Betrayers of Babylon: im Off-Beat auf die Barrikaden

Eine Portion Reggae, dazu ein bisschen Jazz, Pop und deutscher Gesang: Das sind Betrayers of Babylon.

Hinter der Band stehen Sänger und Gitarrist Luks Gaedtke, Bassist Leon Kunze, Pianist Oliver Reith, Posaunist Simon Stiller, Trompeter Noah Wiederhold und Marvin Andrä an den Drums.
Rhythmisch geht es bei Betrayers of Babylon zur Sache, Einflüsse aus dem Reggea kombiniert mit deutschen Texten werden mit Unterstützung der kleinen Bläser-Section zu einem echten Stimmungsmacher. Zwischendurch gibt es jazzige Fills, kleine Soli oder Off-Beat-Klatschen. In ihren Texten wird es auch mal ein bisschen derber, denn Betrayers of Babylon nehmen kein Blatt vor den Mund. Das muss auch Innenminister Horst Seehofer aushalten, der in der neuen Single „Horst“ so gar nicht gut wegkommt.

Fazit: Mit viel Rhythmus, eingängiger Musik und Texten, in denen gern auch mal verbal ausgeholt wird, bringen die Betrayers of Babylon ihre politischen Ansichten in die Welt.

Mal Élevé im Interview: „Wir müssen jetzt an alle denken“

Als Jugendlicher war Mal Élevé (zu deutsch: „schlecht erzogen“) Punk, später dann Sänger von Irie Révoltés. Jetzt musste der Musiker improvisieren, denn das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 stellt die Musikszene derzeit gehörig auf den Kopf. Nachdem die Releaseparty für sein erstes Solo-Album Résistance Mondiale nicht stattfinden konnte, sollte das Konzert von einem Kameramann gefilmt und live übertragen werden. Allerdings: Der Kameramann musste plötzlich selbst in Quarantäne – er hatte Kontakt zu einer infizierten Person gehabt. Auf eigene Faust streamte Mal Élevé das Konzert schließlich mit dem Handy. Im Interview sprach er über sein Konzert ohne Publikum, Hamsterkäufe und den Wunsch nach einer weltweiten Protestbewegung.

Musik unterm Radar: Im Moment gibt es überall nur ein großes Thema. Wie geht es euch Musikern mit den Einschränkungen durch das Virus?

Mal Élevé: Uns geht es natürlich allen ziemlich scheiße. So wie vielen Leuten gerade. Aber wir waren einfach mit die ersten, die betroffen waren – es fing ja mit dem Verbot von Großveranstaltungen an, das sind natürlich vor allem Konzerte. Meine Releaseparty musste abgesagt und die ganze Tour, die jetzt anstand, verschoben werden. Für uns, die Musik machen, ist es auf jeden Fall für das Live-Geschäft ziemlich beschissen.

Dein Releasekonzert hast du dann im Internet gestreamt. Wie fühlt es sich an zu wissen, dass einem gerade Leute zugucken, die man aber nicht sieht?

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Imwido: bunte Combo aus München

Zu acht kann es ganz schön eng werden auf einer Bühne. Eine Rockband-Besetzung plus eigenständiger Bläsersection ist aber einfach eine feine Sache. Dabei machen Imwido weder klassischen Rock, noch bayerische Blaskapelle, sondern ganz einfach ihr eigenes Ding.

Kreative Köpfe von Imwido sind Sänger und Texter David Schneider und der Gitarrist, Songwriter und Arrangeur Martin Bammler. Unterstützung erhalten die beiden von einem weiteren Gitarristen, Drummer und Bassist. Eine Bläsersection aus Trompete, Posaune und Saxophon gibt es on top. Seit 2017 hat die Band außerdem ein Album im Angebot und wer im Süden der Republik wohnt, hat regelmäßig die Chance, die Band auch mal live spielen zu sehen.
Die Rhythmen von Imwido ziehen ganz klar nach vorne. Tempo ist garantiert, ebenso gute Stimmung und Texte, die zum Schmunzeln bringen (auch der Dialekt wird mal ins Spotlight gestellt). Auch genremäßig toben sich Imwido aus: hier ein bisschen Reggae, da etwas Funk, rockige E-Gitarren-Riffs, deutscher HipHop-Sprechgesang und viel Spaß am Offbeat-Groove. Die kleine Bläsersection darf bei Imwido auf keinen Fall fehlen – dank ihnen gibt es noch eine Portion mehr Drive und eine gut abgeschmeckte Klangbasis.

Fazit: Imwido zu hören macht gute Laune. Versprochen.

Tommy Tornado & The Clerks: jazziges Saxophon

So gut wie keinen Text findet man bei den Jazzern und Reggae-Guys von Tommy Tornado & The Clerks. Dafür gibt es jede Menge Feeling und feine Eigenkompositionen.

Tommy Tornado heißt eigentlich Thomas Streutgers, ist Jazz-Saxophonist und Komponist. Als er 1997 den „Big Boss Jazz Award“ gewann, war der Musiker sogar noch minderjährig. Seit 2014 spielt der Solist auch zusammen mit der Kölner Ska-Band The Clerks. Daraus ist dieses Jahr schließlich ein gemeinsames CD-Projekt geworden: Back On Track ist seit Anfang des Monats erhältlich.
Die Rhythmusgruppe aus reggaetypischem Schlagzeug, präsentem Bass und der Gitarre auf dem Offbeat haben den passenden Unterbau für das jazzige Saxophon von Tommy Tornado parat. Mit starker Brass-Besetzung aus Trompetern und Posaunisten und aber auch Einwürfen von anderen Instrumenten wie Klavier, Querflöte oder Hammond-Orgel werden die Titel trotz der mit wenigen Ausnahmen rein instrumentalen Arrangements zu einer bunten Mischung. Die Clerks beherrschen jeder für sich ihre Instrumente, steuern hin und wieder Zwischenspiele und Soli bei und haben ansonsten ein Händchen für softe Schwingung in ihrer Begleitung.

Fazit: Das weiche Saxophonspiel von Tommy Tornado ist präzise, gefühlvoll und in sich geschlossen. Trotzdem ist das Album keine One-Man-Show und Tommy Tornado fügt sich klanglich schön in den Rückhalt der Band ein.

Emersound: musikalische Reise um die Welt

Die Musiker von Emersound verbinden die musikalische Energie aus ihrer brasilianischen Heimat mit anderen Stilen aus der ganzen Welt. Was dabei entsteht, ist etwas ganz Besonderes.

Die Truppe um Frontmann Emerson Araújo hat sich inzwischen in Berlin angesiedelt und versprüht ihre Vibes von dort aus in ganz Europa. Zwei Studioalben und ein Liverecording haben sie schon gemeinsam in Umlauf gebracht, die Konzerte der energiegeladenen Band lohnen sich erst recht.
Die unschlagbare Mischung aus lateinamerikanischen Rhythmen, Funk, Afro-Beat, HipHop und Reggea zieht bei ihrem Publikum ohne Frage. Schlagzeug und Percussion geben das südamerikanische Grundfeeling vor, die Gitarre sorgt je nachdem für eine Prise Funk oder Reggea. Emerson Araújo ist mit seinem Sprechgesang und dem charismatischen Auftreten das Gesicht von Emersound. In Brasilien und Chile ist der Name Araújo wohl längst nicht mehr unbekannt, um die Leute hierzulande von ihrer gut gelaunten, urbanen und etwas exotischen Art zu überzeugen, haben sie sich mit Berlin wahrscheinlich schon einmal das beste Terrain ausgesucht.

Fazit: Für alle, die bei Musik grundsätzlich den Drang haben, sich zu bewegen, und mal Lust auf etwas anderes haben, ist Emersound die richtige Wahl. Sie haben ein Gefühl für verschiedenste Genres, texten in verschiedenen Sprachen und wirken unglaublich offen – man hat fast das Gefühl, dass Emersound überall auf der Welt zuhause sind.

  • Meilensteine:
    2011 Mi Raza
    2015 Live In Santiago De Chile
    2016 Música Propria
  • Umleitung: http://emersound.net/

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Reggea auf französisch?!

Dass Reggea nicht nur auf englisch mit jamaikanischem Akzent möglich ist, beweisen die Mitglieder von Kana, einer überzeugten Reggeaband aus Frankreich.

Die Texte von Kana sind dabei hauptsächlich in ihrer Muttersprache geschrieben, nur vereinzelt finden sich auch Titel auf englisch, portugiesisch oder spanisch auf ihren vier veröffentlichten Alben. Der bekannte Off-beat-Rhythmus des Genres lässt auch bei Kanas Songs niemanden kalt und Sprache bewirkt, dass man mit einem akzeptablen Schulfranzösisch ungefähr ähnlich wenig versteht, wie mit fließenden Englischkenntnissen bei original jamaikanischen Sängern. Die Stimmung ist dabei trotz der untypischen Sprache ausgesprochen stilecht.
Interessant ist außerdem, dass sich die Band bereits zu Experimenten hinreißen ließ, wie dem Neuinterpretieren des Chansons „La Tendresse“ von Bourvil auf ihre eigene Art und Weise, was den ZuhörerInnen auch gut ein amüsiertes Lächeln aufs Gesicht zaubern kann.

Fazit: Kana machen Laune und versprühen das reggeatypische Gefühl von Freiheit und Unbekümmertheit.

Links: http://www.reggae.fr/lire-article/2642_Kana-Internacional.html

Karibische Sounds aus dem hohen Norden

Acht Musiker spielen Reggae, nennen sich nach dem Geburtsort der Tanzmusik Calypso und betreiben mit ihren Texten etwas, das der Guardian als „aktivistischen Journalismus“ beschreibt; und das ausgerechnet in Kanada. Klingt skurril? Ist es auch.

Allerdings bringt die Band Kobo Town neben einem außerordentlichen Vibe in ihrer Musik durch ihre durchmischte Zusammensetzung auch eine große Glaubwürdigkeit mit. In Trinidad und Tobago geboren, zieht Gründer und Sänger Drew Gonsalves im Teenager-Alter nach Kanada, wo er 2004 die Band Kobo Town gründet. Inzwischen besteht die Besetzung weiter aus Gitarrist, Schlagzeuger, Saxophonist, Percussionist, Bassist und Trompeter und hat einen vollen, aber keineswegs überladenen Sound auf Lager.
Gonsalves vervollständigt die exotische Stimmung durch den für den karibischen Raum typischen Akzent bei der Aussprache englischer Texte. Die einzelnen Zeilen, die die anderen Musiker einstimmig mitsingen, sorgen außerdem für einen lebhaften Schwung.

Fazit: Kobo Town machen rhythmischen Reggae, indem sie ihre Instrumente gekonnt einsetzen, eingängige Melodien sowie schwer verständliche Texte entwerfen und Ländergrenzen nicht als Barrieren verstehen.

Links: https://www.kobotown.com/