„In jedem Studio steckt von allen Seiten so viel Arbeit drin.“
– Moritz Baumgärtner
Worauf es neben der technischen Ausstattung in einem Studio noch ankommt, erklärt Michael Ungerer in der Mittagspause: „Es ist immer gut, wenn ein Aufnahmeraum hohe Wände hat.“ Dazu gibt es Akustikelemente an den Wänden, die bestimmte Frequenzen herausfiltern. Wer genau hinsieht, bemerkt auch, dass es im Aufnahmeraum keine rechten Winkel gibt. „Parallele Wände sorgen für Reflektionen“, klärt Ungerer auf, „die könnten sich dann entweder überlagern oder auslöschen.“

© Katharina Köhler
Die drei Musiker vom Melt Trio haben sowohl als Band als auch einzeln bereits einiges an Studioerfahrung gesammelt. Gitarrist Peter Meyer fasst zusammen: „Der Raum sollte gut klingen, die Mikrofone und das Equipment müssen gut sein. Der Tontechniker muss kompetent, aber auch entspannt und nett sein, am besten gut mithören und die Musik möglichst auch mögen. Wenn einer gar nichts mit der Musik anfangen kann, kann er einem auch nicht so richtig helfen.“ Für Schlagzeuger Moritz Baumgärtner haben die meisten Studios etwas Besonderes. „Es steckt von allen Seiten so viel Arbeit drin: die Leute, die den Raum bauen, die Akustiker, das Büro oder hier zum Beispiel Micha, der hier viel Liebe und Bedeutung reinsteckt.“

Auch bei einem Profi wie Michael Ungerer kann allerdings mal etwas schiefgehen. „In New York hatten wir mal eine lange Session bis morgens um vier und keiner hatte mehr Bock, ein Backup zu machen. Wir dachten, wir machen das dann am nächsten Tag.“ Gemeinsam mit einem Kollegen kam dann der Super-GAU: „Wir haben beide den falschen Knopf gedrückt und dann war alles gelöscht.“ Der Versuch, die Dateien wiederherzustellen, blieb vergeblich. „Dann kamen die Musiker rein und haben den Lost-Files-Blues gesungen und der Produzent dachte: Was ist hier denn los?“ Die Songs mussten sie schließlich ein zweites Mal aufnehmen.
Wenn sämtliche Musik auf Band ist, ist die Arbeit von Sound Engineer Micha Ungerer getan. Und auch für das Melt Trio bedeutet das nach zwei Wochenenden intensiver Arbeit im Tonstudio: erst einmal abwarten. Denn jetzt müssen die Aufnahmen in Form gebracht werden – erst wird gemixt und dann steht das Mastering an. Dafür müssen die drei ihre Lieblingstakes auswählen, gegebenenfalls werden auch mal mehrere Takes zu einem Stück zusammengeschnitten. All die aufgenommenen Spuren müssen dann passend ausbalanciert werden, Effekte eingearbeitet, die Klangfeinheiten und Lautstärke angepasst werden, damit am Schluss nicht ein Stück lauter ist als das andere. Dann – einige Monate später – können die drei schließlich ihr fünftes Album vorstellen.
Anmerkung: Herzlichen Dank an Amelie Brüderl und Michael Ungerer vom Blackbird Music Studio sowie an das Melt Trio für die Offenheit, die Unterstützung bei der Recherche und die netten Gespräche.
ÜBRIGENS:
Wer dem Studio und der Band aus dieser Reportage einen digitalen Besuch abstatten will, findet sie hier:
Blackbird Music Studio (Website, Facebook, Instagram)
Melt Trio (Website, Facebook)
Fotostrecke:
Alle Fotos © Katharina Köhler – alle Rechte vorbehalten; Verwendung nur mit ausdrücklicher Genehmigung
Neuste Beiträge 💎
GiGi Girls: Nostalgia done right
VHS-Looks, analoge Synths und Drumcomputer-Beats sind nur ein Bruchteil dessen, was die Popkultur der 80er Jahre geprägt hat. Das Jahrzehnt, in dem Italo-Disco und -Pop ihre Hochzeit hatten, könnte mit den GiGi Girls ihr Comeback feiern. Ihre Musik wirkt dabei wie eine Zeitmaschine – wobei sich das Trio aus Köln da nicht zu sehr auf…
Grunge bis ans Limit – The Jins zelebrieren Tourabschluss in Berlin
„We decided to destroy our voices tonight!” Das Grunge-Trio The Jins aus Vancouver findet in der Neuen Zukunft in Berlin einen schweißtreibenden, kompromisslosen Tourabschluss. Dabei muss auch das ein oder andere Kleidungsstück dran glauben.
Der Sound der Sahara: Tinariwen in Berlin
Die Tuareg-Band Tinariwen kam am vergangenen Donnerstag für ein Konzert nach Berlin. Nischig? Auf keinen Fall. Huxley’s Neue Welt war ausverkauft und die Atmosphäre im Saal einzigartig. Tinariwen transportieren nicht nur den Sound einer Jahrtausende alten Kultur, sondern auch die Geschichte eines Volkes ohne festen Staat.

















