SALÒ beschreibt die Welt so, wie sie ist: Hardcore.


In ihrer Kolumne „Conci’s Deep Dive“ nimmt sich unsere Autorin Conci starke Alben und EPs vor und taucht richtig tief ein. Es geht um die Storys und Details hinter der Tracklist, um Klang-Basteleien und eine neue Perspektive auf elektronische Musik. Dies ist die vierte Folge.


Wer bei „Hardcore“ an verzerrte Gitarren, harte Drums und rebellische Texte denkt, liegt zwar genau richtig, aber da steckt noch mehr dahinter. SALÒ nutzt den Begriff auf dem neuen Album auch als Zustandsbeschreibung. Für mich klingt darin aber auch ein Impuls mit: wieder Haltung zeigen, unbequemer sein und den rebellischen Geist von Hardcore neu aufleben zu lassen.

Hinter SALÒ steckt der österreichische Musiker Andreas Binder. Musikalisch bewegt er sich zwischen Punk und Neuer Deutscher Welle. Gesellschaftskritische und politische Themen standen dabei schon immer im Vordergrund. Auf seinem neuesten Album Hardcore aus dem April führt SALÒ genau das weiter und zieht die Zuhörenden noch tiefer in die Krisen unserer Zeit hinein: in Überforderung, Ungerechtigkeit und Ohnmacht.

Diese Wut trägt man jeden Tag mit sich herum. Ständig wird man auf Social Media mit den schlimmsten Nachrichten bombardiert. Ich merke schnell, wie mich das überfordert: Mir geht es schlecht, weil ich all diese Dinge konsumiere. Gleichzeitig weiß ich, dass das die Realität ist. Die Menschen, die man in Kriegsreportagen oder Berichten über Armut sieht, gibt es wirklich.

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Das Beat: Drama, Baby, Drama! 


Nostalgische Italo-Disco-Sounds und harte Technobässe: Was auf den ersten Blick nach starkem Kontrast klingt, verschmilzt bei Das Beat zu einem düsteren wie tanzbaren Sound. Die Berliner Band um Sängerin Eddie Rabenberger und Produzent Alexander Cowan (besser bekannt als DJ Kirby) verbindet in ihrer Musik Einflüsse aus New Wave, EDM, Punk und Electronic.

Ihre erste EP Identität (2021), zeichnet sich durch Einflüsse des Space Age der 70er aus. Die gleichnamige Single trägt den typischen Italo-Disco-Klang und erinnert an „I Feel Love“ von Donna Summer. Anstelle des eingängigen, leichten Sommersounds kreieren Das Beat aber eine kühlere Atmosphäre. Durch die Verwendung von Synthesizern entstehen kosmische Klänge, die von Piano und Flöte unterstützt werden. Die Stimme zeichnet sich durch eine harte, überspitzte Aussprache aus. Hall und Verzerrungen legen einen robotischen und futuristischen Klang auf die Musik. 

In ihren Texten scheut die Band sich nicht, vermeintliche Tabuthemen anzusprechen. Sie thematisieren weibliche Lust und Masturbation, toxische Beziehungen und Herzschmerz, Selbstzweifel und Depressionen.

Die Songs aus ihrem ersten Album Frau Fatal (2025) enthalten im Vergleich zur EP poppigere Beats und härtere Technoelemente. Inhaltlich spielen sie mit dem männlich geprägten Blick („male gaze“) und übersexualisierten Stereotyp der Femme fatale.

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USERS: Wilkommen in feinster Post-Punk-Gesellschaft

Moderne, frische und energiegeladene Punkbands tummeln sich schon lang nicht mehr nicht nur auf der royalen Insel. Schließlich rollte die Post-Punk-Bewegung über den europäischen Kontinent wie ein Interrail-Zug. Die Musik und die Energie stecken an, die Szene ist in Bewegung und macht alles, nur nicht die Klappe halten – es geht um gesellschaftliche Missstände, moralverlorene Geldhaie, versteckte Armut oder die Ignoranz gegenüber Menschenrechten. Auch Kopenhagen bündelt eine aktive und brodelnde Post-Punk-Szene. Und mittendrin: USERS.

Ein Quartett, das seit 2023 mit einer Energie aus seinem Proberaum platzt, die einem die Haare nach hinten fliegen lässt. Sie spielten ihre ersten Gigs bei Protesten, tourten durch den Untergrund der dänischen Hauptstadt und sind jetzt bereit, mit ihrem Debütalbum Welcome to Civilisation ein Statement festzunageln. Veröffentlicht haben sie selbiges am 1. Mai 2026, dem internationalen Tag der Arbeit – ein bewusstes Signal, denn dieses Album ist nicht für die Mainstream-Masse gemacht. Hier wird gearbeitet, gekämpft und sich für die Gesellschaft eingebracht.

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Das war das Kimiko-Festival 2026: Tausende Fans in Feierstimmung treffen auf neue Ohrwürmer und alte Bekannte

Aus dem Aachener Sommer ist das Kimiko inzwischen gar nicht mehr wegzudenken: Seit 2018 verwandelt die Festival-Crew den RWTH-Campus in eine Feierzone samt wissenschaftlichem Rahmenprogramm. „Celebrating the culture of tomorrow“ hat man sich als ambitioniertes Motto ausgesucht – wir waren am Start und haben euch paar Highlights rausgepickt.

Mit großen Namen wird beim Kimiko – Isle of Campus Festival natürlich nicht gespart: Mit dabei waren Acts wie OG Keemo, PA69, Raum27 und die Sportfreunde Stiller. Vor allem brachte das Festival aber auch zahlreiche spannende Newcomer auf den Campus. Drei Tage lang konnten täglich bis zu 6000 Besucher:innen unterschiedlichste Musikrichtungen entdecken und gemeinsam tanzen und feiern. Zwischen Konzerten, Streuselbrötchen und Getränken boten zudem zahlreiche Stände aus Wissenschaft, Politik und sozialen Projekten Raum für Austausch und neue Eindrücke.

Gerade abseits der größten Namen zeigte sich, wie viel musikalische Vielfalt das Kimiko zu bieten hat. Einige dieser Auftritte sind uns besonders im Gedächtnis geblieben.

Yara

Die Indie-Rock-Band Yara bringt gefühlvolle, deutschsprachige Musik aus dem Raum Heidelberg-Mannheim auf die Bühne. Sänger Jakob Halamoda steht dabei gemeinsam mit Lisa, Jacque und Gio für einen Sound, der zwischen Melancholie und mitreißender Energie pendelt.

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Die Paradiesvögel des Harry Styles


Unser Autor René ist selbst Musiker und passionierter Pop-Fan. Als etwas älteres Semester musste er von Boybands in Baggy Pants über Grunge bis K-Pop schon so einiges mitmachen. In seiner Kolumne „riffs & rants“ blickt er für uns mehr oder weniger regelmäßig auf neue Musik, Trends und Pop-Phänomene.


Keine fünf Minuten nach Fahrtantritt bricht meine ausgeklügelte Planung zusammen. Ihr Anschluss ist voraussichtlich nicht erreichbar. So lande ich in dem Zug, den ich unbedingt vermeiden wollte. Aber anders als befürchtet ist der ICE Richtung Amsterdam an diesem Pfingstwochenende nicht voller betrunkener Kegelbrüder und ‑schwestern. 

Beim Betreten wehen mir im Luftstrom der Klimaanlage bunte Federn entgegen, als hätte jemand eine Kolonie exotischer Vögel geschreddert. Junge Menschen mit Federboas sitzen in den Gängen. Ich reihe mich ein, und es gelingt uns dermaßen, im Weg zu sein, dass der Schaffner ein Abteil öffnet, das für Reisende mit Kindern designt ist. Überall Schäfchen und Regenbögen. Hübsch. Finden auch die beiden jungen Frauen, um die sechzehn, die mir gegenüber Platz nehmen. 

„Fahren Sie auch zum Harry-Styles-Konzert?“, fragt mich die eine nach ein paar Kilometern.
„Nein“, antworte ich wahrheitsgemäß. „Ich will ans Meer. Aber ich mag Harry Styles.“
„Welche Songs denn?“, fragt sie kritisch nach, und wie um mich zu akkreditieren, zücke ich mein Handy. „’Late Night Talking‘, ‚Matilda‘ und ‚Sign of the Times‘ sind in meiner Favoriten-Playlist. Letzterer, es gibt einen Prince-Song, der heißt beinahe gleich, den mag ich noch lieber.“
„Meine Mutter hört Prince“, sagt die andere. „Kiss!“

Ich lächle und nicke.

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Ein Abend mit Zolani Mahola zwischen Freshlyground, „Waka Waka“ und neuen Geschichten

Die großartige Zolani Mahola hat den Berlinerinnen und Berlinern als erstem Publikum überhaupt am Freitag ihr neues Album People Power in einer Listening Session plus Live-Performance vorgestellt. Mit dabei waren in der persönlichen Atmosphäre des Berliner Holzmarkts die Grammy-nominierte Produzentin Hannah V und der Produzent Aron, ehemalige Bandkollege Maholas. Dass das Album eine Herzensangelegenheit der Beteiligten ist, war in jedem Wort und jedem Song zu spüren.

Es ist wieder Fußball-WM, und als zyklisches Ereignis wie die Jahreszeiten bringt sie Erinnerungen mit sich. Zwar ist die Weltmeisterschaft in Südafrika nun schon sehr lange her, sechzehn Jahre sind es; ihr Sound ist aber weiterhin allgemein bekannt: „Tsamina mina eh eh…“. Damals sang Shakira den Hit „Waka Waka“ auf großer Bühne in Johannesburg bei der Eröffnungsfeier. Mit ihr auf der Bühne: eine der bekanntesten südafrikanischen Bands – Freshlyground – mit ihrer einzigartigen Sängerin Zolani Mahola.

So stellt der ehemalige Bandkollege und Keyboarder Zolani Maholas, Aron, die Sängerin am Freitagabend im Holzmarkt vor. Die beiden kennen sich schon lange, ihre Band Freshlyground gründete sich in Kapstadt Anfang der 2000er Jahre. Damals, so Aron, habe er Maholas Stimme während der Arbeit an einem Theaterstück gehört und wollte sie unbedingt für seine Band gewinnen. Daraus wurden lange Jahre gemeinsamer künstlerischer Arbeit und, wie man an diesem Abend unschwer erkennen kann, eine enge Freundschaft.

Ihren Durchbruch hatten Freshlyground 2004 mit dem Album Nomvula, auf dem besonders bekannte Tracks wie „Doo Be Doo“ oder der gleichnamige Titelsong zu finden sind. Internationale Bekanntheit erlangten sie durch Co-Writing und -Performing des WM-Songs „Waka Waka“, der übrigens auf einem alten kamerunischen Song beruht, mit dem kolumbianischen Weltstar Shakira.

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To Athena: Ihre Magie war nie weg

„Have I Lost My Magic?”, fragt sich To Athena in ihrem letzten Album. Die Antwort darauf ist einfach, denn beim Hören der Tracks wird man tatsächlich auf magische Weise in den Bann gezogen.

Hinter To Athena stecken die 30-jährige Tiffany Limacher aus der Schweiz und ihr neunköpfiges Poporchester aus Streichern und Harfe. Ihre Kammerpopsongs singt sie auf Schweizerdeutsch und Englisch.

Ihr bekanntester Song, „Angscht“, berührt durch einen ergreifenden Text, den Tiffany Limacher mit ihrer klaren Stimme singt. Während sich Künstler*innen mit österreichischem Dialekt in Deutschland schon etabliert haben, transportiert die Schweizerin mit ihrer Musik einen neuen Vibe.

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Auf dem neuen Album von LB aka LABAT klingt jeder Track wie ein neuer Floor im Club.


In ihrer Kolumne „Conci’s Deep Dive“ nimmt sich unsere Autorin Conci starke Alben und EPs vor und taucht richtig tief ein. Es geht um die Storys und Details hinter der Tracklist, um Klang-Basteleien und eine neue Perspektive auf elektronische Musik. Dies ist die dritte Folge.


Die Subgenres der elektronischen Musiklandschaft sind ja nahezu unzählig. Von klassischem Techno über Trance bis hin zu experimentelleren Sounds findet sich für gefühlt jede Nische zumindest ein Track, der genau den eigenen Geschmack trifft.

Ein Künstler, der das alles in nur einer Person vereint, ist LB aka LABAT. Der französische Produzent und DJ veröffentlichte 2016 sein Debütalbum und begeistert Elektronik-Fans jetzt, zehn Jahre später, mit seinem zweiten Werk Feel So Good Around U.

Gerade in meiner Kölner Student:innen-Bubble kenne ich kaum jemanden, der nicht gerne mal Techno feiern geht. Oft steht hier dann natürlich weniger die Musik selbst im Mittelpunkt, als das Erlebnis und die Club-Kultur drumherum. Einzelne Werke geraten schnell in den Hintergrund, ausgerechnet in einer Szene, die eigentlich so viel musikalische Vielfalt bietet.

Genau deshalb funktioniert Feel So Good Around U für mich so gut als Album. Statt wie eine bloße Sammlung einzelner Tracks zu wirken, fühlt sich das Projekt eher an wie das Wechseln durch verschiedene Floors in einem Club.

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BoykottOne: friesischer Rap ohne Dorfromantik

Während viele Deutschrap-Künstler:innen ihre Geschichten aus Großstädten heraus erzählen, bleibt BoykottOne bewusst in Friesland. Seine Songs entstehen zwischen ländlicher Ruhe und gesellschaftlicher Frustration. Ohne zu verklären beschreibt der Rapper das Leben außerhalb urbaner Räume. In den Texten geht es um Isolation, politische Spannungen und die Frage, wie man in einem Umfeld bleibt, das sich verändert.

Diese Gegensätze ziehen sich durch seine Musik. BoykottOne verbindet politische Themen („Nie wieder ist jetzt“) mit persönlichen Erfahrungen: Seine Rolle als alleinerziehender Vater taucht etwa immer wieder in den Songs auf.

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Kobrakasino: Pop ohne Regeln

Was verstehen wir unter Popmusik? Eingängige Melodien, einfache Songstrukturen, Chartplatzierungen? Dabei gibt es Pop, der ganz anders funktioniert und frei ist von diesen Normen. Die österreichische Band Kobrakasino macht Pop, der sich gar nicht so leicht in Schubladen stecken lässt.

Kobrakasino liefert einen Sound mit NDW-Einflüssen samt einer Ästhetik, die an den Indie-Sleaze der späten 2000er Jahre erinnert. Das Grazer Trio bestehent aus den Musikern Sebastian Hiti, Benno Hiti und Chris Schöttel. Die drei gründeten schon 2018 ihre Band mit der sie eine EP sowie ihr Debütalbum Sonne, Mond & Dynamit veröffentlichten. Aus dem Album entstand die Single „Was vorher noch glänzte“, die sowohl auf Song- als auch auf Videoebene einen Einblick in die Kunst Kobrakasinos zeigt. Die filmartigen Szenen, das Sounddesign und die Lyrics verleihen dem Song einen besonders psychedelischen Charakter.

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