damn!escape: Ein Rock-Quartett macht Dampf

damn!escape ist eine Rockband aus Lüneburg rund um den Sänger und Gitarristen Eddy. Nach ihrer EP Bad Treatment 2021 soll im Laufe dieses Jahres ein erstes Album mit dem Titel Devil’s Friend erscheinen.

damn!escape drehen richtig auf. Da darf natürlich die Rock-Besetzung schlechthin aus zwei rotzigen Gitarren, Bass und Drums nicht fehlen. Eddy legt Elan und Herz in seinen Gesang, die anderen unterstützen mit Backing Vocals. Alle vier sind aufgeladen mit Energie und stehen für handgemachten Classic Rock.

Fazit: Bei damn!escape merkt man sofort: Diese Truppe hat richtig Bock. Ein „Tritt in den Hintern“ soll ihre Musik nach eigener Aussage sein – für ein bisschen weniger tristen Alltag und mehr Adrenalin und Lebensfreude.

Henriette: mystischer Folk-Pop

Henriette ist Weltenbummlerin, Filmmusik-Fan und Songwriterin. Ihre Tracks schreibt sie gern mal in der Badewanne und auch von der Pandemie ließ sich die Musikerin bisher nicht groß beeindrucken, zog sich stattdessen zurück und schrieb in den zwei Jahren an die 70 Songs.

Aufgewachsen ist Henriette im Saarland nahe der französischen Grenze. Später begann sie Musik und Theater zu studieren – allerdings zog es sie dann doch erst einmal in die weite Welt. So lebte und arbeitete sie eine Zeitlang in der Music City Nashville, bevor es sie zurück nach Deutschland verschlug. Heute lebt die Musikerin in Berlin.
Henriette baut mit einfachen Tools Atmosphäre auf. Vor allem Klavier und Gitarre sind recht präsent, halten sich aber immer auch zurück und lassen Raum. Einzelne, stimmungsvolle Töne haben bei Henriette Vorrang gegenüber massigen Akkorden. Verfeinert werden die Arrangements schließlich mit Cello oder Bassharmonika und über allem schwebt Henriettes Stimme mit graziler Mühelosigkeit.

Fazit: Durch ihre glasklare Stimme und eine mit Maß eingesetzter Begleitung gelingt Henriette ein bildhafter, sphärischer Sound.

Fiesta Forever: Indie-Rock Retrostyle

Hinter dem Party-verdächtigen Bandnamen stecken vier österreichische Newcomer, die seit 2019 zusammen mucken. Erste Konzerte sind trotz Corona schon gespielt, auf die erste EP müssen wir dagegen noch ein kleines bisschen warten. Bis alle Aufnahmen im Kasten waren, hatten Fiesta Forever dabei nämlich mit einigen Steinen im Weg zu kämpfen – nach ersten quarantänebedingten Verschiebereien wurde ihnen auch noch der alte Chevy mit sämtlichen Instrumenten darin aus dem Halteverbot einkassiert. Ins Studio haben es die Jungs dann schließlich irgendwann doch noch geschafft und im Mai soll die EP dann endlich zu hören sein.

Ein eigentlich etwas nostalgisch wirkender Indie-Rock-Stil aus dicken Drums und garagiger E-Gitarre wird bei Fiesta Forever zu einem frechen Sound, der allemal in die Gegenwart passt. In ihren ersten Singles probieren die Bandmitglieder sich aus – und man bekommt einen Eindruck, wo die Reise hingeht. In „Volcano“ wird mit scharfen Dissonanzen experimentiert und der Song sprudelt vor Übermut zeitweise fast über, „In Vain“ ist melodischer und lässt etwas Melancholie anklingen.

Fazit: Fiesta Forever preschen ohne Rücksicht auf Verluste nach vorn. Ausgebremst durch die Pandemie stehen die Vier noch am Anfang ihrer Laufbahn, dafür kann man die Band 2022 durchaus im Auge behalten.

Total Hip Replacement: Off-Beat-Vibe aus Dänemark und Ghana

Seit sie 14 Jahre alt sind, spielen die Gründungsmitglieder von Total Hip Replacement schon zusammen. Über die Zeit haben sich mehrere andere Musiker*innen angeschlossen – die frischsten Neuzugänge kommen dabei auch geografisch aus einer ganz anderen Ecke.

Total Hip Replacement sind nämlich eigentlich absolute Nordlichter und haben ihre Basis im dänischen Aarhus. Für ihr neues Album, das im Frühling erscheinen wird, haben sich die Dänen aber mit Musikern aus Ghana zusammengetan. Entstanden ist dabei eine mitreißende Mischung aus Pop, Afrobeat, Reggae und dem ghanaischen Genre Highlife. Eine erste Single ist schon zu hören.
Der Stil der neunköpfigen Truppe ist geprägt von schneller Rhythmik, sattem Bläser-Sound und der hohen Stimme von Sänger Victor. Präzision und Feingefühl treffen auf eine jazzige laid-back-Stimmung, gleichzeitig scheint die gemeinsame Leidenschaft für Musik jederzeit im Mittelpunkt zu stehen.

Fazit: Total Hip Replacement und ihre ghanaischen Kollegen gelingen mit ihrer Genre-Fusion ein Experiment, das wohl die meisten von den Sitzen holen dürfte.

Amelie Tobien: Indie-Pop mit Aufbruchsstimmung

Ursprünglich kommt Amelie Tobien aus Salzburg. Zwischendurch hat es sie nach Bordeaux und Dublin verschlagen. 2020 fasste die Singer/Songwriterin neun erste Songs zu ihrem Debüt We Aimed For The Stars zusammen.
Amelie Tobiens Sound kommt mit der leicht rauchigen Stimme und einem wohldosierten Hall etwas dreamy daher. Die Gitarre bringt Singer/Songwriter-Flair mit und Schlagzeug und Backing-Vocals bleiben, wo vorhanden, dezent im Hintergrund. Die ruhigen Songs brauchen nicht viel, um tief einzuwirken und sind schlicht schön anzuhören.

Fazit: Amelie Tobien singt zur gleichen Zeit mit Kraft und Leichtfüßigkeit und wärmt einen mit ihrer angenehmen Stimmlage und Tonfärbung wie ein Lagerfeuer, wenn es abends langsam kalt wird.

The Districts: sphärischer Rock

In ihren Musikvideos strahlen The Districts zuweilen eine gewisse emotionale Teilnahmslosigkeit aus. Diese Art der rockstarhaften Coolness mag nicht bei jedem funktionieren, dem Trio nimmt man sie aber gerne ab – auch deshalb, weil sie bei ihrer Musik dafür ganz bei der Sache sind.

Angefangen haben The Districts in Pennsylvania als Schülerband, die sich ganz dem Classic Rock verschrieben hatte. Die Veröffentlichung ihres Debüt-Albums hat die Band 2012 noch allein gestemmt. Inzwischen sind sie bei Fat Possum Records unter Vertrag – dort erscheint im März auch ihr neues Album Great American Painting. Aktuell sind die drei auf Tour in Europa unterwegs, Mitte Februar verschlägt es sie auch für ein paar Gigs nach Deutschland und in die Schweiz.
The Districts haben über die Zeit einen charakteristischen Sound aus kaum erwartbaren Melodien, vielseitigen Gitarrenmotiven, markanter Bass Drum und in den Hintergrund eingestreuten musikalischen Details fabriziert. Insgesamt haben die Songs der Band trotz der rockigen Wurzeln etwas Sphärisches. Passend dazu sind auch die Musikvideos oft eher abgedreht und unkonventionell.

Fazit: The Districts experimentieren mit Rock-Sound in verschiedensten Facetten.

Marc Amacher: ungeschliffener Blues-Rock

Nachdem er seine erste Gitarre als Kind von seinem Großvater geschenkt bekam, brachte sich Marc Amacher selbst das Spielen auf dem Instrument bei. Seine Leidenschaft für die Musik – und ganz besonders für die bluesigeren Töne – hat seitdem nicht abgelassen.

Mit seinem Album Roadhouse sackte Marc Amacher 2019 den Preis der deutschen Schallplattenkritik ein. Ende Januar kommt das neue Album Grandhotel heraus. Eine besondere Ehre wurde Marc Amacher ebenfalls 2019 zuteil, als er bei drei Konzerten von Gitarren-Großmeister Eric Clapton als Vorband auftreten durfte.
In seinen Songs lässt einen die rauchige Stimme von Anfang an in den Sphären des Blues versinken. Amacher lässt sich Zeit mit seiner Musik, der Schlagzeug-Beat weist stampfend den Weg, eine verzerrte E-Gitarre dröhnt von weither und der Gesamtklang ist kantig und ungeschönt.

Fazit: Wie auf einer Zeitreise fühlt man sich beim Hören von Marc Amachers rauen, unverfälschten Songs.

Sorah: mutiger Hip-Hop made in Berlin

Mit zwölf entdeckt Sorah Hip-Hop für sich und fühlt sich plötzlich verstanden. Heute rappt die Wahlberlinerin mit englischen und algerischen Wurzeln selbst. Furchtlos und kritisch setzt sie sich mit unserem gesellschaftlichen System auseinander, positioniert sich klar gegen Sexismus und jede Form von Gewalt und macht Mut, für sich selbst einzustehen.

Multikulturell sozialisiert durch ihr Aufwachsen in Großbritannien und Frankreich beschäftigt sie sich früh mit gesellschaftlich relevanten Themen. Mit dem Hip-Hop findet sie einen Weg, ihre Gedanken und Gefühle auszudrücken und ihre Botschaften mit der Welt zu teilen. Ihre Texte über das Leben, Feminismus, Selbstbestimmung und gegen Gewalt schreibt sie auf Englisch, Französisch und Deutsch. Sorah flowt selbstbewusst und bestimmt auf düstere, starke Beats. Oft mixt sie in ihren Songs Rap und Gesang und kreiert einen vielfältigen und internationalen Sound mit oldschool Hip-Hop-Vibes und Grime-Einschlägen.
Sorah will mit ihrer Musik aber nicht nur wachrütteln und Kritik üben, sie will vor allem auch eins: Menschen Mut machen und Hoffnung schenken. Ihnen Kraft geben, sich aus Unterdrückung und Unbestimmtheit zu befreien und einen eigenen Weg zu gehen – darum geht es auch in ihrer neuesten Single „Fighters“, die in Kollaboration mit Spoke entstanden und produziert worden ist. 2020 veröffentlichte Sorah ihr erstes Album Frontlines in Zusammenarbeit mit dem Berliner Rapper Intare. Dieses Jahr soll eine neue EP mit noch mehr Solo-Stücken erscheinen.

Fazit: Sorah erschafft mit ihren starken Texten und düsteren Beats einzigartige Hip-Hop-Songs, die herauszufordern, anstecken und ermutigen.

Autorin:

Cosima Endres

Lisa Akuah: introvertierter Folk-Pop

Ruhige Folk-Melodien, gezupfte Akustikgitarre und viel Gefühl machen Lisa Akuahs Lieder aus.

2017 veröffentlichte Lisa Akuah eine erste EP. Seitdem sind eine Handvoll weitere Singles erschienen und für Februar ist jetzt auch ein Debüt-Album geplant. Die Künstlerin lebt in Berlin.
Ihren Stil nennt sie ganz bescheiden Intro-Folk: Musik für Introvertierte von Introvertierten. Tatsächlich wirkt Lisa Akuah ganz bei sich, wenn sie singt, und zeigt dabei eine natürliche Bühnenpräsenz. Ihre Art zu singen ist zurückhaltend und einfühlsam, lässt aber auch stimmliche Kraft durchblicken. Die folkig-akustische Gitarrenuntermalung und die melancholische Stimmung der Songs tun ihr Übriges.

Fazit: Lisa Akuahs Musik steht für sich. Die Musikerin braucht keine großen Gesten, keine Band im Hintergrund und kein Rampenlicht, damit ihre Songs wirken und berühren.

Fishbach: Synth-Pop trifft Chanson

Die Schauspielerin, Songwriterin und Sängerin Flora Fishbach aus Nordfrankreich lässt Genre-Grenzen zerfließen wie warme Butter.

Seit ihrem Debütalbum A Ta Merci (2017) und einem Auftritt bei der Preisverleihung der Victoires de la Musique Awards ist Fishbach daheim in Frankreich längst keine Unbekannte mehr. Auf einigen ihrer um die 150 Konzerte europaweit war sie auch im deutschen Raum schon zu hören. Nun war es eine Weile recht still um die Musikerin, für Februar hat sie aber jetzt ein neues Album in der Pipeline.
Einen vielversprechenden Vorgeschmack darauf liefern die Singles „Téléportation“ und „Masque d’Or“. Alles bewegt sich hier irgendwo zwischen französischem Chanson, modernem Pop und Retro-Sound. Die Entdeckung ihrer eigenen inneren Frauen-Figuren (unter anderem eine allwissende, alterslose Ikone und eine retro-futuristische Priesterin) sollen die Vorlage für den Klang abgegeben haben. Neben französischen Vocals und Synthie-Vibes gibt es erdig-funkige Basslines und stampfende Rhythmik zu hören.

Fazit: Fishbach vereint tanzbare Songs im Disco-Pop-Gewand mit einer rauchigen Chanson-Stimme.

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