Komfortrauschen: So habt ihr Techno selten gehört

Wie macht man eigentlich Techno? Mit Gitarre, Bass und Schlagzeug? Ja! Das sagt sich zumindest eine Berliner Band und sticht damit heraus aus der gefühlt endlosen Zahl an Producer*innen aus der Hauptstadt. Komfortrauschen kreieren Techno mit echten Instrumenten und sorgt für eine ganz eigene Interpretation des Genres.

Laurenz (E-Gitarre), Phillip (E-Bass) und Tim (Drums) heißen die Musiker, die zusammen Jazz/Rock/Pop studiert haben. Vor zwölf Jahren kam die Idee, Techno auf Instrumenten zu spielen – und brachte kurz darauf die ersten Meilensteine mit sich.

Was mit Live-Jam-Sessions begann, ging mit Konzerten und ersten Festivals weiter. Es folgten Auftritte und Touren auf internationaler Ebene, unter anderem an der Seite der Vorreiter von MEUTE. Während einer pandemiebedingten Zwangspause nutzte das Trio die Zeit, sich der Weiterentwicklung ihres Sounds zu widmen. Es entstand eine neue Art Techno, die durch ihre Natürlichkeit hervorsticht. Sie ist neben der Live-Bühne und in den sozialen Netzwerken auch auf zahlreichen Singles, EPs und dem 2026 erscheinenden zweiten Album zu hören.

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Ein Abend Leichtigkeit: Stella Donnelly im Mikropol

Es ist ein typisch grauer Berliner Wintertag aus Regen, Kälte, Wind – und das, obwohl eigentlich schon Frühling sein sollte. Entsprechend drückend ist die Stimmung in der Stadt, dann kommt noch der allgemeine Zustand der Welt dazu und schon hat man dieses Gefühl von Schwere und Bedrückung, das sich über die Stadt und ihre Bewohner*innen legt. 

Kurzfristig befreit von diesem Gemütszustand wurden am Dienstag die Besucher*innen des Konzerts der australisch-walisischen Singer-Songwriterin Stella Donnelly. Sie und ihre beiden ebenfalls australischen Support Acts, Nikodimos und Jack Gaby sind im Rahmen von Donnellys Love and Fortune Tour – das gleichnamige Album erschien im November 2025 – für ein einziges Konzert nach Berlin gekommen und haben jede Menge gute Laune und Good Vibes dabei. 

Das kleine Mikropol am Nollendorfplatz füllt sich also nach und nach während Nikodimos und Jack Gaby spielen – noch ist das Berliner Feierabendpublikum etwas verschlafen, was sich allerdings schnell ändert, als Jack Gaby aus dem Nähkästchen plaudert und erzählt, wie er seinen Partner kennengelernt hat. Auch Stella Donnelly spricht gern mit ihrem Publikum, das merkt man, als sie wenige Minuten später auf die Bühne tritt. Und gerade live performt haben ihre Songs etwas ganz Persönliches und Erzählerisches. 

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AySay: Wenn Kopenhagen nach Anatolien klingt

Anatolischer Rock der 70er ist so eine Sache. Wer ihn kennt, liebt ihn meistens sofort. Diese Mischung aus Saz, treibenden Rhythmen und Stimmen, die klingen, als würden sie direkt aus dem Boden wachsen. Barış Manço, Selda Bağcan, Derya Yıldırım: Musik, die irgendwie zeitlos ist, weil sie nie versucht hat, irgendetwas zu sein außer sie selbst. Und dann kommen drei Leute aus Kopenhagen und machen daraus etwas, das man so noch nicht gehört hat.

AySay bestehen aus Luna Bülow Ersahin (Saz, Gesang), Aske Døssing Bendixen (Drums) und Carl West Hosbond (Gitarre), und ihr Sound ist im besten Sinne schwer zu fassen. Anatolische Folklore trifft auf kurdische Musiktradition, dänische Abgeklärtheit auf orientalische Wärme. Das klingt auf dem Papier nach viel, fühlt sich beim Hören aber sehr natürlich an.

Die Saz ist dabei kein folkloristisches Accessoire, sondern ein gleichberechtigtes Instrument, das den Songs Textur gibt. Lunas Stimme ist das Herzstück: Sie trägt die Songs mit Ruhe und Kraft. Aske und Carl halten das Ganze rhythmisch zusammen, ohne es zu erden, eher so, als würden sie den Songs Flügel verpassen.

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The Stamps: Indie-Pop von ziemlich besten Freundinnen

Die australische Band The Stamps leben einen Traum: Als beste Freundinnen schreiben sie Musik, nehmen Songs auch, gehen auf Europa-Tour. Grund genug, euch das Trio und ihre energetischen Indie-Pop-Songs näher vorzustellen.

The Stamps bestehen aus den 22-jährigen Freundinnen Scarlett, Sofia und Rubina. Kennengelernt haben sie sich während ihrer Highschool-Zeit in der Nähe von Perth, wo sie sich schnell zu einer Band formierten. Das erste Lied, das ich von ihnen gehört habe, war ein Cover von „She Bangs The Drums“ – einem Song der britischen Band The Stone Roses, der sofort zeigt, wie ein Song voller Charme und Harmonie mit Indie-Pop neu interpretiert werden kann. Der Song ist Teil ihrer gleichnamigen EP, auf dem sich unter anderem Cover von Nirvana oder Iggy Pop ganz im Stil der Stamps finden.

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Julia Effekt: Die letzte deutsche Welle

In Zeiten von Nostalgie-Marketing und Retro-Trends ist es gar nicht einfach, sich von den musikalischen Ikonen der letzten Jahrhunderte inspirieren zu lassen, ohne dabei wie eine wenig originelle Kopie der vergangenen Zeiten zu klingen. Doch eine Band, die genau nicht in diese Falle gefallen ist, ist die Wiener Band Julia Effekt.

Obwohl die Band ihr erstes und bis jetzt einziges Album NACHTPARKETT erst 2025 veröffentlicht hat, zeigt ihr Debüt schon in den elf Songs große klangliche Diversität. Die fünf Mitglieder von Julia Effekt (Ana-Maria Herzog, Jacob Raphael Dörr, Oscar Böhm, Maximilian Eberhart und Mues-Boeuf) haben sich durch einen Zufall zusammengefunden, und in ihrer Musik verbinden sie ihre unterschiedlichen musikalischen Schwerpunkte – das spürt man beim Hören des ganzen Albums. Die Band bezeichnet sich selbst in ihrer Spotify-Bio als „Die letzte deutsche Welle“, doch ihr Debüt erinnert an viele Künstler:innen aus verschiedenen Genres und Richtungen.

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MAIIJA: Gefühlvoller Widerstand

Gefühle zeigen – geht das überhaupt noch in 2026? MAIIJA antwortet auf diese Frage mit einem ganz klaren Ja! In ihren Songs dürfen Wehmut und Schwere genauso sein wie Geborgenheit und Leichtigkeit. Und anders als andere driftet sie dabei nicht in Kitsch ab.

Marilies Jagsch ist schon seit über zehn Jahren musikalisch in Wien unterwegs; bereits in ihren ersten Songs sticht vor allem ihr gefühlvoller Gesang hervor. Wenn man ihre Stimme hört, hat man das Gefühl, etwas ganz Empfindlichem, vielleicht sogar Zerbrechlichem zuzuhören. Dabei sind ihre Songs genauso wie ihre Ausstrahlung alles andere als schwach.

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Dorfterror: Drei Akkorde gegen den Faschismus

Das Dorf Oberbillig an der deutsch-luxemburgischen Grenze, irgendwo hinter Trier, klingt auf den ersten Blick nicht nach einem Ort, an dem die subkulturelle Szene groß vertreten ist. Es klingt nach Kirchplatz, Sitzbänken unter Bäumen, älteren Herrschaften und einer günstigen Dorfkneipe. Fakt ist aber: Hier sind vier junge Musiker*innen zusammengekommen, die aus der besonnenen Stille des Ortes volle Punk-Kreativität schöpfen. Seit 2018 pflügen sie mit klarer Haltung und ihrer Drei-Akkorde-Vollgas-Punk-Musik durch die Szene. Dorfterror nennen sie sich und repräsentieren die junge Generation Z, die viel zu sagen hat.

Powerchords, punkige Melodien, schnelle Drums mit peitschendem Bass – Dorfterror spiegeln in ihrem Sound den klassischen Deutsch-Punk wider. Dazu laute, teilweise grölende und rotzige Vocals, damit auch bloß keine Missverständnisse entstehen, was die Botschaften angeht.

Ihre Texte handeln von der ignorierten jungen Generation, von den privilegierten Eliten, die die Zukunft verbrennen, und von der anhaltenden Umweltzerstörung, die kommende Generationen ungebremst treffen wird – während die heutigen Entscheidungsträger sich weigern, Verantwortung für deren Zukunft zu übernehmen. Und klar, als Punkband verstecken sich Dorfterror nicht davor, den Rechtsextremismus anzuklagen. Hier treffen sie eine Art Krankheit, die sich im Land immer weiter verbreitet und bei der Menschenhass mittlerweile in sogenannten Volksparteien salonfähig gemacht wird.

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ORA BLU: Blaue Stunde in Songform

Manche Bands klingen, als hätten sie einen ganz eigenen Ort geschaffen, irgendwo zwischen dem letzten Licht des Tages und dem ersten Dunkel der Nacht. Einen Ort, an dem man kurz innehalten kann, bevor alles weiterläuft. ORA BLU aus Berlin sind so eine Band.

Seit ihrer Gründung 2016 haben Henrik (Schlagzeug/Produktion), Marlene (Gesang/Bass) und Kai (Gesang/Gitarre) einen Sound entwickelt, der sich nur schwer in eine Schublade stecken lässt, und das ist eindeutig Absicht. Funky Basslines, sphärische Gitarren, Vocals, die sich ineinander verschlingen: Wer ORA BLU hört, denkt vielleicht an Khruangbin oder Men I Trust, spürt aber schnell, dass da noch etwas anderes mitschwingt. Etwas Eigenes. Ihr Name ist Programm: Die „blaue Stunde“ ist dieser flüchtige Moment bei Sonnenauf- oder -untergang, in dem die Welt kurz so wirkt, als würde sie den Atem anhalten.

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