Bratakus: Punk aus den schottischen Highlands

Wer mit dem Namen „Tomintoul“ etwas anfangen kann, der kennt sich entweder in Schottland gut aus oder hat sich mit schottischem Whisky vertraut gemacht. Ganz eventuell springt bei einigen hier aber auch die Synapsenmaschine so richtig an und die Band Bratakus taucht auf.

Das Punk-Duo aus dem Dorf Tomintoul wird als „abgelegenste Band“ Großbritanniens bezeichnet und macht mit ihrem lauten, wütenden Auf-die-Fresse-Punk auf sich aufmerksam. Bratakus sind zwei Schwestern, die in ihren Teenager-Jahren angefangen haben, sich mit der Klampfe gegen die Widrigkeiten zu stellen. Da es in ihrem Heimatort und drumherum vermutlich mehr Schafe und Kühe als Menschen gab, war die erste ernste Herausforderung, jemanden für die Schlagzeug-Position zu finden. Und was macht eine DIY-Band mit vollen Batterien? Drumcomputer anstöpseln, weitermachen. Und der hat sich mittlerweile sogar zu einem Identitätsfaktor für die Band entwickelt.

Brèagha (Gitarre/Gesang) und Onnagh Cuinn (Bass/Gesang) führen das konsequent durch, schreiben Songs, spielen live und positionieren sich mit ihrer DIY-Haltung klar gegen das System Mainstream. Nach der Gründung im Jahr 2015 stampften die beiden zusammen mit ihrem Vater (Bandmitglied der Anarcho-Punk-Band Sedition) das Label „Screaming Babies Records“ aus dem Boden, das sie als Familienprojekt führen.

Anfangs wurde keine PR gemacht, keine Streaming-Dienste oder andere Plattformen genutzt. Bratakus waren live auf den Bühnen präsent und bei den Gigs konnte man sich ihre Platten kaufen. Die Mundpropaganda funktionierte so gut, dass das Interesse an der abgelegensten Band immer größer wurde. Eine Dokumentation der BBC Scotland über das Duo wurde zur Rampe für internationale Shows und Support-Gigs bei Propagandhi oder The Hives.

Im Februar ’26 veröffentlichten Bratakus ihr Album Hagridden. Zehn Tracks in 25 Minuten mit durchgedrücktem Gaspedal. Bei den Aufnahmen für das Album bekamen sie Unterstützung unter anderem von Johan Gustafsson (The Hives). Ihr Sound ist laut, rotzig, schnell und kennt keine Gnade. Es erinnert ein wenig an die ganz alten Sachen von den Beatsteaks.

Brèagha bringt mit ihrem Gitarrensound die klassische Punk-Attitüde voll rein – und das ohne große Effektmacherei. Ein purer direkter Sound aus dem Amp heraus. Onnagh drückt in ihren Basssound ebenfalls eine Verzerrung rein, die gehört werden will. Das wirkt grungig und holt Nirvana– und Stone-Temple-Pilots-Gefühle hoch. Die Vocals kommen von beiden Musikerinnen. Sie sind laut, sie schütteln einen durch und pusten die Hörgänge frei.

Ihre Themen bewegen sich im Feld Zwischenmenschlichkeit und daraus entstehenden Herausforderungen, es geht um Energiesauger, Politik und schlicht Dinge, die nerven (Beispiel: das Patriarchat). Die Drums laufen bei ihren Gigs über einen Backing-Track – aber es sind keine typischen Drum-Computer-Sounds, sondern eingespielte echte Sounds von einem Drumkit. Für den Song „Turnstile“ saß sogar der Drummer der Hives am Kit.

Die Songs ballern geradeaus nach vorne und ziehen die Hörerschaft in die kompromisslose Bratakus-Zone. Dabei bleibt kaum Zeit, einmal tief Luft zu holen und die Kreativität der Schwestern ist nicht skippbar. Die Musikerinnen beweisen einmal mehr, dass das Duo-Konzept funktioniert – und zwar verdammt gut.

Autor:

Marius Schieke


Mehr Punk-Tipps von Marius:

USERS: Wilkommen in feinster Post-Punk-Gesellschaft

USERS platzen mit einer Energie aus dem Proberaum, die einem die Haare nach hinten fliegen lässt. Der Sound klingt nach hohem Plektrum- und Saitenverschleiß: Der Bass zerrt, als wolle er einem die Zähne ziehen, der Gesang hat Charakter, alles treibt wie ein überspanntes Aufziehmännchen auf Kollisionskurs.

Dorfterror: Drei Akkorde gegen den Faschismus

Powerchords, punkige Melodien, schnelle Drums mit peitschendem Bass, dazu grölende Vocals, damit auch bloß keine Missverständnisse entstehen: Seit 2018 pflügen Dorfterror mit klarer Haltung und ihrem Drei-Akkorde-Vollgas-Punk durch die Szene, machen sich stark für die Subkultur und gegen den Faschismus.

Marathon: Post-Punk auf mehreren Etagen

Die fünf Musiker*innen von Marathon aus Amsterdam erschaffen Räume, in denen man sich zurückziehen und mit offenen Augen träumen kann. In ihren Songs übersetzen sie modernen Post-Punk in eine dichte, echogetränkte Klangwelt mit warmem Vintage-Charakter.


Sorry, dass wir hier auf die Tränendrüse drücken, aber…

Wir schalten bei Musik unterm Radar weder Werbung noch gibt es Bezahlschranken. Das ganze Team arbeitet ehrenamtlich, weil uns etwas daran liegt, Newcomern eine Plattform zu bieten und euch gute Mucke zu zeigen. Weil auch bei uns aber Kosten anfallen, machen wir Miese. Wenn dir gefällt, was wir schreiben, würden wir uns sehr über ein paar Euro Unterstützung freuen!

2,00 €


Neuste Band-Portraits:

Ydegirl: Pop, Barock und deepe Texte

Nordischer Barock trifft auf RnB, Pop, Folk – und eine Moorleiche. Die dänische Musikerin Ydegirl verbindet historische Klänge mit modernen Einflüssen und erschafft so eine verträumte, fast mystische Klangwelt.

diggidaniel: Melancholie in tanzbar

„90bpm. Hip Hop. Beat.“ So hat diggidaniel noch seinen ersten Song beschrieben. Heute klingt seine Musik ein bisschen anders. Mit melancholischem Sound und den Zügen der 80er Synth-Pop und Wave-Sounds lässt diggidaniel Genregrenzen verschwimmen und macht seine Musik tanzbar.

Dosenstolz: Alles schon erreicht

Eigentlich haben Dosenstolz schon alles erreicht, was eine Punkband erreichen kann: Sie wurden von der AfD im Bundestag zitiert. Doch neben diesem Meilenstein, dem viele internationale Musikgrößen noch nicht nahekamen, hat die Gruppe aus Dresden auch musikalisch einiges zu bieten.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..