancholie durch.

Fazit: Mit einem eigenen Stil kombiniert Old Sea Brigade eingängige Melodien mit mehrschichtiger Begleitung und einem Gefühl von innerer Ruhe.

Nobody’s Cult: Indie zum Eintauchen und Abdriften

Nobody’s Cult aus Frankreich gehen in die Vollen: Eine bombastische Leadstimme, fesselnder Spirit und die vielseitigen musikalischen Ideen sprechen für sich.

Dafür, dass sich die Truppe um die bemerkenswerte Sängerin Lena Woods bereits 2015 gegründet hat, haben es Nobody’s Cult in Sachen Recording bisher erstaunlich ruhig angehen lassen. 2017 haben sich die vier mal an einer EP versucht, zwischendurch gab’s hin und wieder eine Single. Mit einem größeren Album haben sie aber bisher auf sich warten lassen. Im Juni soll es nun aber so weit sein und ihr Debut Mood Disorder darf in die Welt.
Mit Nobody’s Cult lässt es sich wunderbar abtauchen. In „Feel Blue“, einer der ersten Singles aus Mood Disorder, lassen die vier ihre Gedanken schweifen, gehen zurück Richtung Kindheit, entdecken eine gewisse Nostalgie für sich – dass das zugehörige Musikvideo statt digital auf 16mm-Film gedreht werden musste, liegt nahe. Weiter finden wir bei Nobody’s Cult zwischendurch faszinierende Mehrstimmigkeiten, die wunderbar abseits der klassischen Harmonien funktionieren, dann wieder aufbrausende Songs voller Dynamik und Spannung. Und wer hat noch mal gesagt, dass Harfen in Rockbands nichts zu suchen haben?

Fazit: Manchmal kriegt man es bei Nobody’s Cult mit der Angst zu tun, die Band könnte jeden Moment auf der Bühne explodieren – so sehr können sich die vier in ihre Musik hineinsteigern. Dann wieder gibt einem die Band starke Momente zum Durchatmen und Abdriften.

Friedberg: frischer Indie aus London

Einen völlig neuen Sound erschaffen – das war die Mission der Bandmitglieder von Friedberg, als sie ihre Debut-EP aufnahmen. Gelungen ist das den vier Frauen schon auf den vorab erschienenen Songs “Midi 8” und “Lizzy”.

Was hier entstanden ist, ist natürlicher, abwechslungsreicher Indie-Sound. Getragen wird er von Gitarren und Drums und bleibt sofort im Kopf. Die Stimme von Lead-Sängerin Anna Friedberg ist rau und melancholisch und erinnert an Lana del Rey. Dem ein oder anderen Zuhörer wird sie bekannt vorkommen: Vor Friedberg trat die Sängerin als Solokünstlerin unter dem Namen Anna F. auf. 
Auch in ihren Musikvideos erschafft die Band etwas Neues. Im Video zum Track “Midi 8” spielt Anna auf einer überdimensionalen Cowbell und in “Lizzy” streift sie durch die dunklen Londoner Straßen, während sie aus einer trippy Vogelperspektive von der Kamera begleitet wird. Obwohl die Band erst seit 2019 gemeinsam Musik veröffentlicht, wurde sie von der Presse schon hochgelobt. Ihre Debüt EP trägt den (fast) eingängigen Namen “Yeah Yeah Yeah Yeah Yeah Yeah Yeah Yeah” und erscheint am 19. März.

Fazit: Wer jungen, modernen Indie mag, der sollte sich den Namen Friedberg gut einprägen, denn unsere Vermutung ist: Diese Band befindet sich gerade erst am Beginn von etwas ziemlich Großem.

Autorin:

Carla Blecke

JISKA: Indie-Pop mit Tiefgang

Wenn ihr die Kiste mit alten Fotos aufmacht, in Gedanken fünf Jahre zurückgeht und die Orte von damals besucht, wen oder was seht ihr dann vor euch? Der stetige Wandel, die Ungewissheit und die Suche nach dem eigenen Weg sind die Themen, die die 21-jährige Jana Binder unter dem Namen JISKA musikalisch einfängt. Seit Beginn ihrer Solo-Karriere Anfang 2020 beweist die Sängerin und Bassistin, dass sich auch fröhlicher Indie-Pop mit tiefgründigen Themen auseinandersetzen kann. 

„Was gerade immer wieder in Songs auftaucht, ist das in der Schwebe sein, noch nicht so richtig angekommen sein. Nicht so richtig zu wissen, wo man hingehört und wo man zu Hause ist. Aber auch, dass das total schön ist, in so einer Findungsphase zu sein und noch nicht richtig zu wissen, wo es hingeht.“, sagte JISKA im Interview dem Online-Magazin Fauves. Diese Schwebe lässt sich ihren Tracks schnell heraushören: Die beschwingt-jazzige Grundidee mit teils elektronischen Elementen oder markanten Bass-Passagen fügt sich zu einem Gesamtbild, das so kraftvoll wie sanft daherkommt. In ihrem Song „Strangers“ wird damit ein Gefühl der Entfremdung greifbar – und gleichzeitig entsteht etwas Positives und Tanzbares.
Die Botschaft musikalisch zu verpacken, dass Momente des schmerzhaften Bruchs und des Loslassens integraler Bestandteil unseres Lebens sind und wir sie zum Wachsen sogar brauchen, gelingt ihr ebenso in „Mother’s House“. Der bassige Klangteppich schafft nicht nur Atmosphäre zum Mitgrooven, sondern transportiert auch Ruhe und Gelassenheit. Diese Wirkung tragen die Musikvideos auf visuellem Weg weiter und zeigen, dass JISKA nicht viel Schnick-Schnack braucht, sondern ihre besondere Stimme ganz für sich wirkt.

Fazit: Bleibt zu hoffen, dass der Lockdown JISKAs kreatives Songwriting weiterhin beflügelt. Denn in unserer aktuellen Zeit ist es vielleicht gar keine so schlechte Idee, die alten Fotokisten mal wieder herauszukramen, um menschliches Miteinander zu sehen. Und dann tut es gut, sich von JISKA vorsingen lassen, dass Einsamkeit und emotionale Distanz Gefühle sind, mit denen jede und jeder zu kämpfen hat – und vor allem: dass diese Gefühle temporär sind und auch wieder bessere Zeiten kommen.

Autorin:

Clara Hümmer

Cassia: Feel-Good-Indie (+Verlosung!)

VERLOSUNG

Wir verlosen unter unseren Leserinnen und Lesern eine Cassia-Schallplatte! Mitmachen könnt ihr noch bis zum 9. Februar. Geht dafür einfach auf unsere Instagram-Seite und lasst uns unter dem entsprechenden Beitrag einen Kommentar da
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Nach verschiedensten Konzerten quer durch Deutschland – unter anderem als Giant-Rooks-Support – haben Cassia aus dem britischen Macclesfield längst Berlin zu ihrer zweiten Basis auserkoren. Nach dem ersten Album des Indie-Pop-Trios erschien Ende Januar die neue EP Powerlines und man munkelt, an einem neuen Album wird auch schon gebastelt.
Die Band strahlt eine Grundgelassenheit aus, die Songs wirken, als gingen sie den Musikern, die sie spielen, völlig leicht von der Hand. Viel Bewegung gibt’s trotzdem und die Musik zeugt von musikalischem Feingefühl. Zwar mögen dem ein oder anderen die „Oh-oh-oh“-Backing-Vocals vielleicht etwas zu häufig eingesetzt werden, für eine Ladung gute Stimmung sorgen sie aber auf jeden Fall. Außerdem hört man bei Cassia einen ganz eigenen Gitarrensound und Melodien, die ins Ohr gehen und trotzdem gar nicht unbedingt poptypisch sind.

Fazit: Bei den Songs von Cassia wahlweise Fuß oder Kopf mitwippen lassen und die Laune hebt sich garantiert. Diese Art von Sommer-Mucke ist vielleicht genau das, was man im tristen Februar gebrauchen kann.

Musik-News: neues Album von Sperling

Die Fakten:

Band: Sperling
Genre: Indie, Rap, Post-Hardcore
Das ist neu: Album Zweifel

Die Analyse:

Rauchige Stimme, dystopische Harmonien, tief tragende Melancholie: In ihren Singles aus den letzten Monaten haben Sperling schon erkennen lassen, wo es hingeht. Mit der Veröffentlichung ihres Albums Zweifel knüpfen sie nun genau da an. Durch den vollen, selbstbewussten Klang, wirkt die Band wie vom Leben gezeichnet und trotzdem voller Tatendrang. Immer wieder landen Sperling im Spagat zwischen einer aufgewühlt-massigen musikalischen Idee und der Deeskalation von meditativen Cello-Motiven. Die Texte bleiben düster, drehen sich ums Alleinsein, Aufbegehren und – natürlich – ums Zweifeln.
Nach einem recht ruhigen Anfang kämpft sich in „Laut“ nach und nach eine unterdrückte Wut an die Oberfläche. Der Titeltrack „Zweifel“ bewegt sich zwischen langsamer, melodischer Tragik und unruhigen Strophen voll rhythmischem Sprechgesang. Ein schöner Gegenpol ist das „Schlaflied“, ein sanfter Song mit einer Akustikgitarre als einziger Begleitung und der letzte Track auf dem Album.

Messina: Pop-Experimente

Messina haben große Pläne für 2021: Eine Kunstvernissage, ein interaktives Browsergame und ein Debutalbum sollen her. Für letzteres haben sich die vier Bandmitglieder aus Winterthur in der Schweiz auch schon ein knappes Jahr in einem Tonstudio eingemietet und an Songs gebastelt.

Sponsored Post soll besagtes Album heißen und im Laufe des Jahres erscheinen. Als Vorboten haben Raphael Weidmann (Gitarre, Gesang), Jonathan Labusch (Gitarre, Keyboard), Gian Rosen (Schlagzeug) und Nicola Philipp (Keyboard) an Neujahr mit „Capri Song“ eine erste Single losgeschickt.
Messina sind Fans von Klangspielereien. Mit Beats, Elektronik und Instrumentalsounds probieren die vier sich aus und nehmen ihre Höhrerschaft mit zu atmosphärischen Weiten. Die Band verarbeitet tranceartige Klänge genauso wie prägnante musikalische Ideen und auch der Gesang ist je nach Grundstimmung mal ruhig und mal rhythmisch.

Fazit: Messina sind kreativ unterwegs und ihre experimentierfreudige Art geht gut ins Ohr.

Covves: Indie-Pop in tanzbar

Die drei Indie-Musiker von Covves haben einen vollen Sound und erste Singles im Gepäck.

Eigentlich kennen sich Richard Mahlke und Marco Rose schon aus ihrer Zeit als Duo Cassettes. Seit sie sich die beiden Münchner mit Philipp Breese vor einem Jahr einen Schlagzeuger als dritten Mann mit ins Boot geholt haben, geht die Musik der Band in eine neue Runde.
Covves legen mit ihrem garagig-lauten Stil und lässigem Gesang musikalische Coolness an den Tag. Die treibenden Off-Beat-Rhythmen gehen zusammen mit markanten Gitarrenriffs und Basslines leicht ins Ohr und sorgen für gute Laune und Indie-Charakter.

Fazit: Covves sind massig in ihrem Sound und wissen durchaus auch Tanzstimmung zu verbreiten.

Karo Lynn: Akustik-Pop mit Tiefe

Ihre Stimme zieht einen unmittelbar in ihren Bann: Karo Lynn schwebt irgendwo zwischen Singer-Songwriter-Sound und Indie-Pop.

Die Musikerin Karo Lynn ist in Leipzig zuhause, staubte 2019 den ersten Platz eines Talentwettbewerbs ab und hat Anfang 2020 mit Outgrow ihr zweites Album veröffentlicht.
Unverkennbar ist wohl Karo Lynns angenehm dunkle Stimmfärbung. Der Gesang besticht mit der Ausstrahlung von Gelassenheit und sanftem Nachdruck. Die Singer-Songwriterin lässt sich außerdem von einer fähigen Band begleiten, mit der sich bisweilen schöne mehrstimmige Passagen ergeben. Ganz aktuell experimentiert Karo Lynn allerdings auch wieder mit gegenteiligen Effekten und hat eine frühere Single neu als Akustikversion aufgenommen.

Fazit: Dank ihrer ergreifenden, rauen Stimme löst die Leipziger Musikerin eine besondere Faszination aus.