Florian Ehrmann: Stuttgarter Indie-Soul-Pop

Als Siebenjähriger entdeckte Florian Ehrmann die Gitarre für sich. Es hat nicht lang gedauert, bis er sich auch an ersten Liedtexten ausprobierte. Inzwischen scheint der Stuttgarter Künstler musikalisch angekommen zu sein.

Florian Ehrmann hat als Solokünstler eine kleinere EP und zwei Singles veröffentlicht, die nächste EP folgt im Dezember auf Bandcamp. Außerdem schreibt er Musik für Film und Werbung und hat ein Faible für Fotografie und Dokumentarfilme, was auch in seinen Musikvideos durchblitzt. Bei Auftritten ist der Singer/Songwriter bisher meist solo unterwegs.
Florian Ehrmanns Musik strahlt Lebendigkeit ab und dabei ist es ganz egal, ob der ganze Song rhythmischen Schwung mitbringt wie „Beautiful Woman“ oder ob der Sound etwas düsterer daherkommt wie in „Beautiful Day“. Hin und wieder baut Florian Ehrmann auch für einen Singer/Songwriter etwas untypischere Ideen ein – je nach Song sind das etwa eine Flöte, elektronische Elemente oder aufgedrehte perkussive Rhythmen.

Fazit: Eingängige Melodien, eine angenehm gelassene Stimme und das ein oder andere unerwartete Detail gibt es bei Florian Ehrmanns Songs zu entdecken. Man darf gespannt sein, was noch kommt.

Kalina: Singer/Songwriter-Pop aus Wien

Mal ruhig, mal aufgewühlt singt Kalina Pop-Songs mit Einschlägen aus verschiedensten Genres und Stimmungen. Ihre Texte drehen sich um persönliche Themen wie Freiheit, Abschiednehmen und Empowerment.

Kalina wurde in Madrid geboren und wuchs in Österreich auf. Das Studium führte sie zeitweise nach London, inzwischen hat sie aber Wien als ihre Basis auserkoren. Konzerte haben die Songwriterin in verschiedenste europäische Ecken geführt. 2017 veröffentlichte die Songwriterin eine erste EP, seitdem gibt es ab und an eine neue Single zu hören.
Gespickt mit R&B und jazzigen Einflüssen kommen von Kalina wohl durchdachte Singer/Songwriter-Songs. In ihrer Stimme liegt Kraft und Beharrlichkeit, gleichzeitig ist sie nicht angewiesen auf überbordende Dramatik und füllt einen Raum auch mal nur mit Gesang und leisen Jazzakkorden von der Gitarre wie bei „Thousand Rivers“.

Fazit: Kalina singt mal eindringlich, mal zurückhaltend. Ihre Songs sind zeitlos schön und mit feinsinnigen Details gespickt.

Schlakks: funkiger Deutschrap mit Tiefsinn

Erfrischend ehrlich nimmt uns der Dortmunder Rapper Schlakks mit auf eine musikalische Reise durch seine Gedankenwelt. Wortgewandt skizziert er mit seinen Texten Situationen und Gefühle so bildlich, dass wir uns nicht selten selbst in seinen Momentaufnahmen wiederfinden. Reflektiert und selbstkritisch stellt er sich den Fragen unserer Zeit und hat dabei keine Hemmung, über komplexe politische und gesellschaftliche Themen wie toxische Männlichkeit zu rappen.

Die Songs klingen unkonventionell und handgemacht. Schlakks‘ Reimstruktur ist ausgefuchst, er bringt viel Inhalt in kurzer Zeit und das, ohne zu überladen. Frederik Schreiber aka Schlakks lässt sich irgendwo zwischen Moderne und Oldschool mit Funk-Einschlag einordnen und kreiert so seinen ganz eigenen und für Deutschrap eher untypischen Sound. Der Bass ist funky, die Gitarrenriffs unerwartet frech und es fällt schwer, hier nur mit dem Kopf zu nicken. Wir wollen tanzen!
Schlakks‘ langjährige Wegbegleiter Razzmatazz und OPEK sorgen mit für diesen unverwechselbaren Klang und haben auch sein neuestes Album Wir werden von euch erzählen produziert. Die LP ist gerade erschienen und vollgepackt mit dreizehn Tracks, die Bock machen, grübeln lassen und nachwirken. Das Trio spielt im Dezember noch ein paar Liveshows, unter anderem in Hamburg und Bochum.

Fazit: „Das ist mein Leben und das ist eines von vielen. Was bleibt mir denn anderes übrig, als die Scheiße zu lieben?“ rappt Schlakks in seinem Song „Ich weiß nicht, was das ist“. Diese Liebe fürs Leben und die Musik und seine Leidenschaft für Sprache spürt man in jedem seiner Songs – auch deswegen macht es so viel Spaß ihm zuzuhören.

Autorin:

Cosima Endres

Mo Klé: Songwriter mit Ecken und Kanten

Mo Klé heißt mit bürgerlichem Namen René Grünfelder. Der Singer/Songwriter kommt aus der Schweiz und hat Ende Oktober sein erstes Album Parallel Worlds veröffentlicht. In den acht Songs darauf beschäftigt er sich mit gesellschaftlichen und persönlichen Fragen etwa zu unterschiedlichen Lebensrealitäten, Liebe oder Diskriminierung.
Mo Klé singt auf Englisch und Deutsch. Seine Musik ist wie geschaffen für rauen Herbstwind und wärmendes Kaminfeuer. Statt für allzu glatt geschliffenen Sound steht er nämlich sowieso lieber für Musik mit Ecken und Kanten. Ganz klassisch setzt der Musiker vor allem auf Gesang und Akustik-Gitarre, hat aber als Unterstützung auch eine volle Band-Besetzung hinter sich.

Fazit: Mit Gefühl singt sich Singer/Songwriter Mo Klé durch bodenständigen Americana-Sound.

Frau Lehmann: leichtfüßiger Indie-Pop

Von Frau Lehmann kommen luftige deutsche Indie-Songs. Die Musik trägt etwas Umherstreifendes, Suchendes in sich und hat doch ihre Bodenhaftung nicht verloren.

Frau Lehmann nennt sich eine Leipziger Band rund um Frontfrau und Texterin Fiona Lehmann. Die Konstellation ist noch frisch – erst zwei Singles hat die Band bisher veröffentlicht. Eine erste EP lässt aktuell also noch auf sich warten, sie ist aber in der Mache.
Die etwas verträumte Lyrik der Songs von Frau Lehmann spinnt sich um Alltägliches herum und transportiert gemeinsam mit den ohrwurmtauglichen Melodien einen fast kindlich-leichtfüßigen Blick auf die Welt. Die Texte lassen sich tragen von der klaren Singstimme von Fiona Lehmann. Dazu gibt’s E-Gitarre mit Retro-Sound, minimalistisches Schlagzeug und klangliches Feingefühl.

Fazit: Mit deutschen Texten, musikalischer Zwanglosigkeit und trotzdem einer Prise unbestimmter Sehnsucht entwickeln Frau Lehmann eine besondere Mischung aus Indie-Pop und Singer-Songwriter-Stil.

Marla und David Celia: zwei Stimmen voller Ausdruckskraft

Die Lieder von Marla und David Celia haben etwas Geheimnisvolles. Neben der spielerischen Leichtigkeit vieler Passagen kommt immer auch eine gewisse Tiefe zum Vorschein.

Kennengelernt haben sich die deutsche Sängerin, Gitarristin und Cellistin Marla und der kanadische Sänger und Multiinstrumentalist David Celia auf einem Konzert. Damals beide noch solo unterwegs, begleitete Marla daraufhin zuerst David Celia auf dessen Deutschland-Tour und folgte danach der Einladung, ihr Album in seinem Studio aufzunehmen. Aus dem ursprünglichen Plan (Musik aufnehmen: ja – verlieben: nein) wurde allerdings nichts, sodass das Paar nun seit inzwischen fünf Jahren als Duo zu hören ist. Im Laufe der Zeit durften sie unter anderem als Vorband von Kiefer Sutherland auftreten, sind quer durch Russland getourt und haben mit Daydreamers und Indistinct Chatter zwei gemeinsame Platten veröffentlicht.
Bei Marla und David Celia treffen zwei charakterstarke Stimmen aufeinander. Trotzdem stehlen sie einander nicht die Show, sondern verschmelzen zu berührender Zweistimmigkeit und tollen Harmonien mit Tiefgang. Gefühlvoll und dezent bettet die Instrumentalbegleitung den Gesang der beiden in ein Geflecht aus melodischem Klang und behutsamer Spannung und Rhythmik ein.

Fazit: Wie in ihrer eigenen Welt klingen Marla und David Celia in ihren Sphären aus harmonierenden Stimmen und wohldurchdachten Arrangements.

Aquilo: britisches Dreampop-Duo

Nach zwei Jahren Arbeit ist es jetzt so weit: Aquilo haben ihr neues Album A Safe Place To Be veröffentlicht. Die Klänge und Texte sind geformt von den Ups & Downs, die die beiden in dieser Zeit erlebt haben, und geprägt von der Rückbesinnung zu ihrem Heimatort Silverdale, Lancashire, mit dem das Duo unzählige Erinnerungen und Geschichten verbindet. So schmückt auch das Cover des Albums eine selbstgebaute Miniatur-Version ihrer Heimatstadt.

Aquilo besteht aus Tom Higham und Ben Fletcher, die als Nachbarn aufwuchsen und zuvor schon an eigenen musikalischen Projekten arbeiteten. Bisherige Erfolge waren ihre ersten beiden Alben Silhouettes und ii sowie weitere EPs und Songs, mit denen sie sich eine feste Fanbase aufbauen konnten. Für Februar 2022 steht außerdem eine Europa-Tour an, auf der Aquilo auch einen Abstecher nach Berlin und Köln unternehmen.
A Safe Place To Be spiegelt die Emotionen und Erlebnisse aus der Zeit wider, in der Aquilo die Songs geschrieben und produziert haben. Entstanden ist daraus ein bunter Mix an ruhigen Piano-Stücken wie „I Wanna See You Smile“ oder etwas rockigeren Songs wie „You Make Me Mad“. Obwohl die Lieder verschiedene Stimmungen vermitteln, lässt sich in jedem ein einzigartiger Sound verspüren, der aus der Sicherheit hervortritt, sich als Musiker und Band gefunden zu haben und – wie der Titel des Albums verspricht – einen sicheren Ort zu haben. 

Fazit: Aquilo bezaubern mit wirklich schönen Songs voll träumerischem Sound, sanftem Gesang und Wiedererkennungswert.

Autor:

Julian Hubert

Sid Vision: rebellischer Prog-Rock

Wege des geringsten Widerstands sind nichts für Sid Vision. Statt auf Triviales wie Reime oder erwartbare Kadenzen zu setzen, holt der Berliner Sänger und Multiinstrumentalist lieber die musikalische Wundertüte hervor, wo immer sie gebraucht wird.

Zu seinem Stil gekommen ist der Musiker letztendlich auch über Umwege: Eigentlich war eine Karriere als Drummer geplant, als ihm ein gebrochenes Handgelenk einen Strich durch die Rechnung machte. Glücklicherweise dachte Sid Vision gar nicht daran, den Kopf in den Sand zu stecken, sondern widmete sich von da an lieber Songwriting und Gesang – zwischendurch von seinem Bruder an den Drums unterstützt, inzwischen mit eigener Band.
Sid Visions Songs sind eigenwillig, aufbrausend, mutig. Die hohe Stimme des Sängers legt sich über finstere Tiefen, verschiedenste Instrumentation und tobende Rhythmen. Eisern stemmt sich Sid Vision dabei gegen jeglichen Versuch, seiner Musik ein Korsett aus musikalischen Formen oder gar Genres aufzuzwängen und erfindet stattdessen einen unvorhergesehenen Bruch nach dem anderen.

Fazit: Die Musik von Sid Vision transportiert einen ultimativen Freiheitsdrang. Jeder Song ist anders und regelmäßig wird man überrumpelt, ob von den plötzlichen Wechseln oder der faszinierenden Melodieführung.

Ryan Tennis: folkige Gute-Laune-Kanone

Wenn Ryan Tennis seine warme Stimme und die stabile Rhythmik auspackt, wippt schnell unwillkürlich der ein oder andere Fuß mit.

Der Musiker lebt in Philadelphia, obwohl es ihm spätestens seit seinen zahlreichen Touren eigentlich der Süden des amerikanischen Kontinents angetan hat. Was das angeht, legt Ryan Tennis übrigens ein ordentliches Arbeitspensum vor: An die 200 Konzerte im Jahr über die ganze Welt verteilt sind keine Seltenheit für ihn. Auch mehrere Alben und EPs sind von ihm schon zu hören – dieses Jahr kommt voraussichtlich seine siebte Studioveröffentlichung.
Voller Energie grooven die Songs von Ryan Tennis irgendwo zwischen Folk, Soul und Pop umher. Seine etwas draufgängerisch klingende Stimme ist wie die ausladende Instrumentation mit Rockbesetzung plus Bläsern Markenzeichen von Ryan Tennis. Zwischendurch ist er sich auch nicht zu schade dafür, seiner Albernheit freien Lauf zu lassen und er funktioniert wahlweise Küchensiebe, Schneebesen oder Haarbürsten zu improvisierten Mikrofonen um.

Fazit: Der Musiker mit dem wehenden langen Haar versprüht gute Laune als wäre es ein Volkssport.

Mala Oreen: Folk mit Charakter

Bei Singer-Songwriterin Mala Oreen meint man schon herauszuhören, dass sie in mehreren Welten zu Hause ist. Für ihre neuen Songs hat sich die schweizerisch-amerikanische Musikerin statt von ihrer Heimatstadt Luzern vom Nachthimmel in Texas und der Landschaft New Mexicos inspirieren lassen.

Bevor sie sich in den amerikanischen und irischen Folk verguckte, lernte Mala Oreen allerdings erst ganz klassisch Geige und nahm Gesangsunterricht. Zusätzlich zu ihrem Soloprojekt ist sie auch in Bandformation unterwegs, tourte neben Deutschland und Holland auch schon durch Irland und die USA. Für ihr nächstes Album hat es Mala Oreen erneut für eine kreative Auszeit in die USA gezogen. Awake erscheint im November.
Mit perlender Stimme singt Mala Oreen sich durch die Folk-Melodien ihrer Lieder. Und auch bei der Begleitung an Gitarre, Mandoline oder Geige zeichnet sie einprägsame Muster und Formen. So klingen manche Songs spielerisch und befreit, andere tragen eine gewisse Wehmut in sich oder preschen nach vorn.

Fazit: Mala Oreen merkt man an: Sie weiß, wie sie klingen möchte. Ihre reife Stimme setzt sie mal mit Nachdruck, mal voller Fragilität ein. Mit der abwechslungsreichen Instrumentalbegleitung fängt sie gekonnt Stimmung ein.