Behind The Scenes: a-Musik ist einer der besten Plattenläden in Deutschland

Schon mal überlegt ’ne Vinyl zu kaufen? Der Kölner Plattenladen a-Musik ist eine Möglichkeit dafür. Sogar eine ausgezeichnete. Der Laden gewann 2025 den EMIL_ – den deutschen Preis für Schallplattenfachgeschäfte – und profitiert vom Hype um das Kultmedium. 

© Ratfink1973

Wir treffen Georg vor Ladenöffnung im a-Musik. Mit seinem langjährigen Freund Frank betreibt er das Schallplattengeschäft im Kölner Cäcilien-Viertel unweit vom Neumarkt. Viel Holz, viele Platten, viel Gemütlichkeit. Der Laden lädt zum Verweilen und Stöbern ein. Neben den vielen Vinyls stehen auch CDs und Kassetten zum Verkauf. Bei a-Musik geht es um mehr als das Medium: „Es geht um die Musik“, sagen die beiden Freunde aus Schulzeiten.

Und davon haben sie eine große Vielfalt zur Auswahl. Neben Jazz, Klassik, Avantgarde-Rock und Pop gibt es Töne aus verschiedensten Ecken Welt im Angebot. Ihre Spezialisierung liegt jedoch woanders: „Experimentell-elektronische Musik ist unser Background“, erzählen uns die Ladenbetreiber, die auch selbst gerne mal an den Turntables stehen. Zum Beispiel bei regelmäßig veranstalteten DJ-Abenden. Vor allem eingeladene Musiker*innen laden dann themengebunden zum Zuhören ein. Denn genau darum soll es hier gehen: ums Hören ohne Ablenkung.

Dass sie ihre Leidenschaft so spürbar machen, dafür wurde a-Musik schon ausgezeichnet. Und zwar mit dem EMIL_ – dem deutschen Preis für Schallplattenfachgeschäfte 2025. Namenspate für den Preis ist Emil Berliner, der Erfinder der Schallplatte. 

„Dass der Plattenladen auch als kultureller Ort und Treffpunkt funktioniert, ist ein wichtiges Kriterium“, sagt Georg. Ein Hauptfokus auf Neuware ist ein weiteres Kriterium für die Preisvergabe, die in Jena stattfand. In vier Kategorien wurden 14 Geschäfte für ihre Hingabe belohnt. Das Kölner Geschäft gewann dabei neben neun anderen Plattenläden in der Hauptkategorie „Bestes Schallplattengeschäft“, dotiert mit 15.000 € pro Preisträger. Ob das weiterhin so möglich sein wird, ist fraglich. Denn ab diesem Jahr wird der EMIL_ nicht mehr vom Bund gefördert. 

Trotz allem dürfte das die gute Laune in der Branche nur bedingt beeinflussen. Denn der Vinylhype ist ungebrochen. Seit 2006 steigen die Umsatzzahlen im deutschen Vinylgeschäft um durchschnittlich ca. 20% jährlich. Neuer Rekordumsatz seit den 80er Jahren: 153 Millionen Euro

Dabei scheint sich besonders hierzulande das Geschäft mit den Kunststoffscheiben zu lohnen. Deutschland liegt auf Platz vier der Länder mit den meisten Plattenläden weltweit. Auch wenn das Kultmedium hauptsächlichin der Altersgruppe ab 40 Jahren Abnehmer*innen findet, steigt die Begeisterung seit 2020 auch wieder bei Menschen zwischen 20 und 29 Jahren. Entwicklungen, die auch a-Musik spürt.

So betreten vermehrt junge Menschen das kleine Geschäft am kleinen Griechenmarkt, das Publikum ist vielfältig. Worin die Gründe dieser Begeisterung für ein Old-School-Medium wie die Platte liegen? Ein Aspekt, sagt Georg, sei die Tatsache, dass digitale Inhalte auch wieder verschwinden können. Je nach vertraglichen Umständen kann die Lieblingsmusik plötzlich nicht mehr auf den Streamingplattformen vorhanden sein. Physische Medien wie Vinyls zu kaufen, schafft da Abhilfe. 

„Das Gefühl etwas in der Hand zu haben, etwas weitergeben, verschenken oder wieder verkaufen zu können, gibt es bei digitalen Inhalten nicht“, sagt Frank. Es ist ein „Trend gegen das Digitale“, wie er die Entwicklungen bezeichnet, die a-Musik und vielen anderen Schallplattengeschäften in Deutschland in die Karten spielt. 

„Wenn ich eine Platte mit auf eine einsame Insel nehmen müsste, wäre es vielleicht 4´33“ von John Cage“, verrät er uns noch. Ein Musikstück, das aus Stille besteht und damit etwas Ruhe in eine laute und schnelllebige Welt bringen kann. Ein bisschen wie der Analogtrend, von dem Georg und Frank bei A-Musik profitieren.

Autor:

Christoph Schmidt

Video:

Mia Kehrer

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