Filiah: Indie-Folk fürs Loslassen, Neuanfangen und alles dazwischen

Manchmal braucht es einen Schritt zurück, bevor es vorwärtsgehen kann. Für die österreichische Sängerin Filiah bedeutete das, ihre Musik und sich selbst nach einer Krise wieder neu zu entdecken. „Ich möchte, dass sich meine Lieder wie ein kleines Zuhause anfühlen. Ein Ort, an dem man sich sicher, verstanden und geborgen fühlt, und sei es nur für einen Moment“, sagt sie selbst über ihre Musik. Ihren Stil beschreibt sie als „Indie-Folk mit einem glitzernden Funkeln von Pop“.

Von einer musikbegeisterten, alleinerziehenden Mutter großgezogen, bringt die Künstlerin, die bürgerlich Nina Schwarott heißt, sich selbst das Gitarrespielen bei und beginnt früh erste Songs zu schreiben. Heute verbindet sie akustische Folk-Elemente mit dezenten Pop-Einflüssen, ohne dabei die Intimität ihrer Songs zu verlieren. Warme Gitarren, atmosphärische Arrangements und einfühlsame Texte bilden das Fundament ihrer Musik.

2022 veröffentlichte sie in Eigenregie ihr erstes Debütalbum For Someone. Rückblickend sagt sie, sie habe damals gar nicht gewusst, wen sie um Hilfe hätte bitten können – und gleichzeitig wollte sie sich selbst beweisen, dass sie alles allein schaffen kann. Also schrieb sie die Songs allein, produzierte das Album selbst und managte nebenbei ihre Karriere.

Doch auf das Debüt folgte eine schwierige Phase. Filiah setzte sich selbst zu sehr unter Druck und zog sich für rund zwei Jahre aus ihrem Soloprojekt zurück. Heute beschreibt sie diese Auszeit als notwendigen Reifeprozess. „Man muss zwischendurch auch leben, um Songs schreiben zu können“, sagt sie in einem Interview. Statt eigene Musik zu veröffentlichen, lernte sie Bass, spielte in Bands und schrieb Songs für andere Künstler*innen.

Die Wende kam bei einem Songwriting-Camp in Kroatien. Dort fand Filiah nicht nur ihre kreative Freiheit wieder, sondern fühlte sich zum ersten Mal seit Langem von den richtigen Menschen umgeben, erzählt sie. Heute arbeitet sie nicht mehr allein. Gemeinsam mit Co-Produzent Thomas Böck sowie ihrer Band entstand ein kreatives Umfeld, das sie selbst als ihre „Chosen Family“ bezeichnet.

Aus dieser Zusammenarbeit entstand ihre EP Sad Girl With A Punchline (2025) dicht gefolgt von ihrem neuen Album A Deep Breath Out, das im Juni 2026 erschien. Dieses beschreibt Filiah als „Zeitdokument ihrer Zwanziger“. Das Album vereint Songs, die Filiah bereits vor sieben Jahren schrieb, mit Stücken, die erst wenige Monate vor dem Release entstanden sind.

Im Vergleich zu ihrem Debüt 2022 präsentiert sich Filiah musikalisch offener und vielseitiger. Akustische Gitarren und warme Folk-Elemente bleiben in ihrem neuen Album zwar das Fundament, werden aber immer wieder von modernen Pop-Elementen ergänzt.

Der Titel des Albums steht für das tiefe Ausatmen. Filiah sagt, das Album sei wie ein Gespräch, in dem nichts mehr offen ist – wie eine Therapiestunde oder bei einem Kaffee mit einer Freundin, die man länger nicht gesehen hat. In ihren Lyrics geht es viel um Unsicherheiten, alte Muster, von denen man sich befreit, Selbstbilder und Angst. Dinge, die Filiah mit ihrer Musik jetzt Stück für Stück hinter sich lassen und „ausatmen“ konnte.

Die Songs von A Deep Breath Out sind inzwischen auch live zu hören. Auf diesen Konzerten möchte sie weitergeben, was ihre Musik für sie selbst bedeutet: „Musik ist eine der schönsten Sprachen, um sich verstanden zu fühlen.“

  • Meilensteine:
    • 2022 Debüt For Someone
    • 2026 A Deep Breath Out
  • Links:

Autorin:

Vivien Savaser


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