Dorfterror: Drei Akkorde gegen den Faschismus

Das Dorf Oberbillig an der deutsch-luxemburgischen Grenze, irgendwo hinter Trier, klingt auf den ersten Blick nicht nach einem Ort, an dem die subkulturelle Szene groß vertreten ist. Es klingt nach Kirchplatz, Sitzbänken unter Bäumen, älteren Herrschaften und einer günstigen Dorfkneipe. Fakt ist aber: Hier sind vier junge Musiker*innen zusammengekommen, die aus der besonnenen Stille des Ortes volle Punk-Kreativität schöpfen. Seit 2018 pflügen sie mit klarer Haltung und ihrer Drei-Akkorde-Vollgas-Punk-Musik durch die Szene. Dorfterror nennen sie sich und repräsentieren die junge Generation Z, die viel zu sagen hat.

Powerchords, punkige Melodien, schnelle Drums mit peitschendem Bass – Dorfterror spiegeln in ihrem Sound den klassischen Deutsch-Punk wider. Dazu laute, teilweise grölende und rotzige Vocals, damit auch bloß keine Missverständnisse entstehen, was die Botschaften angeht.

Ihre Texte handeln von der ignorierten jungen Generation, von den privilegierten Eliten, die die Zukunft verbrennen, und von der anhaltenden Umweltzerstörung, die kommende Generationen ungebremst treffen wird – während die heutigen Entscheidungsträger sich weigern, Verantwortung für deren Zukunft zu übernehmen. Und klar, als Punkband verstecken sich Dorfterror nicht davor, den Rechtsextremismus anzuklagen. Hier treffen sie eine Art Krankheit, die sich im Land immer weiter verbreitet und bei der Menschenhass mittlerweile in sogenannten Volksparteien salonfähig gemacht wird.

Mit ihrem Song „Kein Fußbreit“ sprechen sie Tacheles und bringen die Symptome des rechten Mobs in eingängige Strophen. Gemeinsam mit Sebastian Krumbiegel und anderen Punkbands rufen sie dazu auf, den Faschisten in unserer Gesellschaft keinen Platz mehr zu geben.

Dorfterror ist eine Band, die was zu sagen hat – es geht ihr um die Message und weniger darum, ein komplexes verschnörkeltes musikalisches Werk zu schaffen. Ihre Botschaften tragen sich direkt mit der rohen Energie der Musik in die Hörerschaft – dafür wurde Punk geschaffen. 2019 brachte die Band ihre Debüt-EP Schülerpunk heraus, die sie im Keller produziert haben. Die ersten Live-Erfahrungen folgten und brachten die Band konsequent weiter. Dorfterror beobachteten dabei, dass die Räume für Subkultur in ihrer Region um Trier immer weniger werden und setzen sich bis heute dafür ein, dass diese erhalten bleiben.

2022 dann das Debütalbum Zivilisation und Abgrund, das den musikalischen Charakter und die Haltung der Band tiefer profilierte. Das zweite Album Schreikinder (VÖ 6. März) markiert nochmal einen deutlichen Sprung – noch kantiger, noch rauer, noch mehr Emotionen. Dorfterror sind in allen Facetten reifer geworden, ohne dabei auch nur ein Stück weit von ihrem Feuer zu verlieren, Ungerechtigkeiten und soziale Missstände klar auszusprechen. Es ist kraftvoll, direkt und voller Wut – die Texte sind unmittelbar, das Album ein Ventil für die Wut, den Frust und die Ignoranz.

Aber Dorfterror haben auch die Seite, auf der sie einfach nur das Lebensgefühl Punk zelebrieren und es in der Musik gerne mal rumpelt und nicht alles straight durchlaufen muss. So schaffen sie auf ihrer Platte die perfekte Balance zwischen ernsten Texten und dem einfachen Rauslassen der Sau. Zwischen gesungenen Passagen und gebrüllten Refrains, um sich von dem Frust zu befreien.

Fazit: Dorfterror aus Oberbillig liefern genau das, was Punk sein sollte: laut, direkt, politisch und kompromisslos drei Akkorde. Und sie zeigen, dass es notwendig ist, Haltung zu zeigen und laut zu sein, um wahrgenommen zu werden.

Autor:

Marius Schieke


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