„Technolife Supernature“ katapultiert uns in ein Retro-Future-Universum.


In ihrer neuen Kolumne nimmt sich unsere Autorin Conci starke Alben und EPs vor und taucht richtig tief ein. Es geht um die Storys und Details hinter der Tracklist, um Klang-Basteleien und eine neue Perspektive auf elektronische Musik. Dies ist die erste Folge.


Freche Gremlins, die vor rosafarbenen Häusern ihre Synths aufdrehen. Zwischen Bäumen schwirren Töne durch die Straßen. Menschen mit Aktentaschen, vermutlich auf dem Weg zum nächsten 9-to-5-Job, bleiben kurz stehen und beobachten das Spektakel.

Was ich hier beschreibe, ist kein Sci-Fi-Film mit musikalischen Fantasy-Kreaturen, sondern das Cover der neuen EP von Legowelt und Shook. Technolife Supernature, also übersetzt sowas wie „Technologisches Leben, Übernatur” – ein Titel, der so ziemlich genau auf den Punkt bringt, wie sich diese harmonierende Kollaboration anhört.

Wir bewegen uns auf rhythmischen, elektronischen Wellen – irgendwo zwischen Disco in den 80ern und futuristischen Städten. Zwischen Vergangenheit und Zukunft liegt dieses Projekt, das beides in der Gegenwart fusioniert.

Die beiden Köpfe hinter dem Ganzen sind zwei Künstler, die nicht erst seit gestern im Musik-Game dabei sind. Der niederländische Musiker Danny Wolfers, besser bekannt als Legowelt, legt schon seit den 90ern alle möglichen elektronischen Projekte hin. Von Live-Sets bis Eigenproduktion ist alles dabei. Schon früh begeistert er sich für die typischen analogen Synthsounds aus den 80er Jahren, die auch in Technolife Supernature eine zentrale Rolle spielen.

Und auch Shook alias Jasper Wijnands ist schon seit über einem Jahrzehnt dabei und holt sich alle möglichen Inspirationen aus dem japanischen Funk und der Disco-Era. In seinen Songs umgesetzt, bedeutet das also starke Grooves, repetitive Rythmen und sehr dominante Basslines, die einem nicht aus dem Kopf gehen. Es macht also nur Sinn, dass sich die beiden zusammentun.

„Getränkt in Italo-Disco, City Pop und Electro-Funk“, so beschreiben sie den Sound auf Legowelts Website. Für mich also mal wieder eine Reihe an Tracks, die beweisen, dass Genre nichts als ein Konstrukt ist und dass es gerade dann interessant wird, wenn man aus der konstruierten Norm auch mal ausbricht. 

Was mich am meisten begeistert: Alles ist analog eingespielt. Jeder Ton entsteht also durch extern angeschlossene Instrumente, vor allem Synthesizer, die dieses Projekt komplett tragen. Gespart wird dabei nicht an Equipment: Mit dem legendären Roland Jupiter-8, einem Original aus 1981, entsteht zum Beispiel „Sad lonely Jupiter“ – daher der Name. Oder auch „On My Casio“, dessen Titel den zahlreichen Casio-Keyboards geschuldet ist, die bei den beiden Künstlern herumstanden.

Als ich die sechs Tracks dieser EP entdecke, bin ich fast schockiert von den Streamingzahlen. Mit gerade einmal 20.000 Plays auf Spotify ist der erste Song „Gato Expresso“ der meist gehörte. Für das Potential, das in all dem steckt, ist das ziemlich wenig.

Technolife Supernature wirkt durch die Inspiration aus den 70ern und 80ern fast schon nostalgisch und trotzdem haben diese futuristischen Elemente etwas Unwirkliches – etwas, was man in der Kombination so noch nicht oft gehört hat.

Autorin:

Concetta Vivacqua


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