The coolest and youngest band you need to know…

So betitelte die Website nylon.com 2014 ihren Artikel über das Duo Charlie Belle. Und das nicht zu Unrecht: Die auch inzwischen noch nicht einmal zwanzig Jahre alten Musiker klingen zum einen deutlich älter als sie sind, zum anderen geben sie – obwohl nur zu zweit – eine vollständige Indie-Pop-Band ab.

Nach einem Start als Trio mit Bassistin sind die beiden Geschwister Jendayi und Gyasi Bonds aus Texas seit ihrer zweiten EP allein musikalisch unterwegs. Erstere spielt E-Gitarre, ihr Bruder steuert das Schlagzeug bei. Zusammen ergibt das eine harmonierende runde Sache. Dazu kommt Jendayis angenehme Stimme, die zugleich voluminös und zurückhaltend ist und die sorglose Stimmung der selbstgeschriebenen Lieder.

Fazit: Charlie Belles Musik ist leicht zusammenzufassen: Der Fuß wippt mit, die Melodie bleibt im Kopf, das Herz geht auf. 

Links: https://www.theguardian.com/music/2015/jan/23/new-band-of-the-week-charlie-belle-no-39

Autofahrmusik vom Feinsten

Mitsingen, auf dem Lenkrad trommeln, Rhythmus spüren. Das Album Lunatic von den KONGOS ist genau der richtige Soundtrack für eine Fahrt auf einer freien Autobahn.

Die Band spielt alternativen Rock voller Energie. Die Melodien sind zwar eingängig, aber alles andere als banal, und jedes einzelne Lied ist anders. Dazu kommt noch: Die KONGOS haben neben Gitarre, Keyboard, Bass und Schlagzeug auch ein Akkordeon als gleichwertiges Instrument in ihre Rockband integriert. Erstaunlicherweise funktioniert das so gut, dass einem dieser Umstand nach kurzer Zeit gar nicht weiter auffält, der Klang der Band dadurch aber umso mehr Wiedererkennungswert erlangt.
Gegründet wurde die Band 2007 von den Brüdern Daniel, Dylan, Jesse und Johnny Kongos in Südafrika. Die Einflüsse des dort populären Kwaito – eines afrikanischen Genres in der Nähe des House – sind bei manchen Liedern zu erahnen. Inzwischen spielen die KONGOS vor allem in den USA, sind aber hin und wieder auch in anderen Teilen der Welt unterwegs.

Fazit: Die KONGOS machen mit ihren Titeln eine gute Mischung und haben einen unverwechselbaren Sound.

Links: http://www.kongos.com/about/

Das Erfolgsrezept von drei Jahrzehnten

Die größte Zusammenkunft von Blues-Bands der Welt trägt den Titel International Blues Challenge und findet einmal jährlich in Memphis, Tennessee statt. Seit 1984 trägt die Blues Foundation den Wettbewerb aus und zeichnet hochkarätige Musik von Bands oder Solo- bzw. Duettkünstlern aus. Dass die meisten Gewinner US-Amerikaner sind, leuchtet ein, schließlich ist der Blues dort eng an die Tradition gekoppelt. Umso überraschender war es, als 2011 erstmals zwei Europäer den Wettbewerb gewannen. Und das völlig zu Recht.

Wenn Marc Breitfelder seine Mundharmonika spielt, dann hört man kein Instrument. Man hört eine Stimme. So viel Ausdrucksstärke liegt in seinen Soli und so beneidenswert perfekt beherrscht er die Technik auf der Mundharmonika, für die man – entgegen der weitverbreiteten Annahme – weit mehr können muss, als nur durch den Holzkörper ein- und auszuatmen. Er entlockt dem kleinen diatonischen Instrument Töne, die man nicht für möglich gehalten hätte, laut Website durch Verwendung einer eigens von ihm entwickelten Überblastechnik.
Sein Musikerkollege Georg Schroeter liefert dazu Klavier und Gesang. Technisch und solistisch ebenfalls einwandfrei ergänzt er mit seinem Talent, das Publikum zum Mitwippen mit dem Fuß oder gar Tanzen zu bringen, dass man doch staunen kann, zu wie viel eine so kleine Besetzung im Stande ist.
Ihr herausragendes Können zeigen die Norddeutschen Schroeter und Breitfelder nun schon seit ganzen dreißig Jahren zum Beispiel mit ihrem Song „Talk To Me“, bei dem sie mit ihren Instrumenten die Auseinandersetztung eines Paares imitieren. Schroeters Klavier ist der Mann, Breitfelders Bluesharp die Frau, und schon entwickelt sich eine witzige Situation, bei der man die Streitenden beinahe vor sich sieht.

Fazit: Die Musiker ergänzen sich unheimlich gut. Beide kennen sich aus mit ihren Instrumenten, beide haben sie den Blues in ihren Adern. Noch unterstützt von einem Schlagzeuger geben sie eine hervorragende Konstellation ab, die auf Konzerten wie auf CDs gleichermaßen für Stimmung sorgt.

Links: https://www.tripsavvy.com/memphis-international-blues-challenge-2321731
http://www.gs-mb.com/

Moop Mama: Marching Band mal anders

Fast schon kein Geheimtipp mehr sind Moop Mama aus München. Der Grund dafür: Sie sind in verschiedensten Szenen vertreten. Eingeschworene Rap-Fans kennen sie, denn Frontmann Keno beherrscht Technik wie Freestyle und schreibt fantastische Texte. Musiker, die selbst ein Blasinstrument spielen, sind fasziniert von den Fähigkeiten der Band und den Soloeinlagen, denn von Sousaphon und Posaune über Saxophon bis hin zur Trompete ist alles dabei. Und zu guter Letzt sind da die Partygänger, die Moop Mama augenblicklich in ihren Bann zieht. Den Jungs gelingt es, einen riesigen Platz zum Springen zu bringen, dabei sind sie witzig und alles andere als abgehoben.

Unterstützt wurden sie dabei schon von Größen wie Jan Delay, den Sportfreunden Stiller und Blumentopf, sie spielen jede Menge Konzerte und arbeiten bereits am vierten Album. Die Texte sind mutig und machen weder vor Konsum- und Gesellschaftskritik noch vor einem bewegenden Lied über den Weg von Flüchtlingen über das Mittelmeer halt.
Auf ihren Live-Konzerten, die sie anfangs noch auf öffentlichen Plätzen gespielt haben und sich dabei das ein oder andere Mal mit der Polizei konfrontiert sahen, haben Moop Mama eine enorme Wirkung auf ihr Publikum, die Stimmung ist ausgelassen, es wird mitgesungen und früher oder später hat jeder einzelne die Hände in der Luft.

Fazit: Die Musik von Moop Mama eignet sich prima zum laut Aufdrehen. Das musikalische Niveau der Band ist sehr hoch, außerdem ist Rapper Keno ein geborener Entertainer und die Songtexte sind mindestens hochkarätig.

  • Meisterwerk: „Die Erfindung des Rades“
  • Getextet: „Denen, die so viel erzählen, steht das Wasser selten bis zum Hals“ (Meermenschen)
  • Umleitung: http://www.laut.de/Moop-Mama

Hippies mit Charisma

Mit einem Instrumentenpool aus Flügelhorn, Gitarre, Saxophon, Schlagzeug, Klarinette, Cello, Klavier, Sousaphon, Bass und Gesang lässt sich so einiges anstellen. Erst recht wenn jeder Musiker neben einem herausragenden Talent auch noch eine unglaubliche Freude am Leben, Lachen und Musizieren mitbringt.

2013 hat sich in den Niederlanden um Sänger und Flügelhornist Paul Istance das internationale Musikerkollektiv The Magic Mumble Jumble gebildet und wächst seitdem stetig weiter. Verschrieben haben sich die Künstler dem Hippiedasein. Ihre Botschaften wie „Home is where my heart is, and my heart is among my friends“, „Please take off your shoes before you step into my mind“ oder „Please, Mr Scientist, don’t take the magic away“ tragen sie durch ihre Lieder auf Touren und Festivals in die Welt und sorgen auf ihren Konzerten für eine ganz besondere Verbindung zum Publikum.
Mit einer Mischung aus Folk, Pop und Jazz, markantem Gesang und immer wieder auch Instrumentalsoli bieten die jungen Frauen und Männer ein sehr abwechslungsreiches Programm.

Fazit: The Magic Mumble Jumble stehen für gute Laune und Lebensfreude pur. Das Zuhören macht Spaß, die Texte werden durch eingeworfene „Heys“ und andere Silben noch überschwänglicher und die sympathischen Musiker beherrschen ihre Instrumente.

  • Meisterwerk: „Brightest Colour Blue“
  • So klingt’s: bunte Mischung! Elemente aus dem New Orleans Jazz, Mehrstimmigkeit, Takt- und Tempowechsel, ausgelassene Stimmung
  • Getextet: „Please, Mr Scientist, don’t take the magic away“ (Mr Scientist)
    „Please take off your shoes before you step into my mind“ (Change)
  • Umleitung: http://themagicmumblejumble.com/
    http://www.milla-club.de/the-magic-mumble-jumble/

Live-Report: Bardentreffen 2017

Mit dem Titel "Musik-News" erscheinen an dieser Stelle von nun an mehr 
oder weniger regelmäßig Neuigkeiten über Bands, Alben, Tours und
andere Hintergrundgeschichten. Welche Musik-News sollten hier noch
unbedingt auftauchen? Schick gern eine Nachricht durch!

Auf dem Bardentreffen in Nürnberg spielen jedes Jahr Musiker aus aller Welt über die Stadt verteilt auf neun offiziellen Bühnen oder als Straßenmusikanten. Das diesjährige Festival fand vom 28.-30. Juli statt, der Eintritt war wie immer frei. Der Schwerpunkt lag auf internationaler Blasmusik und die neunzig Konzerte liefen deshalb unter dem Motto „Gegenwind“.

 

Fotos: © 2017 Katharina Köhler – alle Rechte vorbehalten

Links: https://bardentreffen.nuernberg.de/bardentreffen/das-festival/

Tim Vantol: Musiker mit Leib und Seele

„Er klingt ja, als wär‘ er besoffen!“ Dieser Ausruf war eine erste Reaktion auf das Lied „If We Go Down, We’ll Go Together“ von Tim Vantol, das unter seinen Fans längst zur Hymne geworden ist. Zwar ist davon auszugehen, dass der Sänger und Gitarrist zum Zeitpunkt der Aufnahme nüchtern gewesen ist, dennoch findet man die ein oder andere Eigenschaft, die angetrunkenen Menschen zugeschrieben wird, durchaus auch in Vantols Musik wieder (im positiven Sinne, versteht sich).

Der Niederländer spielt auf seinen drei veröffentlichten Alben vor allem Folk-Rock-Songs mit Anklängen aus dem Country. Dabei lebt seine Musik vom Unperfekten. Vantol braucht mit seiner charakteristischen, natürlichen Stimme keinen korrigierenden Computer; wenn mal ein Ton nicht auf den Kopf getroffen wird, macht ihn das nur umso authentischer. Denn es steckt so viel Emotion in seiner Stimme: Wenn Vantol singt, fühlt man die Überschwänglichkeit, den Mut, die Euphorie eines Menschen, der mitten im Leben steht. Die kratzig-raue Stimme, die so charakteristisch für ihn ist, lässt seine Freude an der Musik schnell auf alle Zuhörenden überschwappen. Diese positive Energie und seinen Idealismus was gesellschaftliche Themen anbelangt, macht er durch die Songs ebenso wie durch seine Konzerte damit möglichst vielen Menschen zugänglich.
Nachdem Tim Vantol 2014 bereits als Vorband des US-amerikanischen Folk-Sängers Chuck Ragan mit auf Tour war, ist er dieses Jahr auf seiner eigenen Deutschland-Tour unterwegs gewesen.

Fazit: Mit seiner Musik, die voll gepackt ist mit Ehrlichkeit und Spontanität, überzeugt Tim Vantol von Anfang an. Man wird gepackt von einer riesigen Lust auf Abenteuer und vor allem auf das Mitjohlen im Refrain. Reinhören wird dringend empfohlen!

Links: http://timvantol.com/music/
http://www1.wdr.de/fernsehen/rockpalast/bands/ueber-tim-vantol-100.html

Schuss aus der Hüfte

Wer Lust hat, mal wieder authentische Rockmusik zu hören, nichts außer Gitarre, Drums, Bass, Gesang, der ist bei Nico Vega an der richtigen Adresse.

Gegründet 2005 in Los Angeles hat die Band inzwischen mehrere EPs und zwei Alben herausgebracht, tourte als Vorband von Imagine Dragons durch die Welt und veröffentlichte das Lied „Beast“, das für das Computerspiel BioShock Infinite verwendet wurde.
Aja Volkman, Sängerin von Nico Vega und inzwischen auch solistisch unterwegs, beschreibt die Musik der Band gegenüber b-sides on air in einem Interview 2013 als „Schuss aus der Hüfte“, sie würden immer die Musik machen, die ihnen gerade durch den Kopf geht.
So kommt es, dass sich neben den durch und durch rockigen Songs auf den Aufnahmen auch immer wieder Titel finden, die in eine ganz andere Richtung gehen. Das aktuelle Album Lead To Light ist zum Beispiel schon etwas näher am Pop als das erste. Mit „Bang Bang (My Baby Shot Me Down)“, im Original von Cher, wagt sich die Band auf schwieriges Gebiet, schließlich stammt die wohl bekannteste Cover-Version von Nancy Sinatra. Doch auch hier überrascht die Gruppe: die bedrohliche Stimmung wird immer mehr gesteigert, bis es den HörerInnen schließlich kalt den Rücken herunterläuft.

Fazit: Nico Vega haben ein großes Spektrum auf Lager: an erster Stelle steht unangefochten der Rock, aber die Band traut sich auch auf weniger ausgetretene Pfade, spielt alternative und auch mal schwer einzuordnende Musik.

Links: http://b-sides.tv/interviews/20130522-interview-nico-vega-talks-the-new-album-and-touring-with-imagine-dragons

Entspannen mit der versteinerten Gemeinschaft

Einen verregneten Nachmittag sollte man am besten auf einem bequemen Sofa mit einer Tasse Tee, einem guten Buch und dem Album Tell Where I Lie von Fossil Collective (= versteinerte bzw. fossile Gemeinschaft) verbringen.

Durch das gut abgestimmte Zusammspiel der Begleitinstrumente, das unaufdringliche Schlagzeug und den Verzicht auf allzu großen Spannungsaufbau entwickelt sich beim Hören schnell eine gewisse Tiefenentspanntheit. Die fließenden, oft noch lange ausklingenden Lieder mit ihren mehrstimmigen Passagen im Gesang nehmen spürbar die Hektik aus dem Alltag und sorgen für ein leichtes Zuhören.
Der Sänger überzeugt mit seiner sanften, klaren Stimme, die trotz eher hoch angesiedelten Melodien nicht zu sehr dominiert, sondern für einen angenehmen Klang sorgt. Die Akustikgitarre, die den wichtigsten Part der Instrumentation übernimmt, besticht währenddessen mit zur Melodie passender Einfachheit und beschränkt sich im Regelfall auf ein durchgehendes Schlag- oder Zupfmuster bei der Akkordbegleitung.
Auch andere Instrumente wie beispielsweise eine E-Gitarre treten ab und an auf und verleihen den ruhigen Melodien mit charakteristischen Intros oder Zwischeneinlagen einen besonderen Charme.

Fazit: Fossil Collective schaffen es jedes Mal aufs Neue, eine einzigartige Gelassenheit in ihrer Musik zu transportieren, indem die Musiker Instrumente wie Gesang gleichermaßen bescheiden wie pointiert einsetzen und den Fokus auf einen intensiven Gesamtklang statt auf Soloeinlagen oder einzelne Melodieführung legen.

Fossil Collective auf Soundcloud: https://soundcloud.com/fossilcollective

Der Zauber bleibt scheu, nur dem Staunenden treu

Ein nuschelnder Singer/Songwriter mit Gitarre und Mundharmonika – der Vergleich mit Bob Dylan ließ naturgemäß nicht lange auf sich warten.

Max Prosa singt auf inzwischen drei im Folk beheimateten Alben über Liebe und Leben und schreckt auch vor politischen Texten nicht zurück. Während Prosa mit Die Phantasie wird siegen ein sehr breit aufgestelltes Debutalbum gelungen ist, sind auf dem zweiten Album Rangoon eher schwermütig-aufgewühlte aber auch sehr melodiöse Titel und mit Hallelujah eine Übertragung des Cohen-Klassikers ins Deutsche zu hören.
Dieses Jahr erschienen ist Keiner kämpft für mehr, das schon eher in Richtung Pop zu verorten ist. Die Stimme des jungen Künstlers klingt dort noch einmal deutlich selbstbewusster, die Klänge sind massiver und etwas experimenteller, die Texte nicht mehr so verträumt.
Mit „Chaossohn“, einem Track mit deutlich gesellschafts- und kapitalismuskritischen Anklängen aus Rangoon, gibt Prosa uns zum Schluss einen schönen Satz mit auf den Weg, den ein jeder sich ab und zu einmal durch den Kopf gehen lassen sollte: „Doch der Zauber bleibt scheu, nur dem Staunenden treu.“

Fazit: Max Prosa gelingt es, mit ausagekräftiger Musik und sensiblen Texten lebhafte Gefühle freizusetzen. Die drei bisher erschienenen Alben sind insgesamt recht unterschiedlich, aber alle auf ihre Art mehr als hörenswert.