Robert Horace: Songs für den Sommer

Ein bisschen Folk-Pop bei gutem Wetter mit einer guten Portion Glückseligkeit in der Brust, dafür sind die Songs von Robert Horace die richtigen.

Robert Horace hat sich musikalisch in Berlin angesiedelt und bereits den ein oder anderen Track aufgenommen. Die Titel sind auf Bandcamp, aber auch bei verschiedenen Auftritten zu hören.
Als Solokünstler begleitet sich Robert Horace selbst auf der Gitarre. Die Picking-Muster in seinen Songs sind dabei eine schöne Ergänzung zu seiner weichen, wenn auch bestimmten Stimme, die der feste Anker der Songs ist. Obwohl Horace kein Rhythmusinstrument zur Verfügung hat, fehlt den Liedern nichts. Die rhythmisierte Gitarrenbegleitung reicht aus, um die Lieder in Bewegung zu halten und ihnen einen gewissen Schwung mitzugeben.

Fazit: Nur mit Gitarre und der eigenen Stimme bewaffnet, überzeugt Robert Horace durch Ausdruck im Gesang, Melodien, die im Kopf bleiben, und ein rundes Gesamtpaket.

AVEC: Schönheit liegt in der Einfachheit

Leichter Gitarrenpop mit sanft schwebender Stimme: Die Musik der österreichischen Sängerin AVEC fühlt sich ein bisschen so an, wie einer durch die Luft segelnden Feder zuzusehen.

Den Zugang zur Musik hat AVEC schon im Kindesalter für sich entdeckt. Begleitet von einer musikalischen Familie lernte sie Geige und Gitarre. Wie sie als Kind die Welt wahrnimmt, wird später Thema ihrer Songs. Ihr Album What If We Never Forget kam 2016 als Follow-up zu ihren ersten EPs auf den Markt.
AVECs Lieder sind allesamt recht schlicht und einfach gehalten: dezente Gitarrenpatterns, vereinzelte Backing Vocals oder eingestreutes Schlagzeug. Was die Musik besonders macht, ist die zarte, fast fragile Stimme der jungen Sängerin. Ihr Gesang steht im Mittelpunkt ohne darum zu kämpfen, die Töne sind manchmal nur gerade so dahingehaucht.

Fazit: Das Album What If We Never Forget lohnt sich für Freunde der schlicht-schönen Musik. Ohne großes Aufhebens, dafür melodisch und mit viel Gefühl.

 

Albin Lee Meldau: Soul-Pop mit Gefühl

Der schwedische Sänger Albin Lee Meldau, Jahrgang 1988, hat zwar erst vor zwei Jahren seine erste EP veröffentlicht, ist aber schon international unterwegs und hat vermutlich noch einen bedeutenden Weg vor sich.

Nach seiner Debut-EP Lovers 2016 hat der Musiker mehrere Singles, eine zweite EP und vor nicht einmal einem Monat sein erstes vollständiges Album herausgebracht. In der nächsten Zeit tourt er in seinem Heimatland und in Großbritannien, ab Ende Oktober ist er in Deutschland zu sehen.
Albin Lee Meldau schreibt Poptitel ohne viel Aufregung, hat dabei eine soulig Stimme und zeigt viel Emotion. Die Songs sind melancholisch, teilweise fast düster und trotzdem melodiös. Meldau wartet mit einem Spektrum auf, das von klassischem Gitarrenpop bis zu elektronisch-moderner Musik reicht. Seine Raum einnehmende Stimme verleiht dem Ganzen dabei seinen Wiedererkennungswert.

Fazit: Albin Lee Meldau ist ein spannender Künstler, der gerade erst am Anfang seiner Musikerkarriere steht. Wenn er das Tempo beibehält, mit dem er zur Zeit neue Musik fabriziert, dürfte er bald auch in größeren Kreisen Aufmerksamkeit erhalten.

Me + Marie: ein Duo, das seinesgleichen sucht

Eigentlich sind sie zwei Gegenpole: Maria Moling, eigentlich Teil der Gruppe Ganes, klare Stimme, harmonisch, verträumt. Auf der anderen Seite Roland Vögtli, musikalische Erfahrung vor allem aus Rockbands, eine Stimme wie von Wind und Wetter gebeutelt, Powerchords, Soli mit Overdrive. Trotz allem passt das Ganze wie die Faust aufs Auge.

Kennengelernt haben sich die beiden Musiker bei einem Radiosender, die ersten Projekte entstanden, sie schrieben Songs zusammen, bis es nach drei Jahren reichte, daraus eine Platte zu machen. Me + Marie war geboren.
Zehn Titel gibt es auf One Eyed Love zu hören. Die studierte Schlagzeugerin Moling liefert den Beat, ihr Kollege Vögtli übernimmt die Gitarre, gesungen wird zweistimmig. Was daraus entstanden ist, ist eine starke Mischung aus Rückbesinnung auf das Wesentliche, Tiefgang und auch einer kleinen Portion Dramatik.

Fazit: Me + Marie machen Musik für coole Socken: lässig-unimpressed aber überzeugt und selbstbewusst, wo es drauf ankommt.

Swirlpool: Dream Pop frisch aus der Plattenpresse

Wer auf der Suche nach starker alternativer Musik ist, ist bei Swirlpool richtig. Mit viel Gitarre und Drums fabriziert die Gruppe schön austarierte und variantenreiche Titel.

Nach ihrer Gründung im Jahre 2016 hat die Regensburger Band mit „Camomile“ und „Tired Eyes“ bereits zwei Singles herausgebracht. Die Debut-EP heißt ebenfalls Camomile und ist seit dem 25. Mai als Download, CD oder für Tape-Liebhaber auf Kassette erhältlich. Stilistisch macht die Gruppe feinsten Shoegaze und Dream Pop.
Die Mitglieder von Swirlpool toben sich auf ihrer Platte richtig aus. Sie spielen mit Hall, starken Betonungen und plötzlicher Entschleunigung und lassen den Gesang über einem sonst vollen Klangteppich schweben. Dieser Teppich artet dennoch nicht in einen undurchdringlichen Klangbrei aus, wie man es manchmal aus dem Genre kennt. Stattdessen nutzen Swirlpool die unterschiedlichen Möglichkeiten, die ihnen die Instrumente bieten, für ihre Zwecke und lassen alle gebührend zu Wort kommen. Die vier Titel sind abwechslungsreich und die beiden zusätzlichen Remixe zweier Songs eröffnen den Hörern außerdem noch einmal eine neue Ebene.

Fazit: Swirlpool haben schon mit ihrer ersten zusammenhängenden Veröffentlichung ihren eigenen Klang etabliert. Man darf gespannt sein, was noch kommt.

Tina Dico: intensiver Folk-Pop

Gitarre und Gesang reichen schon aus, damit Tina Dico ihre Hörerinnen und Hörer für sich einnehmen kann.

Geboren wurde die Singer-Songwriterin 1977 in Dänemark als Tina Dickow, mit 15 spielte sie in ihrer ersten Band, gewann nach der Schule gleich zwei dänische Talentwettbewerbe und ist seitdem international als Tina Dico unterwegs. Im Laufe der Zeit hat sie jede Menge Alben herausgebracht und den ein oder anderen Preis gewonnen.
Ihre Lieder sind allesamt sehr Folk-typisch: Gitarre, eine schöne Stimme, viel Gefühl. Trotz der tragisch anmutenden Akkorde und Melodien singt Tina Dico kein Stück weinerlich, sondern kraftvoll und bestimmt. Weiter verzichtet sie auf aufgeblasenen Sound, hält die Begleitung schön, aber minimalistisch, und nutzt ihre starke Stimme, um die Lieder auszufüllen.

Fazit: Mit ihrer festen Stimme und der melancholischen Gitarrenbegleitung ihrer Akustik-Titel sorgt Tina Dico für die ein oder andere Gänsehautstelle.

Fatcat: Funkige Stimmungskanonen

Acht Jungs ziehen gerade über die deutschen Bühnen und verbreiten gute Musik und gute Laune: Fatcat aus Baden-Württemberg machen den Funk tanzbar.

Ein Vorgängerprojekt der Band entstand bereits im Zuge des Musikstudiums einiger Mitglieder in Freiburg, damals noch unter dem Namen Project Mayhem. Komplett wurde Fatcat dann, als Sänger Kenny Joyner dazu stieß. 2016 erschien dann mit Champagne Rush das erste Album der Gruppe, ein Livealbum folgte im März diesen Jahres.
Mit Gitarre, Bass, Keyboard, Drums, Posaune, Alt- und Tenorsax heizen die acht ihren Zuhörern ganz schön ein. Der Klang ist wuchtig, die Lautstärke ordentlich, die Stimmung ausgelassen. Dass die Mitglieder von Fatcat durch ihr Studium Ahnung von der Materie haben, fällt auf: Die Band beherrscht dass Solospiel genauso, wie sich zurückzunehmen und harmonische Backings abzuliefern.

Fazit: Fatcat haben das Zeug, in den nächsten Jahren noch richtig groß zu werden. Mit der Pop-Funk-Mischung ihrer Titel zeigen sie, was sie musikalisch drauf haben und fabrizieren coole, unverwechselbare Songs.

Lauren Napier: Acoustic-Folk voller Gefühl

Eine junge Musikerin, die mit Leidenschaft dabei ist, gute Texte hervorzaubert und eine bestechende Stimme besitzt: Lauren Napier ist eine besondere Künstlerin.

Lauren Napier ist schon viel rumgekommen. Einerseits geographisch gesprochen, schließlich hat sie bereits in verschiedensten Ländern auf dem Globus gelebt. Aber auch beruflich war sie schon gut unterwegs. Neben ihrem Musikerdasein hat Napier einige kreative Berufe ausprobiert: So hat sie bereits als Musikjournalistin für verschiedene Magazine gearbeitet, Tourmanagerin war sie schon und als Schriftstellerin gibt es auch das ein oder andere Buch von ihr zu kaufen.
In ihren Songs schwingt meist eine gewisse Melancholie, manchmal sogar echte Tragik mit. Mit der schlichten Gitarrenbegleitung ist dabei trotz der klagenden Stimme eine außerordentliche Sanftheit zu hören.

Fazit: Lauren Napiers akustische Titel berühren einen schnell durch deren oft minimalistische Besetzung und die melancholischen Melodien.

  • Meisterwerk: „There’s No Honour Among Thieves“
  • Meilensteine:
    2015 Void of Course EP
    2017 Bedroom Recordings
  • Getextet: „Sure the standards are high but what do you value?“ (There’s No Honour Among Thieves)
  • Umleitung: http://www.punkrockdoll.com

 

Sara Niemietz: Blue Notes und voller Sound

Sara Niemietz’ Stimme klingt wie auf alten Jazz-Platten: Sie beherrscht Dirty Tones, hat einen kräftigen Gesang, kommt in die Höhe und lässt insgesamt Hoffnung für die Welt der Vokalmusik aufkeimen.

Niemietz, Jahrgang 92, hat bereits als Kind erste Auftritte in Film, Fernsehen und Theater. Sie wächst in Chicago auf, spielt Gitarre, Bass und Klavier, singt, schreibt Musik. Später arbeitet sie mit verschiedenen Musikern und Komponisten zusammen, bringt Records auf den Markt, Ellen DeGeneres wird auf sie aufmerksam und lässt sie in ihrer Show auftreten, das Time Magazine schreibt über ihre Dixieland-Interpretation von Justin Biebers „Love Youself“.
Mit ihrer fantastisch voluminösen und ausdrucksstarken Stimme covert Sara Niemietz Titel aus allen möglichen Genres, nicht selten klingt ihre Version dabei besser als das Original. Abgesehen von ihrer YouTube-Präsenz ist die Künstlerin auch ganz aktuell in Deutschland mit mehreren Shows zu sehen.

Fazit: Tolle Stimme, tolle Technik, tolle Titel. Bleibt zu hoffen, dass Sara Niemietz noch sehr lang im Musikbusiness unterwegs sein wird und die Jazzlandschaft mit weiteren Interpretationen bereichert.

Frank Powers: smarte Musik erfrischend anders

Der Schweizer Musiker Frank Powers und seine Band machen einzigartige Musik. Ein bisschen Pop, ein bisschen Folk, etwas Weltmusik, hauptsächlich aber ein ganz eigener, charakteristischer Sound.

Als Lokalprominenter hatte sich Dino Brandao unter seinem Künstlernamen Frank Powers bereits mit seinen Straßenmusikauftritten im schweizerischen Baden einen Namen gemacht. Inzwischen kann man ihn und seine Band auch auf Touren in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Großbritannien bewundern. Das Album Laisser Faire ist genauso wie die kürzlich erschienene EP Flohzirkus eine Mischung aus Titeln, bei denen keiner ist wie der andere.
Besonders an Frank Powers Art zu Singen ist sein Spiel mit verschiedenen Stimmtechniken: mal hört man reinen Klang und klare Höhen, mal singt er kratzig und akzentuiert, mal laut und intensiv. So variabel wie Frank Powers’ Stimme sind auch seine Lieder. Auf Englisch, Deutsch, Französisch und Italienisch singt er mit guten Texten über Leben und Leute.

Fazit: Die Songs von Frank Powers sind alle miteinander zu empfehlen, so unterschiedlich sie doch sind: die vor Leichtigkeit und Lebenslust strotzende Single „Free Moves“, das eher ruhige „Time And Travelling“, das ernste „Angels And Demons“.