Frauen an der Front – die neue Ära des Pop 


Unser Autor René ist selbst Musiker und passionierter Pop-Fan. Als etwas älteres Semester musste er von Boybands in Baggy Pants über Grunge bis K-Pop schon so einiges mitmachen. In seiner Kolumne „riffs & rants“ blickt er für uns mehr oder weniger regelmäßig auf neue Musik, Trends und Pop-Phänomene.


Ich komme nicht mehr hinterher. Bevor ich von Olivia Deans Existenz erfahre, füllt sie längst weltweit Arenen. Bin ich noch dabei, die Faszination Sabrina Carpenter zumindest zu verstehen, spielt Olivia Rodrigo Konzerte mit meinen Jungs, Robert Smith und David Byrne. Die Bleachers sind toll, unterstützt durch Hayley Williams werden sie zum Orkan. Die Rückkehr von Phoebe Bridgers gleicht einer Epiphanie 

Punktum: Die Popwelt gehört den Frauen. Und auch jenseits der riesigen Bühnen tut sich einiges.

Künstlerinnen wie Gretel packte man in den Neunzigern in die Schublade Riot-Girl. Und jede Wette, die Britin, die mit bürgerlichem Namen Maddy Haenlein heißt, mag dieses Jahrzehnt und hat dessen Musik studiert. Ihr Debütalbum Squish vereint Grunge, Gothic, Indie und Elemente des Folk.

Ihre musikalische Karriere ist besonders bemerkenswert, da sie nach einer schweren Zwerchfellverletzung das Singen neu erlernen musste, was ihren speziellen Stil prägte. Tief, kratzig und wütend klingt das. Besonders live ist sie voll in die Fresse und generell äußerst charismatisch. Gretel wählte den Künstlernamen übrigens in Anlehnung an das düstere Märchen, also nehmt eure Omas lieber nicht mit zu ihren Konzerten. Auf Instagram postet sie konsequent Reels, in denen sie ihre Songs auf verstimmter Gitarre spielt. Sie mag es nicht, zu stimmen, sagt sie. Sowas kriegt mich.

Lola Blue wollte ich auf Instagram eigentlich schnell skippen, die Inszenierung „junge rehäugige Frau sitzt luftig bekleidet auf dem Bett und macht Musik“ lehne ich ab. Aber es klingt halt verdammt gut. Lupenreiner Indie mit Teenager-Heartbreak-Lyrics und gehauchten Gesang, das ist nicht neu, aber bei Lola Blue mit dieser zur Schau gestellten Schüchternheit und den raffinierten Songs, die oft nur ein klein wenig off key klingen, und genau deshalb eine spannende Reibung erzeugen, die hängen bleibt, äußerst hörenswert.

Scarlet Rae ist eine US-amerikanische Singer-Songwriterin. Sie kombiniert akustische Instrumente, 90er-Jahre Brit-Pop, Shoegaze-Elemente und infantil anmutenden Gesang.

Die Künstlerin wurde in Los Angeles geboren und lebt heute in New York City. Der Fluch des großen Namens – sie ist die Stieftochter von Guns N‘ Roses-Gitarrist Slash. 

“Do one thing that scares you / Everyday until you die / That’s how you break the chain-loop” singt sie in „Best Waitress“, und das ist clever und wahr.

Scarlet ist ein Paradebeispiel für eine neue Generation von Künstlerinnen. In der Isolation des Lockdowns brachte sie sich GarageBand bei, schrieb, spielte und produzierte Songs wie Best Waitress (v1) fast im Alleingang. Sie bricht mit dem alten Klischee der „Pop-Prinzessin“, die von männlichen Produzenten geformt wird und sexy umher hüpft wie ein Aufziehpüppchen.

Autor:

René Grandjean

Die letzten Folgen „riffs & rants“:

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Maria Taylor fährt mich nach Hause.

2005 hängt unser Kolumnist René zwischen Provinzflucht und Stagnation fest – bis ein unaufgeregter Scheißtag im Juni eine Wendung anstößt.


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