Fiesta Forever: Indie-Rock Retrostyle

Hinter dem Party-verdächtigen Bandnamen stecken vier österreichische Newcomer, die seit 2019 zusammen mucken. Erste Konzerte sind trotz Corona schon gespielt, auf die erste EP müssen wir dagegen noch ein kleines bisschen warten. Bis alle Aufnahmen im Kasten waren, hatten Fiesta Forever dabei nämlich mit einigen Steinen im Weg zu kämpfen – nach ersten quarantänebedingten Verschiebereien wurde ihnen auch noch der alte Chevy mit sämtlichen Instrumenten darin aus dem Halteverbot einkassiert. Ins Studio haben es die Jungs dann schließlich irgendwann doch noch geschafft und im Mai soll die EP dann endlich zu hören sein.

Ein eigentlich etwas nostalgisch wirkender Indie-Rock-Stil aus dicken Drums und garagiger E-Gitarre wird bei Fiesta Forever zu einem frechen Sound, der allemal in die Gegenwart passt. In ihren ersten Singles probieren die Bandmitglieder sich aus – und man bekommt einen Eindruck, wo die Reise hingeht. In „Volcano“ wird mit scharfen Dissonanzen experimentiert und der Song sprudelt vor Übermut zeitweise fast über, „In Vain“ ist melodischer und lässt etwas Melancholie anklingen.

Fazit: Fiesta Forever preschen ohne Rücksicht auf Verluste nach vorn. Ausgebremst durch die Pandemie stehen die Vier noch am Anfang ihrer Laufbahn, dafür kann man die Band 2022 durchaus im Auge behalten.

Amelie Tobien: Indie-Pop mit Aufbruchsstimmung

Ursprünglich kommt Amelie Tobien aus Salzburg. Zwischendurch hat es sie nach Bordeaux und Dublin verschlagen. 2020 fasste die Singer/Songwriterin neun erste Songs zu ihrem Debüt We Aimed For The Stars zusammen.
Amelie Tobiens Sound kommt mit der leicht rauchigen Stimme und einem wohldosierten Hall etwas dreamy daher. Die Gitarre bringt Singer/Songwriter-Flair mit und Schlagzeug und Backing-Vocals bleiben, wo vorhanden, dezent im Hintergrund. Die ruhigen Songs brauchen nicht viel, um tief einzuwirken und sind schlicht schön anzuhören.

Fazit: Amelie Tobien singt zur gleichen Zeit mit Kraft und Leichtfüßigkeit und wärmt einen mit ihrer angenehmen Stimmlage und Tonfärbung wie ein Lagerfeuer, wenn es abends langsam kalt wird.

Lisa Akuah: introvertierter Folk-Pop

Ruhige Folk-Melodien, gezupfte Akustikgitarre und viel Gefühl machen Lisa Akuahs Lieder aus.

2017 veröffentlichte Lisa Akuah eine erste EP. Seitdem sind eine Handvoll weitere Singles erschienen und für Februar ist jetzt auch ein Debüt-Album geplant. Die Künstlerin lebt in Berlin.
Ihren Stil nennt sie ganz bescheiden Intro-Folk: Musik für Introvertierte von Introvertierten. Tatsächlich wirkt Lisa Akuah ganz bei sich, wenn sie singt, und zeigt dabei eine natürliche Bühnenpräsenz. Ihre Art zu singen ist zurückhaltend und einfühlsam, lässt aber auch stimmliche Kraft durchblicken. Die folkig-akustische Gitarrenuntermalung und die melancholische Stimmung der Songs tun ihr Übriges.

Fazit: Lisa Akuahs Musik steht für sich. Die Musikerin braucht keine großen Gesten, keine Band im Hintergrund und kein Rampenlicht, damit ihre Songs wirken und berühren.

Matija: Zwischen Extase und Melancholie

Angefangen haben Matija mal als Schülerband. Inzwischen haben sich die Münchner mit ihrer Mischung aus ganz eigenem Sound und Retroanklängen einen Namen gemacht.

Frontmann und Sänger von Matija ist Matt Kovac, Jan Salgovic liefert Gitarre, Piano und Synthesizer dazu und Sami Salman sorgt für die Beats. Bei Bedarf werden auch mal Flöte oder Orgel rausgeholt. Die drei machen schon seit der Schulzeit zusammen Musik. 2017 erschien das erste Album byebyeskiesofyesterday, außerdem spielten sie auf diversen Festivals und traten als Vorband von Bands wie The 1975, Wanda und Catfish & The Bottlemen auf.
Ihre Musik verortet die Band selbst auf dem Indie-Spektrum irgendwo zwischen Extase und Melancholie. Auf jeden Fall gehen die Melodien leicht ins Ohr und Matija haben merklich Spaß daran, sich auszuprobieren und mit verschiedenen Sounds zu spielen. So kommen ganz unterschiedliche Ergebnisse heraus – auf der einen Seite etwa das temporeiche, tanzbare „Ultrasuede“, auf der anderen Seite ruhige und träumerische Songs wie „byebyeskiesofyesterday“ oder „absolutelynothing(today)“.

Fazit: Der Sound Matija lässt sich nicht so einfach festnageln. Auf Sänger Matt und seine charakteristische Stimme ist Verlass, ansonsten toben sich die drei in verschiedene Richtungen aus – langweilig wird’s dabei also auf jeden Fall nicht.

Florian Ehrmann: Stuttgarter Indie-Soul-Pop

Als Siebenjähriger entdeckte Florian Ehrmann die Gitarre für sich. Es hat nicht lang gedauert, bis er sich auch an ersten Liedtexten ausprobierte. Inzwischen scheint der Stuttgarter Künstler musikalisch angekommen zu sein.

Florian Ehrmann hat als Solokünstler eine kleinere EP und zwei Singles veröffentlicht, die nächste EP folgt im Dezember auf Bandcamp. Außerdem schreibt er Musik für Film und Werbung und hat ein Faible für Fotografie und Dokumentarfilme, was auch in seinen Musikvideos durchblitzt. Bei Auftritten ist der Singer/Songwriter bisher meist solo unterwegs.
Florian Ehrmanns Musik strahlt Lebendigkeit ab und dabei ist es ganz egal, ob der ganze Song rhythmischen Schwung mitbringt wie „Beautiful Woman“ oder ob der Sound etwas düsterer daherkommt wie in „Beautiful Day“. Hin und wieder baut Florian Ehrmann auch für einen Singer/Songwriter etwas untypischere Ideen ein – je nach Song sind das etwa eine Flöte, elektronische Elemente oder aufgedrehte perkussive Rhythmen.

Fazit: Eingängige Melodien, eine angenehm gelassene Stimme und das ein oder andere unerwartete Detail gibt es bei Florian Ehrmanns Songs zu entdecken. Man darf gespannt sein, was noch kommt.

Frau Lehmann: leichtfüßiger Indie-Pop

Von Frau Lehmann kommen luftige deutsche Indie-Songs. Die Musik trägt etwas Umherstreifendes, Suchendes in sich und hat doch ihre Bodenhaftung nicht verloren.

Frau Lehmann nennt sich eine Leipziger Band rund um Frontfrau und Texterin Fiona Lehmann. Die Konstellation ist noch frisch – erst zwei Singles hat die Band bisher veröffentlicht. Eine erste EP lässt aktuell also noch auf sich warten, sie ist aber in der Mache.

Die etwas verträumte Lyrik der Songs von Frau Lehmann spinnt sich um Alltägliches herum und transportiert gemeinsam mit den ohrwurmtauglichen Melodien einen fast kindlich-leichtfüßigen Blick auf die Welt. Die Texte lassen sich tragen von der klaren Singstimme von Fiona Lehmann. Dazu gibt’s E-Gitarre mit Retro-Sound, minimalistisches Schlagzeug und klangliches Feingefühl.

Fazit: Mit deutschen Texten, musikalischer Zwanglosigkeit und trotzdem einer Prise unbestimmter Sehnsucht entwickeln Frau Lehmann eine besondere Mischung aus Indie-Pop und Singer-Songwriter-Stil.

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Julia Effekt: Die letzte deutsche Welle

Bisschen Nostalgie ist erlaubt beim Hören der Wiener Band Julia Effekt, die sich selbst als die „letzte deutsche Welle“ bezeichnen. Tatsächlich klingt die Band aber so ganz und gar nicht altbacken, stattdessen ist von launigen balladen bis zu wütendem Punk alles dabei.

LAVINIA: Tour durchs Tagebuch

LAVINIAs Tracks beginnen oft ruhig und nur mit Gesang, begleitet von Gitarre oder Klavier. Der Sound wird dann im Laufe des Songs immer kräftiger und instrumental facettenreicher. Die Tracks sind klanglich und textlich eine Geschichte, die sich zuspitzt.

MAIIJA: Gefühlvoller Widerstand

Die Künstlerin MAIIJA aus Wien kombiniert Popelemente und elektronische Beats mit ihrer bemerkenswerten Stimme und viel Gefühl. Für unseren Autor sind ihre Songs nicht nur stilistisch, sondern auch inhaltlich ein frischer Gegenwind.

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Aquilo: britisches Dreampop-Duo

Nach zwei Jahren Arbeit ist es jetzt so weit: Aquilo haben ihr neues Album A Safe Place To Be veröffentlicht. Die Klänge und Texte sind geformt von den Ups & Downs, die die beiden in dieser Zeit erlebt haben, und geprägt von der Rückbesinnung zu ihrem Heimatort Silverdale, Lancashire, mit dem das Duo unzählige Erinnerungen und Geschichten verbindet. So schmückt auch das Cover des Albums eine selbstgebaute Miniatur-Version ihrer Heimatstadt.

Aquilo besteht aus Tom Higham und Ben Fletcher, die als Nachbarn aufwuchsen und zuvor schon an eigenen musikalischen Projekten arbeiteten. Bisherige Erfolge waren ihre ersten beiden Alben Silhouettes und ii sowie weitere EPs und Songs, mit denen sie sich eine feste Fanbase aufbauen konnten. Für Februar 2022 steht außerdem eine Europa-Tour an, auf der Aquilo auch einen Abstecher nach Berlin und Köln unternehmen.
A Safe Place To Be spiegelt die Emotionen und Erlebnisse aus der Zeit wider, in der Aquilo die Songs geschrieben und produziert haben. Entstanden ist daraus ein bunter Mix an ruhigen Piano-Stücken wie „I Wanna See You Smile“ oder etwas rockigeren Songs wie „You Make Me Mad“. Obwohl die Lieder verschiedene Stimmungen vermitteln, lässt sich in jedem ein einzigartiger Sound verspüren, der aus der Sicherheit hervortritt, sich als Musiker und Band gefunden zu haben und – wie der Titel des Albums verspricht – einen sicheren Ort zu haben. 

Fazit: Aquilo bezaubern mit wirklich schönen Songs voll träumerischem Sound, sanftem Gesang und Wiedererkennungswert.

Autor:

Julian Hubert

Musik-News: Debüt-EP von FORWARD

Die Fakten:

Das ist neu: EP Overthinking My Mind At Large

Die Analyse:

Drei Jahre Arbeit stecken in der ersten EP des Hannoveraner Achtergespanns FORWARD. In den Lyrics der sechs Songs begleiten wird die Bandmitglieder durch eine spannende Lebensphase. Es geht um Aufbruchstimmung und Heimweh, um Selbstbestimmtheit und Sorgen, um selbstgesteckte Ziele und die Erwartungen der Anderen – kurz: ums Erwachsenwerden. Dabei bringt die Band eine musikalische Reife mit, bei der man glatt schon einiges mehr an Lebenserfahrung unterstellen würde. Schon beim flotten Opener „Julia“ hat man richtig Spaß an dem präzisen und energiegeladenen Zusammenspiel der Musiker. Songs wie das Instrumentalstück „Overdrive II“, das melancholische „To Be Defined“ oder der verträumte Schlusstrack „On The Run“ bilden einen nachdenklichen Counterpart dazu. FORWARD schlagen eine Brücke zwischen Retro-Charakter und frischem Start, ihre stilprägenden Bläserfiguren setzten sie geschmackvoll ein und haben mit ihrem Studiodebüt schon gleich zu Beginn einen unverkennbaren Klang entwickelt.

Oska: Indie-Pop aus Leidenschaft

Schon mit ihrer ersten EP Anfang des Jahres hatte die Wiener Newcomer-Musikerin Oska alle auf ihrer Seite. Mit ihrer unnachahmlichen Art gewinnt sie einen schließlich schnell für sich.

Die Musik scheint Oska wie ein Wegweiser durch das Leben zu tragen. Mit 18 Jahren zog die Künstlerin aus ihrem Heimatdorf in die österreichische Hauptstadt. Studiert hat sie dort Pop- und Jazz-Gesang, nebenbei spielte sie als Straßenmusikerin. Seit vergangenem Jahr ist sie bei dem kanadischen Label Nettwerk unter Vertrag, hat im Januar ihre erste EP veröffentlicht und kürzlich für Februar 2022 ihr Debütalbum angekündigt.
Oska macht ganz wunderbar glasklaren Indie-Pop. Die Sängerin hat das besondere Talent, mit ihrer Musik hin und wieder so ein subtiles Gefühl unbestimmbarer Schwere hervorzurufen und im gleichen Moment doch irgendwie eine fast tänzelnde Unbekümmertheit zu verbreiten. Ihr weicher Gesang spielt mit feinen Pop-Melodien, begleiten lässt sie sich vorrangig von einer wohldosierten Akustikgitarre.

Fazit: Oska ist mit ihrem eingängigen, charakteristischen Klang eine ganz besondere aufstrebende Musikerin. Auf das erste Album darf man auf jeden Fall gespannt warten – den 25. Februar könnt ihr euch also schon mal in den Kalender eintragen.

Musik-News: Neues Album von Please Madam

Die Fakten:

Das ist neu: Album Angry Boys, Angry Girls (VÖ 10.9.21)
Das steht an: Tour im Oktober/November

Die Analyse

Los geht’s bei Angry Boys, Angry Girls mit dem sanften Opener „Honesty“. Nach und nach steigert sich die Platte hin zu etwas mehr Tempo und einem von Gitarre und Schlagzeug bestimmten Sound. Prägend ist außerdem die eindringliche Stimme von Sänger Dominik. Festnageln lassen sich die Vier von Please Madame auf ihrem dritten Album aber nicht, stattdessen gibt es eine bunte Palette zu hören: Bei der jüngsten Single-Auskopplung „Talk The Other Way“ kommt ein Bläsersatz zu Wort, stampfende Drums hören wir bei „Comfort“ und in dem ruhigen „So Much Better“ brechen sie ganz mit ihren rockigen Wurzeln und lassen Akustikgitarre und Mehrstimmigkeit übernehmen. Auch inhaltlich haben Please Madame etwas zu sagen und beschäftigen sich etwa mit Themen wie Emanzipation, Solidarität und Selbstbestimmung.