Silent Attic: Indie-Rock in stilecht

Silent Attic glaubt man auf den ersten Blick erst mal mehreres nicht. Zum Beispiel, dass sie nicht etwa eine britische Band, sondern Nordlichter aus Flensburger sind. Oder dass die vier gerade mal seit 2018 zusammen Musik machen. Als eingespieltes Team kommt von der Band nämlich Indie-Rock, der sich gewaschen hat.

Die klassische Rock-Besetzung darf bei Silent Attic demnach nicht fehlen. Da wären also Sänger und Gitarrist Eros Atomus Isler, Gitarrist Leon Paul Paulsen, Bassist Benjamin Bajramovic und Drummer Maik Klink. Ihr erstes Album haben sie selbst produziert, Anfang Oktober folgt mit Escape eine EP.
Die Songs von Silent Attic sind geprägt von kräftigen Sounds. Sänger Eros weiß seine rauchige Stimme effektvoll einzusetzen. Gitarrenlastig wie es sich gehört gliedert sich der Stil der Band auch mutig in die Reihe mit den großen Vorbildern wie den Arctic Monkeys, The Smiths oder Catfish And The Bottlemen ein. Auch mit der neuen EP halten die Jungs, was sie versprechen: authentischer Indie mit Drive und Rhythmus.

Fazit: Die vier von Silent Attic machen Indie-Rock wie er sein sollte – mit Spirit, sattem Sound und Biss.

Der Luger: Rocksounds und Lagerfeuer

Angefangen hat der Luger als Kind mit der Gitarre seines Onkels, seit acht Jahren ist er solo, mit Band oder auch als Straßenmusiker unterwegs.

An die 500 Konzerte haben den Luger von Offenbach aus durch verschiedenste Städte Deutschlands und Europas gebracht. Sein erstes Album Terassenphilosophie erschien 2017. Zwei Songs der nächsten EP Gregor Wohnt Jetzt Hier sind dieses Jahr schon vorab als Single erschienen.
Die Songs vom Luger pendeln sich irgendwo zwischen Singer/Songwriter und Rock ein. Melancholische Harmoniefolgen und Lagerfeuer-Gitarrensounds treffen auf fetzige Rhythmen, Drums und E-Gitarre. Ganz im Stil von musikalischen Vorbildern wie etwa Kettcar und Gisbert zu Knyphausen setzt der Luger auf deutsche Lyrics, die clever und aus dem Leben heraus getextet sind.

Fazit: Beim Luger gibt’s ehrliche Texte und einen Klang- und Genremix mit Feeling für Atmosphäre.

Mauvais Oeil: arabischer Sound mit französischem Charme

Arabische Tonleitern, französische Texte, Elektroklänge und packende Rhythmik: Wer bei der Musik des französischen Duos Mauvais Oeil gut aufpasst, kann viel entdecken.

Was ihren musikalischen Background angeht, könnten Alexis Lebon und Sarah Ben Abdallah wahrscheinlich unterschiedlicher nicht sein: Während der eine Barockmusik studiert, später Rock- und Gypsygitarre lernt und seine rumänischen Wurzeln einfließen lässt, lebt die andere musikalisch irgendwo zwischen Britney Spears und der arabischen Musik-Ikone Fairuz.
Sarah Ben Abdallahs klare Stimme schlängelt sich durch komplizierte Gesangsmelodien, die für arabische Songs typische Melancholie hüllt einen wie in eine Wolke ein. Dann wieder gibt es Songs, die mehr an französische Chansons erinnern. Das Duo traut sich an unkonventionelle Melodien und lässt elektronische Sounds auf bodenständige E-Gitarre treffen.

Fazit: Mauvais Oeil gelingt ein musikalischer Spagat. Je nach Lied klingen unterschiedliche Einflüsse durch, das Zuhören fasziniert, dazu sind die Songs tanzbar.

Polo & Pan: sommerliche Vibes

2012 kollidierten die beiden Satelliten Polocorp und Peter Pan in der Erdumlaufbahn miteinander. Kurzerhand adaptierten zwei Pariser deren Namen und sind nun als Polo & Pan in der Welt unterwegs.

Polo & Pan sind die beiden Pariser Elektro-Musiker Paul Armand-Delille und Alexandre Grynzpan. Für den Titeltrack ihrer aktuellen EP Feel Good arbeiteten die beiden mit Antoine Bonnet und Mathilde Loubes zusammen, deren erster Kurzfilm bereits auf der Berlinale zu sehen war. Ihre Europa-Tour im Frühling 2021 bringt das Duo unter anderem auch nach Berlin und Zürich.
Polo & Pan zaubern eine geschmackvolle Mischung aus Backingsounds, Beats und Melodie. Elektro-Einflüsse fusionieren mit verschiedenen Genres und Instrumentalklängen. Ergänzt werden die Songs jeweils durch relaxed-eingängigen Gesang.

Fazit: Von Polo & Pan kommen sommerliche Vibes, eine gewisse Verspieltheit und künstlerisches Gespür.

  • Meilensteine:
    • 2013 EP Rivolta
    • 2017 Debut Caravelle
    • 2019 EP Feel Good
  • Umleitung:

Behind The Scenes | Ein Tag im Tonstudio

Über ein Fenster und einen Bildschirm im Control Room hat Michael Ungerer den Überblick. © Katharina Köhler – alle Rechte vorbehalten

„Und – läuft!“, sagt Michael Ungerer über sein Mikrofon an und startet per Knopfdruck die Aufnahme. Einen Raum weiter ist der Blick dreier Jazzmusiker konzentriert auf ihre Noten gerichtet, während sie sich durch ihre komplexen Rhythmen und Melodien spielen. Zusammen mit Sound Engineer Ungerer nehmen die beiden Brüder Peter (Gitarre) und Bernhard Meyer (Bass) mit Drummer Moritz Baumgärtner gerade Musik für das nächste Album ihrer Band Melt Trio auf. Es ist bereits der zweite Studiotag der Band, ein weiteres Wochenende werden sie noch brauchen, bis alle Takes im Kasten sind.

Freitag: Soundcheck

Zwei Tage zuvor ist Michael Ungerer noch mit dem Verkabeln für den Soundcheck beschäftigt. Im großen Aufnahmeraum des Blackbird Music Studio in Berlin herrscht Kabelsalat mit System. Verschiedenste Mikrofone müssen jedes der Instrumente abnehmen. Neben Gitarre und Bass bedeutet das auch je ein Mikrofon pro Trommel und Becken des Drumsets plus Overhead-Mikros, die das Schlagzeug als Ganzes aufnehmen. Damit sich Bass und Gitarre nicht mit hineinmischen, stehen die beiden Verstärker jeweils in einem anderen Aufnahmeraum. So können die Musiker beim Spielen trotzdem gemeinsam in einem Raum sitzen – ihre Musik wird ihnen über Kopfhörer wieder auf die Ohren gespielt.

Über Behind The Scenes:
Wie wird ein Musikvideo gedreht? Was machen Musikerinitiativen? Und wie organisiert man ein Festival? In unseren Reportagen blicken wir hinter die Kulissen der Musikszene, treffen spannende Personen und geben einen Einblick in Bereiche, die einem sonst vielleicht verschlossen bleiben. Für diese Folge haben wir eine Band und einen Tonmeister einen Tag lang im Studio begleitet.

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Florian Paul & Die Kapelle der letzten Hoffnung: Geschichtenerzähler aus München

Ein Songwriter und seine Verbündeten: Florian Paul & Die Kapelle der letzten Hoffnung wagen sich an die großen und kleinen Geschichten des Alltags.

Für sein Filmmusikstudium zog es den Sänger und Gitarristen Florian Paul 2015 nach München. Zwei Jahre später begann sich dort seine Kapelle um ihn herum zu formieren. Namentlich sind das Giuliano Loli (Keys), Nils Wrasse (Saxophon), Flurin Mück (Drums) und Robin Jermer (Bass). Ihr Debut Dazwischen brachte die Truppe im vergangenen Jahr heraus – aber auch der Filmmusik bleibt Florian Paul treu: Aktuell ist da etwa sein Titeltrack zum Film Das Ende vom Anfang.

Die Texte von Florian Paul sind voller Geschichten und seiner reifen Stimme glaubt man die Lebenserfahrung trotz seiner jungen Jahre. Die Kapelle der letzten Hoffnung fängt die melancholische Atmosphäre der Songs spielend ein, ein Highlight sind die gefühlvollen Saxophoneinlagen.

Fazit: Gute Texte auf Deutsch zu schreiben, ist mehr als eine Herausforderung. Florian Paul aber schreibt scheinbar ohne Mühe lyrische deutsche Texte ohne dabei kitschig zu sein. Mit vier tollen Musikern als Backup gelingt eine authentische Reise durch Klänge und Erzählungen.


Wir brauchen Kohle…

Wir schalten bei Musik unterm Radar weder Werbung noch gibt es Bezahlschranken. Das ganze Team arbeitet ehrenamtlich, weil uns etwas daran liegt, Newcomern eine Plattform zu bieten und euch gute Mucke zu zeigen. Weil auch bei uns aber Kosten anfallen, machen wir Miese. Wenn dir gefällt, was wir schreiben, würden wir uns sehr über ein paar Euro Unterstützung freuen!

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Mehr Singer-Songwriter 🍁

MAIIJA: Gefühlvoller Widerstand

Die Künstlerin MAIIJA aus Wien kombiniert Popelemente und elektronische Beats mit ihrer bemerkenswerten Stimme und viel Gefühl. Für unseren Autor sind ihre Songs nicht nur stilistisch, sondern auch inhaltlich ein frischer Gegenwind.

Kleines Licht beats große Dunkelheit

René meldet sich nach längerer Pause mit seiner Kolumne „riffs & rants“ zurück. Hier erzählt er von einer Zufallsbegegnung und den Songs von Rory Charles.

Marlene Nadina: Debüt mit melancholischer Eleganz

Die Musik von Marlene Nadina erinnert an die Atmosphäre eines kleinen Jazzclubs während einer Sommernacht. Aus ihrer eindrücklichen Stimme, den klassisch angehauchten Chanson-Vibes und ihren lyrischen deutschen Texten hört man Talent und Tiefgang heraus.


Nice Musik auf Deutsch ✨

Julia Effekt: Die letzte deutsche Welle

Bisschen Nostalgie ist erlaubt beim Hören der Wiener Band Julia Effekt, die sich selbst als die „letzte deutsche Welle“ bezeichnen. Tatsächlich klingt die Band aber so ganz und gar nicht altbacken, stattdessen ist von launigen balladen bis zu wütendem Punk alles dabei.

LAVINIA: Tour durchs Tagebuch

LAVINIAs Tracks beginnen oft ruhig und nur mit Gesang, begleitet von Gitarre oder Klavier. Der Sound wird dann im Laufe des Songs immer kräftiger und instrumental facettenreicher. Die Tracks sind klanglich und textlich eine Geschichte, die sich zuspitzt.

3 Jahre Musik unterm Radar: große Verlosungsaktion!

| Die Teilnahmefrist für diese Verlosung ist bereits abgelaufen |

Laptop mit Luftschlangen und sechs CDs. Der Bildschirm zeigt die Website Musik unterm Radar und die Zahl drei zum dreijährigen Jubiläum.

Freunde, es ist unglaublich: Wir werden drei Jahre alt! Musik unterm Radar darf jetzt in den Kindergarten… Statt uns selbst zu feiern, feiern wir aber lieber euch – unsere Leserinnen und Leser! Deshalb hauen wir jetzt mal so richtig auf den Putz und verschenken jede Menge absolut coole CDs (nur Hauptgewinne dabei, versprochen!) und zwar so lange der Vorrat reicht.

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Florence Arman: Indie-Pop-Newcomer

Dass es die Britin Florence Arman zur Berufsmusik gezogen hat, kommt nicht von ungefähr: Der Vater ist Dirigent, die Mutter Gesangslehrerin, Bruder Nummer eins Jazzgitarrist und Bruder Nummer zwei Produzent und Songwriter.

Zwar hat Florence Arman erst kürzlich ihre Debut-Single veröffentlicht – eigentlich ist sie aber längst angekommen in der Musikszene. Schließlich hatte sie mit der Band The Kooks schon genau so zu tun gehabt wie mit Cro oder Lena Meyer-Landrut. Eigene Musik hat sie natürlich auch früher schon gemacht – und zwar unter dem Künstlernamen klei – jetzt packt Arman das Projekt Solokarriere unter ihrem Klarnamen an.
Florence Arman gelingt der Spagat zwischen Retro-Feeling und modernem Sound. Geschmackvoll begleitet tritt ihr Gesang ohne Mühe in den Vordergrund. Und auch wenn ihre Stimme zart klingen mag, erahnt man doch sofort, dass in Florence Arman ziemlich viel Power steckt.

Fazit: Die Indie-Musikerin hat mit „Naked“ eine erste Single veröffentlicht, die einen gespannt sein lässt auf das, was als nächstes von ihr zu hören sein wird. Klar ist: Den Namen Florence Arman kann man sich schon mal merken.

B3: Berliner Fusion-Experten

Der Fusion-Jazz von B3 macht Laune, steuert auch mal in die rockige Ecke – und lässt einen staunen.

Die Köpfe hinter dem kryptischen Bandnamen B3 heißen Ron Spielman (Gesang, Gitarre), Andreas Hommelsheim (Hammond-Orgel, Keyboard, Klavier), Gérard Batrya (Bass) und Lutz Halfter (Schlagzeug). Pianist Hommelsheim hatte als Komponist und Produzent auch bei Stars wie Nina Hagen, Jan Delay oder Max Raabe schon seine Finger mit im Spiel. Seit 2014 hat er mit seinen Kollegen von B3 drei Alben herausgebracht, kürzlich haben sie mit ihren neuen Singles „Fake News“ und „So Tired“ wieder von sich hören lassen.
B3 haben Ahnung von ihrem Genre. Bei den Songs groovt man unwillkürlich mit und die Virtuosität der Musiker hat eine beneidenswerte Coolness. Die Band versteht sich auf markante musikalische Themen und die jazzigen Soli verleihen den Tracks auch mal einen ausgelassenen Jam-Charakter.

Fazit: Bei B3 sind vier Profis am Werk, die noch dazu sichtlich Spaß an ihrer Musik haben.

  • Meilensteine:
    • 2014 Debut Back To My Roots
    • 2015 Memories in Melodies
    • 2017 Get up! Live at the A-Trane
  • Umleitung:

Ma Fleur: Singer/Songwriter-Pop mit Charakter

Erwachsen werden, Identität finden, mit Zweifeln umgehen: Der Musiker Ma Fleur besingt die Herausforderungen einer Generation auf dem Sprung in die Selbstbestimmtheit.

Zuhause ist Singer/Songwriter Ma Fleur in der Kasseler Musikszene. Anfang September erscheint seine EP Big Dreams, den gleichnamigen Titeltrack gibt es als Single jetzt schon zu hören. Unterstützung zur EP kam von den Kasseler Kumpanen von Mykket Morton und Fullax.
Mit seinen Songs verarbeitet Ma Fleur, was ihn bewegt. Die Stimme des Musikers ist voluminös und trotzdem bodenständig – und erinnert etwas an Indie-Star Woodkid. Seine Musik lebt von starken Rhythmen, clever eingesetzten Pausen und gleichzeitig melodiöser Begleitung mit dem Schwerpunkt auf der Gitarre.

Fazit: Ma Fleur macht Musik, die schnell im Kopf bleibt, ohne dabei allzu sehr auf ausgelatschte Pop-Strukturen zu setzen.