Lyyla: Selbstgespräche werden zu Popsongs

Wer Lyyla hört, landet schnell bei den Fragen, die man sonst oft mit sich allein ausmacht. Die Hamburger Musikerin schreibt Indie-Pop über die Suche nach Nähe und den Umgang mit den eigenen Gedanken. Ihre Texte bewegen sich nah an persönlichen Erfahrungen und geben Emotionen Raum.

Diese Offenheit prägt auch ihr Debütalbum closer kommt nichts ran, das sie größtenteils selbst produziert hat. Auf zwölf Songs beschäftigt sich Lyyla mit Nähe und den Erwartungen, die Menschen an Beziehungen stellen – zu anderen und zu sich selbst.

Musikalisch bewegt sie sich zwischen elektronischem Indie-Pop und reduzierten Arrangements am Klavier. Dadurch entsteht ein Sound, der den Perspektivwechseln ihrer Texte folgt und sowohl große Emotionen als auch kleine Alltagsbeobachtungen tragen kann.

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Ydegirl: Pop, Barock und deepe Texte

Nordischer Barock trifft auf R&B, Pop, Folk – und eine Moorleiche. Die Musikerin Ydegirl verbindet historische Klänge mit modernen Einflüssen und erschafft so eine verträumte, fast mystische Klangwelt.

Die dänische Sängerin, Songwriterin und Produzentin, die mit bürgerlichem Namen Andrea Novel heißt, hat ihren Künstlernamen von dem sogenannten „Mädchen von Yde“ übernommen – ein junges Mädchen, dessen Körper 1897 in einem Moor in den Niederlanden gefunden wurde. Vom Moor konserviert blieb ihr Körper über Jahrtausende erhalten.

In einem Interview sagte sie, dass sie sich mit dem Mädchen von Yde identifizieren kann, weil sie das Gefühl habe, ihr Körper sei in der Vergangenheit gefangen. Die Symbolik des Moors, ein Ort, an dem Vergangenes konserviert wird, spiegelt sich auch in den zentralen Themen ihrer Musik wider.

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diggidaniel: Melancholie in tanzbar

„90bpm. Hip Hop. Beat.“ So hat diggidaniel noch seinen ersten Song beschrieben. Heute klingt seine Musik ein bisschen anders. Mit melancholischem Sound und den Zügen der 80er Synth-Pop und Wave-Sounds reiht sich diggidaniel neben Edwin Rosen, Nils Keppel, Temmis oder Streichelt unter den NNDW-Artists ein.

Seine Musik bleibt dabei zeitlos. diggidaniel lässt gerne die Genregrenzen verschwimmen und macht seine Musik tanzbar – die melancholische Grundstimmung bleibt aber bestehen. 

diggidaniel heißt eigentlich Daniel Pham und kommt aus Hannover. Seit Ende 2021 ist seine Musik auf den üblichen Plattformen zu hören. Mittlerweile hat er eine Reihe von Singles und eine EP veröffentlicht, darunter auch ein Feature mit Steintor Herrenchor im gemeinsamen Track „wollte nie“. 

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Dosenstolz: Alles schon erreicht

Eigentlich haben Dosenstolz schon alles erreicht, was eine Punkband erreichen kann: Sie wurden von der AfD im Bundestag zitiert. Doch neben diesem Meilenstein, dem viele internationale Musikgrößen noch nicht nahekamen, hat die Gruppe aus Dresden auch musikalisch einiges zu bieten.

Luki (E-Bass), Till (Schlagzeug) und Fleuri (E-Gitarre, Gesang) heißen die Drei aus der sächsischen Landeshauptstadt. Eine Gegend, die etwas Punk gut vertragen kann. Neben vielen lokalen Spielstätten, Festivals oder bei Radio Fritz, schrie die Band auch auf dem CSD in Luckenwalde musikalisch ihren Unmut in die Welt.

Ein Verein, der diesen CSD mitveranstaltete, bezog Fördermittel aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“. Grund genug für die rechtsextreme AfD-Politikerin Birgit Bessin bei einer Rede im Bundestag, unter anderem auf Grundlage von Dosenstolz‚ Texten, gegen solche Förderungen zu wettern. Und damit ordentlich Werbung zu machen – für Dosenstolz und für den CSD in Luckenwalde und überall. In diesem Sinne: Danke, Birgit! 🙂

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Was ist deine „Flugangst“, Leo Kaminski?

Leo Kaminski gehört zu den aufstrebenden Musikern im Deutschrap-Spektrum. Der gebürtige Aachener, der aktuell in Köln wohnt, veröffentlichte Songs mit $ONO$ CLIQ und 9inebro, war „Upcoming Act oft the Month“ bei HipHop.de und etablierte sich unter anderem durch einen Auftritt auf dem splash!-Festival 2025 als Teil der neuen Generation melodischer Rap-Artists. Der nächste Schritt für ihn ist seine EP „Flugangst“. Unser Autor hat mit Leo über seine eigene Interpretation von Flugangst gesprochen und über den allerersten Beat, auf den er stolz war.

© BMG

Musik unterm Radar: Deine EP „Flugangst“ erscheint am 10. Juli. Vier Singles und Musikvideos hast du schon veröffentlicht. Wie fühlst du dich?

Leo Kaminski: Gerade fühle ich mich ein bisschen unter Druck, weil die Zeit kurz vor Release natürlich die heißeste Phase ist. Wenn ich aber tief fühle, freue ich mich auf jeden Fall sehr, dass die EP endlich bald bei den Leuten ist. Es ist ein Mix aus Stress und viel Vorfreude.



Und warum „Flugangst“?

Bei Flugangst geht es für mich um das Rauskommen aus alten Mustern, aus einer kleineren Heimatstadt und alten Freundeskreisen. Aktuell passiert bei mir gerade mit Hinblick auf die Musik ziemlich viel und wenn Dinge sich verändern, stellt sich manchmal die Frage: Mag ich das überhaupt oder ist das nur die Angst, die ich spüre? Solche Gefühle fassen für mich das Wort „Flugangst“ zusammen, die auch im Titeltrack der EP thematisiert werden.

Du hast schon mit 14 Jahren eigene Musik mit Beats gemacht. Welches Programm hast du dafür benutzt?

Ich habe damals auf dem Laptop meines Vaters mit GarageBand angefangen und mich damit ein wenig ausgetobt. Später bin ich dann zu Ableton gewechselt und habe damit auch nie aufgehört.

Kannst du dich an den ersten Beat erinnern, auf den du stolz warst?

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SALÒ beschreibt die Welt so, wie sie ist: Hardcore.


In ihrer Kolumne „Conci’s Deep Dive“ nimmt sich unsere Autorin Conci starke Alben und EPs vor und taucht richtig tief ein. Es geht um die Storys und Details hinter der Tracklist, um Klang-Basteleien und eine neue Perspektive auf elektronische Musik. Dies ist die vierte Folge.


Wer bei „Hardcore“ an verzerrte Gitarren, harte Drums und rebellische Texte denkt, liegt zwar genau richtig, aber da steckt noch mehr dahinter. SALÒ nutzt den Begriff auf dem neuen Album auch als Zustandsbeschreibung. Für mich klingt darin aber auch ein Impuls mit: wieder Haltung zeigen, unbequemer sein und den rebellischen Geist von Hardcore neu aufleben zu lassen.

Hinter SALÒ steckt der österreichische Musiker Andreas Binder. Musikalisch bewegt er sich zwischen Punk und Neuer Deutscher Welle. Gesellschaftskritische und politische Themen standen dabei schon immer im Vordergrund. Auf seinem neuesten Album Hardcore aus dem April führt SALÒ genau das weiter und zieht die Zuhörenden noch tiefer in die Krisen unserer Zeit hinein: in Überforderung, Ungerechtigkeit und Ohnmacht.

Diese Wut trägt man jeden Tag mit sich herum. Ständig wird man auf Social Media mit den schlimmsten Nachrichten bombardiert. Ich merke schnell, wie mich das überfordert: Mir geht es schlecht, weil ich all diese Dinge konsumiere. Gleichzeitig weiß ich, dass das die Realität ist. Die Menschen, die man in Kriegsreportagen oder Berichten über Armut sieht, gibt es wirklich.

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Das Beat: Drama, Baby, Drama! 


Nostalgische Italo-Disco-Sounds und harte Technobässe: Was auf den ersten Blick nach starkem Kontrast klingt, verschmilzt bei Das Beat zu einem düsteren wie tanzbaren Sound. Die Berliner Band um Sängerin Eddie Rabenberger und Produzent Alexander Cowan (besser bekannt als DJ Kirby) verbindet in ihrer Musik Einflüsse aus New Wave, EDM, Punk und Electronic.

Ihre erste EP Identität (2021), zeichnet sich durch Einflüsse des Space Age der 70er aus. Die gleichnamige Single trägt den typischen Italo-Disco-Klang und erinnert an „I Feel Love“ von Donna Summer. Anstelle des eingängigen, leichten Sommersounds kreieren Das Beat aber eine kühlere Atmosphäre. Durch die Verwendung von Synthesizern entstehen kosmische Klänge, die von Piano und Flöte unterstützt werden. Die Stimme zeichnet sich durch eine harte, überspitzte Aussprache aus. Hall und Verzerrungen legen einen robotischen und futuristischen Klang auf die Musik. 

In ihren Texten scheut die Band sich nicht, vermeintliche Tabuthemen anzusprechen. Sie thematisieren weibliche Lust und Masturbation, toxische Beziehungen und Herzschmerz, Selbstzweifel und Depressionen.

Die Songs aus ihrem ersten Album Frau Fatal (2025) enthalten im Vergleich zur EP poppigere Beats und härtere Technoelemente. Inhaltlich spielen sie mit dem männlich geprägten Blick („male gaze“) und übersexualisierten Stereotyp der Femme fatale.

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