
© Felicitas Richter
Es ist ein typisch grauer Berliner Wintertag aus Regen, Kälte, Wind – und das, obwohl eigentlich schon Frühling sein sollte. Entsprechend drückend ist die Stimmung in der Stadt, dann kommt noch der allgemeine Zustand der Welt dazu und schon hat man dieses Gefühl von Schwere und Bedrückung, das sich über die Stadt und ihre Bewohner*innen legt.
Kurzfristig befreit von diesem Gemütszustand wurden am Dienstag die Besucher*innen des Konzerts der australisch-walisischen Singer-Songwriterin Stella Donnelly. Sie und ihre beiden ebenfalls australischen Support Acts, Nikodimos und Jack Gaby sind im Rahmen von Donnellys Love and Fortune Tour – das gleichnamige Album erschien im November 2025 – für ein einziges Konzert nach Berlin gekommen und haben jede Menge gute Laune und Good Vibes dabei.
Das kleine Mikropol am Nollendorfplatz füllt sich also nach und nach während Nikodimos und Jack Gaby spielen – noch ist das Berliner Feierabendpublikum etwas verschlafen, was sich allerdings schnell ändert, als Jack Gaby aus dem Nähkästchen plaudert und erzählt, wie er seinen Partner kennengelernt hat. Auch Stella Donnelly spricht gern mit ihrem Publikum, das merkt man, als sie wenige Minuten später auf die Bühne tritt. Und gerade live performt haben ihre Songs etwas ganz Persönliches und Erzählerisches.
Als Musikerin unterwegs ist Stella Donnelly schon seit einigen Jahren: Zwischen ihren Songs erzählt sie von der Bühne immer wieder kleine Anekdoten, über ihren Job in einer Bar in Perth, den seltsamen Chef oder ein Friendship Breakup, das ein Jahr emotionale Verarbeitungszeit nach sich zog und über das sie den Song „Year of Trouble“ geschrieben hat. Dass das Publikum ihren Erzählungen aufmerksam zuhört, ist an der Stille im Raum zu merken, die dann und wann nur durch Geräusche von der Bar durchbrochen wird.
Obwohl die Texte von Stella Donnellys Liedern sehr persönlich sind, sind die Themen gar nicht so ungewöhnlich: Unsicherheit, innere Konflikte, Rückzug und dabei immer wieder das Hadern mit den eigenen Emotionen. „I love you, Baby, but I’m scared to be near you”, die vielleicht einprägsamste Zeile aus ihrem Song „Feel It Change“, veranschaulicht diesen inneren Kampf in Kombination mit langsamen Drums und sehr betonter Gitarre besonders gut.
Ihr Opener, „Standing Ovations“ ist eine Hymne auf das Unausgesprochene – „It’s a standing ovation for someone who never replies…“; und dabei bleibt die Musik ganz leicht und gelöst, obwohl man erahnt, dass das Gefühl dahinter vielleicht doch etwas schwerer wiegt, als die Musik es anmuten lassen will.
Donellys Texte resonieren. Das sieht man an der mitgehenden Menge und an der leichten Atmosphäre im Mikropol, die sich im Laufe des Abends immer weiter öffnet. Aus der etwas verspannten Stimmung zu Beginn wird eine Atmosphäre kollektiver Gelassenheit.

© Felicitas Richter
Nach etwas mehr als einer Stunde endet das Konzert, und man merkt, dass die beschwingte Stimmung bleibt. Plötzlich ist der kalte Regen draußen gar nicht mehr so schlimm, und der Nachhauseweg inklusive verspäteter U-Bahn gar nicht mehr so lästig. Die Message liegt letztendlich vielleicht darin, dass man es nicht unbedingt schwernehmen muss, auch wenn es das von Zeit zu Zeit durchaus ist. Stella Donnelly jedenfalls versteht es, ihrem Publikum Leichtigkeit zu schenken, und auch am nächsten vernebelten Berliner Morgen hält die gute Laune an.
Autorin:
Felicitas Richter
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