Kobrakasino: Pop ohne Regeln

Was verstehen wir unter Popmusik? Eingängige Melodien, einfache Songstrukturen, Chartplatzierungen? Dabei gibt es Pop, der ganz anders funktioniert und frei ist von diesen Normen. Die österreichische Band Kobrakasino macht Pop, der sich gar nicht so leicht in Schubladen stecken lässt.

Kobrakasino liefert einen Sound mit NDW-Einflüssen samt einer Ästhetik, die an den Indie-Sleaze der späten 2000er Jahre erinnert. Das Grazer Trio bestehent aus den Musikern Sebastian Hiti, Benno Hiti und Chris Schöttel. Die drei gründeten schon 2018 ihre Band mit der sie eine EP sowie ihr Debütalbum Sonne, Mond & Dynamit veröffentlichten. Aus dem Album entstand die Single „Was vorher noch glänzte“, die sowohl auf Song- als auch auf Videoebene einen Einblick in die Kunst Kobrakasinos zeigt. Die filmartigen Szenen, das Sounddesign und die Lyrics verleihen dem Song einen besonders psychedelischen Charakter.

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Streichelt: NNDW zwischen Kuschelkurs und Rosenkrieg

„Fühlt euch gestreichelt“, heißt es auf dem Profil von Streichelt auf Spotify. Aber der NNDW-Artist aus Nürnberg kann auch ganz anders: Streichelt bewegt sich gern zwischen den Sounds, probiert, produziert und provoziert manchmal auch ein bisschen. 

Bevor er Streichelt ins Leben gerufen hat, hat sich Johannes Weichelt schon durch viele Genre-Kosmen, Bandprojekte und musikalische Baukästen probiert. 2023 startete er dann sein neues Projekt – erstmals solo und auf deutsch. Seitdem produziert, schreibt und veröffentlicht er viel selbst oder im engen Kreis. Streichelt geht seinen eigenen, unaufgeregten Weg und entwickelt sich mit. Da ist also nicht dieser eine Sound oder dieses eine Thema. Johannes probiert sich aus. Ein bisschen unfertig, ein paar DIY-Vibes und eben diese Unperfektheit machen Streichelt nahbar.

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Alin Coen im Interview: „In Physik und Astronomie ist große Poesie und Magie verborgen“

Alin Coen ist in der deutschen Singer-Songwriter-Landschaft wohl eine der besondernsten Stimmen. In ihren lyrischen Texten finden sich feine Beobachtungen über die Zwischenmenschlichkeiten des Lebens. Dabei ist das Schreiben für sie durchaus harte Arbeit, wie sie erzählt. Einer ihrer Songs musste immerhin ganze zwölf Jahre auf seinen Text warten.

Am 29. Mai erscheint ihr neues Album Du bedeutest mir die Welt, anschließend geht Alin bis in den Herbst hinein auf Deutschlandtour. Dabei wäre es gut möglich gewesen, dass es zu all dem gar nicht gekommen wäre. Denn Alin hat 2014 schon einmal einen ganz anderen Weg eingeschlagen, weg von der Musik, vom Touren und Liederschreiben. Warum es – zum Glück für uns – dann doch anders weiterging, erzählt sie im Interview.

© Tristan Vostry

Musik unterm Radar: Liebe Alin, du bringst bald dein siebtes Album raus, erste Konzerte deiner Tour sind schon ausverkauft. Du bist in Deutschland heute als Künstlerin so etabliert, dass es mich total überrascht hat zu lesen, dass du die Musik vor zwölf Jahren eigentlich schon mal aufgegeben hattest. Wie kam das?

Alin Coen: Da haben eine Menge Sachen mit reingespielt. Ich hatte seit 2012 keine neuen Lieder geschrieben. In meiner Bandkonstellation hatte ich das Gefühl, festzustecken. Dabei war gerade alles am Wachsen. Wir haben im Huxley’s in Berlin vor 1600 Leuten gespielt und hinterher habe ich mich nur gefragt: Warum macht mich das überhaupt nicht glücklich? Ich hatte plötzlich das Gefühl, dass es total sinnlos ist, Musikerin zu sein.

Mir war sehr präsent, wie schlecht wir unseren Planeten behandeln. Und mich hat beschäftigt, wie stark das Ungleichgewicht in der Musikbranche ist. Männer haben es definitiv leichter als Frauen, sie werden besser bezahlt, bekommen mehr Auftrittsmöglichkeiten. Das hat mich gewurmt. Ich fand plötzlich alles doof an der Musikszene. Es war eine Sinnkrise.

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Zuflucht in der Hosentasche


Unser Autor René ist selbst Musiker und passionierter Pop-Fan. Als etwas älteres Semester musste er von Boybands in Baggy Pants über Grunge bis K-Pop schon so einiges mitmachen. In seiner Kolumne „riffs & rants“ blickt er für uns mehr oder weniger regelmäßig auf neue Musik, Trends und Pop-Phänomene.


Ein Refugium, eine Zuflucht, kann alles Mögliche sein und an überraschenden Orten und in unvorhersehbarer Gestalt gefunden werden.

Am Lagerfeuer Teil einer wild zusammengewürfelten Gruppe sein, die eine Gemeinschaft wird, laut lachend Verletzlichkeiten teilen und erfahren: Es ist okay, dass du zeigst, dass da etwas ist, das du trägst, das schwer wiegt. Reich es rüber, wir tragen es ein Stück des Weges mit dir. Oder werfen wir den ganzen Scheiß einfach ins Feuer.

In einem kleinen, verrauchten Raum Musik machen, laut, gegen den Strich gebürstet, und zulassen, dass die aus dem Kollektiv entspringende raue Energie dich hinwegträgt wie eine Welle den Surfer.

Im Auto mit einem eben noch fremden Menschen durch eine bezaubernde Landschaft fahren, der Musik lauschen, nicht reden. Spüren, dass dieses gemeinsame Schweigen mehr ist als die Abwesenheit von Worten, und sich dem unerklärlichen Gefühl von Vertrautheit ausliefern.

Auf dem Heimweg in einer verregneten Nacht von einer dicken orangen Katze in einem Hauseingang aufgelauert und mit lautstarkem Miauen zum Streicheln aufgefordert werden.

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GiGi Girls: Nostalgia done right


VHS-Looks, analoge Synths und Drumcomputer-Beats sind nur ein Bruchteil dessen, was die Popkultur der 80er Jahre geprägt hat. Das Jahrzehnt, in dem Italo-Disco und -Pop ihre Hochzeit hatten, könnte mit den GiGi Girls ihr Comeback feiern. Ihre Musik wirkt dabei wie eine Zeitmaschine – wobei sie sich da nicht zu sehr auf Nostalgie verlassen, sondern die Musik auch durchaus neu interpretieren.

Das Trio aus Köln besteht aus den talentierten Musiker*innen Laura Mancini, Janosch Pugnaghi und Hannah Berle. Während eines Aufenthalts bei Mancinis Familie in Italien entstanden eine Hand voll energetischer Songs ihres frisch erschienenen Debütalbums Greatest Hits. Was hier eigentlich ein Widerspruch in sich ist, gibt einen guten Hinweis darauf, was von den GiGi Girls zu erwarten ist: Catchy Hooks, stoische Drums und eine gesunde Portion Selbstironie, die für eine ordentlich Energie auf der Tanzfläche sorgen.

Genau diese Energie bekommen wir in ihren Songs zu spüren. „Amore Per Sempre“ handelt von der ewigen Liebe und lädt auch hier mit einem Four-to-the-floor-Beat wieder auf die Tanzfläche ein. Besonders hervorzuheben ist die Ästhetik ihres Musikvideos, die den Retro-Look von Italo-Pop aus den 80s perfekt einfangen. Es wird schnell klar, dass die visuelle Arbeit der GiGi Girls einen ähnlich hohen Stellenwert hat wie ihre Musik.


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Maria Taylor fährt mich nach Hause.

Wo bist du zu Hause?

Ist es dort, wo deine Wurzeln tief in den Boden des Landstrichs reichen, wo du dich als Kind in den Büschen versteckt hast? Am Meer, wo das Rauschen der Wellen und der endlose Horizont dich in den Bann schlagen? Vielleicht an Plätzen, wo man dich wiedererkennt, wo deine Lieben sind und dich lächelnde Augen begrüßen, sobald du den Raum betrittst und die Tasche von der Schulter gleiten lässt? Wo du weißt, in welche Richtung das Toilettenpapier rollt?


Unser Autor René ist selbst Musiker und passionierter Pop-Fan. Als etwas älteres Semester musste er von Boybands in Baggy Pants über Grunge bis K-Pop schon so einiges mitmachen. In seiner Kolumne „riffs & rants“ blickt er für uns mehr oder weniger regelmäßig auf neue Musik, Trends und Pop-Phänomene.


2005 konnte ich diese Fragen nach dem Zuhause nicht zuverlässig beantworten. An einem Punkt der Stagnation angekommen, wusste ich einzig, dass Köln – die Stadt, in der ich zu jener Zeit lebte und arbeitete – es nicht war und niemals werden würde. Ich war gefangen zwischen meiner provinziellen Herkunft, die ich hinter mir lassen wollte, und einer neuen Identität, aber als was und vor allem wo?

An einem unaufgeregten Scheißtag im Juni ’05 fragte mich mein Kumpel Dominik, ob wir Maria Taylor im Blue Shell live ansehen. Auf mein Schulterzucken erläuterte er, dass sie aus dem Saddle-Creek-Umfeld stammt, was ich vermutlich mit einem verächtlichen Raunen beantwortete.

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FILLY: Hyperpop mit Gefühl und Confidence

Hyperpop aus Wien. Das allein reicht eigentlich schon, um mich neugierig zu machen. FILLY verbindet diesen Stil aber zusätzlich mit eingängigen Popmelodien, Electrobeats und Texten, die sowohl selbstbewusst als auch verletzlich wirken. Sprich: Ich bin komplett sold. In ihren neuen Singles „Chemical Love“ und „Over and Over“ spaziert sie ihren Weg durch die Genres weiter.

Kleine Anekdote gleich zu Beginn: Ich habe FILLY für mich entdeckt, als ich sie letztes Jahr als Voract der Band Zimmer90 erleben durfte. Erst danach erfuhr ich, dass sie an „BEZAHLEN“ von Ski Aggu nicht nur als Künstlerin mitgewirkt, sondern diesen auch mitproduziert hat. Da möge sich noch einmal jemand über Voracts auf Konzerten aufregen! Der erste Song, der mich direkt abgeholt hat, war „Cowgirl“. FILLY bringt hier die Eurodance-Beats der 2000er in die Gegenwart und liefert gleichzeitig, so effortless wie es nur geht, einen dreiminütigen Confidence Boost. „I know I’m ten times better than you“. Period.

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The Stamps: Indie-Pop von ziemlich besten Freundinnen

Die australische Band The Stamps leben einen Traum: Als beste Freundinnen schreiben sie Musik, nehmen Songs auch, gehen auf Europa-Tour. Grund genug, euch das Trio und ihre energetischen Indie-Pop-Songs näher vorzustellen.

The Stamps bestehen aus den 22-jährigen Freundinnen Scarlett, Sofia und Rubina. Kennengelernt haben sie sich während ihrer Highschool-Zeit in der Nähe von Perth, wo sie sich schnell zu einer Band formierten. Das erste Lied, das ich von ihnen gehört habe, war ein Cover von „She Bangs The Drums“ – einem Song der britischen Band The Stone Roses, der sofort zeigt, wie ein Song voller Charme und Harmonie mit Indie-Pop neu interpretiert werden kann. Der Song ist Teil ihrer gleichnamigen EP, auf dem sich unter anderem Cover von Nirvana oder Iggy Pop ganz im Stil der Stamps finden.

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MAIIJA: Gefühlvoller Widerstand

Gefühle zeigen – geht das überhaupt noch in 2026? MAIIJA antwortet auf diese Frage mit einem ganz klaren Ja! In ihren Songs dürfen Wehmut und Schwere genauso sein wie Geborgenheit und Leichtigkeit. Und anders als andere driftet sie dabei nicht in Kitsch ab.

Marilies Jagsch ist schon seit über zehn Jahren musikalisch in Wien unterwegs; bereits in ihren ersten Songs sticht vor allem ihr gefühlvoller Gesang hervor. Wenn man ihre Stimme hört, hat man das Gefühl, etwas ganz Empfindlichem, vielleicht sogar Zerbrechlichem zuzuhören. Dabei sind ihre Songs genauso wie ihre Ausstrahlung alles andere als schwach.

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