Seasoul: softer Hauptstadt-Pop

Klassischer Singer/Songwriter-Charakter und Ausflüge in Richtung Pop – die Sängerin Seasoul probiert sich in verschiedenen musikalischen Ecken aus. Bestes Beispiel dafür ist die kommende EP.

In Berlin landet die Baden-Württembergerin Vanessa Sonnenfroh alias Seasoul ursprünglich für ihr Studium im Bereich der Musikproduktion. Ein erstes Album und weitere einzelne Veröffentlichungen folgen bald. Die nächste EP Moth soll Ende Dezember auf den Markt kommen.
Besonders auf früheren Aufnahmen hält Musikerin Seasoul die Begleitung oft noch recht minimalistisch, nur einzelne Klaviertöne oder Gitarrenakkorde stützen den Gesang. In der neuen EP wird der Klang etwas experimenteller. Von Produzent DRMMKR unterstützt, finden neue Ideen und Genres Einzug in Seasouls Musik. Wechselweise ist ihre Stimme dabei sanft-fragil oder kräftig und ausdrucksstark. Etwas mysteriöse Stimmung oder eine hin und wieder eingestreute vorsichtige Zweistimmigkeit verleihen den Songs Tiefe.

Fazit: Ob klare Kopftimme oder ein Sound, der mutig in die Vollen geht: Seasouls Stimme zündet mit Vielseitigkeit.

Sperling: spannende DIY-Band

Eine markante Stimme, viel Atmosphäre und ein eigenwilliger Sound: Wer Sperling das erste Mal hört, kriegt die Band möglicherweise so schnell nicht aus dem Kopf.

Die fünf Jungs von Sperling verstehen sich als Do-It-Yourself-Projekt. Nach ersten kleineren Veröffentlichungen in den letzten Jahren plant die Band nun für Anfang nächsten Jahres ein Album.
Ob melodisch oder mit rhythmischem Sprechgesang: Die raue Stimme des Sängers klingt, wie vom Leben gezeichnet und fügt sich wunderbar ein in die recht düstere Stimmung der Songs. Getragen wird der Stil der Band auch von einem warmen Cello-Sound – ein passender Gegenpol zur sonst typischen Rock-Besetzung. Auch textlich lassen sich die Songs eher in den dunkleren Spären verorten: Es geht um Depression, Ängste, Einsamkeit. Dennoch hört man gern zu und bleibt fasziniert vom musikalischen Stil der Band zurück.

Fazit: Sperling passen sicherlich eher in die nahende dunkle Jahreshälfte als in die Sommermonate. Die Musik ist mal aufgewühlt, mal sanft und meist liegt über allem ein spannendes Knistern in der Luft.

Maura & Fred Red: musikalischer Herbsteinbruch

Seit einem Jahr haben sie sich zurückgehalten, nun wollen sie wieder starten: Das Duo aus Maura und Fred Red meldet sich mit einer neuen Single und einem besonderen Gast zurück.

Nachdem das gemeinsame Projekt zwischenzeitlich auf Eis lag, da Sängerin Maura mit ihrer Band in Israel auf Tour war und Fred Red mal eben einen Produzenten-Wettbewerb gewinnen musste, lassen die beiden nun wieder von sich hören. Auf die erste neue Single „Lovelottery“ soll wohl in absehbarer Zeit auch ein Album folgen. Mit von der Partie ist außerdem der junge Multiinstrumentalist und Jazzförderpreisträger Malik Diao.
Mauras und Fred Reds Ideen zeigen sich in einem stimmungsvollen Gesamtpaket. Mauras voluminöse, tiefgängige Stimme leitet gefühlvoll durch die jazzige Musik. In „Lovelottery“ steuert Malik Diao neben Klavier und Kontrabass auch etwas Querflöte bei, was dem Song noch einmal eine besondere, sphärische Ebene verleiht.

Fazit: Die Kompositionen von Maura und Fred Red haben eine spannend schwebende Tiefe. Statt allzu verkomplizierter Jazz-Gedanken kommt die Musik trotz Melancholie mit einer gewissen Leichtigkeit um die Ecke.

Kamee Kazee: brandneues Rock-Projekt

Kamee Kazee sind noch ganz frisch im Geschäft: Erst vor kurzem wurde die Band gegründet, die erste Single „Anima Sola“ ist gerade mal wenige Tage alt.

Mit einem Spiel aus Licht und Dunkelheit im Video zu „Anima Sola“ warten Kamee Kazee aus Leipzig mit einer interessanten Idee auf und geben so schon einmal einen Eindruck vor, wo es künstlerisch noch hingehen könnte. Schließlich sollen in den kommenden vier Monaten noch vier weitere Singles plus jeweils ein zugehöriges Musikvideos folgen.
Schon die Gitarrenmotive in „Anima Sola“ gehen schnell ins Ohr. Der Gesang hat eine gewisse Schärfe und prägt den Charakter der Musik. Mit einer etwas düster-mysteriösen Stimmung machen Kamee Kazee so insgesamt spannenden Alternative-Rock.

Fazit: Bei Kamee Kazee bietet sich die Möglichkeit, den Werdegang einer vielversprechenden Band ganz von Anfang an zu verfolgen.

Call Us Janis: Bahn frei fürs innere Kind

Die Truppe Call Us Janis aus Kassel steht für Indie-Rock mit Tanzrhythmen.

Mit zwei Lead-Sängern, Gitarren, Bass und Schlagzeug kommt die Band auf fünf Mitglieder. Neben ihrer ersten EP Do You Wanna Dance With Me? aus dem Jahr 2018 haben Call Us Janis vereinzelte Singles herausgebracht.
Die Refrain-Melodien der Band gehen genauso wie die eingestrickten Instrumentalideen und Riffs leicht ins Ohr. Dank der zwei Sänger fließen weiter unterschiedliche Konzepte mit ein – ob klassischer Frontmanngesang, Zweistimmigkeit oder Rap-Einlagen. Auch nimmt sich die Band erfrischenderweise selbst nicht zu ernst. Ihr Merchandise preisen Call Us Janis auf Facebook beispielsweise mit einer eigens gedrehten Dauerwerbesendung an. Das innere Kind lassen sie schließlich in ihrer neuen Single „Ecstasy“ vollends von der Kette: Unbeschwert und furchtlos klingen sie in den Lyrics und auch das zugehörige Video entstand mit ausgelassener Stimmung bei einem feuchtfröhlichen Wochenende im Wald.

Fazit: Statt auf alte Schubladen zu setzen, bauen sich Call Us Janis ihr eigenes Genre zusammen wie aus Legosteinen: Rock trifft auf Rap, Mitsingmelodien auf funkige Riffs, tanzbare Beats auf Stimmungswechsel.

The Honeyclub: Rock’n’Roll-Spirit aus Bochum

Drei begeisterte Musiker aus dem Ruhrpott haben sich zusammengetan, um nach eigener Aussage nicht weniger als eine „Rock’n‘Roll-Revolution“ auf die Beine zu stellen.

Die junge Band hat sich 2019 als The Honeyclub gegründet und räumte direkt ein knappes Jahr später in ihrer Heimat den ersten Platz als „Campus Ruhrcomer“ ab. Die erste EP Chemistry, Baby! haben Leadsänger und Gitarrist G. Lou, Bassist Bo J. Al und Drummer Feety Joe im September 2020 veröffentlicht.
Die drei Musiker vom Honeyclub haben sichtlich Spaß am musikalischen Stil der 50er und 60er Jahre. Neben Rock’n’Roll-typischen Werkzeugen wie den klassischen Akkordfolgen, Fokus auf der E-Gitarre, rauem Gesang und Songzeilen à la James Brown („Oh Baby, please, please, please | you got me on my knees“) mischen die Clubmitglieder auch ihre eigene, moderne Prägung bei.

Fazit: Der Honeyclub trägt Musik und Spirit des Rock’n’Roll mit viel Elan und Herzblut in die heutige Zeit und bleibt trotzdem dem Kern des Genres treu.

Mulberry Sky: Bluesrock mit Charakter

Nach einer Hochburg für Rockbands klingt Bruckmühl eigentlich nicht gerade. Dennoch ist der Ort südlich von München die Homebase von vier überzeugten Rock- und Bluesfans.

Knapp zwei Jahre ist es her, dass sich Sängerin Catherine van Bruce dort über Social Media auf die Suche nach Bandmitgliedern in spe machte. Gefunden haben sich daufhin Dom Raygun, Simon Petrosa und Lucky Lerchl. Als Mulberry Sky haben die vier bald erste Songs zusammen aufgenommen, die im Frühling diesen Jahres auf ihrer Debut-EP landeten. Statt nun wie geplant Konzerte zu spielen, hat die Band im Pandemiejahr ihre Energie in eine neue Single gesteckt.
Frontfrau Catherine van Bruce hat eine Stimme mit Power. Mit ihrem voluminösen, ungeschliffenen Sound klingt die Sängerin schon fast verwegen. Dazu kommt der herbe E-Gitarren-Klang, treibende Drums und stabiler Bass – kurz: Mulberry Sky haben ein Herz für feinsten Bluesrock. Die neue Single „Golden Suit Problems“ reiht sich schön in den Stil der ersten EP ein, was kaum verwundert: Tatsächlich ist der Song eine Weiterentwicklung der ersten gemeinsam aufgenommenen Demo der Band.

Fazit: Mulberry Sky wissen, was sie wollen. Die Songs machen Laune, die Musik ist gut abgeschmeckt, der Sound ist charakterstark.

Sie kamen Australien: Allerneuste Deutsche Welle

Synthesizer, Beats, Bass und deutsche Texte: Drei Nordlichter beleben die 80er wieder.

Ein Jahrzehnt sind Stimme, Stulle und Henner, wie sich die drei Köpfe hinter Sie kamen Australien nennen, nun schon musikalisch miteinander unterwegs. Das Debut-Album der Truppe aus Kiel gibt’s seit 2016 und heißt Peter ist der Wolf. Im vergangenen Jahr kam mit Mit den Gesetzen dieser Welt die letzte größere Veröffentlichung des Trios heraus.
Stetige Drums, ordentlich Synthies und eine gesunde Portion abgeklärte Lässigkeit gehören für Sie kamen Australien und ihre NDW-Songs dazu. Das ist nicht immer melodisch – bestes Beispiel dafür ist die für Anfang Oktober geplante Single „Das Resultat“. Dafür toben sich die drei in ihrem Genre richtig aus, werden auch mal politisch und setzten nicht nur in der Begleitung, sondern auch im Gesang auf scharfe Rhythmik.

Fazit: Von Sie kamen Australien kommen tanzbare Beats, Musik mit Ecken und Kanten und eine Retro-Stimmung inklusive Augenzwinkern.

Wallners: Dreampop aus Wien

Geschwistern sagt man häufig nach, sie würden sich ohne Worte verstehen. Für die vier Wallners aus Wien steht fest: Ihre gemeinsame Sprache ist die Musik.

Musik gemacht haben die Zwillinge Anna und Laurenz Wallner (25) mit ihren Brüdern Nino (20) und Max (23) schon Jahre lang zusammen. Die im Wohnzimmer gebastelten Demos schickten die Geschwister irgendwann auf gut Glück zu einigen Labels. Bei keinem geringerem als Universal Music wurde man stutzig. Dort ist nun die erste Single „In My Mind“ der Geschwister erschienen.

„In My Mind“ ist ein Song voller sphärischem Dreampop. Viel Hall und ein stetiges Glockenspiel eröffnen eine bunte Traumwelt. Sängerin Anna Wallners Stimme als Konstante trägt den Song durch seine schwebende Atmosphäre. In den nächsten Veröffentlichungen der Wallners wird es aber wohl noch in eine andere Richtung gehen. Schließlich haben sich alle vier bereits auf Daft Punk als Lieblingsband geeinigt.

Fazit: Ohne viel Tamtam ist den vier Wallners ein angenehm verträumter Debut-Track gelungen. Spannend wird jetzt zu sehen, wohin die Reise geht, wenn die Geschwister in nächster Zeit neue musikalische Ideen von sich hören lassen.

Newcomer-Szene in Österreich 🇦🇹

SALÒ beschreibt die Welt so, wie sie ist: Hardcore.

Wer bei „Hardcore“ an verzerrte Gitarren, harte Drums und rebellische Texte denkt, liegt zwar richtig, aber da steckt noch mehr dahinter. SALÒ nutzt den Begriff auf dem neuen Album auch als Zustandsbeschreibung. Für unsere Kolumnistin klingt darin auch mit: wieder Haltung zeigen, unbequemer sein und den rebellischen Geist von Hardcore neu aufleben lassen.

Kobrakasino: Pop ohne Regeln

Kobrakasino zeigen, dass Popmusik nicht zwangsläufig nach altbekannten Normen funktionieren muss. Zwischen psychedelischen Klangflächen, tanzbaren Rhythmen und rohen Rockeinflüssen hat das Grazer Trio bei jeder neuen Single eine Überraschung parat.

Julia Effekt: Die letzte deutsche Welle

Bisschen Nostalgie ist erlaubt beim Hören der Wiener Band Julia Effekt, die sich selbst als die „letzte deutsche Welle“ bezeichnen. Tatsächlich klingt die Band aber so ganz und gar nicht altbacken, stattdessen ist von launigen balladen bis zu wütendem Punk alles dabei.


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Cayucas: Kalifornischer Surfer-Vibe

Knallender Sonnenschein, Pazifikwellen und Sonnenbrillen-Coolness: Cayucas bringen mit ihrem Surf-Pop echtes Sommer-Feeling auf die Ohren.

2013 brachten die Brüder Zach und Ben Yudin als Cayucas ihr erstes Album heraus. Inzwischen steht Platte Nummer vier in den Startlöchern. Blue Summer wird kommende Woche veröffentlicht.
Ganz lässig singen sich Cayucas durch ihre Surf-Music-Songs. Die beiden Stimmen greifen ineinander und harmonieren, zwischendurch darf die Kopfstimme nicht fehlen. Ein verspielter Vibe liegt über soliden Basslines, eingängigen Rhythmen und E-Gitarrenriffs mit Retro-Flair. Überhaupt fühlt sich die Musik von Cayucas an wie eine Zeitreise an die kalifornische Küste der 60er Jahre – nicht umsonst sind die Beach Boys die großen Vorbilder der Brüder.

Fazit: Dass sie in große Fußstapfen treten, ist kein Problem für die beiden Musiker. Mit ihrer coolen Art und cleverer musikalischer Umsetzung kann man das Duo ohne Bedenken mit den alten Größen der Surf Music in einem Atemzug nennen. Und vielleicht sind Cayucas gerade für den nahenden Herbst noch einmal genau das Richtige.

  • Meilensteine:
    • 2013 Debut Bigfoot
    • 2015 Dancing at the Blue Lagoon
    • 2019 Real Life
    • 2020 Blue Summer (VÖ 25. September)
  • Umleitung: