Hyperpop aus Wien. Das allein reicht eigentlich schon, um mich neugierig zu machen. FILLY verbindet diesen Stil aber zusätzlich mit eingängigen Popmelodien, Electrobeats und Texten, die sowohl selbstbewusst als auch verletzlich wirken. Sprich: Ich bin komplett sold. In ihren neuen Singles „Chemical Love“ und „Over and Over“ spaziert sie ihren Weg durch die Genres weiter.
Kleine Anekdote gleich zu Beginn: Ich habe FILLY für mich entdeckt, als ich sie letztes Jahr als Voract der Band Zimmer90 erleben durfte. Erst danach erfuhr ich, dass sie an „BEZAHLEN“ von Ski Aggu nicht nur als Künstlerin mitgewirkt, sondern diesen auch mitproduziert hat. Da möge sich noch einmal jemand über Voracts auf Konzerten aufregen! Der erste Song, der mich direkt abgeholt hat, war „Cowgirl“. FILLY bringt hier die Eurodance-Beats der 2000er in die Gegenwart und liefert gleichzeitig, so effortless wie es nur geht, einen dreiminütigen Confidence Boost. „I know I’m ten times better than you“. Period.
Ähnlich selbstbewusst gibt sich die Wienerin auch in „Do What I Want“. Ein Song, den man sich am nächstgelegenen Rave, aber auch als etablierten Clubbanger vorstellen kann. Egal wo: Ich würd abgehen.
Dass es aber nicht nur harte Beats und Synthesizer auf höchstmöglicher Lautstärke sind, die man mit FILLY assoziieren darf, zeigt sich ebenso schnell. Songs wie „Fruit Punch“ oder „Piece of Art“ wirken bei einem Deep Dive in ihre Diskographie fast schon wie totale Ausreißer – passen aber dennoch voll in ihren Katalog. Der Synthesizer ist hier zwar präsent, aber viel subtiler und ruhiger.
Was alle Songs von FILLY aber verbindet, ist ihre ruhige und bewusst monotone Art zu singen (mit einer Stimme, die fast schon einen Indie-Alternative-Vibe hat). Das funktioniert für mich persönlich genreübergreifend total. Egal, welche Geschwindigkeit und Lautstärke FILLY mir ins Ohr zaubert.
Aber auch die Texte, die sie über ihre schranzigen Beats singt, erzählen durchaus Geschichten. Im Song „Over and Over“ begleitet man die Sängerin durch ihre Gedanken: Eine Beziehung, die nicht mehr das ist, was sie einmal war. Verwirrung und Trauer darüber. Sowie die Hoffnung, dass am Ende doch alles „okay“ wird, wie sie singt. Natürlich alles in ein Instrumental gewickelt, das einen regelrecht auf die Tanzfläche zerrt.
Fast schon melancholisch zeigt sich FILLY in „Chemical Love“. „The light of the big city is bleaching out your star“, singt sie kurz bevor eine waschechte Synth-Pop-Hymne ihren Lauf nimmt. Ich gestehe: Es würde mich sehr wundern, wenn dieser Song am Ende des Jahres nicht ganz oben in meiner „Most Streamed Songs“ stehen wird. Mit gutproduziertem, selbstbewussten und durchdachtem Hyperpop kriegt man mich sofort, what can I say.
Spätestens jetzt müsstet ihr ja wohl auch neugierig sein. Ein Grund, warum wir das auch weiterhin sein dürfen: Noch 2026 soll ihr Debütalbum erscheinen. Es heißt zwar noch abwarten, aber ihr wisst ja jetzt, welche Songs ich bis dahin hören werde.
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