Kalabrese: authentischer Klang mit starken Rhythmen

Mit musikalischer Leichtfüßigkeit und einem kantigen Klang steuert Kalabrese auf sein neues Album zu.

In der Schweizer Musikszene ist Sacha Winkler längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Nach verschiedensten Projekten ist der Künstler 2007 mit seinem Soloalbum „Rumpelzirkus“ schließlich erstmals als Kalabrese in Erscheinung getreten. Das zweite Album folgte ein paar Jahre später und inzwischen steht das auch dritte an: Let Love Rumpel – Part 1 wird Anfang Oktober Release feiern. Wie der Name verspricht, ist ein zweiter Albumteil auch gleich mit eingeplant.
Feine Rhythmik, meditative Wiederholungen, stetiger Groove, etwas Mundart und markante Einwürfe verschiedener Instrumente bleiben bei den Songs von Kalabrese im Kopf. Seine Musik ist weder besonders minimalistisch noch überladen. Für den größeren Bandsound bekommt Kalabrese Rückenwind von seinen Weggefährten vom Rumpelorchester und anderen musikalischen KollegInnen.

Fazit: Auf entschleunigende Art ist Kalabrese gleichzeitig modern und retro, experimentell und bodenständig.

Live-Report: Nordischer Klang Greifswald

alle Fotos © Carla Blecke

Wenn Anna Murtola und Joonas Widenius gemeinsam auf die Bühne gehen, brauchen sie nicht viel Equipment. Alleine Joonas’ akustische Gitarre und Annas Stimme reichen für einen atemberaubenden Auftritt aus. Für das Kulturfestival Nordischer Klang kam das finnische Duo nach Greifswald.

Finnischer Flamenco  beim Nordischen Klang

Das Duo spielte zwei Sets mit traditionellem Flamenco, moderneren Interpretationen und eigenen Kompositionen. Annas ausdrucksstarke Stimme und Joonas‘ virtuoses Gitarrenspiel zogen das Publikum ab der ersten Minute in ihren Bann. Schon in jungem Alter kamen die beiden in ihrer Heimat mit Flamenco-Musik in Kontakt. In ihren eigenen Kompositionen verbinden sie die traditionelle spanische Musik mit Einflüssen aus dem hohen Norden. So entstehen Stücke wie der „Nothern Fadango“, den Joonas auf dem Konzert solo zum besten gab. 

Der Auftritt auf der Bühne im Innenhof des Universitätshauptgebäudes war eingerahmt von besonderem Flair: Umgeben von dem alten Astronomieturm und den Hörsaalgebäuden entstand ein gemütliches, sommerliches Ambiente. 

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Batila: Worldmusic zwischen Berlin und dem Kongo

Als Kind von kongolesich-angolanischen Eltern ist Batila in Angola, England und Deutschland aufgewachsen. Seine musikalische Basis hat er inzwischen in Berlin.

Seine Fanbase hat sich Batila vor allem mit seinen vielen Konzerten erspielt. In diesem Jahr will der Künstler nun sein Debütalbum Tatamana herausbringen. Die Songs dafür hat Batila in Studios sowohl in Berlin als auch in Kinshasa im Kongo aufgenommen.
“Naboyi” heißt die erste veröffentlichte Single aus dem Album, was übersetzt in etwa “ich will nicht” heißt. Batila singt sich mit seiner sanften und zugleich markanten Stimme darin frei von “mental slavery”. Dabei schafft er es trotz des ernsten Themas, dem Lied eine besondere Leichtigkeit zu verleihen. “Naboyi” beginnt mit melancholischen Klängen, nimmt aber im Verlauf eine schwungvolle Wendung und hat einen Rhythmus, der durchaus mitreißend ist. Das Stück wird abgerundet von einer Rap-Einlage des Künstlers Lova Lova

Fazit: Wer Lust hat auf eine tolle Mischung aus kongolesischen Roots, Jazz und R&B, wird sich für “Naboyi” sehr begeistern können – und kann sich vor allem auch auf Tatamana freuen.

Autorin:

Carla Blecke

Faratuben: moderner Afrobeat

Faratuben aus Mali haben Spaß am Experimentieren. Ihr selbstgestecktes Ziel: Afrikanischen Groove mit moderner Clubmusik zu verbinden.

Die eine Hälfte der Bandmitglieder um Sänger Sory Dao kommt aus Mali, die andere Hälfte aus Dänemark. Ihre Musik machen Faratuben von Bamako, der Hauptstadt Malis, aus. Die zum Teil preisgekrönten Musiker haben neben ihrem Fokus auf der Musikkultur des Landes Hintergründe in verschiedensten Genres wie Reggae, Gospel oder Jazz.
Faratuben bringen so mit ihrer packenden rhyhmischen Art eine Reihe von musikalischen Elementen unter einen Hut und lassen die reiche Musiktradition Malis auf Synthesizer und Effekte treffen. Neben dem spannenden Genremix wird vor allem der weiche Sound des Balafons, einem westafrikanischen Xylophon, zum Merkmal der Band.

Fazit: Faratuben schlagen eine musikalische Brücke über Kontinente hinweg. Der Klang ist bestechend, fesselt und wirkt gleichzeitig sympathisch erfrischend.

Maximilian Guth im Interview: „Komponieren ist wie ein Aquarell zu malen.“

Asambura – angelehnt an die tansanischen Usumbara-Berge – steht nach eigener Aussage für den Blick über den Horizont. Das Ensemble wurde 2013 gegründet, inzwischen besteht es aus um die 50 Mitgliedern mit verschiedensten kulturellen Hintergründen. Im Klartext heißt das: klassische Musik mit zeitgenössischen, interkulturellen Elementen – und nebenbei auch irgendwie eine neue Vision von gesellschaftlichem Miteinander. Als neuestes Projekt hat sich das Asambura-Ensemble Schuberts berühmte Winterreise vorgenommen. Auf seiner CD Fremd Bin Ich Eingezogen interpretiert das Ensemble den alten Meister neu, führt die Kompositionen in die gegenwärtige Zeit und experimentiert mit Klängen und Einflüssen aus verschiedenen Musikkulturen: Streichinstrumente werden so auch mal mit der Bogenrückseite gespielt, Querflöten werden zu Percussion-Instrumenten, der Klang wird mit persischen und arabischen Instrumenten wie Oud, Santur oder Kamancheh ergänzt und zum deutschen Text kommt persische Dichtung. Mit Maximilian Guth, dem Komponisten und künstlerischen Leiter des Kollektivs, haben wir darüber gesprochen, was die Winterreise so zeitlos macht, wie Musik Menschen zusammenbringt und was er an persischer Musik bewundert.

Das Asambura-Ensemble © Ghazaleh Ghazanfari

Musik unterm Radar: Im Asambura-Ensemble arbeitet ihr mit ganzen vielfältigen Elementen was Kulturen, Zeiten und musikalische Einflüsse angeht. Bei einem so oft rezipierten Werk wie der Winterreise – hast du da manchmal die Sorge, dass wichtige Elemente verloren gehen?

Maximilian Guth: Na ja, wenn man eine Neuinterpretation von einem bestehenden Werk macht, dann ist eine andere Seite zwangsläufig nicht so sehr akzentuiert. Ich glaube, dass die verschiedenen Interpretationslinien, die es bei der Winterreise gibt, gleichermaßen funktionieren. Mir ist es aber wichtig, gleich am Anfang zu sagen: Leute, Schubert spricht uns heute noch total an – er ruft zur Solidarität mit ganz vielen Menschen, die auf der Flucht sind, auf. Das ist ein Thema, das unglaublich relevant ist, ob jetzt vor 200 Jahren in einem Kunstlied oder in einer ganz anderen Darstellungsweise – da gibt es Überschneidungen, da kann sich was begegnen. Es ist ein Aufruf zur Solidarität mit Menschen, die so ähnlich fühlen wie das Lyrische Ich auf der Winterreise.

Wie ist diese Idee zu einer interkulturellen Version der Winterreise entstanden?

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Mauvais Oeil: arabischer Sound mit französischem Charme

Arabische Tonleitern, französische Texte, Elektroklänge und packende Rhythmik: Wer bei der Musik des französischen Duos Mauvais Oeil gut aufpasst, kann viel entdecken.

Was ihren musikalischen Background angeht, könnten Alexis Lebon und Sarah Ben Abdallah wahrscheinlich unterschiedlicher nicht sein: Während der eine Barockmusik studiert, später Rock- und Gypsygitarre lernt und seine rumänischen Wurzeln einfließen lässt, lebt die andere musikalisch irgendwo zwischen Britney Spears und der arabischen Musik-Ikone Fairuz.
Sarah Ben Abdallahs klare Stimme schlängelt sich durch komplizierte Gesangsmelodien, die für arabische Songs typische Melancholie hüllt einen wie in eine Wolke ein. Dann wieder gibt es Songs, die mehr an französische Chansons erinnern. Das Duo traut sich an unkonventionelle Melodien und lässt elektronische Sounds auf bodenständige E-Gitarre treffen.

Fazit: Mauvais Oeil gelingt ein musikalischer Spagat. Je nach Lied klingen unterschiedliche Einflüsse durch, das Zuhören fasziniert, dazu sind die Songs tanzbar.

Betrayers of Babylon: im Off-Beat auf die Barrikaden

Eine Portion Reggae, dazu ein bisschen Jazz, Pop und deutscher Gesang: Das sind Betrayers of Babylon.

Hinter der Band stehen Sänger und Gitarrist Luks Gaedtke, Bassist Leon Kunze, Pianist Oliver Reith, Posaunist Simon Stiller, Trompeter Noah Wiederhold und Marvin Andrä an den Drums.
Rhythmisch geht es bei Betrayers of Babylon zur Sache, Einflüsse aus dem Reggea kombiniert mit deutschen Texten werden mit Unterstützung der kleinen Bläser-Section zu einem echten Stimmungsmacher. Zwischendurch gibt es jazzige Fills, kleine Soli oder Off-Beat-Klatschen. In ihren Texten wird es auch mal ein bisschen derber, denn Betrayers of Babylon nehmen kein Blatt vor den Mund. Das muss auch Innenminister Horst Seehofer aushalten, der in der neuen Single „Horst“ so gar nicht gut wegkommt.

Fazit: Mit viel Rhythmus, eingängiger Musik und Texten, in denen gern auch mal verbal ausgeholt wird, bringen die Betrayers of Babylon ihre politischen Ansichten in die Welt.

Adelle Nqeto: African Folk trifft Indie

Schöne Stimme, melodiöse Musik und gezupfte E-Gitarre: Adelle Nqeto weiß ihr Publikum mit einfachen aber gekonnten Mitteln zu bezaubern.

Nach ersten musikalischen Erfahrungen als Teil eines Folk-Duos in ihrer südafrikanischen Heimat ist Adelle Nqeto seit 2015 solo unterwegs. Ihre Debut-EP Make Something Beautiful kam ein Jahr später auf den Markt.
Mit ihren warmen Klängen und der gefühlvollen E-Gitarre bekommt die Musik ganz ohne Effekte eine besondere Atmosphäre. Singen kann Nqeto präzise und trotzdem mit Leichtigkeit. Ihren Songs verleiht sie mit Gitarren-Fills eine gewisse Entschleunigung und auch sonst wirkt Adelle Nqeto, als würde sie so schnell nichts aus der Ruhe bringen. Covern kann die junge Musikerin übrigens auch – besonders zu empfehlen ist an dieser Stelle ihre Version von Bob Dylans „Hazel“.

Fazit: Adelle Nqeto besticht mit ihrer faszinierenden Art, mit eindrücklicher Musik und mit Gespür für Vibes und Harmonien.

  • Meilensteine:
    • 2016 Debut EP Make Something Beautiful
  • Umleitung:

Atole Loco: Erfrischungsdrink aus Lateinamerika

Benannt nach dem südamerikanischen Getränk „Atole“ aus Mais grooven sich Atole Loco durch Ska, Cumbia und Latin.

Auch wenn es ihre Genrewahl nicht unbedingt vermuten lässt, sind Atole Loco in Freiburg zuhause. Mit Gesang, Gitarre, Bass, Schlagzeug, Percussion, Saxophon, Trompete, Keyboard und Akkordeon bringt die Band außerdem eine ordentliche Manpower auf die Bühne. Das erste Werk der Truppe heißt Radio Caravana und ist seit April erhältlich.
Gesungen wird – was auch sonst – auf Spanisch. Zusammen mit den tanzbaren Rhythmen und der großen Besetzung wird die Musik von Atole Loco gleich zu einem lateinamerikanischen Rundumerlebnis. Ursprünglich haben die Musiker und Musikerinnen ihre Wurzeln in Deutschland, Spanien, Kolumbien, Peru und Mexiko – und diese Vielfalt spürt man: In ihren Songs entlädt sich eine ganze Menge an Energie, die Titel haben Tempo, es gibt einprägsame Fills und die Bandmitglieder harmonieren schön miteinander.

Fazit: Atole Loco liefern einen eins a Soundtrack für den Sommer.

Live-Report: Noa in Berlin

Es gibt Konzerte, die lassen einen staunend zurück. Nachdem Achinoam Nini, hier unter dem Künstlernamen Noa bekannt, ihre letzte Zugabe gegeben hatte und der Applaus in der Berliner Passionskirche verklungen war, blieb erst einmal eine gewisse Sprachlosigkeit.

Aus der „Badinerie“ wird „No, Baby“

Mit ihrer Tour stellt die israelisch-amerikanische Musikerin Noa ihre neue CD Letters To Bach vor, auf der sie bekannte Werke des Komponisten mit eigenen Texten versehen singt (hier geht’s zur Rezension). Begleitet wurde sie in Berlin von der Cellistin Hila Karni und dem Gitarristen Gil Dor, ihrem musikalischen Weggefährten seit bald 30 Jahren.
Im Laufe des Konzerts zeigte die Musikerin neben ihrem herausragenden Gesang auch ihre Fähigkeiten als Percussionistin unter anderem an den Congas. Das Publikum in der vollen Passionskirche jedenfalls schien ausnahmslos begeistert von dieser Mischung aus klassischer Musik, hebräischen, yemenitischen und englischen Texten, Rhythmik, orientalischen Skalen und nicht zuletzt ausgesprochen sympathischen Musikerinnen und Musikern.

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