Maximilian Guth im Interview: „Komponieren ist wie ein Aquarell zu malen.“

Asambura – angelehnt an die tansanischen Usumbara-Berge – steht nach eigener Aussage für den Blick über den Horizont. Das Ensemble wurde 2013 gegründet, inzwischen besteht es aus um die 50 Mitgliedern mit verschiedensten kulturellen Hintergründen. Im Klartext heißt das: klassische Musik mit zeitgenössischen, interkulturellen Elementen – und nebenbei auch irgendwie eine neue Vision von gesellschaftlichem Miteinander. Als neuestes Projekt hat sich das Asambura-Ensemble Schuberts berühmte Winterreise vorgenommen. Auf seiner CD Fremd Bin Ich Eingezogen interpretiert das Ensemble den alten Meister neu, führt die Kompositionen in die gegenwärtige Zeit und experimentiert mit Klängen und Einflüssen aus verschiedenen Musikkulturen: Streichinstrumente werden so auch mal mit der Bogenrückseite gespielt, Querflöten werden zu Percussion-Instrumenten, der Klang wird mit persischen und arabischen Instrumenten wie Oud, Santur oder Kamancheh ergänzt und zum deutschen Text kommt persische Dichtung. Mit Maximilian Guth, dem Komponisten und künstlerischen Leiter des Kollektivs, haben wir darüber gesprochen, was die Winterreise so zeitlos macht, wie Musik Menschen zusammenbringt und was er an persischer Musik bewundert.

Das Asambura-Ensemble © Ghazaleh Ghazanfari

Musik unterm Radar: Im Asambura-Ensemble arbeitet ihr mit ganzen vielfältigen Elementen was Kulturen, Zeiten und musikalische Einflüsse angeht. Bei einem so oft rezipierten Werk wie der Winterreise – hast du da manchmal die Sorge, dass wichtige Elemente verloren gehen?

Maximilian Guth: Na ja, wenn man eine Neuinterpretation von einem bestehenden Werk macht, dann ist eine andere Seite zwangsläufig nicht so sehr akzentuiert. Ich glaube, dass die verschiedenen Interpretationslinien, die es bei der Winterreise gibt, gleichermaßen funktionieren. Mir ist es aber wichtig, gleich am Anfang zu sagen: Leute, Schubert spricht uns heute noch total an – er ruft zur Solidarität mit ganz vielen Menschen, die auf der Flucht sind, auf. Das ist ein Thema, das unglaublich relevant ist, ob jetzt vor 200 Jahren in einem Kunstlied oder in einer ganz anderen Darstellungsweise – da gibt es Überschneidungen, da kann sich was begegnen. Es ist ein Aufruf zur Solidarität mit Menschen, die so ähnlich fühlen wie das Lyrische Ich auf der Winterreise.

Wie ist diese Idee zu einer interkulturellen Version der Winterreise entstanden?

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Mauvais Oeil: arabischer Sound mit französischem Charme

Arabische Tonleitern, französische Texte, Elektroklänge und packende Rhythmik: Wer bei der Musik des französischen Duos Mauvais Oeil gut aufpasst, kann viel entdecken.

Was ihren musikalischen Background angeht, könnten Alexis Lebon und Sarah Ben Abdallah wahrscheinlich unterschiedlicher nicht sein: Während der eine Barockmusik studiert, später Rock- und Gypsygitarre lernt und seine rumänischen Wurzeln einfließen lässt, lebt die andere musikalisch irgendwo zwischen Britney Spears und der arabischen Musik-Ikone Fairuz.
Sarah Ben Abdallahs klare Stimme schlängelt sich durch komplizierte Gesangsmelodien, die für arabische Songs typische Melancholie hüllt einen wie in eine Wolke ein. Dann wieder gibt es Songs, die mehr an französische Chansons erinnern. Das Duo traut sich an unkonventionelle Melodien und lässt elektronische Sounds auf bodenständige E-Gitarre treffen.

Fazit: Mauvais Oeil gelingt ein musikalischer Spagat. Je nach Lied klingen unterschiedliche Einflüsse durch, das Zuhören fasziniert, dazu sind die Songs tanzbar.

Betrayers of Babylon: im Off-Beat auf die Barrikaden

Eine Portion Reggae, dazu ein bisschen Jazz, Pop und deutscher Gesang: Das sind Betrayers of Babylon.

Hinter der Band stehen Sänger und Gitarrist Luks Gaedtke, Bassist Leon Kunze, Pianist Oliver Reith, Posaunist Simon Stiller, Trompeter Noah Wiederhold und Marvin Andrä an den Drums.
Rhythmisch geht es bei Betrayers of Babylon zur Sache, Einflüsse aus dem Reggea kombiniert mit deutschen Texten werden mit Unterstützung der kleinen Bläser-Section zu einem echten Stimmungsmacher. Zwischendurch gibt es jazzige Fills, kleine Soli oder Off-Beat-Klatschen. In ihren Texten wird es auch mal ein bisschen derber, denn Betrayers of Babylon nehmen kein Blatt vor den Mund. Das muss auch Innenminister Horst Seehofer aushalten, der in der neuen Single „Horst“ so gar nicht gut wegkommt.

Fazit: Mit viel Rhythmus, eingängiger Musik und Texten, in denen gern auch mal verbal ausgeholt wird, bringen die Betrayers of Babylon ihre politischen Ansichten in die Welt.

Adelle Nqeto: African Folk trifft Indie

Schöne Stimme, melodiöse Musik und gezupfte E-Gitarre: Adelle Nqeto weiß ihr Publikum mit einfachen aber gekonnten Mitteln zu bezaubern.

Nach ersten musikalischen Erfahrungen als Teil eines Folk-Duos in ihrer südafrikanischen Heimat ist Adelle Nqeto seit 2015 solo unterwegs. Ihre Debut-EP Make Something Beautiful kam ein Jahr später auf den Markt.
Mit ihren warmen Klängen und der gefühlvollen E-Gitarre bekommt die Musik ganz ohne Effekte eine besondere Atmosphäre. Singen kann Nqeto präzise und trotzdem mit Leichtigkeit. Ihren Songs verleiht sie mit Gitarren-Fills eine gewisse Entschleunigung und auch sonst wirkt Adelle Nqeto, als würde sie so schnell nichts aus der Ruhe bringen. Covern kann die junge Musikerin übrigens auch – besonders zu empfehlen ist an dieser Stelle ihre Version von Bob Dylans „Hazel“.

Fazit: Adelle Nqeto besticht mit ihrer faszinierenden Art, mit eindrücklicher Musik und mit Gespür für Vibes und Harmonien.

  • Meilensteine:
    • 2016 Debut EP Make Something Beautiful
  • Umleitung:

Atole Loco: Erfrischungsdrink aus Lateinamerika

Benannt nach dem südamerikanischen Getränk „Atole“ aus Mais grooven sich Atole Loco durch Ska, Cumbia und Latin.

Auch wenn es ihre Genrewahl nicht unbedingt vermuten lässt, sind Atole Loco in Freiburg zuhause. Mit Gesang, Gitarre, Bass, Schlagzeug, Percussion, Saxophon, Trompete, Keyboard und Akkordeon bringt die Band außerdem eine ordentliche Manpower auf die Bühne. Das erste Werk der Truppe heißt Radio Caravana und ist seit April erhältlich.
Gesungen wird – was auch sonst – auf Spanisch. Zusammen mit den tanzbaren Rhythmen und der großen Besetzung wird die Musik von Atole Loco gleich zu einem lateinamerikanischen Rundumerlebnis. Ursprünglich haben die Musiker und Musikerinnen ihre Wurzeln in Deutschland, Spanien, Kolumbien, Peru und Mexiko – und diese Vielfalt spürt man: In ihren Songs entlädt sich eine ganze Menge an Energie, die Titel haben Tempo, es gibt einprägsame Fills und die Bandmitglieder harmonieren schön miteinander.

Fazit: Atole Loco liefern einen eins a Soundtrack für den Sommer.

Live-Report: Noa in Berlin

Es gibt Konzerte, die lassen einen staunend zurück. Nachdem Achinoam Nini, hier unter dem Künstlernamen Noa bekannt, ihre letzte Zugabe gegeben hatte und der Applaus in der Berliner Passionskirche verklungen war, blieb erst einmal eine gewisse Sprachlosigkeit.

Aus der „Badinerie“ wird „No, Baby“

Mit ihrer Tour stellt die israelisch-amerikanische Musikerin Noa ihre neue CD Letters To Bach vor, auf der sie bekannte Werke des Komponisten mit eigenen Texten versehen singt (hier geht’s zur Rezension). Begleitet wurde sie in Berlin von der Cellistin Hila Karni und dem Gitarristen Gil Dor, ihrem musikalischen Weggefährten seit bald 30 Jahren.
Im Laufe des Konzerts zeigte die Musikerin neben ihrem herausragenden Gesang auch ihre Fähigkeiten als Percussionistin unter anderem an den Congas. Das Publikum in der vollen Passionskirche jedenfalls schien ausnahmslos begeistert von dieser Mischung aus klassischer Musik, hebräischen, yemenitischen und englischen Texten, Rhythmik, orientalischen Skalen und nicht zuletzt ausgesprochen sympathischen Musikerinnen und Musikern.

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Malaka Hostel: Weltmusik und Gute-Laune-Songs

„Wir setzen Energie in Bewegung“ – im Grunde reicht diese Textzeile aus Malaka Hostels Single „Dizko Fatale“ schon völlig aus für eine treffende Beschreibung der Band. Aber der Vollständigkeit halber noch einmal etwas ausführlicher:

Zu sechst machen Malaka Hostel von Freiburg aus inzwischen europaweit Musik zusammen. Mit viel Rhythmus und virtuosen Trompeten machen die Musiker Balkan-Folk, toben sich aber auch durch verschiedene andere Genres. Nach einer ersten EP 2015 kommt am 3. Mai das Debut-Album Dizko Fatale heraus.
Percussion, Blechbläser, Mundharmonika und der schön deutliche Bass sind genauso markant für Malaka Hostel wie die Tempo- und Taktwechsel. Durch die deutschen Texte mit englischen, spanischen, französischen und tschechischen Bausteinen entsteht außerdem ein schönes Weltmusikfeeling, das von Balkan-Melodien und schnellen Rhythmen lebt. Auch das neue Album macht Spaß, ist wieder ziemlich rhythmisch und mit einem Mix aus Instrumentalpassagen, mitreisendem Gesang und ruhigeren Titeln sehr abwechslungsreich.

Fazit: Malaka Hostel lassen einen nicht still sitzen. Mit Off-Beat, Tempo und hörbar guter Laune sind die sechs ziemlich ohrwurmverdächtig.

  • Meisterwerk: „Dizko Fatale“
  • Meilensteine:
    • 2019 Debut Dizko Fatale
  • Umleitung:

Yonder: In einer CD um die Welt

Von Italien nach Rumänien, von der Bretagne nach Irland – das Instrumental-Ensemble Yonder geht mit ihrer Hörerschaft auf eine Reise durch die traditionelle Musik.

Das Quartett aus Norddeutschland hat sich bereits 1998 gegründet und sich nach Anfängen in der Irish Folk-Szene ganz allgemein der Interpretation von europäischen Traditionals und hin und wieder auch selbstgeschriebenen Kompositionen verschrieben. Im Herbst 2018 ist ihr neues Album Beyond Borders erschienen.
In dieser neuen CD schreibt das Quartett, Yonder stehe für das, „was jenseits von Grenzen zu entdecken ist“. Eine klare Mission also und eine Message, die sogar über das Musikmachen hinauszugehen scheint. Wer bei Traditionals allerdings nur an Blockflötenversionen von „Kumbaya“ und „Oh When The Saints“ denkt, der ist bei Yonder definitiv falsch: Treibende Rhythmen treffen hier auf starke Vibes, das Ganze im 22/8-Takt, schön aufeinander abgestimmt und mit entspanntem Grinsen im Gesicht, als gebe es nichts Einfacheres.

Fazit: Obwohl ohne Gesang, ist die Musik von Yonder abwechslungsreich und lebendig. Die musikalische Zusammenstellung von Liedern aus verschiedensten Ecken macht neugierig und das Können der Interpreten spricht für sich.

  • Meilensteine: 2018 Beyond Borders
  • Umleitung:

Yusuf Sahili: Brücke zwischen zwei Kulturen

What are we really doing on this planet? Where are we going? What will remain of us when we leave? And what are we running on before that will happen? – Yusuf Sahili stellt sich die ganz großen Fragen.

Sahili ist ein in Berlin beheimateter Indie-Musiker. Es ist noch gar nicht so lang her, da hat er nach zwei EPs mit seiner Single „No Way Out“ eine neue Veröffentlichung auf den Markt geworfen.
Zugegeben, seine Melodien sind nicht immer eingängig, manche Tonfolgen kommen unerwartet, trotzdem hört man gern und fasziniert zu und lässt sich von seiner relativ hohen Stimme, den stilvoll eingesetzten Begleitungen und Texten forttragen. Die Gitarrensoli sind oft eine aufregende Mischung aus rocktypischem Overdrive und orientalischen Skalen. Von sanfter Mehrstimmigkeit und unbeschwerten Melodien über folkige Guitarbackings bis zu echter Power ist Yusuf Sahili gut aufgestellt.

Fazit: Es gibt keine Schublade, in die dieser Musiker so einfach passt. Indie, etwas Rock, Folk, ein bisschen Reise um die Welt, Aufbruchsstimmung und Yusuf Sahilis feines musikalisches Gefühl machen den ganz einzigartigen Charakter seiner Musik aus.

Emersound: musikalische Reise um die Welt

Die Musiker von Emersound verbinden die musikalische Energie aus ihrer brasilianischen Heimat mit anderen Stilen aus der ganzen Welt. Was dabei entsteht, ist etwas ganz Besonderes.

Die Truppe um Frontmann Emerson Araújo hat sich inzwischen in Berlin angesiedelt und versprüht ihre Vibes von dort aus in ganz Europa. Zwei Studioalben und ein Liverecording haben sie schon gemeinsam in Umlauf gebracht, die Konzerte der energiegeladenen Band lohnen sich erst recht.
Die unschlagbare Mischung aus lateinamerikanischen Rhythmen, Funk, Afro-Beat, HipHop und Reggea zieht bei ihrem Publikum ohne Frage. Schlagzeug und Percussion geben das südamerikanische Grundfeeling vor, die Gitarre sorgt je nachdem für eine Prise Funk oder Reggea. Emerson Araújo ist mit seinem Sprechgesang und dem charismatischen Auftreten das Gesicht von Emersound. In Brasilien und Chile ist der Name Araújo wohl längst nicht mehr unbekannt, um die Leute hierzulande von ihrer gut gelaunten, urbanen und etwas exotischen Art zu überzeugen, haben sie sich mit Berlin wahrscheinlich schon einmal das beste Terrain ausgesucht.

Fazit: Für alle, die bei Musik grundsätzlich den Drang haben, sich zu bewegen, und mal Lust auf etwas anderes haben, ist Emersound die richtige Wahl. Sie haben ein Gefühl für verschiedenste Genres, texten in verschiedenen Sprachen und wirken unglaublich offen – man hat fast das Gefühl, dass Emersound überall auf der Welt zuhause sind.

  • Meilensteine:
    2011 Mi Raza
    2015 Live In Santiago De Chile
    2016 Música Propria
  • Umleitung: http://emersound.net/

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