Void Queen: Düster-erfrischende Achterbahnfahrt


Die Magie der Nacht, das Dunkle, diese andere Seite, die das Tageslicht nie zeigt, diese andere Ruhe und das Unerwartbare. Es ist doch immer wieder anziehend, sich dort hin zu bewegen und aufzunehmen, wie schön auch das Mysteriöse sein kann, und dann den Sprung ins schwarze Licht zu wagen. Lässt man sich in die Parallelwelt von Void Queen hinfallen, wird diese Sehnsucht nach dem Düsteren aufgeweckt. Es verschmelzen dabei Wärme und Energie, die einen in Sekundenschnelle in die Void Queen-Stimmung ziehen.

Im August 2026 hat die vierköpfige Band aus Berlin ihre erste EP mit dem Titel I WANNA KNOW rausgebracht. Mehr als ein guter Grund, einen genaueren Blick auf die Newcomer zu werfen und in die Songs zu tauchen.

Void Queen lassen in ihrem Sound verschiedene Elemente aus dem Post-Punk, klassischem 70er-Rock’n’Roll, Dark Wave mit der richtigen Brise aus dem Gothic in einen unverkennbaren Mix verschmelzen. Es finden sich in ihren Songs immer wieder kleine Schnipsel, die einen an gewisse Bands oder Zeiten erinnern. Void Queen ist vielschichtig mit klarem Charakter. Wie unterschiedlich diese Einflüsse sein können, beschreibt die Band selbst: „Ähnliche Musikgeschmäcker machen das natürlich einfacher, aber jeder von uns bringt auch seine eigenen Einflüsse mit. Was uns besonders verbindet, ist diese düstere Seite der Musik, die wir alle mögen.“

Das Quartett mag es roh, unperfekt und gerne auch dreckig. Das Ganze darf dann ruhig auch groß und dramatisch werden. Wann für die Band ein Song abgeschlossen ist, zeigt sich für sie in einem bestimmten Moment: „Vor allem, wenn ein Song gerade fertig geschrieben wurde, man ihn im Proberaum gemeinsam bis zum Ende spielt, die Runde sich anschaut, und alle ein Lächeln im Gesicht haben. Das sind diese Gänsehautmomente.“

Entstanden ist die dunkel angehauchte Post-Punk-Truppe im Frühjahr 2024. Drummer Merlin und Gitarrist Tobi spielten bereits gemeinsam in der Band Ende Neubau. Wie es der Zufall so wollte, stieg deren Sänger kurz vor einem geplanten Gig aus. So kam es, dass Vilte, die die beiden aus dem geteilten Proberaum kannten, kurzfristig einsprang. Aus diesem Rettungseinsatz entwickelte sich Void Queen, und in kürzester Zeit entstanden die ersten eigenen Songs. Mit Helge, der den Bass übernahm, war das Quartett komplett.

Bereits vor dem EP-Release machte die Band mit ersten Singles wie „Suga“ oder „Seventeen“ auf sich aufmerksam. Die vier Tracks auf I WANNA KNOW bringen die düstere Welt und das punkige Charisma von Void Queen in den Hörkanal.

Der Opener „Downtown“ startet mit einem kratzigen, Horror-Punk-angehauchten Gitarrenriff, das durch einen schmatzenden, treibenden Bass mit Kraft nach vorne geschoben wird. Wenn die Vocals von Vilte einsetzen, wird das gesamte Soundbild der Band geschärft. Die Präsenz ihrer kräftigen Stimme steht klar im Vordergrund. Beim Titeltrack gehen die Vocals in einen mitreißenden, sanften Melodieverlauf über. Die Range zwischen kraftvoller Rockröhre und leicht berührender, besonderer Melodie sticht bei Void Queen heraus. Die Songs bekommen damit eine Dynamik wie bei einer Achterbahnfahrt, bei der man genau im richtigen Moment einen Energieschub bekommt.

In „Power Sip“ geht Vilte mehr in Spoken-Word-Passagen über, was sie im letzten Track Addiction wieder komplett ablegt – hier bewegt sie sich mehr in Richtung Gröl-Attitüde à la Amyl and the Sniffers. Der Song hat es der Band nicht leicht gemacht, wie sie selbst erzählen: „Die erste Single ‚Power Sip‘ hat von allen Songs am längsten gedauert, da merkt man wahrscheinlich auch, dass es der älteste Song der EP ist. Mit dem ersten Mix waren wir alle noch ein bisschen unzufrieden, es haben einfach noch ein paar ‚Specials‘ gefehlt, damit er sich für uns wie das fertige Produkt für die EP anfühlt.“ Also ging’s für die Band noch einmal ins Studio – und das hat sich gelohnt.

Die Drums in all den Songs sind im wahrsten Sinne des Wortes der Kitt. Merlin hält die verschiedenen Strömungen in den Songs zusammen, bringt mit feinen Akzenten kleine Anstöße hinein und lässt alle Zutaten in das große Ganze zusammenfließen. Der Sound ist nicht mit feinem Schleifpapier glattgeschliffen – die Band lässt ihn kratzig.

Die Songs bekommen dabei nicht nur durch Dynamik und Kraft ein wahnsinniges Live-Potenzial – auch Bewegung, Gefühlsexplosivität und die Verbindung zum Publikum machen die Intensität noch spürbarer. Vilte meint dazu: „Das Ganze soll nicht perfekt aussehen, sondern lebendig sein.“

Nachdem Void Queen bereits kleinere wie größere Meilensteine in ihrer noch jungen Bandgeschichte sammeln konnten, wie einen ausverkauften Gig im Berliner Badehaus, sind die vier Musiker*innen weiter hungrig – vielleicht erst recht. Sie werden hart daran arbeiten, nicht stillstehen und viele Live-Momente kreieren, bei denen das Publikum nicht nur mit einem Ohrwurm, sondern mit einem Gefühl nach Hause geht. „Und wenn jemand uns noch nicht kennt, ist das eigentlich die beste Ausgangslage. Wir müssen niemanden davon überzeugen, dass Void Queen besonders ist, im besten Fall macht das die Musik ganz von alleine.“

Autor:

Marius Schieke


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