Tina Dico: intensiver Folk-Pop

Gitarre und Gesang reichen schon aus, damit Tina Dico ihre Hörerinnen und Hörer für sich einnehmen kann.

Geboren wurde die Singer-Songwriterin 1977 in Dänemark als Tina Dickow, mit 15 spielte sie in ihrer ersten Band, gewann nach der Schule gleich zwei dänische Talentwettbewerbe und ist seitdem international als Tina Dico unterwegs. Im Laufe der Zeit hat sie jede Menge Alben herausgebracht und den ein oder anderen Preis gewonnen.
Ihre Lieder sind allesamt sehr Folk-typisch: Gitarre, eine schöne Stimme, viel Gefühl. Trotz der tragisch anmutenden Akkorde und Melodien singt Tina Dico kein Stück weinerlich, sondern kraftvoll und bestimmt. Weiter verzichtet sie auf aufgeblasenen Sound, hält die Begleitung schön, aber minimalistisch, und nutzt ihre starke Stimme, um die Lieder auszufüllen.

Fazit: Mit ihrer festen Stimme und der melancholischen Gitarrenbegleitung ihrer Akustik-Titel sorgt Tina Dico für die ein oder andere Gänsehautstelle.

Lauren Napier: Acoustic-Folk voller Gefühl

Eine junge Musikerin, die mit Leidenschaft dabei ist, gute Texte hervorzaubert und eine bestechende Stimme besitzt: Lauren Napier ist eine besondere Künstlerin.

Lauren Napier ist schon viel rumgekommen. Einerseits geographisch gesprochen, schließlich hat sie bereits in verschiedensten Ländern auf dem Globus gelebt. Aber auch beruflich war sie schon gut unterwegs. Neben ihrem Musikerdasein hat Napier einige kreative Berufe ausprobiert: So hat sie bereits als Musikjournalistin für verschiedene Magazine gearbeitet, Tourmanagerin war sie schon und als Schriftstellerin gibt es auch das ein oder andere Buch von ihr zu kaufen.
In ihren Songs schwingt meist eine gewisse Melancholie, manchmal sogar echte Tragik mit. Mit der schlichten Gitarrenbegleitung ist dabei trotz der klagenden Stimme eine außerordentliche Sanftheit zu hören.

Fazit: Lauren Napiers akustische Titel berühren einen schnell durch deren oft minimalistische Besetzung und die melancholischen Melodien.

  • Meisterwerk: „There’s No Honour Among Thieves“
  • Meilensteine:
    2015 Void of Course EP
    2017 Bedroom Recordings
  • Getextet: „Sure the standards are high but what do you value?“ (There’s No Honour Among Thieves)
  • Umleitung: http://www.punkrockdoll.com

 

Frank Powers: smarte Musik erfrischend anders

Der Schweizer Musiker Frank Powers und seine Band machen einzigartige Musik. Ein bisschen Pop, ein bisschen Folk, etwas Weltmusik, hauptsächlich aber ein ganz eigener, charakteristischer Sound.

Als Lokalprominenter hatte sich Dino Brandao unter seinem Künstlernamen Frank Powers bereits mit seinen Straßenmusikauftritten im schweizerischen Baden einen Namen gemacht. Inzwischen kann man ihn und seine Band auch auf Touren in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Großbritannien bewundern. Das Album Laisser Faire ist genauso wie die kürzlich erschienene EP Flohzirkus eine Mischung aus Titeln, bei denen keiner ist wie der andere.
Besonders an Frank Powers Art zu Singen ist sein Spiel mit verschiedenen Stimmtechniken: mal hört man reinen Klang und klare Höhen, mal singt er kratzig und akzentuiert, mal laut und intensiv. So variabel wie Frank Powers’ Stimme sind auch seine Lieder. Auf Englisch, Deutsch, Französisch und Italienisch singt er mit guten Texten über Leben und Leute.

Fazit: Die Songs von Frank Powers sind alle miteinander zu empfehlen, so unterschiedlich sie doch sind: die vor Leichtigkeit und Lebenslust strotzende Single „Free Moves“, das eher ruhige „Time And Travelling“, das ernste „Angels And Demons“.

The Staves: Folk-Pop, der unter die Haut geht

Drei tolle Stimmen, dezentes Gitarrenzupfen, schöne Harmonien. Die jungen Frauen von The Staves wissen, wie man Atmosphäre einsetzt.

Dass Geschwister in einer musikalischen Familie auch mal gemeinsam musizieren, kommt sicher nicht selten vor. Dass aber drei Schwestern gemeinsam eine Band gründen, Alben produzieren und durchstarten, ist da schon seltener. Emily, Jessica und Camilla Staveley-Taylor haben genau das gemacht.
Durch den dreistimmigen Satz erlangen sie trotz der klaren, makellosen Stimmen eine vielfältige Farbigkeit in ihren Liedern. „Mexico“ ist so ein Titel: schön harmonisch, träumerisch, ein bisschen mystisch. Auch an die Titel von den ganz Großen haben sie sich schon herangewagt. In ihrem Cover von Bruce Springsteens „I’m On Fire“ haben sie die Stimmung schön eingefangen, drücken ihm aber auch ihren eigenen Stempel auf, trauen sich, die Töne mal ein bisschen anzuschleifen, setzen ihre Mehrstimmigkeit gekonnt und nicht zu aufdringlich ein.

Fazit: The Staves ist eine Band für diejenigen, die einfach gern schöne Musik hören. Unaufgeregt aber mit Liebe zum Detail, fragile Sounds aber selbstbewusste Einzelstimmen.

Chuck Ragan: rastlos schöne Folk-Songs

Der Singer-Songwriter Chuck Ragan klingt nicht selten wie ein verzweifelter, einsamer Wolf. Und doch hat sein Gesang auch etwas von Halt und Sicherheit, vielleicht ein bisschen so, wie ein fester Felsen im Meer den hohen Wellen trotzt.

Angefangen hat Ragan in den 90ern mit der Gründung der Band Hot Water Music. Für die war nach mehreren Alben schließlich Schluss: Im Jahr 2005 wurde die Auflösung beschlossen. Glücklicherweise war Ragans Musikeraufbahn damit nicht beendet, sondern fing mit seinen Soloprojekten erst richtig an. Neue musikalische Heimat wurde eine Folk-Country-Mischung, zu der seine kratzig-kantige Stimme hervorragend passt.
Mit viel Gitarre und Mundharmonika gelingen Ragan melancholische und gefühlvolle Titel bei denen man als ZuhörerIn schnell das Bild einer weiten Landschaft, oder vielleicht die vergebliche Suche nach einem Zuhause im Kopf hat. Das Lied „The Flame In The Flood“ – ebenfalls Namensgeber für das neueste Album – ist so eins: Da hört man raue Natur, Angst, Verzweiflung aber auch Hoffnung und Freiheit. Gleichermaßen schön sind außerdem reine Akustiktitel wie „In The Eddy“ vom selben Album, in denen Ragan ganz auf den Gesang verzichtet; und das klappt gut, obwohl man die charakteristische Stimme Ragans natürlich schnell als eigentliches Aushängeschlid ausmacht.

Fazit: Chuck Ragans Musik löst nicht selten einen Gefühlsmischmasch aus. Schöne Melodien für Träumereien, Moll-Tonarten und eine intensive Stimme für die herzzerreißenden Momente, statische Basstöne und Ausdrucksstärke für die Zuversicht.

  • O-Ton: „Chuck Ragan (…) besitzt ein Organ, das stets nach einer durchzechten Nacht klingt.“ – laut.de
  • Meisterwerk: „The Flame In The Flood“
  • Meilensteine:
    2005 Beginn Solokarriere nach Auflösung von Hot Water Music
    2007 Feast Or Famine
    2009 Cold Country
    2011 Covering Ground
    2014 Till Midnight
    2016 The Flame In The Flood
  • So klingt’s: viel Folk-Rock, bisschen Country
  • Getextet: „Keep my eyes opened | Keep my ears sharpened | There’s nothing to fear but fear itself“ (The Flame In The Flood)
  • Umleitung: http://www.laut.de/Chuck-Ragan

Sympathischer Folk-Rocker mit einer Spur Pessimismus

Der Singer-Songwriter Mick Flannery macht die Art von Musik, die einen berührt und leicht melancholisch aber auch mit schönen Melodien im Kopf zurücklässt.

Flannery textet und komponiert alle Lieder seiner bisher vier Alben selbst; musikalisch geprägt werden die Titel vor allem von seiner wehmütigen, klagenden Stimme. Sowohl für die sanften Balladen als auch für die fetzigen Folk-Rock-Songs finden Flannery und seine Band im Regelfall eine außerordentlich passende Instrumentation aus Gitarre, Bass/Kontrabass, Schlagzeug, Klavier, Geige oder anderen Instrumenten.
In seiner Heimat Irland wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet und gerade seine neuesten beiden Alben waren von größeren Verkaufserfolgen gekrönt. Sich selbst bezeichnet Mick Flannery als eher introvertierten Menschen mit starkem Lampenfieber vor Auftritten.

Fazit: Mick Flannerys Alben eignen sich für einen ruhigen Abend, sind schön anzuhören und verströmen immer auch ein wenig Seelenschmerz.

Links: https://www.independent.ie/entertainment/qanda-mick-flannery-26583867.html

http://www.mickflannery.com/

 

Verflucht oder geheilt?

Eine Mumie wird ausgegraben und erwacht nach tausenden von Jahren wieder zum Leben. Nach einiger Zeit des Totstellens in einem New Yorker Museum öffnet sie die Vitrine, in der sie liegen musste und macht sich auf den Weg in die heutige Welt…

Was zuerst nach einem waschechten Horrorfilm klingt, dreht Josh Ritter in seinem Lied „The Curse“ in eine Liebesgeschichte. Die erste Bewegung der Mumie: das Berühren der Haare seiner Entdeckerin. Seine ersten Worte: in ihrer Sprache. Seine ersten Leseversuche: ihre wissenschaftlichen Paper, die sie über ihn verfasst hat (nebenbei hilft er ihr als Fachmann bei der Korrektur). Zwischendurch kommt immer wieder ihre Frage: Bist du verflucht? Und er antwortet stattdessen mit der Gewissheit, geheilt zu sein.
Als er sich der Außenwelt zeigt, werden beide berühmt. Sie touren in Limousinen durchs Land; sie ist inzwischen älter geworden und er muss sie stützen. Schließlich folgt ein trauriges Ende: während er andere Frauen kennenlernt, stirbt sie langsam und lässt ihn mit seinen Erinnerungen an sie allein.
Das Ganze singt Singer-Songwriter Ritter in seiner sanften Art mit simpler Klavieruntermalung. Der fließende Charakter des Liedes würde einen kaum vermuten lassen, was für eine bizarre Geschichte gerade erzählt wird. Denn tatsächlich ist es bei Ritters schönen Folkmelodien oder country-rockigen Klängen nicht selten so, dass man bei genauerem Hinhören neben der angenehmen Musik ganz einzigartige Erzählungen bemerkt.

Fazit: Josh Ritter ist ein Mann für Überraschungen. Und für Fantasie. Und für wirklich schöne Musik.

Links: http://www.songtexte.com/songtext/josh-ritter/the-curse-7beace18.html

Sarah Lesch: Dem System den Kampf ansagen

Sie ist gegen Konformität, Lehrpläne, RTL 2, Gefühllosigkeit und blinden Konsum – und sie sagt es frei heraus. Sarah Lesch ist in ihrer unverblümten Art mit ungehobelter Wortwahl und gesundem Selbstbewusstsein so authentisch wie nur irgend möglich.

Bewaffnet mit Gitarre oder Ukulele singt die bereits mehrfach ausgezeichnete Liedermacherin, wonach ihr der Sinn steht. Ab und an lässt sie sich auch von Männern begleiten, zum Beispiel am Schlagzeug, die Hauptperson bleibt sie aber auch bei solchen Gelegenheiten unangefochten.
Bei ihren oft Chanson-ähnlichen Liedern lässt Lesch eine angenehme, klare Singstimme hören, meistens schwingt jedoch auch ein frecher Unterton mit oder man bemerkt einen despektierlichen Blick mit spöttisch zuckender Augenbraue, wenn es wieder um unsere allzu angepasste Gesellschaft geht.
Was der Musikerin ebefalls liegt, ist, die Stimmung einzufangen. Allein mit der Gitarre und einer Gesangsmelodie erreicht Lesch die Zuhörerschaft auf einer emotionalen Ebene, selbst wenn nicht auf den Text geachtet wird.

Fazit: Ausgemacht wird die Musik von Sarah Lesch von sehr pointierten Texten, mutigen Themen und passenden Melodien sowie Gitarrenbegleitungen. Auf ihre direkte Art werden die Einen mit Bewunderung reagieren, die Anderen mit Ablehnung, was der Künstlerin selbst aber vermutlich egal sein dürfte…

  • Meisterwerk: „Testament“
  • So klingt’s: Singer/Songwriter
  • Getextet: „Und denkt dran bevor ihr antwortet: Ihr seid auch nur verletzte Kinder | Am Ende gibt’s wieder ganz neue Symptome, und ihr wart die Erfinder | Und dann sagt ihnen wieder, wie es richtig geht: ‚Werd erwachsen‘ und ‚bist du naiv‘ | Predigt Formeln, lasst alles in Hefte schreiben | Die Götter lachen sich schief“ (Testament)
  • Umleitung: https://www.sarahlesch.de/

Tim Vantol: Musiker mit Leib und Seele

„Er klingt ja, als wär‘ er besoffen!“ Dieser Ausruf war eine erste Reaktion auf das Lied „If We Go Down, We’ll Go Together“ von Tim Vantol, das unter seinen Fans längst zur Hymne geworden ist. Zwar ist davon auszugehen, dass der Sänger und Gitarrist zum Zeitpunkt der Aufnahme nüchtern gewesen ist, dennoch findet man die ein oder andere Eigenschaft, die angetrunkenen Menschen zugeschrieben wird, durchaus auch in Vantols Musik wieder (im positiven Sinne, versteht sich).

Der Niederländer spielt auf seinen drei veröffentlichten Alben vor allem Folk-Rock-Songs mit Anklängen aus dem Country. Dabei lebt seine Musik vom Unperfekten. Vantol braucht mit seiner charakteristischen, natürlichen Stimme keinen korrigierenden Computer; wenn mal ein Ton nicht auf den Kopf getroffen wird, macht ihn das nur umso authentischer. Denn es steckt so viel Emotion in seiner Stimme: Wenn Vantol singt, fühlt man die Überschwänglichkeit, den Mut, die Euphorie eines Menschen, der mitten im Leben steht. Die kratzig-raue Stimme, die so charakteristisch für ihn ist, lässt seine Freude an der Musik schnell auf alle Zuhörenden überschwappen. Diese positive Energie und seinen Idealismus was gesellschaftliche Themen anbelangt, macht er durch die Songs ebenso wie durch seine Konzerte damit möglichst vielen Menschen zugänglich.
Nachdem Tim Vantol 2014 bereits als Vorband des US-amerikanischen Folk-Sängers Chuck Ragan mit auf Tour war, ist er dieses Jahr auf seiner eigenen Deutschland-Tour unterwegs gewesen.

Fazit: Mit seiner Musik, die voll gepackt ist mit Ehrlichkeit und Spontanität, überzeugt Tim Vantol von Anfang an. Man wird gepackt von einer riesigen Lust auf Abenteuer und vor allem auf das Mitjohlen im Refrain. Reinhören wird dringend empfohlen!

Links: http://timvantol.com/music/
http://www1.wdr.de/fernsehen/rockpalast/bands/ueber-tim-vantol-100.html

Entspannen mit der versteinerten Gemeinschaft

Einen verregneten Nachmittag sollte man am besten auf einem bequemen Sofa mit einer Tasse Tee, einem guten Buch und dem Album Tell Where I Lie von Fossil Collective (= versteinerte bzw. fossile Gemeinschaft) verbringen.

Durch das gut abgestimmte Zusammspiel der Begleitinstrumente, das unaufdringliche Schlagzeug und den Verzicht auf allzu großen Spannungsaufbau entwickelt sich beim Hören schnell eine gewisse Tiefenentspanntheit. Die fließenden, oft noch lange ausklingenden Lieder mit ihren mehrstimmigen Passagen im Gesang nehmen spürbar die Hektik aus dem Alltag und sorgen für ein leichtes Zuhören.
Der Sänger überzeugt mit seiner sanften, klaren Stimme, die trotz eher hoch angesiedelten Melodien nicht zu sehr dominiert, sondern für einen angenehmen Klang sorgt. Die Akustikgitarre, die den wichtigsten Part der Instrumentation übernimmt, besticht währenddessen mit zur Melodie passender Einfachheit und beschränkt sich im Regelfall auf ein durchgehendes Schlag- oder Zupfmuster bei der Akkordbegleitung.
Auch andere Instrumente wie beispielsweise eine E-Gitarre treten ab und an auf und verleihen den ruhigen Melodien mit charakteristischen Intros oder Zwischeneinlagen einen besonderen Charme.

Fazit: Fossil Collective schaffen es jedes Mal aufs Neue, eine einzigartige Gelassenheit in ihrer Musik zu transportieren, indem die Musiker Instrumente wie Gesang gleichermaßen bescheiden wie pointiert einsetzen und den Fokus auf einen intensiven Gesamtklang statt auf Soloeinlagen oder einzelne Melodieführung legen.

Fossil Collective auf Soundcloud: https://soundcloud.com/fossilcollective