L’Impératrice: French-Pop-Mix mit Augenzwinkern

Die Pariser Band L’Impératrice kommt mit buntem Disco-Synth-Pop und französischen Lyrics um die Ecke.

Singles, EPs, ein Album, knappe zwei Jahre Tour mit ausverkauften Shows in Europa und Amerika: Was als fixe Idee des Pariser Kulturjournalisten Charles de Boisseguin angefangen hat, ist längst eine andere Hausnummer geworden. 2020 hielten sich L’Impératrice trotz Corona mit dem Basteln an neuen Songs und einer virutellen World-Tour bei Laune. Im März diesen Jahres steht dann schließlich die Veröffentlichung ihres neuen Albums Tako Tsubo an.
L’Impératrice kombinieren sanfte Instrumentalsounds mit Effekten und Elektronik. Rhythmisch und musikalisch gehen die Musikerinnen und Musiker wunderbar Hand in Hand. Mit französischen Texten und klarem Gesang schwebt die Sängerin mühelos über dem Klangteppich ihrer fünf Kollegen. Außerdem experimentiert die Band hin und wieder mit krassen Gegensätzen. So ist das Musikvideo zu ihrem melodischen Song „Peur des Filles“ eine etwas irritierende Mischung aus knalligen Farben und Horrorfilm-Stil.

Fazit: Mal eingängig und mal experimentell: L’Impératrice haben eine Wundertüte voller Musik in der Hinterhand.

Batila: Worldmusic zwischen Berlin und dem Kongo

Als Kind von kongolesich-angolanischen Eltern ist Batila in Angola, England und Deutschland aufgewachsen. Seine musikalische Basis hat er inzwischen in Berlin.

Seine Fanbase hat sich Batila vor allem mit seinen vielen Konzerten erspielt. In diesem Jahr will der Künstler nun sein Debütalbum Tatamana herausbringen. Die Songs dafür hat Batila in Studios sowohl in Berlin als auch in Kinshasa im Kongo aufgenommen.
“Naboyi” heißt die erste veröffentlichte Single aus dem Album, was übersetzt in etwa “ich will nicht” heißt. Batila singt sich mit seiner sanften und zugleich markanten Stimme darin frei von “mental slavery”. Dabei schafft er es trotz des ernsten Themas, dem Lied eine besondere Leichtigkeit zu verleihen. “Naboyi” beginnt mit melancholischen Klängen, nimmt aber im Verlauf eine schwungvolle Wendung und hat einen Rhythmus, der durchaus mitreißend ist. Das Stück wird abgerundet von einer Rap-Einlage des Künstlers Lova Lova

Fazit: Wer Lust hat auf eine tolle Mischung aus kongolesischen Roots, Jazz und R&B, wird sich für “Naboyi” sehr begeistern können – und kann sich vor allem auch auf Tatamana freuen.

Autorin:

Carla Blecke

Shame: britische Rock-Rebellen

Shame aus London beliefern die Musikwelt mit viel Gitarre und eigener Coolness. Und nebenbei gibt’s auch noch ein frisches Album und ein Musikvideo voller Deepfakes.

Als 2018 ihr erstes Album seine Wellen schlug, hatten die fünf Londoner von Shame sich schon längst eine Fanbase erspielt. Massenhaft Konzerte, Festivals und ein Corona-Jahr später gibt’s jetzt das neue Werk der Band: Drunk Tank Pink. Benannt ist das Album übrigens nach einem Rosaton, der laut Untersuchungen aggressives oder gewalttätiges Verhalten reduzieren soll.
Für allerfeinsten Alternative-Rock sorgt die Band um Leadsänger Charlie Steen ganz klassisch mit zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug. Shame scheuen sich außerdem nicht davor, ihre Meinung zu Politik und Gesellschaft abgegeben und erfrischen mit direktem Sound und einer leicht überdrehten Art.

Fazit: Bei Shame geht es auch mal drunter und drüber, das macht dann oft ganz besonders Spaß. Also: aufdrehen und genießen!

Aaron Frazer: Multitalent aus Brooklyn

Aaron Frazer zeigt wie’s geht: Sein Solodebut Introducing… ist rhythmisch, soulig und absolut fesselnd.

In Baltimore aufgewachsen, lebt Aaron Frazer inzwischen in Brooklyn. Bisher ist er vor allem als Schlagzeuger und Co-Sänger bei Durand Jones & the Indications in Erscheinung getreten. Sein erstes Soloalbum hat Frazer am 8. Januar veröffentlicht und sagen wir es so: Es wurde Zeit!
Aaron Frazer gelingt ein einzigartiger Spagat aus tollen Rhythmen, wie man sie von einem Drummer erwarten würde, markanten Bassläufen, Bläsersätzen und seiner besonderen, hohen Stimmlage. Ständig spürt man so einen spannungsbehafteten Gegensatz zwischen Höhen und Tiefen, gleichzeitig sind die Songs sehr gefühlvoll austariert.

Fazit: Aaron Frazer hat mit Introducing… ein bemerkenswertes Soloalbum hingelegt. Kein Wunder, dass so ein Musiker berühmte Fans anzieht: Immerhin kein geringerer als Dan Auerbach von den Black Keys hat das Album produziert.

Eese: Synthie-Pop-Mix

Eese aus Köln haben sich nicht weniger vorgenommen, als die Szene des synthetischen Pop hierzulande etwas aufzumischen.

Ihre erste EP haben Eese 2017 noch als Trio veröffentlicht. Nachdem sie 2019 Zuwachs bekommen haben, ist für dieses Jahr eine neue EP erstmals in Viererkonstellation geplant.
Jede Menge Gitarre und Synthesizer kommen bei Eese zum Einsatz – und auch in Sachen Beats und Bässe probieren die vier sich aus. Gemeinsam mit dem Gesang bekommt das Ganze eine schwebende Grundstimmung. Die Lyrics der Band drehen sich nach eigener Aussage etwa um das Thema Social Media und etwas düstere Gefühlswelten wie Einsamkeit und Entfremdung. Gleichermaßen nehmen sich Eese aber auch die Zeit, ihre Ideen in einzelnen Songs auch mal mit rein instrumentalen Phasen weiterzuspinnen.

Fazit: Eese machen nachdenklichen Synthie-Pop. Von Vorbildern wie Tame Impala oder Xul Solar gucken sie sich durchaus etwas ab, experimentieren aber auch mit eigenen Sound-Vorstellungen.

An die MusikerInnen und Bands unter euch: Wir suchen eure besten Tour-Momente! Schreibt uns eine Mail an redaktion@musik-unterm-radar.com und erzählt uns in jeweils maximal 80 Wörtern eure schönsten, witzigsten oder skurrilsten Geschichten, die ihr auf Tour erlebt habt. Die coolsten Anekdoten veröffentlichen wir mit Link zu euch!

Messina: Pop-Experimente

Messina haben große Pläne für 2021: Eine Kunstvernissage, ein interaktives Browsergame und ein Debutalbum sollen her. Für letzteres haben sich die vier Bandmitglieder aus Winterthur in der Schweiz auch schon ein knappes Jahr in einem Tonstudio eingemietet und an Songs gebastelt.

Sponsored Post soll besagtes Album heißen und im Laufe des Jahres erscheinen. Als Vorboten haben Raphael Weidmann (Gitarre, Gesang), Jonathan Labusch (Gitarre, Keyboard), Gian Rosen (Schlagzeug) und Nicola Philipp (Keyboard) an Neujahr mit „Capri Song“ eine erste Single losgeschickt.
Messina sind Fans von Klangspielereien. Mit Beats, Elektronik und Instrumentalsounds probieren die vier sich aus und nehmen ihre Höhrerschaft mit zu atmosphärischen Weiten. Die Band verarbeitet tranceartige Klänge genauso wie prägnante musikalische Ideen und auch der Gesang ist je nach Grundstimmung mal ruhig und mal rhythmisch.

Fazit: Messina sind kreativ unterwegs und ihre experimentierfreudige Art geht gut ins Ohr.

Covves: Indie-Pop in tanzbar

Die drei Indie-Musiker von Covves haben einen vollen Sound und erste Singles im Gepäck.

Eigentlich kennen sich Richard Mahlke und Marco Rose schon aus ihrer Zeit als Duo Cassettes. Seit sie sich die beiden Münchner mit Philipp Breese vor einem Jahr einen Schlagzeuger als dritten Mann mit ins Boot geholt haben, geht die Musik der Band in eine neue Runde.
Covves legen mit ihrem garagig-lauten Stil und lässigem Gesang musikalische Coolness an den Tag. Die treibenden Off-Beat-Rhythmen gehen zusammen mit markanten Gitarrenriffs und Basslines leicht ins Ohr und sorgen für gute Laune und Indie-Charakter.

Fazit: Covves sind massig in ihrem Sound und wissen durchaus auch Tanzstimmung zu verbreiten.

Karo Lynn: Akustik-Pop mit Tiefe

Ihre Stimme zieht einen unmittelbar in ihren Bann: Karo Lynn schwebt irgendwo zwischen Singer-Songwriter-Sound und Indie-Pop.

Die Musikerin Karo Lynn ist in Leipzig zuhause, staubte 2019 den ersten Platz eines Talentwettbewerbs ab und hat Anfang 2020 mit Outgrow ihr zweites Album veröffentlicht.
Unverkennbar ist wohl Karo Lynns angenehm dunkle Stimmfärbung. Der Gesang besticht mit der Ausstrahlung von Gelassenheit und sanftem Nachdruck. Die Singer-Songwriterin lässt sich außerdem von einer fähigen Band begleiten, mit der sich bisweilen schöne mehrstimmige Passagen ergeben. Ganz aktuell experimentiert Karo Lynn allerdings auch wieder mit gegenteiligen Effekten und hat eine frühere Single neu als Akustikversion aufgenommen.

Fazit: Dank ihrer ergreifenden, rauen Stimme löst die Leipziger Musikerin eine besondere Faszination aus.

Dhresen: Spannende Instrumentals

Dhresen lösen eine eigene Faszination aus. Ganz ohne Gesang baut das Trio Spannung auf und malt musikalische Bilder.

Armin Wondra (Schlagzeug), Sebastian Cuy (Synthesizer) und Felix Richard (Klavier) kennen sich schon seit ihrer Jugend. Erste musikalische Projekte folgten, bis sie schließlich 2018 ihr Trio Dhresen gründeten. Nach zwei Jahren gibt es nun ganz frisch das erste Album Schleiffen der drei zu hören.
Verträumt-sphärisch nehmen Dhresen einen mit auf eine Reise durch die Harmoniewelten. Die rein instrumentale Musik hat mit ihrem oft ruhigen, untermalenden Stil und dann wieder fast epischen Passagen eine Art Filmmusik-Charakter. Besonders eindrücklich ist dabei Drummer Armin Wondra, dessen Schlagzeug bei Dhresen ganz klar eine treibende Kraft ist, während seine Bandkollegen Melodiemotive und Atmosphäre zusteuern.

Fazit: Die Musik von Dhresen ist stimmungsvoll, manchmal tranceartig und repetitiv und auch mal modern-experimentell.

Levin Liam: Pop-Träumer aus Hamburg

Der norddeutsche Musiker Levin Liam zeigt in facettenreichem Gesang und zurückhaltender Begleitung wie Pop auch funktionieren kann.

Seit seiner Kindheit macht Levin Liam Musik, inzwischen ist er 21 Jahre alt und Schauspielstudent in Hamburg. Als Schauspieler dürfte sein Gesicht dem ein oder anderen auch schon einmal aufgefallen sein – etwa in seiner Rolle als Sohn des Hamburger Tatort-Ermittlers Falke. Dagegen steht seine Karriere als Musiker noch recht am Anfang: Erste Singles hat Levin Liam erst dieses Jahr veröffentlicht und selbst produziert.
Beim Hören fällt schnell auf: Der junge Künstler hat eine gleichzeitig zarte und bemerkenswert reife Stimme. Zum Teil errinnert seine recht rhythmische Art zu singen sogar etwas an Hip-Hop. Abgesehen davon ist Levin Liam aber vor allem in der poppigen Richtung unterwegs. Seine ersten Songs hält er was die Instrumentation angeht recht minimalistisch, indem er ein paar vorsichtige Klavierklänge schlicht durch Beats und verschiedene Effekte ergänzt.

Fazit: Mit einer verträumten Art entwirft Levin Liam schöne Melodien und einen gefühlvollen musikalischen Rahmen.