Schon wieder Techno aus Berlin – wie könnte es anders sein. Und doch klingt dieser hier anders: unnatürlich, verfremdet, fast schon mystisch. Eine Art Techno, die mit ihren Vocals heraussticht. Schwefelgelb nennt sich das Duo mit den außergewöhnlichen Klängen.
Hinter dem Namen stecken Sid und Eddy, zwei Freunde aus Schulzeiten. Sid spielte in seiner Freizeit klassisches Klavier und experimentierte früh mit Home-Recording. Irgendwann stieg Eddy ein und so fand sich nach einiger Zeit ein gemeinsamer Musikgeschmack. Aus anfänglichem „angetrunken, um nicht zu sagen total besoffen, was ins Mikro labern“, wie Sid in einem Interview sagte, wurden immer ausgefeiltere Produktionen und ein stetig wachsendes Publikum.
Seit mittlerweile über 20 Jahren produzieren sie zusammen Musik und brechen Grenzen innerhalb des Genres immer wieder auf. Momentan bewegen sich die beiden irgendwo zwischen Raw-Techno und Tech-House.
Doch das war nicht immer so. Seine musikalischen Anfänge fand das Duo in punkigen Elektroclash-Produktionen, die von NDW-Elementen geprägt waren – wie im Song „Stein auf Stein“ zu hören. Der an Deichkind erinnernde Sound entwickelte sich schnell in eine technoidere Richtung weiter.
In legendären Tracks wie „Aus dem Hals der Flasche“ ergänzten sich brutale Kicks und raue Percussions zu einer neuen Art Techno mit brutal-mystischem Charakter. Auf der 2025 erschienenen EP Marginale bewegen sich Sid und Eddy nun mehr in Richtung Tech-House. Was bleibt, sind die markanten Vocals wie im Track „AY“, was ihre Musik unverkennbar macht.
So baute sich eine Diskografie auf, die sich durch viele Genres bewegte, ohne dass der schwefelgelbe Charakter verloren ging. Bis heute bleibt die Musik von Schwefelgelb immer tanzbar und empfehlenswert.
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