Machete Dance Club: Rock mit Vollgas

Machete Dance Club – das ist unheimlich dichter Sound, viel Drums, viel Overdrive, viel Rock. Seit gerade einmal einem Jahr sind die vier Musiker zusammen unterwegs und legen dabei einiges an Tempo vor.

Nachdem ihre erste selbstorganisierte Tour im letzten Jahr schon zu großen Teilen ausverkauft war, geht es jetzt munter weiter für Machete Dance Club. Seit heute nämlich gibt es die erste eigene EP der Band zu kaufen. Unter dem Titel A Trip Outta Hell Into Heaven And Back gibt es vier starke Songs, als Vorband für Dog Eat Dog geht es für die Band außerdem ab Ende nächster Woche wieder auf Deutschlandtour.
Auch die EP zeigt: Wer die Macheten hört, kriegt wenig Pausen zum Durchschnaufen. Die Band prescht fast ununterbrochen nach vorn – Stimmung machen kann die Truppe, keine Frage. Bisschen 80er Sound mit Synthesizer ist auch dabei, großartige Euphorie gibt es bei den vieren aber eher nicht zu hören. Machete Dance Club halten es stattdessen mit unheilvoller Grundstimmung. Dazu gibt’s eine Mischung aus rockig-lässiger Stimme, hin und wieder Sprechgesang, treibenden Drums und sehr rockiger E-Gitarre.

Fazit: Machete Dance Club beschleunigen den Puls. Aber keine Angst: Allzu krass geht es nicht in Richtung Hard Rock, stattdessen gibt es – wie der Name schon verspricht – tanzbare Beats und Melodien, die hängenbleiben.

  • Meilensteine:
    • 2019 EP A Trip Outta Hell Into Heaven And Back
  • Umleitung:
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Please Madame: Indie vom Feinsten

Indie-Rock pur ist die Devise der vier Salzburger von Please Madame.

Die Anfang-Zwanziger Dominik Wendl (Vocals, Gitarre), Martin Pöheim (Bass), Laurenz Strasser (Gitarre) und Niklas Mayr (Drums) haben der Indie-Welt mit Escape the Nest und Young Understanding schon zwei ausgereifte Alben mitgegeben. Ende Mai geht es für die Band auf Tour: Neben ihrer österreichischen Heimat stehen auch schon einige Termine in Deutschland fest.
Die vier Musiker von Please Madame sind ein hörbar eingespieltes Team und ihre Songs sind angenehm abwechslungsreich. Kräftig-selbstbewusster Rock-Gesang trifft hier auf Kopfstimme, coole Basslines auf teilweise fast schon funkige E-Gitarre, das Schlagzeug ist meist massig, kann sich aber im Zweifel auch zurückhalten. Und auch Stimmungswechsel haben die Jungs drauf. Mit manchen Passagen sollten dringend die Boxen ausgereizt werden, andere bauen vorsichtig Spannung auf – ein rockiges Finale ist einem aber immer garantiert.

Fazit: Please Madame warteten mit starkem Drive auf und ihre Interpretation von Indie-Rock holt sicher auch die Tanzmuffel von den Sitzen.

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Son of The Hound: Energiegeladene Mitsinghymnen

Alternativer E-Gitarrenpop – dafür steht Son of The Hound aus Irland. Dazu Melodien, die man so schnell nicht mehr loswird.

Michael McCullagh, der Mastermind hinter Son of The Hound, scheint ein experimenteller Kopf zu sein: Als Countdown zu seiner Single „The Also Ran“ entwarf er eine mehrteilige Mini-Web-Serie, er hat einen eigenen Podcast über Musik-Mythen und schließlich bringt er am 2. April sein von seinen Fans sicher schon lang ersehntes Debut-Album heraus.
Cheers, Sound, Good Luck soll das Album heißen und bringt in 10 Tracks die konzentrierte Energie des Musikers auf den Punkt. Nicht nur die Gesangsmelodien, auch die Riffs an Gitarre oder Piano bleiben hängen. McCullaghs authentische Stimme macht einen sympathischen und energiegeladenen Eindruck und eine gewisse Portion Epik ist in den Hymnen des Iren auch dabei. Songtitel wie „You Are Alive“, „I Wanna Live“ oder „Tonight, Tomorrow“ geben schon einen recht guten Eindruck, wohin sich die LP verorten lässt. Trotzdem gibt es bei Son of The Hound nicht ausnahmslos Hochstimmung – ein bisschen Melancholie muss schließlich auch manchmal sein.

Fazit: Son of The Hound ist Musik zum Mitschmettern, Mitgehen, Mitfühlen.

  • Meisterwerk: „You Are Alive“
  • Umleitung:
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ESKALATION: Rockmusik ohne Morgen

ESKALATION gehen auf den ersten Blick recht mutig an das Genre Rock. Deutsche Texte, dazu eine Mischung aus Melodie- und Sprechgesang und Blasinstrumente in der festen Besetzung. Aber: Das funktioniert. Und zwar wirklich gut.

Die Nürnberger ESKALATION haben sich in den vergangen zwei Jahren mit um die 70 Gigs schon eine Fanbase erspielt. Mitte Mai soll es dann mit einem neuen Album weitergehen. Hinter dem Bandnamen verbergen sich gleich sieben Menschen: Frontmann und Gitarrist, Basist, Keyboarderin, Drummer, Posaunist, Trompeter und Saxophonistin. Dass der Sound massig wird, ist also keine Überraschung.
Energiegeladen und mit Karacho nach vorn – so funktionieren die Songs der Truppe. Die Fills und Akzente der Bläser passen erstaunlich gut in das Indie-Punk-Rock-Konzept, während die klassische Rockband-Besetzung für den stabilen Unterbau und ordentlich Drive sorgt. Auch die deutschen Texte sind eine erfrischende Abwechslung zu den im Rock meist englischen Lyrics. Mit ihrer Musik sorgen Eskalation für Partystimmung und den Kram laut aufzudrehen, ist das mindeste, was man tun kann.

Fazit: ESKALATION sind eine Rockband wie sie sein sollte: unkonventionell, mit Spaß an der Sache und einem Sound ohne Rücksicht auf Verluste.

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Whitehall: Indie durch und durch

Menschen, die Spaß an der Musik haben, hört man immer gern zu. Wenn das Ganze dann noch Hand und Fuß hat, mit guten Musikern und spannenden musikalischen Ideen, braucht man sich überhaupt nicht mehr zu beschweren.

Whitehall ist eine junge Band aus Charleston, South Carolina. Die Jungs sind zu fünft unterwegs, ein erstes Album mit dem Titel Ocean Fiction gibt es schon und getourt wird ebenfalls – momentan allerdings nur zu Hause in den Staaten.
Der Sound von Whitehall ist durch viele Faktoren einigermaßen unverwechselbar. So setzt die Band zusätzlich zu der tyischen Rockband-Besetzung aus zwei Gitarren, Bass, Drums und Gesang noch ein Saxophon ein. Dadurch entstehen unter anderem ausgesprochen eindrückliche Solopassagen und starke Wechsel zwischen Sax und Leadgitarre. Charakteristisch sind außerdem besonders die Kopfstimme des Sängers und die starke Rhythmik in den Songs. Zuweilen geht die Musik dann schon eher in die funkige Richtung.

Fazit: Es gibt Dinge, von denen weiß man erst, dass sie einem gefehlt haben, wenn man sie dann hört. Ein Saxophonist in einer festen Indie-Rock-Besetzung gehört sicherlich dazu. Whitehall sind mit diesem besonderen Stil eine Band, in der sicher noch einiges an Potential steckt.

  • Meilensteine:
    • 2018 Debut Ocean Friction
  • Meisterwerk: „Vacation Home“
  • Umleitung:

Magnus: lässiger Blues

Merkmal des jungen Sängers Magnus sind seine fließenden Melodien, die raue Stimme und nachdenkliche Texte.

Der Singer/Songwriter heißt vollständig Magnus Ernst, kommt zwar aus Hessen, lebt in seiner Musik aber lieber in klassisch amerikanischen Breiten. Blues, Jazz, Soul, das sind seine Stärken – erst als Gitarrist, inzwischen auch als Solokünstler. In seinem Debut-Album Leaving, das Anfang Februar erschienen ist, tobt sich der junge Musiker nun richtig aus.
Wie zu erwarten, gibt es viel Gitarre zu hören mit interessanten Akkorden, mal rhythmisch, mal gezupft und melodieführend. Seine Stimme weiß Magnus ebenfalls einzusetzen. Die schöne Mischung aus Nachdruck und etwas sympathischer Verschlafenheit bleibt hängen, kratzig, soulig und ganz sicher mit Leidenschaft.

Fazit: Magnus‘ Musik liefert zeitgleich die richtige Portion Drive und Gelassenheit und ist nach dem Hören garantiert schwer wieder aus dem Kopf zu kriegen.

John Garner: Folkrock mit Drive

Auf der Suche nach Songs, die man einmal hört und dann den ganzen Tag vor sich hin summt? Dann ist die Gruppe John Garner die richtige Adresse.

Den Grundstein für die Band legte Frontmann und Gitarrist Stefan Krause schon vor einigen Jahren, als er sein Künstleralias John Garner erfand. Später stießen Chris Sauer (Gitarre) und Lisa Seifert (Akkordeon) hinzu. Seit 2016 ist das Trio komplett, 2017 und 2018 folgte direkt jeweils ein Album.
Typisch John Garner sind viel Gitarre, schöner dreistimmiger Gesang und ein leichter Hang zu epischen Akkorden. Die Musik der Band macht Laune, die Stimmen scheinen sich gegenseitig zu befeuern und es gibt einige Parts, die man ruhig laut aufdrehen kann. Wer sich nun ärgert, es verpasst zu haben, im letzten Jahr eins der über 100 Konzerte der Band zu besuchen, muss trotzdem nicht den Kopf in den Sand stecken. Es reicht vorerst, morgen Abend durchs Fernsehen zu zappen und bei Pro7 hängen zu bleiben, wo die drei bei der Sendung „My hit. Your song.“ auftreten. Ebenfalls morgen am 17. Januar geht die neue Single der Band an den Start: „I Saw The Fire“ ist wie von John Garner gewohnt ein Song mit dem Schwerpunkt auf der Gitarre, starker Melodie, schönen Wechseln. Dennoch geht „I Saw The Fire“ in eine etwas andere Richtung als zuvor, arbeitet mit Witz und der spannenden Idee, Träume zu Musik zu verarbeiten; zu viel soll hier aber noch nicht verraten werden.

Fazit: Von Kopfstimme bis rockig-kratzig haben die drei John Garners viel zu bieten, die Titel sind frisch und lebendig – der ein oder andere Ohrwurm ist garantiert.

  • Meilensteine:
    • 2009 Stefan Krause wird „bester Rocksänger Deutschlands“
    • 2017 Debut Writing Letters
    • 2018 See You There
  • Umleitung: Website

Prada Meinhoff im Interview: „Musik zu machen ist ein explosiver Prozess“

Das Duo Prada Meinhoff startet diese Woche die „Koma-Tour“. Mit einer frischen EP im Gepäck geht es zwölf Tage lang durch neun deutsche Städte. Zwischen Radiointerviews und Bandproben hat sich Bassist René Riewer Zeit für Musik unterm Radar genommen. Ein Gespräch über Kreativität, Rockband zu zweit und den Stress des Lebens.


Musik unterm Radar: René, gemeinsam mit der Sängerin Christin Nichols bist du jetzt seit drei Jahren unter dem Namen Prada Meinhoff unterwegs. Für diejenigen, die noch nie einen Song von euch gehört haben, wie würdest du eure Musik beschreiben?

René Riewer: Beats, Bass und Stimme. Wir machen Elektropunk aufs Maul.

…da hört man jetzt schon heraus, dass man bei euch nicht unbedingt die schnulzigen Liebeslieder findet. Worum geht es in euren Texten?

Um die ehrlichen, ungeschönten Dinge des Lebens. Wir sind beide um die 30, da hat man denke ich doch die ein oder andere Erfahrung gesammelt, die man mit Anfang 20 so noch nicht hatte. Wir propagieren keine heile Disney-Welt. Wir beschäftigen uns in unseren Songs damit, wie es wirklich ist, mit echten Sehnsüchten, Ängsten und Herausforderungen und ich hoffe, dass sich da die Menschen wiederfinden können.

Ihr habt vor einem halben Jahr eure Debut-Platte veröffentlicht, die neue EP Stress gibt es jetzt seit zwei Wochen. Dazu beginnt in ein paar Tagen die Koma Tour, eure erste Headliner-Tour. Bei so viel Programm in so kurzer Zeit, scheint ihr ja ein schnelles Arbeitstempo zu haben. Wie läuft das bei euch ab, von der ersten Idee bis zur fertigen EP?

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Alice Merton: echte Frauenpower

Alice Mertons Musik ist vor allem eins: saucool. Texte, Rhythmen, Melodien – einfach alles cool.

Nach einer – zumindest geographisch – recht bewegten Kindheit und Jugend (Deutschland, USA, mehrere Stationen in Kanada, wieder Deutschland, Großbritannien) macht Alice Merton ihre Musik heute von Berlin aus. Und diese Musik kommt an: Mehrere Preise hat sie schon abgestaubt, unter anderem einen ECHO, in Deutschland und vier anderen Ländern hat sich ihre erste Single so gut verkauft, dass es für den Platin-Status reichte.
Mertons Songs sind im Großen und Ganzen Popstücke, allerdings mit einer guten Ladung rockiger Power. Der energiegeladene Sound ist vor allem geprägt von Mertons ausgesprochen kräftiger Stimme. Sie stahlt beim Singen eine beeindruckende Souveränität aus, als ließe sie sich von nichts und niemandem vorschreiben, wer sie zu sein habe. Auch was ihre Instrumentalbegleitungen anbelangt, traut sich Merton, zu experimentieren. So ist „No Roots“ komplett auf einem Bassmotiv aufgebaut und überhaupt ist der Song mit den wirkungsvoll eingesetzten Backings und rhythmischen Akzenten besonders kraftvoll.

Fazit: Alice Merton macht lebendigen und definitiv tanzbaren Indie-Pop, die Ohrwurm-Melodien kommen dabei trotzdem nicht zu kurz.

Yusuf Sahili: Brücke zwischen zwei Kulturen

What are we really doing on this planet? Where are we going? What will remain of us when we leave? And what are we running on before that will happen? – Yusuf Sahili stellt sich die ganz großen Fragen.

Sahili ist ein in Berlin beheimateter Indie-Musiker. Es ist noch gar nicht so lang her, da hat er nach zwei EPs mit seiner Single „No Way Out“ eine neue Veröffentlichung auf den Markt geworfen.
Zugegeben, seine Melodien sind nicht immer eingängig, manche Tonfolgen kommen unerwartet, trotzdem hört man gern und fasziniert zu und lässt sich von seiner relativ hohen Stimme, den stilvoll eingesetzten Begleitungen und Texten forttragen. Die Gitarrensoli sind oft eine aufregende Mischung aus rocktypischem Overdrive und orientalischen Skalen. Von sanfter Mehrstimmigkeit und unbeschwerten Melodien über folkige Guitarbackings bis zu echter Power ist Yusuf Sahili gut aufgestellt.

Fazit: Es gibt keine Schublade, in die dieser Musiker so einfach passt. Indie, etwas Rock, Folk, ein bisschen Reise um die Welt, Aufbruchsstimmung und Yusuf Sahilis feines musikalisches Gefühl machen den ganz einzigartigen Charakter seiner Musik aus.