FORWARD: funky Disco-Pop

Rein ins Leben, Neues wagen, mit Erwartungen kämpfen und Zweifel überstehen – mit ihrem Genre-Mix und einer detailverliebten Art liefern FORWARD aus Hannover einen Soundtrack für ihre Generation.

Gemeinsam Songs geschrieben haben Sänger Tim Knemeyer und Gitarrist Arne Dykierek schon, da gingen sie noch zur Grundschule. Später, mit dem Abi in der Tasche, ließen sie sich dann folgerichtig von ihren Interrail-Erlebnissen inspirieren. Mit der Zeit haben sich den beiden außerdem immer mehr Gleichgesinnte angeschlossen. Inzwischen ist FORWARD also achtköpfig und auch eine erste EP steht in den Startlöchern. Die beiden Singles „Overdrive“ und „Quarterlife Crisis“ gibt es vorab schon zu hören.
Die Band in Schubladen zu stecken, ist gar nicht einfach. FORWARD machen lieber ihr eigenes Ding. Flinke Bassläufe und ein Schlagzeug, nach dem man die Uhr stellen kann, sorgen für Drive. Dazu kommen funkig abgerissene Gitarrenchords und als Sahnehäubchen die kleine Bläsersection mit ihren fein abgestimmten Einwürfen. Trotz der vollen Besetzung erschlägt einen der Sound so nicht – jedes Instrument hat seinen Platz und der Gesamtklang ist sorgfältig austariert.

Fazit: FORWARD versprühen literweise Sommerfeeling. Ganz wie es der Bandname verspricht, zieht es die Truppe mit Präzision, einer Prise Melancholie und etwas Draufgängertum nach vorn.

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Löwen am Nordpol: Berliner Indie-Rocker

Vier Jahre nach ihrem Debut melden sich Löwen am Nordpol mit einem neuen Album zurück.

Hinter den Löwen am Nordpol stehen die drei Musiker Andreas Kolczynski (Gesang und Gitarre), Daniel Voigt (Bass) und Christoph Wegener (Schlagzeug). Die Berliner Truppe hat sich zwar schon 2012 gegründet, bis 2017 hat es dann aber trotzdem noch gedauert, bis mit Vom Stochern in der Asche ein Debutalbum draußen war. Das zweite Album kommt gerade ganz frisch aus der Presse.
Und damit scheint das Trio auch recht zufrieden zu sein, wie sie verlauten lassen: „Da dieses Album so klingt, wie die Band gern klingen möchte, heißt es Löwen am Nordpol.“ Das heißt: ein ungeschönter, rauer Sound, treibende Drums, deutsche Texte, viel E-Gitarre. Die Songs ziehen nach vorne, gleichzeitig klingt immer wieder auch etwas Wehmut durch.

Fazit: Man hört den Löwen an, dass sie schon lange ein eingespieltes Team sind. Die Band macht ihr eigenes Ding und bleibt musikalisch authentisch.

Good Morning Yesterday: Indie-Mischung aus Mainz

Das Fünfergespann Good Morning Yesterday aus Mainz steht knietief in Indie-Grooves und Klangatmosphäre.

Nach mehrjähriger Bandgeschichte und zwei frischen Neuzugängen sehen sich Good Morning Yesterday zurzeit in einer zweiten musikalischen Findungsphase. Vom klassischen Folk- und Singer/Songwriter-Stil geht es zu neuen Ufern: Mehr Elektronik und Mehrstimmigkeit haben sie sich für die Zukunft vorgenommen. Vorerst gibt’s von den fünfen aber erst einmal die neue Single „The Surf“, im Juni kommt der Folge-Track.
Musikalisch gibt’s bei Good Morning Yesterday feine Gitarrenbackings, Klavierharmonien und eine Reibeisenstimme für graue Regentage. Die Melancholie in den Songs steht den Musikern durchaus gut, schließlich lässt schon der Bandname einen gewissen nostalgischen Ansatz erahnen.

Fazit: Ganz entspannt und ohne große Aufregung grooven sich Good Morning Yesterday durch ihre Musik.

Mei River: gefühlvolle Texte und catchy Sounds

Eine tolle Stimme, ein interessanter Mix an Instrumenten und eine Bandbreite an Emotionen – Bühne frei für Mei River aus Schweden. 

Der Produzent, Sänger und Songwriter Fredrik Eriksson produzierte jahrelang Musik für andere Künstler, bis er vergangenes Jahr sein Solodebut als Mei River gab und seine erste EP Tall Trees That Never Fell herausbrachte. Nach der Veröffentlichung der Single „On My Own“ im Januar dieses Jahres, folgte kurz darauf der nächste Titel mit „Pixie In The Sky“. Beide Songs sind ein erster Vorgeschmack auf die neue EP. Diese wird wohl im Laufe des Jahres erscheinen und erzählt laut Mei River eine Liebesgeschichte zweier Menschen während einer Apokalypse.
Mei River vereint gefühlvolle Texte mit fröhlichen Klängen, die nicht nur bei Liebeskummer, sondern auch bei Sonnenschein im Park der perfekte Begleiter sind. Er schafft es, trotz der teils melancholischen Stimmung eine Leichtigkeit zu bewahren, die ansteckend ist. 

Fazit: Als einer der vielen Musiker, die während dieser Zeit auf Konzerte und Live-Musik verzichten müssen und sich deshalb mit dem Veröffentlichen von neuer Musik bei Laune halten, sieht sich Mei River nun auch der ungewohnten Situation gegenüber, dass seine Musik ausschließlich online bei der Hörerschaft ankommt. Die positive Resonanz dort freut nicht nur ihn, sondern auch uns, denn trotz seiner bislang noch kurzen Karriere, zielt Mei River ins Herz eines jeden Indie-Pop Fans – und trifft. 

Autor:

Julian Hubert

Varley: Berlin-based Indiepop

VarleyFrontfrau Claire-Ann wurde in Dublin geboren, nennt inzwischen aber wie ihre deutschen Musikerkollegen Joschka Bender und Matthias Heising Berlin ihre Homebase. Ihre erste EP hat das Trio 2019 herausgebracht, das Debut-Album – ein Produkt des ersten Lockdowns – wollen sie im Laufe des Jahres veröffentlichen.
Als Vorboten aus dem geplanten Album gibt es jetzt unter anderem schon mal die Single „Bubble Up“ zu hören. Besonders cool: Neben der ruhigen Melodie und der klaren Gesangsstimme bauen Varley hier zwischen durch immer mal unerwartete, synkopische Rhythmen ein. Dazu kommt, dass sich die drei Bandmitglieder auch gerne mal an verschiedenen Instrumente ausprobieren. Klanglich hält sich die Band also trotz der kleinen Besetzung viele Türen offen.

Fazit: Varley scheint zu den Bands zu gehören, die aufkeimende Langeweile oder jegliche Art von Negativität direkt kreativ verarbeiten – sei es Album-Arbeit statt Lockdown-Koller, Songideen dank schlechter Erfahrung im Job oder Multiinstrumentalismus statt Standard-Besetzung.

Anna Leone: Gitarren-Folk mit Charakter

Die tolle, gefühlvolle Stimme kann Anna Leone wohl ihr Markenzeichen nennen – in Ergänzung mit dem meist minimalistisch gehaltenen Instrumentalunterbau sorgt sie für einen Sound mit Tiefgang.

2018 erschien die erste EP der Schwedin. Seit März ist mit Still I Wait die zweite EP von Anna Leone zu haben und auch ein Album ist schon in der Mache. Bis Herbst ist hier aber wohl mindestens noch Geduld angesagt.
Viel braucht Anna Leone nicht für ihre Musik: ein paar melancholische Akkorde, beständiges Gitarren-Fingerpicking und ihre nachdenkliche Stimme. Auf unverfälschte, rohe Art singt die Musikerin und lässt dabei trotz oft zarter Melodien auch das Volumen ihrer Stimme durchblitzen. Friedlich klingen ihre Songs, könnte man sagen. Und gleichzeitig erahnt man eine bezeichnende Tiefe und Reife.

Fazit: Anna Leone ist eine besondere Entdeckung. Ihre Musik geht leicht ins Ohr, ist ausgesprochen schön und bringt auch eine Portion Eigenwillen mit. Schade nur, dass wir bis zum ersten Album noch warten müssen.

Old Sea Brigade: Roadtrip-Sound aus Nashville

Ursprünglich kommt der Musiker Ben Cramer aus Georgia, inzwischen lebt er in Nashville. Dort hat er 2015 sein Solomusikprojekt Old Sea Brigade auf die Beine gestellt. Nach mehreren EPs, einem Debut-Album und einer Kollaborations-EP mit Luke Sital-Singh hat der Musiker für Mitte Mai sein nächstes Album angekündigt.

Mit einer sanften Art und gleichzeitig verlässlichen Stetigkeit vermittelt die rauchige Stimme des Musikers den Eindruck, als sei dieser so schnell durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Viel Bewegung in der Begleitung und die Unterlegung mit Beats steigern Tempo und Drive der Songs. Bei Themen wie der Suche nach den eigenen Wurzeln und der Rolle zwischenmenschlicher Beziehungen schimmert auch immer wieder eine vorsichtige Melancholie durch.

Fazit: Mit einem eigenen Stil kombiniert Old Sea Brigade eingängige Melodien mit mehrschichtiger Begleitung und einem Gefühl von innerer Ruhe.

Jason Pollux: alternativer Electropop

Das Duo Jason Pollux bastelt durchdachte Electro-Songs – und das übrigens ganz ohne Sounds vom Laptop.

Sängerin und Keyboarderin SÆM und ihr Bandkollege Michael Burger, der sich bei Jason Pollux um Synthies und Beats kümmert, haben 2019 gemeinsam ihre erste EP Escape veröffentlicht. Nach verschiedenen Clubkonzerten, Festivals und Online-Gigs steht für dieses Jahr außerdem eine Nachfolge-EP auf dem Plan.
Jason Pollux schöpfen die atmosphärischen Möglichkeiten ihrer Soundspielereien voll aus. So entstehen Songs mit einerseits meditativen, sich wiederholenden Klangschnipseln und andererseits einer Vielzahl von eingestreuten Ideen. Die eindringliche Stimme von SÆM tut ihr Übriges und macht die Musik zu einer runden Sache.

Fazit: Wer genau hinhört, kann bei Jason Pollux viel entdecken. Wie ein Puzzle fügen sich die kleinteiligen Soundelemente mit der bestechenden Lead-Stimme zusammen.

Chris Mayer & The Rockets: Feelgood-Folk-Pop

Wie der Lieblings-Highschoolfilm aus den 90ern soll sich ihre Musik anfühlen, fassen Chris Mayer & The Rockets zusammen. Ein Genre haben sie sich dafür auch schon überlegt: Feelgood-Folk-Pop.

Für den vollen Bandsound lässt sich Frontmann Chris Mayer von seinen Musiker-Kollegen Daniel Jaud, Basti Pilous und Wolfi Müller unterstützen. Nach mehreren ersten Singles ist seit Februar auch schon das erste Album In One Room der Münchner zu haben.
Eigentlich kommen die vier aus ganz unterschiedlichen musikalischen Richtungen. Gemeinsam bringen sie nun ihre verschiedenen Einflüsse unter einen Hut. Ihr Anspruch: Britpop- und Bluesrock-Verrückte sollen genauso auf ihre Kosten kommen wie Singer/Songwriter-Fans. Dafür warten Chris Mayer & The Rockets mit markanten Drums, eingängigem Gesang, wohldosierten Instrumentalsoli und einer Ladung Aufbruchsstimmung auf.

Fazit: Chris Mayer & The Rockets halten ihr Versprechen und sorgen für gute Laune und unbeschwerte Stimmung.

Nobody’s Cult: Indie zum Eintauchen und Abdriften

Nobody’s Cult aus Frankreich gehen in die Vollen: Eine bombastische Leadstimme, fesselnder Spirit und die vielseitigen musikalischen Ideen sprechen für sich.

Dafür, dass sich die Truppe um die bemerkenswerte Sängerin Lena Woods bereits 2015 gegründet hat, haben es Nobody’s Cult in Sachen Recording bisher erstaunlich ruhig angehen lassen. 2017 haben sich die vier mal an einer EP versucht, zwischendurch gab’s hin und wieder eine Single. Mit einem größeren Album haben sie aber bisher auf sich warten lassen. Im Juni soll es nun aber so weit sein und ihr Debut Mood Disorder darf in die Welt.
Mit Nobody’s Cult lässt es sich wunderbar abtauchen. In „Feel Blue“, einer der ersten Singles aus Mood Disorder, lassen die vier ihre Gedanken schweifen, gehen zurück Richtung Kindheit, entdecken eine gewisse Nostalgie für sich – dass das zugehörige Musikvideo statt digital auf 16mm-Film gedreht werden musste, liegt nahe. Weiter finden wir bei Nobody’s Cult zwischendurch faszinierende Mehrstimmigkeiten, die wunderbar abseits der klassischen Harmonien funktionieren, dann wieder aufbrausende Songs voller Dynamik und Spannung. Und wer hat noch mal gesagt, dass Harfen in Rockbands nichts zu suchen haben?

Fazit: Manchmal kriegt man es bei Nobody’s Cult mit der Angst zu tun, die Band könnte jeden Moment auf der Bühne explodieren – so sehr können sich die vier in ihre Musik hineinsteigern. Dann wieder gibt einem die Band starke Momente zum Durchatmen und Abdriften.