Moderne, frische und energiegeladene Punkbands tummeln sich schon lang nicht mehr nicht nur auf der royalen Insel. Schließlich rollte die Post-Punk-Bewegung über den europäischen Kontinent wie ein Interrail-Zug. Die Musik und die Energie stecken an, die Szene ist in Bewegung und macht alles, nur nicht die Klappe halten – es geht um gesellschaftliche Missstände, moralverlorene Geldhaie, versteckte Armut oder die Ignoranz gegenüber Menschenrechten. Auch Kopenhagen bündelt eine aktive und brodelnde Post-Punk-Szene. Und mittendrin: USERS.
Ein Quartett, das seit 2023 mit einer Energie aus seinem Proberaum platzt, die einem die Haare nach hinten fliegen lässt. Sie spielten ihre ersten Gigs bei Protesten, tourten durch den Untergrund der dänischen Hauptstadt und sind jetzt bereit, mit ihrem Debütalbum Welcome to Civilisation ein Statement festzunageln. Veröffentlicht haben sie selbiges am 1. Mai 2026, dem internationalen Tag der Arbeit – ein bewusstes Signal, denn dieses Album ist nicht für die Mainstream-Masse gemacht. Hier wird gearbeitet, gekämpft und sich für die Gesellschaft eingebracht.
In USERS steckt eine ordentliche Portion Antrieb, und es ist unüberhörbar, dass diese Band richtig Bock auf Musik hat. Wie ein Aufziehmännchen, das zu weit aufgezogen wurde und mit absoluter Wucht nach vorn brettert. Der Bass zerrt, als wolle er einem die Zähne ziehen. Der Gesang von Sean klingt so, als hätte jemand ihm einfach das Mikro in die Hand gedrückt – mit bereits laufender Aufnahme. Es ist eine Momentaufnahme, die so viel Charakter und Emotion trägt, dass sie in keinster Weise nachgeahmt werden könnte. Sie sind laut, drehen den Spot auf sich, holen sich die Aufmerksamkeit, machen sich groß; genau wie ihr Bandname in Großbuchstaben.
In ihr Debütwerk haben sie zwei Jahre voller Leidenschaft, Schweiß und Haltung investiert haben. Die zehn Tracks sind vollgepackt mit Wut und Direktheit, ohne Filter und ohne Beschönigung. Gerichtet sind die Texte an die Menschen, die dafür sorgen, dass unsere Gesellschaft überhaupt noch funktioniert. Das Album befasst sich mit Klassenunterdrückung, Kapitalismus und kollektiver Ohnmacht und zeigt die Perspektive derer, die die finanziellen Belastungen und den Druck des Arbeitslebens zunehmend spüren.
Mit „Gentrification“ scheppern USERS ab Sekunde eins los und reißen alles von der Kette. Der Post-Punk-Druck bläst einem ins Gesicht. Die Gitarren laufen hier wie ein Motor, spielen nicht die klassischen Akkordmuster aus dem Punk, sondern verbreiten eher kontrolliertes Chaos. Bestes Beispiel dafür ist „Working Ants“ mit seinen harten Anschlägen, vermutlich mit hohem Plektrum- und Saitenverschleiß. Die Hörerschaft wird fühlen, wie die Saiten gezogen werden. Die Drums nehmen die Spannung aus den Gitarren auf, überführen sie in eine groovige Dynamik und verbinden alles perfekt.
Der Sound ist massiv und trocken – typisch für modernen Post-Punk à la IDLES oder The Murder Capital. Im Einklang dazu steht der bebende Basssound, der sich in allen Tracks wunderschön heraushebt und dem Ganzen eine rotzige Tiefe sowie den Charakter der Songs mitprägt – hörbar etwa in „Pride“.
USERS sind dabei konsequent im DIY-Format aufgestellt: Sune (Bass) hat das Album selbst produziert und gemischt, Oskar (Schlagzeug) gestaltet Merch und Design. Dadurch fühlt sich das Ganze noch nahbarer an, und es landet genau das auf der Platte, was die Band raushaut.
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